Meine Geburt ohne Hebamme – Aufruf zur Blogparade #OhneHebamme

Als meine Hebamme letzte Woche zum Nachsorge Termin kam merkte ich gleich, dass etwas nicht stimmte. Die sonst so positive und Energie-geladene Frau, die ich bisher erleben durfte, sah besorgt und gestresst aus. Als ich frug was denn los sei erzählte sie, dass derzeit im Raum stünde, dass die Krankenkassen die Geburtsbegleitung durch Beleghebammen abschaffen wollen. Dies wäre einerseits eine Katastrophe für sie und ihre Kolleginnen und andererseits aber auch für all die Schwangeren und Gebärenden. Wie würde die Geburtsbegleitung dann aussehen? Wie hätte wohl die Miniperlen-Geburt ohne die Betreuung durch meine vertraute Hebamme ausgesehen?

Diese Fragen verfolgten mich auch nachdem sie wieder weg war. Ich recherchierte etwas und stellte mit Erschrecken fest, dass die Krankenkassen dies wirklich ernst meinen. Einen Artikel des Deutschen Hebammenverbands (DHV) findet ihr hier. Sie bezeichnen die Geburtsbegleitung durch eine Beleghebamme sogar als Luxus (hier ein toller Artikel dazu von Edition F). Aber wie können sie das? Was passiert mit den ängstlichen, mit den traumatisierten Frauen? Was passiert mit den Geburtserlebnissen? Würden nun noch mehr Geburten im Kaiserschnitt enden?

Ich weiß von einer befreundeten Hebamme, dass es wirklich anstrengend ist als angestellte Hebamme in einer Klinik zu arbeiten und dies nur noch sehr wenig mit dem eigentlichen Berufsstand der Hebamme zu tun hat. Auch „meine“ Hebamme erklärte, dass sie niemals wieder als angestellte Hebamme in einer Klinik arbeiten wolle. Nach den Erzählungen beider kann ich dies auch absolut nachvollziehen. Aber können Hebammen nur mit dem Angebot von Vor- und Nachsorge überleben? „Sehr sehr knapp, wenn überhaupt“ erklärte sie dann.

Aber wie kann es sein, dass die Geburtsbegleitung immer mehr eingeschränkt wird? Hebammen wird es ja nun schon seit Jahren immer schwerer gemacht, in manchen Landstrichen ist es gänzlich unmöglich noch eine Hebamme zu finden. Meine beste Freundin wohnt in einer großen deutschen Stadt und ihr wurde vom Anfang der Schwangerschaft an gesagt, dass es fast unmöglich sei eine geburtsbegleitende Hebamme zu finden. In jener Stadt gäbe es lediglich noch zwei Hebammen, die dies anbieten würden. Das ist doch Wahnsinn. Liegt es daran, dass diese Entscheidungen nachwievor von Männern getroffen werden? Ist es weil wir Frauen nicht laut genug für unsere Freiheit der selbstbestimmten Geburt einstehen?

Wenn dies der Grund ist, dann möchte ich dem entgegen wirken. Und zwar mit einer Blogparade. Ich möchte Mütter zu einem Gedankenexperiment einladen. Stellt euch vor wie eure Geburt OHNE Hebamme gewesen wäre? Was wäre anders gelaufen? Wie hättet ihr euch gefühlt? Was hätte euch gefehlt? Hättet ihr dann vielleicht woanders oder auf eine andere Art und Weise entbunden? Ja, es bedarf etwas Phantasie, aber damit dies nicht bald Realität für viele andere Frauen wird, sollten wir JETZT laut werden. Natüüüürlich würden wir auch gern von Vätern hören, die beschreiben wie sie die Geburt ihrer Kinder wohl ohne Hebamme erlebt hätten. Was hätte euch gefehlt, wie hättet ihr euch gefühlt, was wäre wohl anders gewesen?

Die harten Fakten zur Parade:

  • Schreibt einen Beitrag zum Thema „Meine Geburt ohne Hebamme, so wäre es gewesen“. Verlinkt diesen Beitrag zu diesem hier, ich werde den Link dann hinzufügen und auch teilen.
  • Solltet ihr keinen Blog haben, schreibt gern eure Geschichte auf und schickt sie mir, gern mit Bild und kurzer Vorstellung, dann veröffentliche ich eure Story hier als Gastartikel. Bitte schickt auch 1-2 Bilder mit, für die ihr die Rechte besitzt.
  • Wollt ihr anonym teilnehmen, dann geht das natürlich auch als „Gastartikel“-Option
  • Der Hashtag zur Aktion ist #OhneHebamme und darf gern viel genutzt werden.
  • Die Parade läuft bis zum 1.5.2017 und wenn genug Leute mitmachen, dann schreibe ich auch noch eine Auswertung.
  • Bei Fragen, kommentiert einfach oder schreibt mir eine Email an die.perlenmama.blogÄTgmail.com
  • Teilt gerne diesen Beitrag und motiviert andere Frauen aktiv zu werden.
  • Wer darüber hinaus aktiv werden möchte, sollte sich einmal den Verein Mother Hood E.v. anschauen, dort kann man sich auf vielen weiteren Wegen für eine sichere Geburtsbegleitung für alle einsetzen.

Lasst uns für die Frauen einstehen und stark machen, die uns bei unseren Geburten begleitet haben und die uns in unseren angreifbarsten Momenten gestärkt haben. Und lasst uns den Berufsstand Hebamme für uns selbst und alle anderen Frauen schützen und bewahren. Diese Frauen sind ein großer Teil unserer Freiheit zu und unseres Rechts auf eine selbstbestimmte Geburt.

Nachtrag: Wie mir gesagt wurde lief eine ähnliche Blogparade im Jahre 2014 schon einmal bei Liebling ich blogge jetzt. Schade, dass dieses Thema noch immer so aktuell ist.

48 thoughts on “Meine Geburt ohne Hebamme – Aufruf zur Blogparade #OhneHebamme

  1. Bisher habe ich nur still mitgelesen aber jetzt muss ich doch mal was schreiben.
    Wenn das stimmt, was du schreibst, ist das sehr traurig und ein großer Rückschritt für unser gesundheitssystem. Nach der Geburt von unserem jungen letztes Jahr war mein Wunsch gleich für die nächste ( wir wissen noch nicht wann) eine Beleghebamme zu finden. Nach einer Geburt die nach außen hin ganz ’normal‘ aussah aber für mich schlimm war. Aber die Zeit danach auf der Neugeborenen-Station mit vielen änngsten, schmerzen von der Geburt und still-Problemen ohne Ansprechpartner für mich und einer Hebamme die bei einer brustentzündung ernsthaft als allererstes fragt ob ich zu ihr kommen kann erschreckte mich sehr.
    Leider habe ich keinen Blog oder bin auch nicht bei Twitter, Instagram oder Facebook. Gibt es denn noch andere Möglichkeiten die Hebammen Arbeit zu unterstützen? Ich finde die ist für jede gebärende Frau unersetzlich und darüber sollten nun wirklich nicht Männer entscheiden, die haben doch ganz ehrlich keine Ahnung wie wichtig Hebammen für uns Frauen sind!! Und damit auch für die Männer, aber so weit denken diese weltfremden Menschen in der Politik und den Krankenkassen ja leider nicht.
    Also ich wäre froh wenn es auch andere effektive Wege gibt die Hebammenarbeit zu unterstützen. Ich wäre dabei 😉

  2. Ein so wichtiges Thema! Toll, dass du mit deiner Blogparade auf diese Problematik aufmerksam machst!
    #positiveGeburtskultur – und dazu gehört selbstverständlich #MeineHebamme!!!

    Liebe Grüße
    Mother Birth

  3. Hey, danke für diesen Beitrag. Meine Mutter ist Hebamme- steht aber kurz vor der Rente und jetzt möchte ich schon sagen- das ist gut so, denn auch sie muss extrem hohe Beiträge für die Versicherungen zahlen um als Freiberufliche überhaupt Beleggeburten leisten zu können. Die Situationen in den Krankenhäusern spitzen sich zu. Man kann schon davon sprechen, dass Hebammen abgeschafft werden sollen. Ich verfolge die Situation schon länger und bin geschockt.
    Vor einiger Zeit fand diese Aktion statt: https://shadownlight.de/lebensnah/elternprotest-kein-weg-zu-weit-eltern-radeln-nach-berlin-zur-hebammen-demo.html
    leider war das Thema damals noch nicht so präsent wie es scheint.
    Was können wir nun tun um unsere Hebammen zu retten? Proteste fanden statt, Aktionen fanden statt, Briefe wurden geschrieben, Petitionen durchgeführt- aber es ist noch zu wenig, deshalb finde ich es super, dass du das du das Thema aufgreifst.
    Liebe Grüße!

  4. Sehr wichtiges Thema, unbedingt, aber ich war bei der Geburt meines Sohnes auch letztes Jahr schon auf mich alleine gestellt. In der Klinik. Die Hebamme und Assistenzärztin waren in der Nacht bereits mit zwei anderen Geburten voll beschäftigt und mein Mann und ich hätten ihn beinah auf dem Stationszimmer oder wahlweise auch auf dem Gang auf die Welt gebracht. Als die Presswehen einsetzten hat sich dann doch mal jemand um mich gekümmert.
    Wirklich kein schönes Erlebnis, wenn das die Zukunft sein soll gibt es nur noch Einzelkinder..

  5. Liebe Perlenmama,

    auch wenn nun schon einige Woche vergangen sind: Herzlichen Glückwunsch zur Miniperle!

    Ich habe zum Thema Beleghebammen am 9. März einen Hintergrundbeitrag verfasst.
    https://aberwehe.wordpress.com/2017/03/09/rette-sich-wer-kann/

    Wer sich tiefer einlesen möchte, welche Hürden schwangere Frauen heute meistern müssen, der darf gern auf meinem Blog stöbern. Da gibt es viele Zusatzinfos.

    Herzliche Grüße und viel Erfolg bei der Blogparade. Die bewerbe ich gern!

    LG, Silke von Elternstimme sichere Geburt

  6. So ein wichtiges Thema!
    Wäre es nicht eine Idee von den Verfassern gleichzeitig positive Erlebnisse unter dem #meineGeburtMITHebamme zu sammeln?
    Erst in der Gegenüberstellung können evtl auch jene etwas vorstellen, die noch nicht entbunden haben.
    Die Menschen, die es noch betreffen wird.

  7. Hallo ihr Lieben, ich bin selber Hebamme und arbeite mittlerweile nur noch in meiner Praxis und mache Vorsorgen, Nachsorgen und Kurse. Durch die hohen Kosten kann ich mir es nicht mehr leisten, Geburten zu begleiten, obwohl ich das immer so besonders und wunderschön fand. Ich selber habe vier Kinder bekommen… mit vier wunderbaren Hebammen, ohne die ich in vielen Situationen die Nerven verloren, den Kopf in den Sand oder mir die Haare gerauft hätte. Sie waren immer für Fragen da, haben mich beruhigt, aufgebaut, sich mit mir gefreut und gelacht und hatten gaannzz viel Zeit für mich!!! Und das ist so wertvoll!! Ich will mir nicht vorstellen, wie kühl medizinisch meine Versorgung ausgesehen hätte, wenn ich nur auf den Frauenarzt angewiesen gewesen wäre. Eine Hebamme ist so viel mehr, als eine kompetente Fachfrau und das Herz und die Zeit spielen da einfach eine große Rolle.
    Also ein herzliches Dankeschön an dich für deinen Einsatz… von mir zweimal. Als Hebamme und als Mama und Frau.
    Herzlichste Grüße, Sabine

  8. In Nürnberg gibt es keine einzige Beleghebamme. Ich und mein Mann waren in der Klinik 10 Stunden mit einem eingeleiteten Wehensturm alleine in einer Art Abstellkammer. Nicht einmal die Bitte einen Ball zu bekommen wurde erfüllt. Beim nächsten Kind weiß ich ehrlich gesagt nicht wie ich da in die Geburt gehen werde mit einer so schlimmen Erfahrung im Nacken. Meine Geburt lief also bereits real ohne Hebamme.

  9. Hallo ihr lieben,

    Ohne Hebamme wäre meine Geburt ein Desaster geworden. Mit Hebamme war es eine Bilderbuchentbindung . Ich denke heute noch in tiefster Dankbarkeit an meine liebe Ulrike.
    Wir wurden vor der Entbindung mit vollem Verständnis,für alle Sonderwünsche die wir hatten, betreut. Immer eine Antwort auf all die Fragen die wir hatten. Alles wurde möglich gemacht,was wir uns vorstellten. Mir wurde so viel Angst genommen. Ich wurde aufgebaut wenn ich den Mut verloren hatte. Unter der Entbindung war meine Hebamme eine Stütze,eine Mutmacherin, eine Vertraute ja fast wie eine Freundin. Und in der Nachsorge war sie stes zur Stelle. Immer erreichbar, wenn wieder fragen auftauchten und auch hier hat sie uns Mut gemacht und gut zu geredet und unendlich viel Vertrauen in uns selbst geschenkt.
    Und all das zusammen ist unbezahlbar. Hebammen sind so wichtige Menschen ohne sie würden Kinder wohl in Angst Hektik und Stress geboren werden. Und wie wird dann die Welt aussehen- wenn schon der Start ins Leben schon stressig und hektisch ist?

    Diana

  10. Hallo liebe Perlenmama,

    ich hatte schon über meine FB-Seite geschrieben, dass ich mich gerne an dieser Blogparade beteilige. Ich hatte bis jetzt bei allen meinen vier Geburten eine Hebamme mit dabei, nur eine davon war eine Beleghebamme. Deshalb habe ich meinen Beitrag etwas anders aufgezogen. Hebammen/Geburtsbegleitung finde ich extrem wichtig während, davor und besonders auch nach der Geburt.

    https://lunasonne.wordpress.com/2017/03/27/nicht-ohne-eine-hebamme/

  11. Ist das ein tolles Thema. Leider ging es am mir irgendwie vorbei . das liegt aber nicht an dir oder der Parade, sondern vielmehr, dass ich aktuell kaum im Internet unterwegs bin. Einen Beitrag von Hebammenblog habe ich gelesen und diese lies mich nicht mehr los. So musste ich meine Gedanken dazu verbloggen. Es ist jetzt nicht dein Theme/oder dasder Blogparade aber es ist #ohnehebammengehtesnicht. http://wheelymum.com/meine-hebamme/ Ich verlinke gerne noch zu der Parade, dass viele auf das Thema aufmerksam machen. Einen weiteren Text schaffe ich aktuell leider nicht – so gerne ich das auch würde.

    Liebe Grüße

  12. Auch ich habe keinen Blog und ich kann schon leider nur noch von meiner „Geburt“ ohne Hebamme berichten. Da ich traumatisiert bin, war ich nie eine Kandidatin für eine Krankenhausgeburt, in der Region, in die ich während der Schwangerschaft gezogen bin, gab es aber schon keine Alzernative mehr für mich. Kein Geburtshaus, genau eine Hebamme, die Hausgeburten macht, aber keine Klinik, die bereit ist, mit Beleghebammen zu arbeiten und keine Klinik, die Hausgeburten nicht vehement ablehnt und Frauen bei einer eventuellen Notfallverlegung dann nicht entsprechend brutal behandeln würde. Ich versuchte also, meine Krankenhausgeburt so gut wie möglich vorzubereiten. Versuchte, meine Wünsche für die Geburt und meine Ängste frühzeitig anzusprechen, wurde aber wie erwartet abgebügelt. Dass gerade die Geburt des ersten Kindes das wichtigste Schwellenritual im Leben einer Frau ist und mit entsprechendem Respekt behandelt gehört, ist im Klinikalltag natürlich ein besonders absurder Anspruch. Es kam wie es kommen musste – ich wurde als „schwierige Patientin“ eingestuft und gleich für eine Sectio angesetzt. Man ging davon aus, dass bei meiner „Einstellung“ eine zuverwartend nicht ganz unkomplizierte Geburt ohnehin im Schnitt enden würde. Merke: es ist die alleinige Verantwortung der Gebärenden, mit der „richtigen Einstellung“ zur Geburt anzutreten und nicht etwa Aufgabe der geburtsbegleitenden Helfer, einen Raum zu schaffen, in dem auch traumatisierte Frauen sicher und in Würde gebären können. Da wir zu dem Zeitpunkt die andere Klinik in der Gegend für uns schon ausgeschlossen hatten, blieb mir nur noch die Wahl, zu flüchten und mein Kind alleine zu Hause zu bekommen. Ich tat, was ich als Überlebensstrategie gelernt hatte und dissoziierte. Die Geburt meines einzigen lebenden Kindes, die einzige Geburt, die ich je erleben werde, fand ohne mich statt. Ich war völlig überflüssig, nur ein Gefäß, ein Stück Fleisch auf dem Fließband. Auch heute, fast vier Monate später, habe ich noch nicht begriffen, dass ich Mutter bin, dass das Kind, was uns irgendwann von hinter dem Vorhang gereicht wurde, meines ist. Es ist die Hölle. Hebammen spielten bei meiner OP und in dem Prozess keine Rolle, sie waren lediglich Erfüllungsgehilfinnen der Ärzte. Varianten dieser Erfahrungen blühen unseren Schwestern und Töchtern wenn wir nicht jetzt aktiv werden und laut.

  13. Erst sterben die Hebammen (aus) , dann die Bienen, dann der Mensch !!!
    Ich hätte sicher KEINE 3 Kinder ohne Hebamme, höchstens mein erstes ,dann traumatisiertes und wäre selbst traumatisiert.
    Hebammen sind Mutmacher, Sicherheitsgeber ,Angstnehmer und unverzichtbar!!!
    Eine Entbindung OHNE ARZT GEHT , ABER NICHT OHNE HEBAMME !!!

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