„Mama? Wer ist eigentlich in Deutschland der Bestimmer?“ #DubistDemokratie

Meine Beste hat ja so eine coole Angewohnheit mir immer mal wieder interessante Zeitungsartikel zu schicken und so flatterte vor Kurzem wieder einer dieser Artikel mit der Post ins Haus. In der ZEIT vom 6. April erschien der Artikel „Kinder an die Macht“, der davon erzählt, wie unsere Kinder heute schon sehr früh lernen, was Demokratie ist. Nur ein paar Wochen später veröffentlichte die Frankfurter Rundschau einen Artikel darüber, dass „Muddiblogs“ ja lediglich von ganz mondänen „Muddithemen“ handeln und sich somit keinesfalls mit wichtigen gesellschaftlichen Themen wie Politik beschäftigen. Dies würde ja bedeuten, dass wir „Muddis“ keinesfalls an der demokratischen und politischen Erziehung unserer Kinder mitwirken (können). Wie passt das Ganze also zusammen? Als Teil der Elternblog-Initiative #DuBistDemokratie von Allerlei Themen möchte ich heute mal erzählen, warum Demokratie auch in unserer Familie ein wichtiges Thema ist und wie ich versuche den Perlen dieses Thema näher zu bringen.

Am 21. April hielt ausgerechnet der als Spaßvogel bekannt Klaas Heufer-Umlauf in der NDR Talkshow eine bemerkenswerte Rede darüber, wie unsere Generation mit der EU aufgewachsen ist und quasi nichts anderes kennen. Genau so ist es doch auch mit der Demokratie. Wir, ja sogar unsere Eltern und teilweise auch unsere Großeltern schon, sind mit Demokratie groß geworden. Wir kennen es nicht anders, wir sind es gewöhnt ein Mitspracherecht, eine Stimme zu haben. So auch unsere Kinder. Das Problem daran ist, dass wenn man nicht weiß wie es anders laufen würde, man so schnell den Wert eines Zustands vergisst. Sprich wenn man nicht weiß wie es ist keine Stimme zu haben, dann kann man den Wert dieser Stimme schnell vergessen. Das sieht man zum Teil an den unglaublich hohen Wahlbeteiligungen bei den kürzlichen Wahlen in den Niederlanden und in Frankreich. Mit der Aussicht auf den teilweisen Wertverlust der eigenen Stimme gingen wieder viel mehr Menschen als in der Vergangenheit an die Wahlurnen. Wenn die Demokratie ins Wanken gerät, wachen auch die politikverdrossenen und Wahl-Faulen wieder auf und geben ihre Stimme ab. Das ist eigentlich ganz gut so, aber muss es erst so weit kommen? Muss die Stimmung erst so hoch- vielleicht sogar überkochen, bis wir wieder verstehen, welchen Wert Demokratie für uns hat?

Wir haben die Pflicht unseren Kindern zu erklären was Demokratie ist und dass diese ein Gut ist, welches wir schützen müssen. Das fängt am Frühstückstisch zu Hause an, wird in die Kindergärten getragen, in die Schulen, in die Universitäten und Betriebe und so in die Gesellschaft. So machen wir die Generation unserer Kinder stark für die Zeit, wenn sie selbst ihre Gesellschaft beeinflussen und Entscheidungen in ihrem Namen und für ihr eigenes Wohl treffen können und müssen. Wollen wir, dass sie dann Leute sind, die erst selber lernen müssen wie wichtig Demokratie ist indem sie erleben, wie es ohne ist? Nein, das möchte ich nicht. Daher versuche ich jetzt schon meinen Kindern beizubringen, wie Demokratie funktioniert.

Die Perle stellt schon viele Fragen. „Mama, was ist Europa?“, „Mama, wer ist der Bestimmer?“, „Mama, wer ist Frau Merkel?“. Sie schnappt auch schon viele Dinge auf, zur Zeit von Amerika’s Wahl von Trump zum Präsidenten hat sie sich mehr als einmal erklären lassen, warum ich darüber besorgt bin. Und als wir kürzlich bei ihrer Patentante die französischen Wahlergebnisse im TV verfolgten sah sie sich alles genau an, dachte nach und wollte hinterher genau wissen, warum das denn jetzt so wichtig war. Manchmal finde ich es zugegebenermaßen schwer, die richtigen Worte zu finden. Es ist manchmal doch alles etwas abstrakt und schwer zu verstehen für so kleine Köpfe. Aber das muss ja auch noch nicht sein.

Man kann ja auch ganz klein anfangen. Zum Beispiel kann man bei Entscheidungen abstimmen und danach erklären, warum das so gut war, auch wenn man selber nun nicht genau das bekommen hat, was man jetzt wollte. Man kann ihnen Werte wie Fairness und Solidarität vermitteln, und ihnen zeigen, dass ihre Stimme etwas wert ist und es sich lohnt für seine Interessen einzustehen und sie zu verteidigen. Mir ist es wichtig eine Diskussionskultur zu leben, auch wenn ich das nicht immer schaffe und es mitunter sehr anstrengend ist. Aber generell möchte ich nicht, dass Befehle und „weil ich das so sage“ Grund genug ist um zu gehorchen. Ich möchte, dass sie einfordern in Entscheidungen mit eingebunden und gehört zu werden. Dass sie auch mal unbequem nachfragen und selbstbewusst sind, weil sie wissen, dass ihre Stimme zählt.

Das alles muss aber im Gleichgewicht damit liegen, dass auch die Interessen anderer zählen. Ähnlich wie mit der Bedüfnisorientierten Erziehung ist es hier wichtig ihnen zu zeigen, dass Bedürfnisse nicht nur einseitig wahrgenommen werden, sondern die Bedürfnisse aller Beteiligten eine Daseins-Berechtigung haben und gehört werden müssen. So muss man in einer Demokratie auch mal einsehen müssen, dass man nicht seinen Willen bekommt. Und dass man auch einfach mal Unrecht hat. Das ist ein Drahtseilakt und fällt mir wirklich nicht immer leicht. Kürzlich war es Zeit für mich meine Briefwahl-Unterlagen für die NRW Landtagswahl am 14. Mai 2017 auszufüllen (da sind wir ja bei der Blogfamilia und somit nicht in NRW). Ich hatte damit absichtlich gewartet, bis die Perle dabei war und verließ mich auf ihre Neugierde um ein Gespräch darüber zu führen. Als sie frug was ich denn da machen würde, erklärte ich ihr, dass ich mir aussuchen würde, wer denn demnächst der Bestimmer sein sollte. Und dass das alle machen dürften und dass der, den die meisten wählen dann für eine Weile bestimmen dürfte, was so im Land passiert. Sie dachte eine Weile nach und stellte dann ein paar Fragen wie „Darf dann jeder mitbestimmen?“, „Wie lange ist der dann Bestimmer?“, „Darfst du auch mal Bestimmer sein?“, und so weiter. Ich versuchte alles so gut wie möglich zu erklären, merkte aber nach einer Weile, dass es ihr langweilig wurde, weil sie nicht alles genau verstand.

Es ist aber auch nicht einfach ein solch komplexes Thema in kindgerechte Worte zu packen. Ich habe diese Themen zwar an der Universität unterrichtet, aber das ist ja nochmal wieder eine ganz andere Altersklasse. Zum Glück haben sich da die schlauen Leute von den LOGO Kindernachrichten ein paar tolle Sachen einfallen lassen, um diese Themen kindgerecht zu erklären. Seht hier LOGO zur EU, hier LOGO zur Demokratie und hier LOGO zu Wahlen. Natürlich ersetzen diese Videos nicht die Erklärungen der Eltern zu eventuellen Nachfragen, aber sie sind ein guter Start wie ich finde.

Aber generell versuche ich der Perle (und bald dann auch der Miniperle) zu vermitteln, dass Demokratie eine gute Sache ist. Ich versuche ihr Werte wie Fairness und Solidarität näher zu bringen und dass ein System, welches diese Werte schätzt und beschützt, ein Gutes ist. Natürlich soll sie auch die Chance haben, sich ihre eigene Meinung zu bilden, aber ich werde ihr beibringen, dass ein System, welches dies erlaubt, ein gutes System ist.

Und wie vermittelt ihr euren Kindern Demokratie? Wie bringt ihr ihnen bei, dass ihre Stimme zählt und das auch gut so ist? Wie erklärt ihr ihnen die Wahlen, die EU, und was sonst noch so passiert auf der Welt? Ich würde mich freuen wenn ihr mir das erzählt, entweder in den Kommentaren, oder als Blogbeitrag zum Thema #DubistDemokratie.

6 thoughts on “„Mama? Wer ist eigentlich in Deutschland der Bestimmer?“ #DubistDemokratie

  1. #Du bist Demokratie ist eine so wichtige Initiative und ich lese diese Beiträge sehr gerne, danke für Deinen! Wahlen nehme ich auch gerne zum Anlass, um mit meinen Kindern über das Thema zu sprechen. Mitunter bringen sie auch Fragen mit, wenn sie Nachrichten hören, bei der Wahl Trumps war das oft der Fall.
    Bei meiner Tochter in der Kita gibt es einmal die Woche eine „Kinderkonferenz“, wo Demokratie schon mit den Kleinen geübt wird.
    Liebe Grüße
    Svenja

    1. Das stimmt absolut. Ja, in unserer Kita wird das auch so gehandhabt. Manchmal zum Leidwesen der Erwachsenen, denn auch das Mittagessen wird dort demokratisch bestimmt.. Daher gibt es sehr oft… äh… „kinderfreundliches“ essen. Nunja. 😉 wenn schon, denn schon, nicht wahr?

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