Damals und Heute – Ein Interview mit einer Mutter von erwachsenen Kindern

Manchmal erwische ich mich dabei, wie ich überlege, was ich der frischgebackenen Mutter, die ich vor 6 Jahren war. gern sagen möchte. Oder der Schwangeren, die ich vor 7 Jahren war. Könnte ich ihr Mut machen? Oder würde ich sie warnen? Was würde ich ihr erzählen? Was würde ich ihr raten? Fragt ihr euch das auch manchmal? Habt ihr darauf eine Antwort? Ich habe mich mal mit Manine (ihr kennt sie vielleicht schon von dem ein oder anderen Artikel auf dem Blog), einer Mutter von 3 schon erwachsenen Kindern, zusammengesetzt und sie mit ein paar meiner Fragen gelöchert.
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Perlenmama: Hallo! Möchtest du dich kurz vorstellen und sagen wie alt du bist, wie alt deine Kinder sind und wie alt du warst, als sie geboren wurden?
Manine: Mein Name ist Manine, ich bin 58 Jahre alt und seid 30 Jahren verheiratet  Mein Mann und ich haben drei Kinder im Alter von 33, 27 und 23 Jahren. Mein erstes Kind habe ich mit 25, das zweite mit 31 und das dritte Kind mit 35 Jahren bekommen.
Perlenmama: Mit welchem Gefühl erinnerst du dich an die allererste Zeit als Mutter?
Manine: Ich weiß noch ziemlich genau, dass mich meine erst Schwangerschaft total glücklich gemacht hat und ich es kaum erwarten  konnte, endlich Mutter zu sein. Ich habe mir genau vorstellen können, wie ich es als Mutter machen möchte und wie es sein wird. Habe darüber gelesen und einen Vorbereitungskurs besucht. Ich wollte eine gute Mutter werden und möglichst alles richtig machen. Die Geburt verlief auch reibungslos und somit nahm ich meine Euphorie mit in die ersten Tage. Schon am dritten Tag bekam ich zu spüren, dass mein Körper anders reagiert und ich erst mal nichts steuern kann. Die Milch wollte nicht fließen und ich musste abpumpen um Milch zu sammeln. Dann waren die Bilirubinwerte meines Sohnes zu hoch und man nahm ihn mir direkt wieder ab und legte ihn in ein Lichtbetttchen. Die darauffolgenden 24 Stunden habe ich dann nur noch geheult.
In den ersten Lebensmonaten meines Sohnes erinnere mich an eine zwar durch Schlafmangel anstrengende, aber auch schöne und glückliche Phase.
Perlenmama: Was fandest du die größte Umstellung/Veränderung im Leben, Mutter von ein, zwei oder drei Kindern sein?
Manine: Auf jeden Fall, Mutter des ersten Kindes zu werden. Danach wusste ich ja, wie es lief und habe mich immer gut darauf einstellen können. Es gab da eigentlich keine größeren Probleme mit der Umstellung.
Perlenmama: Welche Phase der Kindheit empfandest du am Schönsten? Und welche als die größte Herausforderung? War dies bei allen drei Kindern gleich?
Manine: Jede Phase hat ihre schönen, aber auch anstrengenden Seiten. Wenn die Kinder noch klein sind, kann man sie besser leiten und ihnen die Dinge nach den eigenen Wertvorstellungen mitgeben. Je älter sie werden und je größer der Einfluss von außen ist, desto schwieriger wird es sich als Eltern mit dem gewohnten Standpunkt durchzusetzen, warum man dieses oder jenes nun jetzt halt so handhabt und nicht anders. Es wird viel mehr diskutiert und das kann dann schon mal anstrengend werden.
Die schönste Phase kann ich nicht benennen, da wir als Familie und im Paket gesehen, viele schöne Momente hatten, in jeder Altersphase.
Wenn du mich nach der größten Herausforderung fragst, kann ich eigentlich für jedes meiner drei Kinder die gleiche Antwort geben. Ich fand es immer wieder schwierig meine Kinder, als sie größer wurden, alleine losziehen zu lassen, wenn sie irgendwo z.B. auf eine Party eingeladen waren. Anfangs haben wir unsere Kinder noch abgeholt und das hab ich als beruhigend empfunden, sie wieder gut daheim zu haben, aber irgendwann geht es halt nicht mehr. Dann muss man Vertrauen in die Kinder setzen, dass sie sich jetzt alleine organisieren und evtl. mit anderen sicher nach Hause kommen. Dieses lief leider nicht bei allen drei Kindern gleich gut ab, muss ich gestehen. Hier stach durch die Pubertät bedingt ein Kind heraus, aber im Nachklang betrachtet ist immer alles gut gegangen und dafür bin sehr dankbar.
Perlenmama: Worin siehst du die größten Unterschiede in Sachen Elternschaft zwischen damals (80er & 90er Jahre) und heute? Inwiefern wuchs die Generation anders auf, die heute kleine Kinder hat?
Manine: Da ich erst ein kleines 1 1/2 jähriges Enkelkind habe, kann ich noch nicht so viel sagen. Mein Sohn und seine Frau machen es eigentlich nicht anders, als wir es gemacht haben, haben ähnliche bis gleiche Wertvorstellungen, sind aber vielleicht ein bisschen besser informiert als wir damals.
Als Argument für den größten Unterschied würde ich wahrscheinlich die Veränderung der medialen Einflüsse nennen. Hier habe ich schon krasse Gegensätze zu unserer Zeit festgestellt. (Z. B., dass einem vierjährigen Kind ganz selbstverständlich zum Einschlafen, dass Tablet jeden Abend mit ins Bett gegeben wird. Das hat mich geschockt. Hier möchte ich mich aber auf einen Fall, den ich erlebt habe, beziehen und niemandem unterstellen, dass das heute so ist. Aber es ist halt eine zusätzliche Möglichkeit, die Eltern heute haben und die uns noch nicht geboten wurde.)
Da wir in nächster Nähe zu einer Grundschule wohnen fällt auf, dass kaum noch ein Schulkind alleine zur Schule geht, sondern meist von einem Elternteil gebracht wird, oft auch mit dem Auto. Meistens wird dem Kind auch noch der Schulranzen bis zur Türe getragen. Das war in den 80ern auf jeden Fall anders. Unsere Kinder sind immer zusammen mit anderen Kinder zur Schule gegangen. Wenn der Ranzen zu schwer war, wurde den Kindern die Möglichkeit geboten, schwere Schulbücher im Klassenzimmer zu deponieren.
Als weitern Punkt würde ich die Betreuung von kleinen Kindern anführen. Da Mütter und Väter heute ganz anders für ihr Alter vorsorgen müssen, werden ihnen heute schon sehr früh Möglichkeiten geboten, sie unterzubringen. Das war früher nicht so. Hier ist in der Regel noch ein Elternteil zu Hause geblieben.
Perlenmama: Was möchtest du als Mutter von drei tollen erwachsenen Kindern den frischgebackenen Eltern von heute sagen?
Manine: Vielleicht möchte ich Ihnen sagen: Wenn ihr euch in eurer Kindheit wohl gefühlt habt und den Eindruck habt, dass es eure Eltern gut gemacht haben, dann macht es ebenso wie sie.
Lasst sie vor allem viel an der frischen Luft spielen und dort kreativ sein.
Perlenmama: Was wünschst du dir hätte man dir gesagt bevor deine Kinder erwachsen wurden?
Manine: Das das Verhältnis zu deinen Kindern in der Pubertät sich innerhalb eines viertel bis halben Jahres so drastisch verändern kann, dass du selber nicht mehr weist, wo dir der Kopf steht.
Perlenmama: Was war für dich die größte Herausforderung als deine Kinder erwachsen wurden und „flügge“ wurden?
Manine: Da Menschen unterschiedliche Charakterzüge haben und das ja auch für Geschwisterkinder gilt, habe ich so mein Problem gehabt, alles immer gerecht zu handhaben. Mit dem Argument der Kinder klarzukommen, ,,Mama du hast das meiner/m Schwester/Bruder aber auch erlaubt, warum mir nicht?“ Da war ich oft im Zwiespalt. Dem/der einen traute ich gewisse Dinge zu, die ich die/der anderen einfach noch nicht zugetraut habe.
Perlenmama: Was hättest du damals gern gewusst, was du heute über das Muttersein weißt? Würdest du der Mutter von damals gern etwas mitteilen, wenn du könntest?
Manine: Als junge Mutter, die ihr erstes Kind erwartet, war ich vielleicht etwas blauäugig. Ich habe mit 24 nur rosa Wölkchen gesehen, vor lauter Freude auf das Kind und das wir nun eine richtige, eigene, kleine Familie sind.
Heute weiß ich ich durch meine Lebenserfahrung, dass ich zwar die richtige Einstellung dazu hatte, aber  das Muttersein auch unterschätzt habe. Heute fallen mir auch Worte, wie Durchhaltevermögen und Disziplin ein. Alles wiederholt sich jeden Tag aufs neue und du hast keine Zeit mehr für dich. Gerade wenn du mehrere Kinder hast nimmst du dich zeitweise komplett zurück und arbeitest einfach nur ab um dir dann vielleicht mal eine Pause zu gönnen.Aber ich würde meinem Ich von damals sagen: Habe keine Angst, all dein Einsatz lohnt sich. Du bekommst später so viel Gutes zurück. Mach weiter und genieße auch die turbulenten und schwierigeren Tage. Keiner von uns ist perfekt und macht alles richtig.
Perlenmama: Vielen Dank, Manine, für diese tollen Antworten!
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Schon interessant, wie man das so rückblickend empfindet, oder? Ich find es ja manchmal schon erstaunlich an die ersten Wochen mit der Perle zu denken und dann zu sehen, wo ich nun in meiner Mutterrolle bin. Man selbst lernt und wächst und entwickelt sich als Mutter ja auch. Ich merke auch wie ich oft innehalte und mir vorstelle, wie ich in 5, 10, 15 Jahren über die jetzige Zeit denken werde und was ich mir wünsche würde, was ich mir selbst raten könnte. Das hört sich erstmal nach einem ziemlichen Knoten im Kopf an, aber diese Reflektion ist mir sehr wichtig und hat mir auch schon oft geholfen, von kleinen Nichtigkeiten abzulassen und mich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Ganz nach dem Motto:
„Will it matter in 10 years? Then…does it matter NOW?“
Habt ihr Dinge, die ihr euch selbst vor 2, 5, 10 Jahren raten würdet? Was wäre das? Gibt es Dinge, die euch jetzt beschäftigen und von denen ihr gern wüsstet, was ihr in 10 Jahren darüber denkt? Erzählt mal, ich finde dieses Thema sehr spannend.
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