DGWAZTMIDW – Eine Hörbuch Rezension

DGWAZTMIDW Perlenmama

Hallo, ich bin Janina und ich habe ein Problem: Ich hasse Elternratgeber. Entweder sie sind sehr dogmatisch und preisen ihre Sichtweise als die eine welche an und alle, die sie nicht befolgen sind dumm und/oder schlechte Eltern…oder sie sind so dermaßen unrealistisch, dass man sich selber einfach nur dumm und/oder schlecht fühlt, weil man dass, was einem da so geraten wird nie und nimmer auch wirklich so umsetzen kann. Ok, das waren nur zwei Gründe, aber es gibt noch viele andere…kurz um: Mit Eltern-Ratgebern kann man mich wirklich nicht hinter’m sprichwörtlichen Ofen hervor locken.

Doch seit einiger Zeit gibt es einen wahrhaften Stern am Elternratgeber-Himmel. Zugegeben, der Titel ist etwas…sperrig. Aber da ich schon lange eine begeisterte Leserin des Blogs der Autorinnen war, hat das mit dem Wiedererkennungseffekt richtig gut geklappt. Die Rede ist von „Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn – Der entspannte Weg durch Trotzphasen“ oder kurz kürzer „DGWAZTMIDW“. Ihr habt das Cover mit dem trotzenden Mädchen mit den kleinen Teufelshörnern und den verschränkten Armen wahrscheinlich schon im Buchhandel gesehen, denn es ist schon seit Wochen auf den Bestsellerlisten der Sachbücher und Ratgeber ganz oben. Und das einzige, was ich dazu sagen kann ist: ZU RECHT!

Die Autorinnen Danielle Graf und Katja Seide (die ich Glücknuss schon beide persönlich treffen durfte) verstehen es einfach Eltern Mut zuzusprechen und Ratschläge zu geben. In der Reihenfolge und…ganz ohne den erhobenen Zeigefinger und die Vorwurfskeule. Sie verweisen in all ihren Erklärungen auf verschiedene wissenschaftliche Studien und daraus resultierende Erkenntnisse. Da wird nicht gesagt „das macht man eben nicht“ oder „das macht man soundso“ sondern sie erklären die natürlichen Fähigkeiten der Kinder in den verschiedenen Altersstufen und gehen dann auf die verschiedensten Alltagssituationen und -sorgen der Eltern ein und versuchen sie verstehen zu lassen, wie ihre Kinder so ticken. „Moment mal“, will man jetzt sagen, „woher wollen die denn wissen wie MEIN Kind tickt?!“. Aber dies maßen sich die beiden gar nicht an. Sie versuchen lediglich aufzuzeigen wie sich Kinder grundsätzlich entwickeln und wie wir Erwachsenen ihnen auf dieser Reise am besten helfen können, lassen aber stets Raum für die Individualität der Kinder…und Eltern!

Ein Buch, dass für Verständnis für die Kinder wirbt, ohne die Bedürfnisse der Eltern außer Acht zu lassen. Das ist doch mal was. Denn was bedüfnisorientierte Erziehung angeht, so hat sie doch leider immer noch den (unverdienten) Ruf, dass man so die Kinder verwöhne und kleine Narzissten heranziehe. Aber weit gefehlt, hier geht es um den Respekt für die individuellen Bedürfnisse und Fähigkeiten/Grenzen eines jeden, der an diesem „Erziehungs-Konstrukt“ teilnimmt. Und das sind die Kinder UND die Eltern. Leider wird Kindern aber oft und gern nachgesagt, dass sie kleine manipulative Biester sind, die ihre Eltern versuchen vollends in den kleinen klebrigen Griff ihrer Mini-Macht zu bekommen. Und zwar durch Tobsuchtanfälle, Bockigkeit und ganz viel Lärm. Wenn man so ein kreischendes kleines Bündel im Morgenstress nicht zum Anziehen bekommt und verständnislos (mit der tickenden Uhr im Nacken) resignieren oder ebenfalls losbrüllen möchte, dann liegt dieser Gedanke vielleicht auch nahe. Zugegeben, auch ich habe meinem Kind in solchen Situationen schon niedere Beweggründe nachgesagt. Aber die Autorinnen Danielle und Katja schaffen es hier quasi Übersetzungsarbeit zu leisten. Denn das Kind will eigentlich gar nicht Herrscher über den Tagesablauf aller Familienmitglieder spielen…es hat ganz andere Gedanken und Motive, die uns ob ihrer simplen Natur mit unseren Erwachsenen-Köpfen und oft gar nicht mehr geläufig sind. Doch in diesem Buch lernen wir über die Gedankengänge und kognitiven Fähigkeiten der ganz Kleinen, die wir als Erwachsene schon längst vergessen oder verdrängt haben.

Ich muss sagen, dass dieses Buch oftmals einfach genau dies für mich war: Eine Übersetzungshilfe. Statt meinem Kind Bösartigkeit anzudichten, weil es mich mal wieder buchstäblich in den Wahnsinn treibt, schaffe ich es jetzt viel besser mich darauf zu besinnen, was das Kind mir sagen möchte und sogar zu versuchen auf Augenhöhe die Welt so zu sehen, wie sie für das Kind gerade aussieht. Das hilft ungemein. Das bedeutet nicht, dass das Kind sich morgens nicht mehr anziehen muss, ich es die Treppe hochtrage oder nun alles „nach ihrer Nase läuft“. Aber es bedeutet, dass es alles etwas leiser, ruhiger, friedvoller und respektvoller geschieht.

Natürlich gibt es für diese alltäglichen Kämpfe in der Trotzphase keine Allheilmittel. Jedes Kind, jede Familie, jeder Alltag und jeder Konflikt ist anders. Dennoch schaffen die Autorinnen von DGWAZTMIDW es, gute Ratschläge zu geben und die Dinge verständlich zu erklären, ohne alle Kinder und alle Eltern über einen Kamm zu schären. Natürlich muss man, wie bei allen Ratschlägen, genau abwägen und schauen ob und in welchem Rahmen es zu einem selber, seinem Kind und seiner Situation passen. Dieses Buch ist keine Bibel und auch dies maßt es sich in keinster Weise an. Aber durch ihre Berufung auf wissenschaftliche Erkentnisse sind die meisten Tipps wirklich fundiert und durchdacht, promoten aber einen Ansatz fernab der „schwarzen Pädagogik“ von früher, der eher auf gegenseitigem Respekt und Verständnis basiert, als auf einseitigem Macht (Kind < Erwachsener) und „Wenn-Dann Sätzen“.

Und da die Autorinnen nunmal Eltern kennen (und selber welche sind) und wissen, dass sie oft eher nicht zum lesen kommen, gibt es das Buch DGWAZTMIDW auch als Hörbuch. Und ja, das war auch der einzige Weg, dass ich dieses Buch lesen bzw hören konnte. Ich habe es mir auf’s Smartphone geladen und konnte so beim Einschlafstillen, Wäsche falten, Auto fahren, auf dem Rückweg vom Kindergarten usw. der angenehmen Stimme von Nina West lauschen, die mir die Kapitel über Rückweg-Kämpfe, Treppensteig-Dramen, Essen-Streits und die ganzen anderen alltäglichen Trotzphasen-Situationen einfach vorlas. Klasse Sache. Und ja, ich musste viele Kapitel mehrfach hören. Manchmal, um sie besser zu verstehen und manchmal auch einfach, weil sie so gut und so verdammt einleuchtend sind. Des Öfteren erwischte ich mich, wie ich laut „JA MANN!!“ oder „AMEN SISTAA!“ rufen wollte und vor lauter Freude Herzklopfen bekam, weil ich das Gefühl hatte „Geil, da versteht mich eine!!“ oder „boah, ich bin nicht alleine mit dem Gefühl/Gedanken??!!“.

Und wenn ihr jetzt auch unbedingt mal dieses Buch lesen oder hören wollt, dann freue ich mich, applaudiere euch zu dieser Wahl und bitte euch: Sagt mal Bescheid wie ihr es gefunden habt!

Hier gibt es noch ein paar Details zum Buch:

  • Taschenbuch: 288 Seiten
  • Autorinnen: Danielle Graf & Katja Seide
  • Verlag: Beltz; Auflage: 9 (21. Juni 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3407864221
  • ISBN-13: 978-3407864222

Ich danke dem Beltz Verlag für die Möglichkeit, dieses Hörbuch zu rezensieren und den Autorinnen Danielle Graf und Katja Seide für dieses grandiose Buch!



 

One thought on “DGWAZTMIDW – Eine Hörbuch Rezension

  1. Ich kann in allem nur voll und ganz zustimmen und freue mich auch immer, wenn ich jemand anderen sehe, der dieses Buch gerade liest. Es ist einfach herzerwärmend. 😊

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