Szenen einer Nacht – Ein Drama in drölfzig Akten

Es ist eine warm-heiße Nacht im Juni 2017.

2:30 Uhr Ich klappe entnervt den Laptop zu und gebe es auf, den (eigentlich wirklich wichtigen) Artikel für morgen doch noch fertig zu bekommen. Die letzten drei Stunden verbrachte ich schreibend und stillend mit Wechsel…im 10 Minuten Takt. Das Baby will trinken. Nein, das ist falsch, es will nuckeln. Da es aber keinen Schnuller mag muss meine Brust her halten. Immer wieder.

3:00 Uhr Das Baby nuckelt. Die große Schwester steht plötzlich in der Tür, sie will zu uns ins Bett. Klar doch, wir haben ein Familienbett, jeder ist willkommen. „Ich habe Durst“ sagt sie, sobald sie neben mir liegt. „Hast du deinen Becker mitgebacht?“ „Nö“ „Dann hole ihn doch bitte…“. Macht sie auch, trinkt und kuschelt sich ein.

3:15 Uhr Das Baby nuckelt. „Mama, mir ist warm“. „Dann strampel doch mal die Decke weg, dann ist es nicht mehr so warm…“. Durch das Zupfen an der Decke wird die kleine Schwester wieder wacher und nuckelt vehementer.

3:30 Uhr Das Baby nuckelt. „Mama, mir ist immer noch warm…“. „Ok, dann zieh doch bitte deine Schlafanzughose aus, dann ist dir bestimmt nicht mehr so warm…“. Gesagt, getan.

3:50 Uhr Das Baby nuckelt. „Mama, meine Nase ist zu“. *unterstreichendes Schniefen und Nase hochziehen* welches die kleine Schwester aufweckt. Ich lasse sie abdocken und greife zum Salzwasser-Nasenspray, verabreiche es der schniefenden Perle und docke das nun schreiende Baby wieder an.

4:10 Uhr Das Baby nuckelt. „Mama, ich habe keine Decke!!!“. „Dann zieh dir die Decke hoch, du hast sie ja eben weggestrampelt.“ Die hochgezogene Decke fällt auf das Babygesicht, die das echt ziemlich doof findet und wieder anfängt zu schreien. Schnell docke ich sie wieder an und die Welt ist wieder in Ordnung. Puh.

4:30 Uhr Das Baby nuckelt. „Maaaamaaaaa, mein Mückenstich juckt!!!“ *Kratz kratz kratz*. Ich kraule der Großen matt den Rücken und versuche gleichzeitig das Baby zu beruhigen, das sich wegen der plötzlichen schwesterlichen Sirene neben sich fürchterlich erschrocken hat.

4:40 Uhr Das Baby nuckelt. „Maaaaamaaaaa, da blinkt was!!!!“ (Die Akku-Leuchte meines Laptops, der unverrichteter Dinge im unbenutzen Beistellbett liegt). Das Baby hat sich abermals erschrocken und lässt sich nun auch nicht mehr andocken, da sie sich neugierig, aber immer noch wütend jaulend, zu Schwester umdreht. Ich merke wie ich die Zähne zusammen beißen muss und stehe langsam aus dem Bett auf, ziehe mir das nächstbeste Tshirt über den Kopf, welches ich zu greifen bekomme, und verlasse das Schlafzimmer.

4:50 Uhr Ich stehe im hellen Wohnzimmer, die Sonne geht gleich auf. Draußen zwitschern die Vögel, im Schlafzimmer hinter mir weinen zwei Mädchen. Nur ruhig, eine kurze Pipi-pause, dann kann der Wahnsinn weitergehen. Als ich nach maximal 2 Minuten wieder aus dem Bad komme ist es still in der Wohnung. Nur das Vogelkonzert von draußen ist zu hören. Dann höre ich das Kichern der Perle und das Glucksen der Miniperle. „Naja“, denke ich, „hauptsache die beiden haben Spaß“. Ich lasse mich auf die Couch fallen und schließe kurz die Augen. Wie schön es ist, grad mal kein Äffchen an sich kleben zu haben. Wie ruhig es ist… „MAMA!! WAS MACHST DU DA???“ Die Perle steht neben mir und guckt mich vorwurfsvoll an. „Es ist NACHT!!!“.

5:00 Uhr Die Anzahl der wachen, lachenden Kinder in meinem Bett: 2. Die Anzahl der Stunden, die ich bisher schlafen durfte: ZERO! Ich liege ergeben auf meinen 30 cm Matratzenfläche und weiß grad nicht so ganz was ich fühlen oder denken soll.

5:15 Uhr Die Nachtruhe hat begonnen, während die Sonne langsam über diesem neuen Morgen aufgeht.

„Habt Kinder“ sagten sie. „Das ist das Beste, was es gibt“ sagten sie. Von Nächten wie dieser sagten sie nichts.

3 thoughts on “Szenen einer Nacht – Ein Drama in drölfzig Akten

  1. Oh jeh, oh jeh…
    Gratuliere dir
    zu deiner Geduld und Selbstbeherrschung.
    Ich bin lange nicht so nett, wenn mir der Schlaf geraubt wird.
    Meine Kinder bekamen da schon einige ungehobelte Ausdrücke von mir zu hören.
    Hut ab und hoffentlich bald viel Schlaf wünsch ich dir.

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