Perlenschwestern – Eine erste Bilanz der Entthronung

Nun ist die Miniperle schon 12 Wochen alt. Seit 12 Wochen sind wir zu Dritt, bin ich eine „Mom of Two“ und die Perle eine große Schwester. Zeit um mal zu reflektieren, wie das denn so war mit der berüchtigten „Entthronung“.

Als ich in den letzten Zügen schwanger war und selbst schon mit einer gewissen Ungeduld zu kämpfen hatte, da war die Perle furchtbar aufgeregt und konnte es kaum erwarten ihre kleine Schwester endlich kennen zu lernen. Das war wirklich sehr süß, aber ich konnte nicht anders als hier und da auch mal zu denken „Ach Perle, du hast ja keine Ahnung, was da auf dich zu kommt.“ Und auch hatte ich meine Bedenken, wie sie das so verpacken würde, wie es uns als Team verändern würde, wie es unsere Beziehung zueinander verändern würde und wie sie es dann finden wird, wenn es wirklich soweit ist.

Und dann war er da, der Moment in dem meine beiden Mädchen sich kennenlernten. Hach, was hatte ich diesem Moment entgegen gefiebert, ihn mir ausgemalt, mich darauf gefreut. Und ja, es war wirklich wunderschön. Die Perle hatte null Berührungsängste, wollte ihre Schwester sogleich auf den Arm nehmen und bestaunte sie dann ganz andächtig und liebevoll. Als wir die Miniperle dann wenig später nach Hause brachten, konnte sie sich gar nicht einkriegen vor Wunder über dieses winzige Menschlein. Die kleinen Ohren, die Nase, die Fingerchen…jedes Gähnen, jedes Hicksen, jeder Ton wurde bestaunt und kommentiert, alles war ja so aufregend und so unglaublich niedlich.

 

Man merkte aber auch, dass sie etwas unsicher war, wie sie die ein oder andere Situation einzuordnen hatte. Die Stillzeit, wenn ich einfach nicht sofort parat sein konnte, war der erste Auslöser für ein paar Tränen und der Ankündigung, dass sie ganz sicher nun in dieser Zeit verhungern würde, da ich ihr ja nun nicht sofort ein Brot machen könne. Ein anderes Problem der Entthronung war, dass der Besuch in der ersten Zeit in der Regel erst einmal das Baby sehen wollte. Schon mehrfach beschwerte sie sich „Mama, alle wollen immer nur die Miniperle sehen, mich gucken die gar nicht an“. Ganz allergisch reagierte sie anfangs, wenn ihr Spielbesuch lieber die Miniperle angucken wollte anstatt mit ihr zu spielen. Das konnte ich auch wirklich gut nachvollziehen und hielt zum Glück auch nicht lange an. Was sie ebenfalls für eine Weile zeigte (und was mitunter sehr anstrengend war) war, dass sie sicher stellen musste, dass man sie sah, was auch immer sie tat. So musste man alles kommentieren, sonst sagte sie immer wieder „Guck mal!“ bis man etwas sagte. Ich glaube sie wollte so sicher stellen, dass man sie nachwievor wahrnahm. Nun, da sie sich dem sicher ist, ist das auch wieder besser geworden. Ein anderer Aspekt, der mir aufgefallen ist, ist dass die Perle sehr laut ist. Ich weiß nicht, ob die Lautstärke zugenommen habe, oder ich da jetzt mit der Miniperle im haus einfach empfindlicher bin. Aber sie redet in einer unglaublichen Lautstärke, die sogar noch zunimmt, wenn sie aufgekratzt ist. Nach etwas Reflektion muss ich aber gestehen…ich bin auch nicht unbedingt die leiseste Person…daher muss das jetzt nicht unbedingt mit der Entthronung zusammen hängen.

Andere Dinge, mit denen ich gerechnet hatte oder über die ich mir Sorgen gemacht haben traten übrigens nicht ein. So bin ich zum Beispiel sehr überrascht wie wenig die Perle genervt ist, wenn die Miniperle schreit. Sie wacht dabei fast nie auf, kann dabei sogar einschlafen. Sie reagiert sofort auf sie, wenn sie sich meldet und ist meist schneller bei ihr als ich und gibt mir schonmal einen Report, was es denn sein könnte. Sie wird ganz besorgt, wenn sie bei ihrer Schwester Tränchen sieht und liebt es total, wenn die Miniperle sie anlächelt. Dafür macht sie auch gerne mal den Clown und blödelt so lange vor ihrer Schwester herum, bis sie ihr ein Lächeln schenkt. Sie kann sich auch schon eine Weile mit ihr beschäftigen, wenn ich z.B. mal zur Wäsche in den Keller muss oder etwas kochen möchte. Dann liegt sie mit der Miniperle auf der Babydecke und zeigt ihr allerlei Sachen oder wedelt mit ihrem Gymnastikband durch die Luft, das mag die Miniperle am meisten.

Ich muss sagen, dass ich im Vorfeld gar nicht so viele Pläne gemacht habe wie ich der Perle bei ihrer Entthronung helfen würde, ich lasse sowas ja gern auf mich zukommen und entscheide dann aus dem Bauch heraus. Auch diesmal hat sich dieser Ansatz wieder bewährt. Was ich mich aber schon vorgenommen habe ist, dass ich die Miniperle nicht als Grund vorschieben wollte wenn etwas nicht nach der Perle ginge. Doch diesen Vorsatz habe ich nicht gänzlich eingehalten. Und das ist auch okay wie ich finde, denn ich glaube ganz fest daran, dass zu einer bedürfnisorientierten Erziehung auch gehört, dass die Kids lernen, dass Andere auch Bedürfnisse haben. Und so sollte auch die Perle lernen und erleben, dass da nun noch jemand anders ist, dessen Bedürfnisse zählen und wichtig sind.

Und das hat bisher ganz wunderbar geklappt. Sie versteht schon ganz gut, dass Babies andere, ganz besondere Bedürfnisse haben und diese auch relativ zeitnah gestillt werden müssen (meist eben sogar im wahrsten Sinne des Wortes). Ich glaube, dass ist sogar viel besser, als die Bedürfnisse der Miniperle runterzuspielen, nur um die Perle nicht zu verletzen. Das wäre wahrscheinlich nicht in unser aller Sinne und auch wenig förderlich für die Beziehung zwischen den Schwestern (außerdem würde ich das glaub ich nicht auf lange Zeit auffangen können…irgendwann komme ich ja auch an meine Grenzen).  Ich bin sowieso der Meinung, dass dies ein ganz natürlicher Prozess ist und während man die Gefühle der großen entthronten Geschwister natürlich ernst nehmen und respektieren sollte, so sollte man diese Situation nicht pathologisieren und/oder dramatisieren. Geschwister sind toll und für die großen ist es eine tolle Erfahrung, emotional wie sozial.

Ich habe aber auch versucht den Alltag der Perle so schnell wie möglich wieder quasi unverändert fortzuführen und so die Wucht der Entthronung irgendwie aufzufangen. So brachte ich sie nach einer Woche schon wieder in die Kita und holte sie ab, nach zwei Wochen konnte ich sie auch schon wieder zum Schwimmunterricht bringen (zwischenzeitlich war der Papa freundlicherweise einmal eingesprungen). Ich verbrachte viele Still-Momente mit UNO-Karten in der Hand und wenn ich müde auf der Couch lag und mich dringend ausruhen musste so kuschelten wir dort oft zu dritt. Ich konnte schnell quasi alles mit ihr machen, zumal die Miniperle sowieso am liebsten im Tragetuch an mir hängt. So bastelten wir, malten, spielten…alles wie immer eigentlich.

Die Bedürfnisse von Zweien stillen zu müssen finde ich bisher nicht ganz so schwierig. Das klappt eigentlich ganz gut und ich fühle mich nicht groß ausgelaugt oder gestresst. Irgendwie plätschert die Zeit gerade so ein wenig vor sich hin. Viel mehr stresst mich etwas, dass ich noch andere Dinge zu erledigen habe und das nicht immer so richtig klappt, aber das ist ein anderes Thema.

Fazit: Nach anfänglicher (und absolut verständlicher) Unsicherheiten war die Entthronung der Perle kein großes Drama. Sie scheint das alles recht gut weggesteckt zu haben und ist eine sehr stolze und liebende große Schwester. Ich bin erleichtert, dass es so gut geklappt hat bisher. Anders wird es natürlich, wenn die Miniperle mobil wird. Aber das werden wir ebenfalls so nehmen wie es kommt.

3 thoughts on “Perlenschwestern – Eine erste Bilanz der Entthronung

  1. Zucker Zucker süß! 🙂

    bei uns ist es so, dass wir zwei Jungs im Alter von 3 Jahren haben und seit Dezember eine kleine Prinzessin dazu gekommen ist. War auch überhaupt kein Problem, wobei ich mittlerweile manchmal das Gefühl habe, dass sich „ein Frust“ unterschwellig auf andere Art und Weise entläd. Kann aber auch der typische Trotz in dem Alter sein?!

    Wie auch immer: Alles Gute euch weiterhin 🙂

  2. Vielen Dank für diesen Artikel!

    Meine Tochter wird ja auch im August große Schwester und auch hier kommt eine kleine Schwester dazu.
    Ich versuche, sie so gut wie möglich darauf vorzubereiten, aber mit derzeit 2,5 kann sie das einfach noch nicht überblicken. Sie ist relativ fordernd und ja, ich gestehe, ich mache mir ziemliche Sorgen, was die erste Zeit angeht.

    Leider fällt der ET auch noch kurz vor Beginn der Kitaschließzeit, das heißt, zumindest für die ersten zweieinhalb Wochen kann ihre heißgeliebte Kita keinen Alltag bieten. Was „kein Alltag“ bedeutet, durften wir jetzt über Ostern mal wieder sehen.

    Immerhin, der Mann wird erstmal Urlaub haben. Danach wollen meine Eltern zum Helfen kommen, wobei ich mir da noch nicht sicher bin, wie gut diese Idee ist.

    Ich werde meine Aufmerksamkeit wohl erstmal auf 200% hochfahren müssen, damit das große Kind sich nicht zurückgesetzt fühlt. Und ich hab letztens erfahren, dass es sich nach 12 Wochen meist zurechtgeruckelt hat. Fürs erste jedenfalls. Und das ist ja absehbar.

    1. Oh, herzlichen Grlückwunsch, ich wünsche dir eine tolle Rest-Schwangerschaft. Ja, das wird Anfangs sicher nicht einfach. Aber wie ich schon schrieb, eigentlich ist das ja etwas total normales und so sollte man es dem großen Kind auch vorleben. Schau, dass du dich nicht all zu sehr verausgabst und auch dazu kommst für dich das Wochenbett zu genießen. Die Große wird das schon hinbekommen, Geschwister sind ja eigentlich etwas tolles!

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