Unterschiedliche Beziehungen zu den eigenen Kindern? Natürlich!

Ich habe mir ja im Vorfeld einige Gedanken gemacht, wie das wohl so wird als „Mom of two“. Wie das mit der Entthronung war, habe ich ja auch schon einmal beschrieben, aber was mir in letzter Zeit mehrfach aufgefallen ist, ist wie der Nachwuchs meine Beziehung zur Perle verändert und ja, auch gestärkt hat. Ja, trotz des ganzen Themas „dann muss man sich aufteilen“ und „keine ungeteilte Aufmerksamkeit mehr“ und so weiter. Generell ist es wirklich so, dass unsere Beziehung ein ganz anderes Level bekommen hat und nun irgendwie viel mehr auf Augenhöhe stattfindet. Unsere gemeinsame Zeit hat auch irgendwie an Qualität gewonnen, nun da Exklusivität nicht mehr Normalität ist.

Derzeit scheint ein bestimmter Aspekt immer prominenter zu werden: Dass die Perle und ich ein Team sind. Das war natürlich schon immer so, vor allem aber durch die Umstände bedingt, es waren einfach oft einfach sie und ich. Jetzt ist es aber so, dass wir „die Großen“ sind, im Gegensatz zur Miniperle. Wir wuppen die Kiste hier gemeinsam und können uns über positive und negative Aspekte schon recht gut austauschen. Wir gehen Hürden gemeinsam an und finden gemeinsam Lösungen, wenn es mal nicht richtig passt. Vor allem aber freuen wir uns gemeinsam über die schönen Dinge und benennen diese auch.

Natürlich soll dies nicht bedeuten, dass die Perle und ich immer als Team gegenüber der Miniperle auftreten werden. Auch mit der Miniperle werde ich mich um eine Beziehung bemühen, die wir zwei für uns aufbauen. Derzeit ist sie natürlich noch mein Baby, mein Äffchen, und wir kuscheln viel und ich bin ihre Sicherheit, Milchbar, Bezugsperson. Sie entdeckt langsam ihren kleinen Kosmos, Zentimeter für Zentimeter, zieht ihre Kreise um uns beide herum, immer aus der Sicherheit meiner Arme bzw der Trage heraus. Mit wachsender Mobilität werden ihre Kreise größer und meine Rolle für sie wird sich wandeln, genau wie sie sich als Person immer weiter entwickeln wird. Wir stecken gewissermaßen noch in der Kennenlernphase und ich bin sehr gespannt, welches Persönchen sich in diesem vehementen und kompetenten Baby versteckt.

Generell finde ich es aber sehr wichtig, nebst des gesamten Familienkonstrukts (was natürlich und selbstredend sehr wichtig ist), die individuellen Beziehungen zu jedem einzelnen Kind zu stärken. Die Perle wird immer „meine Große“ sein und die Miniperle „meine Kleine“. Und diese Beziehungen werden sich in gewissen Dingen unterscheiden bzw. teilweise unterschiedliche Charakter haben (genau wie natürlich auch die Kinder unterschiedliche Charakter haben werden). Das heißt nicht, dass eine Beziehung über der anderen steht, aber das bedeutet „unterschiedlich“ ja auch nicht. Ich denke, es ist sogar wichtig, Kinder unterschiedlich zu behandeln, was nicht beuten soll, dass es „unfair“ ist (so fair, wie es mit fast 5 Jahren Altersunterschied sein kann). Aber ich denke eine bedürfnisorientierte Er- bzw Beziehung beinhaltet auch, dass man Unterschiede macht und somit die Individualität der Kinder wahrt und respektiert.

Während des Studiums habe ich mich für eine Hausarbeit sehr eingehend mit „birthorder“ beschäftigt und fand es unglaublich spannend, wie sehr es uns prägt welchen Platz wir in der Geschwisterabfolge haben. Klar ist jedes Kind individuell (ich kann es nicht oft genug sagen) doch es gibt natürlich viele Dinge, die uns nachhaltig prägen und darunter fallen auch Dinge wie ob wir mal eine Zeit lang Einzelkinder waren, ob wir kleine/große Geschwister hatten, die Erwartungen an unsere Rollen als große/kleine Geschwister, ob wir das erste oder letzte Kind unserer Eltern waren, ob wir vielleicht aus einer früheren Beziehung stammen, etc. Aber auch die Geburtsfolge unserer Eltern spielt eine Rolle. Wie sie ihre Eltern und Geschwister erlebten beeinflusst maßgeblich wie sie ihren Kindern begegnen. Eine Frau, die drei kleine Geschwister hatte ist wahrscheinlich eine ganz andere Mutter (merke: ANDERS, nicht besser oder schlechter) als die, die drei große Geschwister hatte. Das sind ganz viele Faktoren, die uns natürlich ganz individuell prägen.

Generell ist es doch so, dass Kinder nun einmal unterschiedlich sind. Und so sollten sie auch respektiert werden. Ich finde, dass es sogar respektlos ist, Kinder entgegen ihrer unterschiedlichen bedürfnisse gleich zu behandeln, weil sie dies gar nicht wollen? Im Alltagschaos der Famlie WOLLEN sie ja auffallen, sich abgrenzen, zeigen dass sie ein Individuum mit ganz individuellen Bedürfnissen sind. Sie wollen gesehen und gehört werden. Nicht umsonst hat die Perle seit das Baby da ist nochmal an Lautstärke zugelegt, scheinbar um da auch ganz sicher zu gehen, dass sie nachwievor gehört wird. Es ist für uns Eltern da ein ziemliche Gratwanderung zwischen Fairness und individuellen Bedürfnissen eines jeden Kindes.

Generell hoffe ich, dass ich, wissend um dieses Umstands, den Mädels so individuell begegnen kann wie sie sind. Dass ich die Perle nicht mit Erwartungen an „meine Große“ erdrücke, sondern sie weiterhin auch mal klein sein darf, wenn ihr danach ist. Und dass ich die Miniperle nicht klein halte, im Schatten ihrer Schwester, mit der ich so lange ein „Dream Team“ war, nur sie und ich. Das sind ganz präsente Ängste und Sorgen und ich hoffe, dass eingehende ehrliche Reflektion zu dem Thema mir hilft, nicht in diese Fallen zu tappen. Doch denke ich auch, dass dies in einem bestimmten Rahmen eben normal ist und nicht pathologisiert werden sollte. Solange man diese birthorder als simplen Fakt und nicht als Identitätsfundament nimmt, sollte das okay sein.

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One thought on “Unterschiedliche Beziehungen zu den eigenen Kindern? Natürlich!

  1. Sehr schöne Worte! Auch hier gibt es die große und die kleine und auch ich versuche beiden Kindern in ihrem Umfeld, ihrem Leben, ihrem „ich sein“ individuell und Bedürfnisorientiert gegenüber zu stehen. Aber auch mir fällt es ab und an schwer meine Erwartungen an jedes der Kinder nicht zu hoch zu setzen.
    Danke für deine ehrlichen Worte. Ich beobachte euch drei in eurer Konstellation und Sehr, dass du es gut machst! 😘

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