Sturm der Gefühle – geplante vs. ungeplante Schwangerschaft

ungeplant Schwanger

Seit einiger Zeit verfolge ich auf Attempting Motherhood (auf Instagram und dem dazugehörigen Blog) die Kinderwunsch-Reise einer Freundin aus meiner Amerika Zeit. Sie und ihr Mann versuchen seit nun etwa einem Jahr ein Kind zu bekommen. Sie leidet an PCOS und geht nun den schweren Weg über die Kinderwunsch Klinik um hoffentlich irgendwann (bald) einen positiven Schwangerschaftstest in der Hand zu halten und ein Baby zu bekommen. Und ich? Ich folge ihrer Reise mit so viel Hoffnung und gedrückten Daumen und bin bei jedem ihrer Posts gespannt, ob man endlich gratulieren kann. Aber ich sehe auch, wie hart und teilweise zermürbend diese Reise ist und mit wie vielen starken Emotionen sie verbunden ist.

Kürzlich postete sie einen Gedanken, der mich wiederum ins Grübeln brachte. Sie sprach davon, wie schwer es nachzuvollziehen ist, wie Frauen bzw. Paare „aus Versehen“ schwanger werden, während sie täglich soviel Energie, Zeit, Gedanken und „blood, sweat and tears“ ins Projekt „Baby“ steckt. Über diesen Post musste ich erstmal nachdenken und schrieb ihr einen Kommentar, da ich diesen Gedanken sehr interessant fand, da wir beide diesbezüglich ja auf komplett anderen Enden des Spektrums stehen.

Sie steht auf der einen Seite mit einem (noch) unerfüllten Kinderwunsch und ich auf der anderen, auf der Seite „ungeplante Schwangerschaft“. Und auf jeder Seite gibt es Herausforderungen, Gedanken und ganz viele Emotionen.

Nein, ich werde jetzt nicht im Detail erklären wie um alles in der Welt ich es „geschafft“ habe eine ungeplante Schwangerschaft „hinzukriegen“. Ja, dies scheint viele brennend zu interessieren und ich find es teilweise befremdlich, wie viele teils fremde Menschen mir diese Frage stellen. Kurz: Ich habe meine Vermutungen und die reichen mir für mein Seelenheil. Für das Seelenheil anderer fühle ich mich bei diesem Thema jedoch nicht verantwortlich und werde daher von jeglichen Rechtfertigungen diesbezüglich absehen. Wenn ihr euch das „einfach nicht vorstellen“ könnt und diesen Fakt daher in direkter Korrelation mit meiner Intelligenz bringen wollt…bitte.

Ich muss sagen, ich beneide manchmal die, die sich VOR einer Schwangerschaft für ein Kind entschieden haben. Das muss ziemlich spannend sein, gemeinsam diese Entscheidung zu treffen und dann darauf hin zu „arbeiten“. Aber ich kann mir auch vorstellen wir schwierig und nervenaufreibend es werden kann, wenn es nicht sofort klappt. Warten ist ja generell nicht so meine Lieblingsbeschäftigung und man würde mich nun nicht unbedingt als den geduldigsten Menschen beschreiben. Daher stelle ich mir diese Situation echt krass vor. Aus Erfahrung bei Freunden, die auch eine Weile „basteln“ mussten bin ich mittlerweile so weit, dass ich gar nicht mehr so oft nachfrage, wenn ich weiß, dass Bekannte (wieder) an einem Kind „arbeiten“. Zu oft sah ich als Antwort auf diese Frage in enttäuschte und fast peinlich berührte Augenpaare, wenn sie mir erzählen mussten, dass es immer noch nicht funktioniert hat. Nein, um diese Zeit beneide ich wirklich keinen.

Doch auch der andere Weg, also die ungeplante Schwangerschaft, ist nicht unbedingt ein Zuckerschlecken. Klar, man umgeht die zermürbende Warterei, aber wiegt das mit dem Schreck der Realisation auf? Meine beiden Töchter waren ungeplant (und hier möchte ich nochmal ausdrücklich betonen, dass sie dennoch beides Wunschkinder waren bzw. sind) und die Momente als ich diesen zweiten Strich auf dem Schwangerschaftstest sah haben erstmal ein riesengroßes Chaos ausgelöst. Es ist schwierig zu beschreiben, denn eigentlich freut man sich ja, aber man hat auch zig Fragen, Ängste und auch Zweifel, die gleichermaßen losbrausen und in Kopf sowie Herz einen regelrechten Hurrikan auslösen. Und ja, eben diese Ängste und auch Zweifel nagen nachwievor in meinem Herzen in Form von einem echt schlechten Gewissen. Denn auch wenn die beiden Perlen die zwei besten Dinge sind, die mir je im Leben passiert sind, so hatte ich am Anfang eben jene Zweifel. Zweifel, die ich nun im Nachhinein sofort negieren könnte, doch das wusste ich damals ja noch nicht.

Dieses schlechte Gewissen ist nicht schön und ja, ich glaube dies wiegt auf mit dem Warten und den Zweifeln, wenn es mit der Schwangerschaft (erstmal) nicht funktioniert. Ich find es schade, dass ich nicht mit Freudentränen mit meinem Partner auf dem Badewannenrand sitzen konnte um gemeinsam im Freudentaumel auf die zwei Striche des Tests zu starren. Dass ich mir keine süßen Übermittlungsbotschaften für die Väter der Kleinen oder die Großeltern ausdenken musste, dass bei jeder Verkündung meiner Schwangerschaft ein Hauch Verlegenheit und der Drang mich zu rechtfertigen mitschwang. Dass die meisten Reaktionen erstmal „Ach Shit“ waren, statt „OMG, WIRKLICH???!! (insert kreischen, High Fives und stürmische Umarmungen)“. Nein, das trage ich wirklich keinem nach, kann ich es doch auch keinem verübeln. Und ich weiß ja, dass (zumindest die, die zählen) heute ganz und gar nicht mehr so denken, wenn sie meine beiden Perlen sehen.

Wie gesagt, ich hadere niemals nicht damit, dass hier nun zwei kleine Perlen herumwuseln und tagtäglich mein Leben so wunderbar auf den Kopf stellen. Es ist gut so wie es gekommen ist, mehr als das. Das Leben schreibt doch nunmal die besten Geschichten selber. Aber es gibt halt große Unterschiede ob man sich nun vor oder während einer Schwangerschaft für ein Kind entscheidet. Ein richtiges Fazit gibt es heute nicht von mir, ich möchte auch keinen Wettbewerb starten a la „das eine ist schlimmer/besser als das andere“. Ich wollte nur meine Gedanken diesbezüglich aufschreiben, da sie einfach schon lange durch meinen Kopf geistern. Achso, und besagte Freundin (von Attempting Motherhood) durfte übrigens vor Kurzem positiv testen. Herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle, ich freue mich wahnsinnig!

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3 Comments

  • Reply
    Sylvia
    9. Oktober 2017 at 17:24

    Das ist ein Thema, das mich auch beschäftigt. Bei mir ist es noch dazu bei 2 Kindern unterschiedlich gelaufen. Auf das erste habe ich 20 Jahre gewartet, ich „wusste“ das Geschlecht und den Namen. Aber es gab nie einen passenden Mann. Mehr Wunschkind geht nicht! Es kam genau so wie in meiner Vorstellung, ein Mädchen und ich habe sie Rebecca getauft, wie 20 Jahre lang davon geträumt. 4 Monate später war ich wieder schwanger, vom gleichen Mann, der damals schon gedanklich doch nicht der Richtige war. Wie kann man mit 41 unverhofft schwanger werden? Wir hatten so wenig Sex, dass ich auf die Stunde genau sagen kann, wann er gezeugt wurde. Ich habe keine Sekunde gezweifelt, dass ich dieses Kind bekommen werde, aber es war anders! Und ich hoffe und bete heute noch, dass Raphael den Unterschied nie bemerkt hat und bemerken wird!

  • Reply
    Mama Blume
    24. März 2018 at 18:38

    Dieser Post ist fast eineinhalb Jahre alt und erst jetzt hab ich ihn gesehen und fühlte mich sofort angesprochen. Zu dem Thema hab ich mir auch schon viele Gedanken gemacht weil ich eigentlich jetzt jede bekannte Variante kenne.
    1. ungeplant
    2. geplant und lange gewartet
    3. geplant und ziemlich flott erfolgreich gewesen

    Als ich mit meinem Sohn schwanger wurde, war ich 19, hatte keine Ausbildung und einen befristeten, schlecht bezahlten Zeitarbeiterjob. Mit dem Vater meines Sohnes war ich nicht zusammen, es war mehr eine lockere Affäre (dachte ich damals, für ihn wars mehr, wusste ich aber nicht). Jedenfalls saß ich am Abend des 1. Feb. 2001 heulend im Wohnzimmer mit dem positiven Schwangerschaftstest und stammelte Dinge wie „kann nicht sein“ „ich bin nicht soweit“ „muss ich abbrechen“ „so eine Scheiße“ *heulheulheul*
    Am nächsten Tag schon hatte ich meinen Termin beim Gyn. Der wusste von meinem Plan, dass ich dieses Baby nicht bekommen kann. Doch das hinderte ihn nicht daran, den Bildschirm nicht wegzudrehen und mir sogar das kleine Gummibärchen samt Herzschlag zu zeigen und zu erläutern, wo was wäre. Dass ich damit die Schwangerschaft nciht mehr abbrechen kann (und nicht mehr will) war mir in diesem Moment völlig klar. Jung, alleinerziehend, Sozialhilfe. Bediene das Klischee!! Die folgenden Jahre waren natürlich nicht leicht. Ich zog zurück in meine Heimat, als mein Junge knapp 2 Jahre alt war, gab ihn in die Kita und begab mich auf die lange, zermürbende Suche nach einer Ausbildungsstelle, machte 1 EUR-Jobs, besuchte sinnfreie Seminare, zu denen mich das JobCenter verdonnerte und lebte am Rand der Gesellschaft. Mit meinem neuen (und immernoch 🙂 ) Partner, der mir im April 2006 online begegnete und bei dem es irgendwie sofort passte, kam auch mein Schwiegervater in meine kaputte Alleinerziehend-und-ALG2-Welt. Er bot mir zunächst ein Praktikum in seinem 3-Mann-Betrieb an und anschliessend organisierte er mir eine Ausbildung. Ich war 25, mein Sohn knapp 5 Jahre alt. Drei Jahre später war die Ausbildung erfolgreich abgeschlossen und mein Partner und ich starteten ein eigenes Unternehmen. Im April 2012 setzte ich dann die Pille ab. Wir wollten ein Baby. Es passierte aber nix. Im August 2013 wurde ich dann doch endlich schwanger. Und verlor das Kleine aber auch gleich wieder, man hat es nicht einmal im Ultraschall gesehen :(. Meine Frauenärztin verordnete Clomifen und Zyklusmonitoring. Im Dezember eine Eileiterschwangerschaft und plötzlich wurde unser Kinderwunsch überall bekannt!! Und das setzte mich echt sehr unter Druck. Dabei haben nicht mal viele gefragt, wie es läuft….
    Im März dann der nächste frühe Abgang und meiner Frauenärztin fiel nix besseres ein, als ein weiteres Zyklusmonitoring zu veranstalten und ich rief in der Kinderwunschklinik an. Termin war am 12. Mai. Das Zyklusmonitoring war ernüchternd, Progesteron viel zu niedrig. Doch da schon hatte ich eine unbestimmte Ahnung, dass was anders ist und tatsächlich, am 18. April 2014, fast genau 2 Jahre nach der letzten Pille, war der Test wieder positiv und ich wusste irgendwie plötzlich, diesmal geht alles gut. Ich sagte frohen Herzens den Termin in der KiWu-Klinik ab und die nette Dame auf der anderen Seite der Leitung hörte man förmlich lächeln „Ja, das passiert uns öfters..!“ Im Dezember 2014 kam die Kleine dann endlich zur Welt und eineinhalb Jahre später beschlossen mein Partner und ich dann, dass wir die Verhütung dann mal wieder weglassen. Hat ja bei unserer Tochter auch so ewig gedauert und ich werd ja nicht jünger (ich war grad 35 geworden). Wir wollten keinen zu großen Altersabstand haben…. Drei bis vier Jahre fanden wir perfekt.

    Keine zwei Monate später saßen wir staunend im Badezimmer und starrten auf die zwei Striche, die noch durch ein digitales „+1-2“ ergänzt wurden. In knapp vier Wochen wird unsere Kleinste ein Jahr alt und obwohl mein Großer 13 Jahre und 15 1/2 Jahre älter ist als seine Schwestern, haben alle drei ein sehr inniges Verhältnis zueinander ❤ Und ehrlich? Keines meiner Kinder wird mehr oder weniger geliebt, nur weil jedes anders entstanden ist. Die zwei Jahre Kinderwunsch haben mich sehr geprägt, auch wegen der Verluste, die wir eingefahren haben. Ich hab in allen drei Schwangerschaften durchaus meine Zweifel gehabt, ob ich gerade das Richtige tue (ja, auch bei meinen beiden geplanten Wunschkindern 🙂 ). Ich hab in allen drei Schwangerschaften bei jedem Arzttermin gebangt, ob alles in Ordnung ist. In allen drei Schwangerschaften hatte ich ständig große Angst, dass den kleinen Würmchen etwas passiert. Alle drei Geburten (die unterschiedlicher kaum sein konnten) waren für mich totale Grenzerfahrungen und bei allen drei Kindern hab ich Rotz und Wasser geheult, als sie mir das erste Mal auf den Bauch gelegt wurden. Und bei allen drei Kindern lausche ich nachts regelmäßig bis heute (auch beim Großen 😉 ) ob sie noch atmen. Es gibt für mich keine Unterschiede zwischen dem ungeplanten Wunschkind, dem langersehnten Wunschkind und dem Wunschkind, das so erschreckend flott unterwegs war. Den einzigen Unterschied erlebe ich irgendwie in der Gesellschaft. Allem Anschein nach sind „echte“ geplante Wunschkinder irgendwie „mehr wert“ als die ungeplanten. Jedenfalls wenn man sich in einer größeren Gruppe aufhält und Smalltalk hält. Ich verschweige nicht, dass mein Sohn nicht geplant war, dass sein Vater und ich uns nie geliebt haben, aber immer ein super Verhältnis zueinander hatten (versteht auch nicht jeder, so what). Auch mein Sohn weiß das. Nur, dass ich die Schwangerschaft abbrechen wollte, habe ich ihm verschwiegen und das wird und darf er niemals erfahren! Denn aus eigener Erfahrung weiß ich, wie weh das tut, wenn man von der eigenen Mutter erfährt, dass sie ihre eigene Schwangerschaft einst lieber abbrechen wollte…

    • Reply
      perlenmama
      20. April 2018 at 10:50

      Danke für deinen ausführlichen Kommentar und deine Geschichte. Ich glaube auch, dass da einfach zwei gänzlich unterschiedliche Gefühlswelten aufeinanderprallen, keine ist besser als die andere. Ich wünsche euch alles Gute. <3

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