Meine Liebe, sie wächst

Liebe

In diesen Tagen schaue ich mir manchmal meine Mädchen an und mich überkommt ein Sturm der Dankbarkeit und Liebe für diese beiden wunderbaren kleinen Wesen in meinem Leben. Ich habe manchmal das Gefühl, dass es immer mehr wird, obgleich ich auch immer denke, dass man einen Menschen gar nicht mehr lieben kann als ich diese kleinen Menschen hier liebe. „Oh Gott“, denkt nun wohl so mancher, „das wird jetzt wahrscheinlich so ein rosaroter triefnasser Kitsch-Text.“. Naja…vielleicht, mal sehen was hier so steht, wenn ich fertig bin.

Am Anfang, als ich meine Töchter jeweils das erste Mal sah, da war natürlich auch ganz große Liebe. Die krasseste Liebe auf den ersten Blick sozusagen. Doch stimmt das? Ich meine, ich wusste ja schon lange von ihnen, habe mir vorgestellt wie sie wohl sein würden, wie sie aussehen würden, riechen würden. Und doch kannte ich sie ja noch nicht. Trotzdem habe ich sie geliebt, noch bevor ich sie kennenlernen durfte. Also waren es doch eigentlich „Liebe auf den ersten Gedanken?“. Doch so ganz stimmt das ja auch nicht, die Anfänge waren holperig, so richtig wusste ich nicht worauf ich mich da einlasse (wer weiß das schon?) und auch schwangen oft Sorgen und Zweifel mit, wenn ich an meine kleinen Bauchperlen dachte.

Und dann war da der Moment, als ich sie das erste Mal sah. Als ich sie das erste Mal halten durfte, die kleinen warmen Bündel voller Leben und doch so gänzlich abhängig von mir und meiner Liebe zu ihnen. Und ja, ich habe sie sofort geliebt, mit allem was ich hatte. Doch kannte ich sie da schon? Ich wusste zwar nun wie sie aussahen und rochen, aber ihr Wesen war mir doch noch etwas fremd. Es gab eine Zugehörigkeit und ein Band, das uns verband. Aber sie waren trotzdem kleine Menschlein, die es erst kennenzulernen galt.

Angela Krebs Fotografie Homestory Neugeborenen-Shooting Perlenmama

Nun ist die Perle schon 5 1/2 Jahre bei mir, die Miniperle schon ganze 8 Monate. Und ja, nun kennen wir uns. Ich kenne die Eigenarten der Perle, ihren Charakter, ihre Blicke, ihre Reaktionen und ihre Persönlichkeit. Ich kann (meistens) nachvollziehen, warum sie die Dinge tut wie sie sie tut oder sagt, was sie so sagt. Ich kann sie verstehen, meist besser als die meisten anderen Menschen. Und selbst wenn ich sie nicht verstehen kann, so bin ich doch regelmäßig verwundert, was für ein toller kleiner Mensch sie so ist. Ich liebe sie, trotz oder besonders wegen ihrer Eigenarten, weil diese Dinge sie so besonders und einzigartig und eben mein großes Mädchen machen. Liebe ich sie mehr, als in dem Moment in dem ich sie das erste Mal sah? Ich denke schon. Weil ich sie nun kenne. In- und auswendig.

Und ja, das ist mir nun auch bei der Miniperle genau so aufgefallen. Als man sie mir das erste Mal auf den Bauch legte war ich hin und weg. So ein kleines, zartes Menschlein hatte da seinen Weg zu uns gefunden. Und wieder war sie da, diese tiefe Gewissheit „das ist Liebe“. Jetzt sind seither schon über 8 Monate vergangen und mittlerweile kann man sagen, dass wir uns ganz gut kennen. Ich kenne ihre Reaktionen, weiß warum sie wann weint, welches Weinen akut und vehement ist und was es bedeutet. Ich weiß wie man sie zum lachen bringt, was sie gerne isst, dass sie sich gerne den Kopf streicheln lässt und jede Art von Musik total toll findet. Ich weiß um viele ihrer Eigenarten und obgleich ich immer neue Dinge an ihr entdecke, so denke ich schon, dass wir uns nun ganz gut kennen. Und auch jetzt denke ich wieder, dass die Liebe, die ich jetzt spüre, wenn sie morgens durch die Kissen wühlt und mir nach ein paar Minuten Aufwach-Jammerei das strahlendste Babylächeln schenkt, noch soviel stärker ist, als die in unserem allerersten Moment.

Jedes Elternteil, der diesen Moment schon erlebt hat weiß, dass er kaum zu toppen ist. Liebe sprüht einem aus allen Poren, man sieht sich in den Augen, am leicht benebelten Blick und dem Funkeln. Doch es ist instinktive Liebe. Sie basiert auf dem Wissen „dieser kleine Mensch gehört zu uns!“. Durch Hormone genährt und dem Wissen, dass er einen nun zu Mutter oder Vater macht. Doch dann geht es ans Kennenlernen und man merkt, dass dieses Kind nicht nur „unseres“ ist, sondern auch noch ziemlich cool. Und je mehr man von seinem Kind erfährt, desto mehr liebt man es. Finde ich jedenfalls. Und das obwohl man von Anfang an schon so voller abgrundtiefer Liebe ist, dass man sich kaum vorstellen kann, dass das noch mehr wird. Aber wenn sich die erste Aufregung gelegt hat und dieser kleine Mensch kein „neuer“ Mensch mehr ist, sondern so richtig bei uns angekommen, dann geht es erst so richtig los. So weicht die natürliche, instinktive Liebe einem noch viel tieferen Band, nämlich der un-konditionellen Liebe, der Liebe trotz und wegen aller Macken und Eigenarten, der Liebe dafür WER dieses Kind ist und nicht „nur“ WAS dieses Kind ist.

Und das ist das schönste aller Gefühle…für beide Seiten.

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One thought on “Meine Liebe, sie wächst

  1. Oh ja! Wie schön du das beschreibst!
    Liebe ist…wenn ich auch das an meinem Mitmenschen annehme, was ich mir nicht unbedigt gewünsch hätte und auch wenn diese Seiten immer bleiben, weil sie den andere nicht stören, sondern ihm wichtig sind.

    Liebe ist auch…wenn ich dem anderen helfe sich weiter zu entwickeln, wenn ihn etwas an seinem tun stört, selbst wenn ich davon profitiert hätte.

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