Politisch? Authentisch? Relevant? 55 Fragen rund um Elternblogs

Elternblogs Perlenmama 55 Fragen

Heute geht es mal wieder um Fragen & Antworten, aber um ein etwas spezielleres Thema als bei dern „1000 Fragen an mich selbst“. Regine vom Elternblog „Raise and Shine“ hat in ihrer Nachbearbeitung der Blogfamilia im Mai eine Liste von 55 Fragen rund um Elternblogs zusammengestellt. Ich fand diese Liste ziemlich toll und unglaublich interessant. Genau über diese Themen wollte ich sowieso mal reflektieren und so ein wenig besser verstehen, wohin ich mit diesem Blog überhaupt möchte. Daher nehme ich nun Regine’s Fragenkatalog zu Elternblogs zum Anlass, dies auch wirklich mal zu tun. Danke, Regine, für diesen Anstoß!

  1. Sind Elternblogs politisch? Ich denke nicht, dass alle Elternblogs politisch sind. Aber die meisten sind es. Die, die in ihrer persönlichen Nische laut werden und ihre Ansichten und Herausforderungen öffentlich machen. Und jeder Kommentar unter den Posts im Stil von „meine Güte, genau so geht es mir auch“ unterstreicht diese politische Relevanz, denn hier sieht man das Leben und die vielfältigen Herausforderungen der Familie von heute.
  2. Wenn ja, welcher deiner letzten Posts hatte politische Relevanz? Eigentlich alle Beiträge zum Thema „Alleinerziehend“ sind im Grunde politisch, da sie aufzeigen (sollen) wie Alleinerziehende in Deutschland leben.
  3. Muss jeder Elternblog politisch sein? Nein, auf gar keinen Fall. Jeder muss für sich entscheiden, was er mit dem kleinen Teil vom Internet macht, das er sein Eigen nennt. Ich persönlich lese aber viel lieber die Blogs, die politisch sind.
  4. Wie wichtig ist es dir persönlich, gesellschaftlichen Einfluss zu nehmen? Sehr. Ich glaube fest, dass man gesellschaftlich seinen Glückes Schmied ist und eine Pflicht hat, sich einzubringen und die Gesellschaft zu dem macht, was man von ihr braucht und möchte.
  5. Hast du jemals eine Kooperation im Nachhinein bereut? Ein paar. Teils weil die Zusammenarbeit am Ende furchtbar war, Vereinbarungen nicht eingehalten wurden, oder auch weil das Produkt einfach Driss war (das habe ich dann zurück geschickt).
  6. Welches Unternehmen wäre dein Traumpartner für eine Kooperation? Ich habe mal mit Familotel zusammen gearbeitet, das war schon ziemlich toll. Generell würde ich mich sehr freuen, mehr Kooperationen zum Thema „Reisen mit Kind“ zu bekommen.
  7. Liest du selbst gerne Werbung auf Blogs? Das tue ich tatsächlich. Einerseits aus Interesse als Blogger (wie hat sie/er das nun umgesetzt?) und andererseits wenn ich eine Anschaffung plane. Da haben meine Suchanfragen für Erfahrungsberichte mittlerweile immer das Wort „Blog“ am Ende.
  8. Was macht deinen Blog besonders? Für die einen ist es „nur ein weiterer Mamablog“. Das macht mich manchmal traurig, denn ich finde er ist genau so einzigartig wie wir als Familie. Ich verfasse viele Artikel zu Beobachtungen und Gedanken, die ich so im Alltag mache. So ist einer meiner Themenschwerpunkte neben dem Mama-Sein und den Kids eben auch gesellschaftliche Themen. So habe ich kürzlich über „whataboutism“ in öffentlichen Debatten geschrieben, oder über 10 Wege, wie man seiner alleinerziehenden Freundin helfen kann.
  9. Was kannst du besonders gut? Ich denke wirklich, dass es das Schreiben ist. Ich mache es gern und es geht mir leicht von der Hand.
  10. Wem würdest du gerne entfolgen, traust dich aber nicht? Da gibt es leider einige. Es ist aber nicht unbedingt das „nicht trauen“, sondern der Wunsch „sie im Auge zu behalten“.
  11. Würdest du im Nachhinein sagen, dass du deinen Blog naiv angegangen bist? Absolut. Ich hatte eigentlich keine Ahnung, was daraus entstehen könnte und dass dahinter ein ganz eigener kleiner Kosmos steckt. Ich hatte weder einen Plan, noch ein Konzept. Es sollte auch keine Einnahmequelle sein, lediglich ein Outlet für meine Gedanken und eine Art „Erinnerungsalbum“.
  12. Rezepte, Mode und Schminktipps – darf man als emanzipierte Frau über diese Themen bloggen? Als emanzipierte Frau darf man alles, also klar, why not?
  13. Und überhaupt: Vermitteln wir ein einseitiges Frauenbild, wenn wir als Mütter rund ums Muttersein bloggen? Das absolute Gegenteil. Durch die verschiedenen Blogs sieht man doch erst, wie vielfältig das „Muttersein“ ist und wie unterschiedlich es in den verschiedenen Familien gelebt wird.
  14. Denkst du manchmal abschätzig über Kollegen und Kolleginnen? Ich muss sagen, dass ich mich schwer tu wenn man bei einem Blog sieht, dass er einzig und allein für Kooperationen ins Leben gerufen wurde und kein anderer Content zu finden ist als Testberichte.
  15. Was denkt dein Partner über deinen Blog? Kein Partner, keine Meinung.
  16. Wer unterstützt dich beim bloggen? Ich habe ein paar Freunde, die mein Blog regelmäßig lesen und mir Feedback geben. Außerdem habe ich durch das Bloggen viele tolle Kolleginnen kennengelernt, da unterstützen wir uns auch gegenseitig.
  17. Welche Unterstützung würdest du dir wünschen? Ich bräuchte dringend jemanden, der schöne Fotos von mir macht. Manchmal ist es schwierig, schöne Produktfotos beim Gebrauch der Produkte zu bekommen, wenn ich diese selbst machen muss.
  18. Welche Themen kommen in Elternblogs zu kurz? Unzulänglichkeiten.
  19. Warum greifst du diese Themen nicht auf? (Oder tust du das?) Ich würde behaupten, dass ich doch gern mal unperfekte Situationen beschreibe. Aber vielleicht tu ich das auch eher auf Twitter und lasse den Blog lieber etwas poliert und hübsch gefiltert. Muss ich mal drauf achten.
  20. Hast du schon einmal jemanden getroffen, den du im Netz toll fandest und persönlich unsympathisch? Ja, das kommt leider auch manchmal vor.
  21. Oder umgekehrt? Auch das passiert. ich werde hier jedoch keine Namen nennen, ich möchte keinen bloßstellen.
  22. Bist du manchmal neidisch auf den Erfolg anderer Blogger? Nein, Neid kann man das nicht nennen. Ich weiß ja wie viel Arbeit dahinter steckt und ich freue mich ehrlich, wenn andere für ihre harte Arbeit Früchte ernten. Natürlich find ich es bei manchen Koops oder Events schade, wenn ich nicht eingeladen werde oder eine Chance bekomme, aber das projiziere ich nicht auf die, die mehr Erfolg hatten.
  23. Sind Blogaufrufe ein Indikator für Qualität und Kreativität von Blogs? Nicht ausschließlich, aber auch. Aber eher für ersteres, es gibt nämlich auch unglaublich kreative Blogs, die nicht unbedingt die breite Masse ansprechen. Manche sind eben auch einfach sehr gut in den technischen Details und bringen so ihren Blog zahlentechnisch nach vorne (was nicht bedeutet, dass es hier die besseren texte gibt als auf „kleineren“ Blogs).
  24. Wirst du manchmal für deinen Blog belächelt? Ständig. Manchmal nervt es, aber oft belächel ich einfach zurück, weil das Gegenüber schlichtweg keine Ahnung hat.
  25. Wenn ja: Offen oder hinter deinem Rücken? Nur wenige trauen sich, offene Fragen zu stellen. Die meisten haben gewisse Vorurteile, trauen sich aber nicht diese auszusprechen und somit kann ich sie leider auch nicht negieren.
  26. Jetzt mal ganz ehrlich: Bist du immer authentisch? Es ist zwar ein Anspruch an mich selbst, aber nein, da ist schon alles ganz gut gefiltert. Das eine mehr, das andere weniger, aber ich finde, das ist total normal. Keiner will ein Blog lesen, auf dem alles lieblos hingerotzt ist. Das ist dann zwar voll authentisch und so, aber eben auch nicht mehr schön.
  27. Geht das überhaupt? ich behaupte: Nein.
  28. Und wollen deine Leser das? Ich denke, die Leser wollen ein Zwischending. Sie wollen einen hübschen, ansehnlichen Blog mit hübschen Fotos und Geschichten, aber sie wollen genug Authentizität, dass sie sich mit einem als Blogger identifizieren können. Der Mix macht’s.
  29. Was muss passieren, damit du aufhörst zu bloggen? Wenn es nicht mehr zu uns passt, dann höre ich auf.
  30. Gibt es Posts, die du im Nachhinein bereust? Nein, sonst hätte ich sie gelöscht.
  31. Was fehlt der Eltern-Blogger-Szene? Das Verständnis von Außen, wieviel Arbeit es im Hintergrund ist und auch das Verständnis, dass man eben auch Dinge hat, die man nicht teilt und das man viel mehr ist, als das was man so preis gibt.
  32. Networking ist alles – bist du dabei aktiv genug? Ich tu mein Bestes, krieche aber nicht in jeden Arsch, der „wichtig“ ist.
  33. Vernetzt du dich gerne mit anderen Bloggern oder tust du es, weil es einfach dazu gehört? Ich mache das sehr gerne und habe dadurch auch einige Freundinnen gewonnen, die mir sehr wichtig sind.
  34. Welche Ziele verfolgst du mit deinem Blog? Eigentlich keine konkreten. Ich möchte mich natürlich weiter etablieren und relevant sein.
  35. Wird es deinen Blog in drei Jahren noch geben? Ich hoffe schon.
  36. Und in zehn Jahren? Auch das hoffe ich.
  37. Was kommt nach dem Blog? Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht.
  38. Glaubst du, dass Blogs langfristig eine Zukunft haben? Ja, da sie einfach persönlicher und vielfältiger sind als Journalismus und die Menschen sie gerne lesen, da sie sich mit ihnen identifizieren können. Es wird immer Wellen geben, in denen viele neue Blogs aus der Erde sprießen, aber nicht alle von ihnen werden langfristig dabei bleiben und sich etablieren können.
  39. Würdest du gerne aus einer Social Media Plattform (Instagram, Facebook und Co.) aussteigen? Facebook. Es nervt mich mittlerweile sehr und es macht auch einfach keinen Spaß mehr.
  40. Was hält dich davon ab? Es gehört einfach dazu und die Gruppen in denen ich bin sind trotzdem noch ein Mehrwert.
  41. Realität oder Inszenierung – Was möchtest du auf Instagram sehen? Ein Mix aus Beidem. Ästhetik ist ein wichtiger Faktor auf Instagram, aber wenn es zu poliert wirkt, dann wird es auch irgendwann langweilig oder baut einen zu großen Druck auf.
  42. Wie lange noch, bis der nächste „heiße Scheiß“ Insta und Pinterest ablösen wird? Keine Ahnung. Pinterest dreht ja jetzt erst so richtig auf in Deutschland, ich bin gespannt was danach kommt. Zur Zeit ist es ja anscheinend ein Trend als Bloggergruppe eine Agentur zu gründen, vielleicht ist das „der neue Weg“?
  43. Würdest du dich über eine neue Social Media Plattform freuen? Kommt drauf an, sie müsste auf jeden Fall einen Mehrwert zu den bestehenden Plattformen bieten, da es sonst einfach nur mehr Arbeit bedeuten würde.
  44. Oder hättest du Angst davor? Nein, Angst habe ich keine, ich bin immer offen für Neues.
  45. Warum hast du mit dem Bloggen angefangen? Ich brauchte ein Outlet für meine Gedanken und wollte gern Erinnerungen für später aufbewahren.
  46. Bist du stolz auf das, was du tust? Ja, doch. Ich hätte nie gedacht, dass das mit dem Blog mal so wird wie es geworden ist und ich kann es manchmal gar nicht fassen. Das erfüllt mich schon mit Stolz, besonders wenn ich tolles Feedback bekomme oder jemand sagt „du schreibst mir aus dem Herzen“.
  47. Machst du dir manchmal Sorgen um deine Daten und um die deiner Familie? Selten. Ich zeige keine Bilder von meinen Kindern, das gibt mir ein großes Stück Sicherheit.
  48. Welcher Kollege / welche Kollegin fasziniert dich (als Blogger und als Mensch)? Auf jeden Fall Jennifer von Planning Mathilda und Hanna von SolomamaPlusEins. Aber auch die Wellenmacherin par Excellence Christine Finke von Mama Arbeitet (ihr wollt einen politischen Elternblog sehen? Das ist einer!).
  49. In welchem Bereich würdest du dich gerne weiterbilden? Content Marketing und Fotografie.
  50. Was würdest du gerne an deinem Blog verändern? Zur Zeit bin ich sehr zufrieden, das neue Layout und das Logo gefallen mir sehr.
  51. Hast du Texte im Entwurfsordner, für deren Veröffentlichung dir der Mut fehlt? Zur Zeit nicht.
  52. Liest du Blogs aus persönlichem Interesse oder aus strategischen Gründen? Aus persönlichem Interesse.
  53. Welche Elternblog hast du selbst als erstes gelesen? nullpunktzwo, Mama Mia und BerlinMitteMom
  54. Liest du diesen Blog auch heute noch? Absolut, sehr gern.
  55. Oder gibt es ihn vielleicht gar nicht mehr? Doch, Susanne ist auch zu einer guten Freundin und Kollegin geworden und auch Halima treffe ich immer mal wieder auf verschiedenen Events.

Ok, das war wirklich sehr interessant und gibt auch vielleicht euch als Leser auch etwas Einblick in das, was hinter dem Blog (und Elternblogs generell) so passiert, im Kopf und am PC. Denn klar, natürlich möchte ich mich nicht für den Blog verbiegen und euch hier etwas erzählen, was nicht stimmt. Aber andererseits müsst ihr verstehen, dass die Dinge hier natürlich auch den ein oder anderen Filter haben und ich auch sehr gewissenhaft auswähle, was ich von uns hier so öffentlich präsentiere und dass da noch ganz viel im Hintergrund passiert, was nicht auf dem Blog thematisiert wird. Das geht leider manchmal unter. Ich denke schon, dass ihr mich als Leser meines Blogs ganz gut kennt, aber eben nicht alles von mir/uns und das ist auch okay so.

Manchmal bekomme ich Nachrichten oder Kommentare von Menschen, die meinen sie wüssten durch den Blog alles von mir und würden daher auch genau wissen wer und was ich alles bin. Bitte seid euch bewusst, dass dies nicht so ist und dass ich euch dahingehend nicht anlüge, aber eben auch für mich/uns abwägen muss, was nun in die Öffentlichkeit gehört und was nicht (manches eben nie, manches eher zeitversetzt). Ich finde es manchmal etwas befremdlich, wenn dies als „nicht-authentisch“ abgestempelt wird und Bloggern zum Vorwurf gemacht wird. Denn ich finde, dass dies etwas ganz normales ist und auch einem Leser von Elternblogs (und Blogs generell) bewusst sein sollte.

Wie seht ihr das? Was sind eure Ansprüche an Elternblogs? Würde mich wirklich interessieren.

Habt ihr einen Elternblog und wollt mitmachen? Dann beteiligt euch doch auch bei Raise and Shine.

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4 Comments

  • Reply
    Anne
    7. Juni 2018 at 09:02

    Hi liebe Janina,

    Ich lese ja immer wieder gern bei dir rein und freue mich tierisch, dass du noch bei den 1000 Fragen dabei bist. Ich weiß, welche Herausforderung es ist da am Ball zu bleiben.

    Ich hoffe inständig, dass du nicht mich bei Frage 10 im Hinterkopf hattest. Oder ich noch nicht deine Aufmerksamkeit als Bloggerin erhielt… aber egal. Deswegen schreibe ich dir hier nicht.

    Ich wollte fragen, ob du die 55 Fragen hier gepostet hast und im Grunde damit eine Blogparade startest. Denn ich finde sie interessant und würde nur zu gern mitmachen. Ich glaube, dass wir selbst uns damit als Blogger etwas besser kennenlernen und auch Gedanken machen was denn da immer alles im Blog veröffentlicht wird.

    Liebe Grüße
    Anne

    • Reply
      perlenmama
      7. Juni 2018 at 10:13

      Liebe Anne, die Fragen kommen von Regine von Raise and Shine (auch im Beitrag verlinkt), da kann man mitmachen. Bin gespannt wie du sie beantwortest. Und nein, du bist nicht gemeint mit 10… 😉

  • Reply
    Susanne Null. Zwo
    7. Juni 2018 at 20:43

    Ich wusste gar nicht, dass ich einer Deiner ersten Blogs zum Lesen war! ❤

    Dass man nicht alles preis gibt auf dem Blog und dass man auch ganz anders ist/ sein kann, das merkt man ganz schnell bei persönlichen Treffen. Allerdings sind die ja eher unter Bloggerkollegen und sonst ist es halt ein bisschen wie bei einer Serie, die man schaut. Man glaubt jemanden zu kennen, aber nur aufgrund der Ausschnitte.

    Mir fällt es umgekehrt manchmal schwer, gewisse Dinge nicht als bekannt vorauszusetzen, weil ich doch kürzlich darüber schrieb. Aber nicht jeder liest es ja auch ^^

  • Reply
    Regine
    7. Juni 2018 at 21:45

    Ich freue mich, dass du meine Fragen beantwortet hast. Es ist unglaublich spannend zu lesen, wie Kollegen und Kolleginnen so denken. Und fast alle sagen, dass sie ganz naiv mit diesem Blog-Ding angefangen haben. Ich auch. Ich habe wirklich unterschätzt, was da alles dran hängt.

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