Ein Tagesausflug nach Maastricht – Tipps und Tricks

Kürzlich bat mich meine Cousine um Tipps für einen Tagesausflug in meine Herz-Heimat, Maastricht in den Niederlanden. Ich machte mich gleich daran in meinen Erinnerungen (ich lebte von 2006 – 2012 dort) zu stöbern und schickte ihr lauter Tipps bezüglich der schönsten Ecken dieser kunterbunten, tollen Stadt. Und da ja nun wieder einige lange Wochenenden anstehen, möchte ich euch diese Tipps natürlich nicht vorenthalten. Aber ein Tipp schon einmal vorweg: Sucht euch unbedingt einen Tag mit gutem Wetter, am besten im Frühling oder Sommer, aus um nach Maastricht zu fahren. So wunderschön die Stadt auch bei Sonne ist, so traurig ist sie bei Regen.

Hinkommen und Parken

Maastricht liegt am südlichsten Zipfel der Niederlande, in der Provinz Limburg, auf der Grenze zu Belgien. Hier sind die Niederlande ganz anders, als man sie sonst so kennt. Kein Meer in der Nähe, viele Hügel, kein Fischerdorf-Flair. Ich habe Maastricht immer als „Das München der Niederlande“ beschrieben. Am Besten erreicht man Maastricht über Aachen, auf der dortigen A4 fährt man auf über die Grenze und folgt der A76 bis Heerlen und wechselt da auf die A79 in Richtung Maastricht. In Maastricht wurde kürzlich ein riesiges Bauprojekt fertig gestellt, der doppelstöckige Tunnel, der unter der Stadt entlang führt. Die unterste Ebene ist für den Fernverkehr nach Belgien, die obere für diejenigen, die in Maastricht abfahren wollen.

Alternativ kann man ab Aachen auch die B1 über Vaals nehmen und die Landstraße über Gulpen nehmen. Das dauert etwa 45 Minuten (doppelt so lang wie über die Autobahn) aber man spart sich den Tunnel und sieht dabei auch noch die wunderschöne Landschaft von Zuid-Limburg. Solltet ihr mit den Öffentlichen Verkehrmitteln kommen, dann fährt der Maastrichter Bus (Arriva Linie 350 ab Aachen HBF) genau diese Strecke bis Maastricht Centraal Station und braucht etwa eine Stunde. Man kann auch nach Maastricht fliegen, der Airport Maastricht/Aachen ist lediglich 20 Minuten entfernt und mit dem Bus sehr gut zu erreichen.

Die Maastrichter City ist (absichtlich) sehr Auto-unfreundlich, mit vielen Sackgassen und horrenden Park-Gebühren. Hier kann die Stunde gut und gerne 3 Euro kosten und meist darf man auch nur genau so lange irgendwo stehen. Es gibt aber auch echte Geheimtipps. Zum Beispiel in der Sint Hubertuslaan links unter den Bäumen. Da kostet das Tagesticket 6 Euro (unbedingt Kleingeld mitnehmen!!). Sollte hier alles voll sein, dann fahrt bloß nicht die Straße entlang in die City (da kommt man selbst als Ortsansässiger ziemlich ins Schwitzen) sondern fahrt rechts in die Van Heylerhofflaan. Am Ende der Straße fahrt ihr nochmal rechts in die Sint Pieterskade und da am Ende ist noch ein Parkplatz unter einer Brücke. Auch hier kostet das Tagesticket wieder nur 6 Euro. Von beiden Parkplätzen läuft man nur ca. 8 Minuten in die Innenstadt (durch den Maastrichter Stadspark).

Essen und Trinken

In den Maastrichter Parks kann man toll Picknicken. Hierzu empfehle ich die echt tollen Salatboxen von Cato Cato in der St. Pieterstaat (Neben der Kirche). Hier gibt es jeden Tag viele frische Salate, von denen reichlich in kleine Boxen gefüllt wird, zum Mitnehmen. Lecker und gesund für ganz wenig Geld. Wenn ihr lieber etwas lokales kleines wollt, wo man auch sitzen kann (drinnen und ganz toll auch draußen) dann lege ich euch Café Lure in der Grote Looiersstraat ans Herz, hier gibt es leckere kleine und große Gerichte auf einem kleinen Platz im herzen von Maastricht, abseits vom üblichen Trubel.

Für Drinks empfehle ich das Café Zuid direkt an der Maas (am anderen Ende der futuristisch aussehenden Fußgängerbrücke „Hoge Brug“). Auch hier sitzt man gemütlich und windgeschützt auf der großen Terrasse und sieht den Leuten beim „an der Maas entlang flanieren“ zu. Natürlich gibt es noch etliche Cafés und Restaurants am Vrijthof Der große Platz mit den zwei Kirchen), doch hier ist es oft sehr voll und überlaufen. Es kommt eben darauf an, was man möchte. Zur Kaffeepause empfehle ich noch das Café Zondag in der Stationsstraat (über die alte Sint Servaas Brug und dann gerade aus auf der linken Seite). Dies ist ein einfaches, jedoch recht hippes Café, das zum Verweilen einlädt. Bierfreunde werden im Take One in der Rechtsstraat voll auf ihre Kosten kommen. Hier kann man aus unendlich vielen Biersorten aussuchen und bekommt zu jedem auch noch eine Geschichte. Man wählt hier nicht nach Marke, sondern sagt, was man möchte und der Wirt wählt aus. Etwas Leichtes, Fruchtiges? Kein Problem! Etwas Schweres, Dunkles, Würziges? Ich habe da etwas für sie. Und die vielen Gesellschaftsspiele zum Ausleihen lassen den Abend nicht langweilig werden.

Und Eis? Unweit der Hoge Brug (auf der Parkseite der Maas) befindet sich ein Eissalon: Gelateria Luna Rossa, man kann ihn nicht verpassen, denn meist stehen hier sehr viele Menschen. Es ist nämlich weitläufig bekannt, dass es hier das allerbeste Eis gibt. Am Sint Amorplein in der City findet man jedoch auch den „Australian“, einen Candystore, der neben Pralinen und Waffeln auch sehr leckeres Eis verkauft (Das Belgian Chocolate Eis, der helle Wahnsinn!)

Das muss man gesehen haben

Die kleinen Gässchen an der alten Stadtmauer entlang sind wunderschön. Hier ist es meist sehr ruhig und friedlich. Am besten kommt man über die Sint Pieterstraat dorthin, an der Kirche dann links rein und schon steht man an der Mauer. Bekennende Booknerds dürfen auf keinen Fall den, laut the Guardian, „schönsten Buchladen der Welt“ verpassen. Glaubt mir, das muss man gesehen haben. An der Adresse Dominicanerkerkstraat 1 findet man die zum Buchladen umfunktionierte Kirche mit ihrer ganz eigenen Atmosphäre. Reingehen – Staunen. Glaubt mir!

Ansonsten lohnt es sich oft bei der Bibliothek am Plein 1992 (Nähe Café Zuid, am Fuße der Hoge Brug) vorbeizuschauen. Hier findet man immer wieder mal tolle Ausstellungen, für umsonst! Ansonsten ist Maastricht, allein schon durch die alljährliche und weltberühmte TEFAF (The European Fine Arts Fair) bekannt als Kunststadt. Hier gibt es überall kleine Galerien, von denen viele aber nicht lange an einem Ort bleiben. Hier lohnt es sich, die Augen aufzuhalten und auch mal in die kleinen Gassen zu schauen. Oftmals verbergen sich hier kleine Diamanten!

Dann empfehle ich noch den Onze-Lieve-Vrouweplein, der schon mehrfach als „Der schönste Platz der Niederlande“ ausgezeichnet wurde. Am besten gen Dämmerung. Erklären kann man die Atmosphäre dort nicht, die muss man einfach erlebt haben.

Events

Maastricht ist eine sehr lebendige Stadt, es gibt eigentlich immer irgendein Event. Da gibt es tolle gratis Festivals, viel Streetfood, Konzerte, Märkte…you name it. Viel zuviel um sie alle aufzuzählen. Daher hier nur ein paar Tipps:

Immer am letzten Wochenende (Do-So) im August findet die Preuvenemint auf dem Vrijhthof statt. Maastricht ist bekannt für seine High-Class Restaurants, doch nicht jeder kann es sich leisten, dort essen zu gehen. Auf der Preuvenemint bieten diese Restaurants ihre extravaganten Speisen auf Streetfood-Art an. In schicken Pavillions kann man dann kleine Happen probieren und sich so bei live Musik durch den Tag schlemmen. Hier geht es unheimlich schick zu und man bekommt viele große Hüte zu sehen.

Maastricht ist DIE Karnevals-Hochburg der Niederlande. Zu Karneval steht das gesamte alltägliche Leben der Stadt still (die Uni hat zum Beispiel die ganze Woche geschlossen wie eigentlich das Meiste in der Stadt). Zum Shoppen kommt man zu dieser Zeit nicht, aber es ist unglaublich interessant sich unter das jecke Volk zu mischen. Viele Maastrichter arbeiten das ganze Jahr lang an ihren Kostümen und tragen jeden tag etwas anderes. Es ist definitiv etwas, was man mal gesehen haben muss. Hierfür am besten aber mit den öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen.

Da Maastricht eine Uni-Stadt ist, gibt es hier auch viele kleine Festivals. Eines davon ist das das Bruis Festival auf dem Areal neben der Polizei Station am Prins Bisschopsingel. Der Eintritt ist frei und hier gibt es ein Coachella-Feeling mit vielen kleinen Indie-Bands, viele bunte Lichter, lustige Kostüme, etc. Dieses Festival findet meist am ersten Wochenende im September statt. Mitte Mai findet dann noch alljährlich das WE Festival statt, ein nachhaltiges Festival, welches die verschiedensten kreativen Menschen zusammen bringen möchte. Das Festival geht eine Woche lang und es werden die unterschiedlichsten Workshops, Talks und Parties angeboten. Von Meditation über Black & White Photography zu Balkan Beats Parties. Da ist für jeden etwas dabei (und es ist kostenlos!).

Abends

Für Cocktails empfehle ich das Take 5 in der Bredestraat 14. Hier kann man gemütlich draußen oder drinnen im Schlummerlicht sitzen und leckere (aber auch günstige) Cocktails schlürfen. Etwas teurer, aber mit toller Kulisse, sind die Cocktails im ‚t Bassin im Yachthafen. Die Bar ist direkt am Hafen in einem alten Lagerraum mit gewölbtem Dach. Wahnsinnig gemütlich. Solltet ihr ins Kino gehen wollen, dann empfehle ich das kleine independent Cinema „Lumiere“ an der Adresse Bassin 88 (ja, ganz nah an der Cocktailsbar). Hier laufen viele coole internationale Indie-Filme in ihrer Originalfassung, die man sich bei Bier und Nüssen ganz gemütlich anschauen kann. Doch Vorsicht, man sollte wenigstens eine der angebotenen Sprachen (Audio oder Untertitel) beherrschen, daher lieber erstmal nachfragen (ich spreche aus Erfahrung…).

Schlafen

Falls ihr euch nach Cocktails und Film dann doch entscheidet eine Nacht (oder auch mehrere) zu bleiben, dann könnt ihr hierfür entweder ganz viel oder ganz wenig Geld ausgeben. Da Maastricht wie schon gesagt eine Studentenstadt ist, gibt es viele Studenten, die ihr Zimmer sehr gerne (und günstig) über’s Wochenende via Air B’n’B oder Couchsurfing vermieten. Da viele Studenten in WG’s wohnen habt ihr auch die Chance ein paar quasi locals zu treffen, die auch auch nochmal Tipps geben können. Wenn ihr lieber klassisch ein Zimmer mieten wollt, aber dennoch nicht zuviel Budget habt, dann empfehle ich das Hostel „Stay Okay“ am Stadspark. Das Besondere an dieser Jugendherberge ist, dass sie direkt an, teilweise sogar auf, der Maas liegt und eine grandiose Terrasse Riverside hat, wo Gäste gern und oft via BBQ verköstigt werden. Absolut empfehlenswert. Etwas schicker und auch teurer sind die vielen kleinen Design-Hotels in der Stadt. Ein Beispiel hier ist das Hampshire Hotel in der Stationsstraat unweit des Hauptbahnhofs. Oder das tolle Hotel Botticelli in der Papenstraat 11 in unmittelbarer Nähe des Vrijthofs. Wer es ganz pompös möchte, der steigt jedoch im Kruisheren Hotel ab, wieder eine umfunktionierte Kirche, etwa 100 meter nördlich des Vrijthofs.

So, ich hoffe, dass ich euch so richtig Lust machen konnte auf diese Stadt meines Herzens. Wie ich selber Maastricht in Erinnerung habe, das könnt ihr hier nachlesen (einer meiner ersten Artikel überhaupt, noch ohne Bilder, aber mit ganz viel Liebe). Doch das ist eher die Studenten-Version als die Besuchs-Version. Aber die Stadt hat wirklich ihren eigenen Flair und eine wunderbare Atmosphäre. Fahrt hin und überzeugt euch selber. Und lasst mich wissen, was ihr dort gefunden habt (und was eventuell in meiner Liste noch fehlt).

PS: Ich habe mich absichtlich auf Dinge konzentriert, die man nicht unbedingt in den gängigen Reiseführern findet, den Rest (Kirchen, Kloster, Museen, Schifffahrten, Höhlen, etc. findet ihr sicher selbst.

Übrigens: Ich habe für keinen dieser Tipps irgendein Geld bekommen, sie beruhen alle auf meiner persönlichen Erfahrung!

Wer gerne noch ein paar bewegte Bilder sehen möchte, bittesehr:

Die meisten Bilder in diesem Beitrag sind übrigens von meiner Cousine und ihrer Freundin, für die ich die Tipps in diesem Beitrag ursprünglich aufgeschrieben hatte und die diese bei ihrem Tagestrip nach Maastricht nutzten. Danke dafür. Ihr könnt meiner Cousine auf Instagram folgen, sie macht wirklich tolle Bilder.

3 thoughts on “Ein Tagesausflug nach Maastricht – Tipps und Tricks

  1. Liebe Perlenmama,
    wir waren heute an einem sonnigen Tag in Maastricht. Deine Tipps waren wundervoll. Genauso die Stadt. Mit breit gelaufenen Füßen aber überglücklich!
    ganz liebe Grüße
    Anna

    1. Ach, da freut mich aber. Sehr sogar. Die Stadt ist so wunderschön, ich vermisse sie sehr. Schön, dass ihr einen schönen Tag hattet! Danke für’s Bescheid sagen.

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