Schwimmen & Wasserkompetenz erlernen – So hat es bei uns geklappt

Sommerzeit ist Schwimmzeit! So auch bei uns. Und ich muss sagen…ich habe immer sehr viel Respekt vor dem Wasser. Und anscheinend nicht zu Unrecht, allein in 2016 ertranken in Deutschland laut DLRG 537 Menschen, 46 davon waren Kinder. Das waren doppelt soviel als noch im Jahr davor. So war es mir sehr wichtig, dass die Perle Schwimmen lernte, bevor ich mit beiden Kindern in diesem Sommer schwimmen gehen würde. Als ich ihr das letztes Jahr im November eröffnete, war sie erstmal wenig begeistert. Schwimmschule…da muss man ja mit Fremden reden. Als ich ihr aber erklärte, dass ich mir nur so zutrauen würde schwimmen zu gehen, wenn die Miniperle da ist, stimmte sie zu.

Wir entschieden uns für eine kleine private Schwimmschule in der Stadt, die den Unterricht im Therapiebecken des hiesigen Krankenhauses abhält. Das ist zwar wesentlich teurer als der Schwimmunterricht in den gängigen Schwimmvereinen, aber auch wesentlich intensiver und in kleineren Gruppen. Durch ihre Schüchternheit hatte ich die Befürchtung, dass die Perle in den großen Schwimmgruppen der Schwimmvereine buchstäblich untergehen würde.

Wir starteten mit einem Intensivkurs Ende November. Zwei Wochen lang gingen wir, in Begleitung von Katha und Mini, jeden Tag zur Schwimmstunde. Das war ziemlich anstrengend (immerhin schob ich zu dem Zeitpunkt schon eine beachtliche Kugel, und der Umzug stand auch kurz bevor). Aber…es hat wunderbar geklappt. Die Perle kam mit der Schwimmlehrerin quasi sofort richtig gut klar und hatte sichtlich Spaß am Schwimmen lernen. Schon am 3. Tag konnte sie die Schwimmhilfen zeitweise ablegen und am Ende der zwei Wochen paddelte sie schon richtig gut durch’s Wasser und schloss den Kurs mit dem „Jonas“-Abzeichen ab. Sie war sehr stolz (und ich natürlich auch) und hatte richtig den Spaß am Schwimmen entdeckt. Also meldete ich sie im Schwimmclub in der selben Schwimmschule an, der ab Januar einmal in der Woche stattfand.

Im Schwimmclub zeigte sie den gleichen Enthusiasmus und erlangte ziemlich schnell das „Bobby“-Abzeichen und dann kurz vor ihrem 5. Geburtstag das heiß ersehnte Seepferdchen. Im Juni schloss sie den Kurs dann mit dem Bronze-Abzeichen ab und kann sich nun richtig sicher und selbstbewusst im Wasser bewegen. Ich war, und bin nachwievor, ziemlich beeindruckt wie schnell das nun geklappt hat und bin auch sehr glücklich mit den Dingen, die sie im Laufe des Kurses gelernt hat.

Die Schwimmlehrerin fokussierte nämlich nicht auf das Erlangen der Abzeichen, sondern hauptsächlich auf der Sicherheit und Wasserkompetenz der Kinder. So kam es, dass die Kids auch mal mit Klamotten schwammen, oder mittels „Schüttelmatte“ das „ins-Wasser-Fallen“ übten. Die Schwimmlehrerin argumentierte, dass man halt sehr selten kontrolliert ins Wasser fallen würde und dies daher eine essentielle Übung für die Schwimmkompetenz sei. Bei der „Schüttelmatte“-Übung stellen sich die Kids auf eine Schwimmmatte, die ihnen dann buchstäblich unter den Füßen weggezogen wird, was die Kids natürlich prompt ins Wasser fallen lässt, so dass sie sich drehen und auftauchen müssen. Das schien ihnen unglaublichen Spaß zu machen und sie lernten, sich unter Wasser zu orientieren und ohne in Panik zu verfallen an die Oberfläche zu schwimmen.

Auch die Baderegeln wurden nicht öde gepaukt, sondern im Wasser erklärt. So weiß die Perle nun zum Beispiel, dass man sich erstmal mit einem Gewässer vertraut machen sollte, bevor man dort schwimmt oder sogar hineinspringt. Eine andere Sache musste sie jedoch erst durch eine Situation lernen, in der ich mal ganz kurz richtig stinkwütend auf mein Kind wurde.

Während eines Besuchs beim Perlenopi schwamm sie in seinem Pool im Garten. Sie hatte einen riesen Spaß und konnte nicht genug davon bekommen immer wieder reinzuspringen. Ich saß mit der Miniperle daneben und passte auf, da der Pool mit seinen 1,40 m Tiefe zu tief war als dass sie stehen konnte. Plötzlich hörte ich nach einem ihrer Sprünge ein Husten, Röcheln und Plantschen und hechtete in Panik an den Rand des Pools. Da grinste mich die Perle frech an und meinte „Ich wollte nur, dass du kommst!“. Puh. Da musste ich erstmal durchatmen um das Kind in meiner Panik nicht debil anzuschreien. Ich sagte ihr nur, dass sie sofort aus dem Pool kommen solle. Sie merkte wohl, dass da irgendwas nicht ok war und kam dann auch, ohne Diskussion, heraus. Ich.war.so.sauer!! Aber verstand auch, dass sie nicht wusste, was genau sie falsch gemacht hatte. Also erklärte ich ihr, nachdem ich mich beruhigt und mittels tiefer Atemzüge meinen Adrenalinpegel etwas gesenkt hatte, dass sie sowas niiiiiiiemals wieder machen dürfte, dass mir das unglaublich Angst gemacht hatte und dass es passieren könnte, dass ich, wenn sie wirklich Hilfe benötigt, denke dass sie wieder nur Spaß macht und das dann echt schlimm ausgehen könnte. Sie schaute mich mit großen Augen an und ich glaube schon, dass sie es verstanden hat. Sie hatte einfach nicht auf dem Schirm, wie gefährlich so etwas ist und musste meine Erklärung auch erst einmal sacken lassen. Nun denn, verbuchen wir es mal als Lektion.

Nun kann die Perle schwimmen. Natürlich bedeutet das nicht, dass ich sie alleine und ohne Aufsicht ins Wasser lasse. Aber ich bin froh, dass ich nun beim Schwimmen nicht zwei kleine Mädchen an mir hängen habe. Und dass sie sich in einer Notsituation zu helfen wissen müsste, sollte es doch mal zu einer kommen. Das beruhigt mich doch sehr. Nun, wo sie schwimmen kann und auch einen unglaublichen Spaß daran zu haben scheint, denke ich auch darüber nach sie in einem der hiesigen Vereine anzumelden. In die Schwimmschule kann sie nicht mehr gehen, dort kann man nur bis zum Erlangen des Bronze-Abzeichens hin.

Generell denke ich jedoch, dass das Schwimmen lernen bei viel zuvielen eine viel zu niedrige Priorität hat. Wenn man bedenkt, dass es heutzutage die Regel ist, dass beim Schwimmunterricht in einer dritten Klasse mehr als die Hälfte der Schüler noch Nichtschwimmer sind, dann kann ich nur den Kopf schütteln. Schwimmen lernen ist so wichtig, es den Kindern nicht beizubringen kann so gefährlich sein. Ich lege wirklich allen Eltern nah, ihre Kinder noch vor dem Schulbeginn fit für’s Wasser zu machen. Zu gefährlich ist das kühle Nass, welches gleichzeitig auch eine unglaubliche Anziehungskraft auf die Kids auszuüben scheint. Ich kenne kaum ein Kind, welches nicht fasziniert ist, von diesem Element. Daher: Bringt euren Kindern BITTE das Schwimmen bei oder sorgt dafür, dass es ein anderer tut!

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4 thoughts on “Schwimmen & Wasserkompetenz erlernen – So hat es bei uns geklappt

  1. Musste erst mal schauen wie alt deine Perle ist. Wohl ein Jahr älter als meine zwei Süßen, geboren März 2013. Also nehmen wir das auch mal für diesen Herbst/Winter in Angriff.

    Aber Jonas-Abzeichen geht gar nicht. Nicht, wenn es nicht noch ein Amelie-Abzeichen gibt 😉

  2. Guten Morgen,

    das hört sich ja prima an! Schwimmen können ist echt super wichtig – der Kleine mag noch nicht, der Große ist jetzt auch schon beim Bronze – Abzeichen.
    Hast du schon mal geschaut, ob es bei euch eine Wasserwacht gibt? Mein Großer macht dort in der Jugendgruppe mit – seit er 6 ist. Einmal die Woche gibt es Training, die Jugendlichen dort machen das mit viel Spaß und bringen den Kindern – ähnlich wie du es beschrieben hast – nicht nur schwimmen bei, sondern auch Schwimmen in Kleidung, Hindernisparcoure im Wasser, Erste Hilfe für Kinder etc.
    Freizeit kommt auch nicht zu kurz, Zeltlager und Sommerausflüge ins Spaßbad.

    Viele Grüße,
    K

  3. Hallo, gut geschrieben, danke für den Einblick.
    Ich versuche mir meinen auch Schwimmen zu üben. Aber es gibt einfach nicht genügend passende Kurse. Da ich ganztags arbeite, sind die Kurse schlicht nicht zeitlich hinzubekommen. Zu spät ist auch schlecht, da der Kleine dann schon zu müde ist.
    Deine Empfehlung, dass alles vor Beginn der Schule abgeschlossen zu haben , ist gut gemeint, aber eben nicht passend für jedes Kind. Wir merken aber , dass mit 7 Jahren , die Kids länger fit sind , und es mehr passende Kurse gibt.
    Also, viel Spass beim Schwimmen, auch nach Schulanfang ; )

  4. Hallo

    Mit meinem grossen hab ich bereits mir 2 Monaten angefangen zu schwimmen. Wir sind wöchendlich in eine offene Eltern Baby Schwimmgruppe gegangen. Man wurde beraten wie man im Wasser mit dem Baby umgehen muss und hat winzige Schwimmringe und Flossen für Babys ausprobieren können. Meiner hatte riesen Spass daran. Manche Babys haben sogar schon getaucht mit ihren Mamis. Meiner mochte das nicht. Aber das spielte keine Rolle. Als dann meine kleine auf die Welt kam, konnte der grosse mit 2 1/2 schon gut mit einer Schwimmhilfe umgehen und eine Strecke zum Beckenrand tauchen, so dass ich die Hände für mein Baby frei hatte. Die kleine hat sich so vehement gegen jede Art von Schwimmhilfe gewehrt und war so begeistert von Wasser, dass sie mit 6 nun auch im See gut 20 m schwimmt und vom Floss springt.
    Babys leben im Wasser bevor sie geboren werden. Es ist ihr Element.
    Diese Fähikeiten kann man einfach erhalten.

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