Mein erstes Vorstellungsgespräch nach der Elternzeit – Gastartikel von Frida Mercury (2Kindchaos)

Für die Zeit des Wochenbetts habe ich mir gewünscht, dass ich, zumindest in der ersten Zeit, etwas weniger am Blog werkeln werde. Damit ihr aber trotzdem etwas zu lesen habt, habe ich mir ein paar Dinge ausgedacht. Einerseits habe ich natürlich den ein oder anderen Artikel vorgeschrieben, werde via Social Media ein paar interessante Artikel recyclen. Andererseits, und darüber freue ich mich besonders, haben ein paar meiner geschätzten und lieben Kolleginnen und Kollegen ein paar tolle Gastartikel für diese Zeit zur Verfügung gestellt. Darüber freue ich mich sehr und sage DANKE!

Heute schreibt Frida Mercury, die Frontfrau von 2KindChaos, über ihr erstes Vorstellungsgespräch nach der Elternzeit. Wie immer erfrischend und sehr ehrlich, einfach Frida. Aber lest selbst:


Mein erstes Vorstellungsgespräch nach der Elternzeit

Ich  bin Sozialpädagogin. Warum ich das schreibe? Weil ich verdammt nochmal eigentlich folgende Situation im Schlaf, aus dem FF, aber sowas von hätte können müssen: das Vorstellungsgespräch! Ich hab schon Bewerbungstraining mit Langzeitarbeitslosen gemacht, verdammt! Mit Jugendlichen dagehockt, Bewerbungen geschrieben und sie gecoacht, und außerdem bin ich auch bei vielen Firmen und Sozialen Trägern gewesen und hab die große Muddi markiert. Ich hab also wirklich keine Ausrede gehabt, nach der Elternzeit mit meiner ersten Tochter Peanut das peinlichste Vorstellungsgespräch meines Lebens gehabt zu haben…

Ehrlich, ich hab sie alle gemacht, die klassischen Fehler: mich nicht vorbereitet, keine Ahnung über die Firma gehabt, dünne Antworten gegeben, zu viele “ähms” und “ähs”, keine glaubwürdige Argumentationskette bezüglich des Lebenslaufs, nix. Ich fürchte, ich kam noch nicht mal besonders sympathisch rüber, dabei hatte ich extra meine Nerdbrille auf, die mich so pädagogisch aussehen lässt. Ach ja, an den falschen Stellen lachen ist auch so ein Tick von mir, neben dem, blöde Witze zu machen wenn ich nervös werde. Blöd nur, wenn das Gegenüber keinen Humor hat.

Wie konnte es so weit kommen?

Folgende Szene ist einer langjährigen Mutter wahrscheinlich nur allzu bekannt. Vermutlich hat sie auch schon eine Menge Strategien entwickelt, wie sie damit umgeht und trotzdem einen klaren Kopf behält – nur ich krieg das natürlich nicht wirklich auf die Reihe:

  • Der Papa hatte Frühdienst und wusste aber nicht, ob er pünktlich kommen kann, rief also im Stundentakt an, um mir zu sagen, dass er es immer noch nicht weiß. Peanut kreischte wie so oft zum damaligen Zeitpunkt den halben Tag vor sich hin. Besonders stressig find ich es, wenn ich zum Beispiel nicht mal Zähne putzen kann, ohne ein nörgeliges Kind am Bein hängen zu haben, das es nicht erträgt, nicht auf dem Arm zu sein.
  • Und so gestaltete sich bei uns dann auch das Mittagessen; erst fütterte ich sie (oder versuchte es zumindest, das ist absolut tagesformabhängig und meistens heulte sie schon, wenn sie nur in ihren Stuhl kam), dann versuchte ich zu kochen (Ablenkung für das Kind, hielt meistens um die 20 Sekunden an, dann krabbelte sie zu mir und will hoch), während sie wieder an meinem Hosenbein hing und ganz herzzerreißend schaute, als würde ich sie ihrem Schicksal überlassen und ihrem Leid kein Ende bereiten. Ich war also total gehetzt beim Kochen und beim Essen, da darf sie zwar mit Erwachsenenessen spielen, aber auch das hält nicht so lange an und schon muss ich sie wieder rauslassen und sie hängt wieder an besagtem Hosenbein.
  • Eine Dreiviertelstunde vor Abfahrt kam dann endlich der Papa, und musste sich natürlich erst mal um sich kümmern. Ok, sein Tag war auch stressig, aber die Mutti hat langsam den Arsch auf Grundeis. Egal. Trotz mehrfachen Bitten, das Kind mal in einem anderen Zimmer zu beschäftigen, funktionierte mal wieder gar nichts und ich versuchte also, mit einem kreischenden Kind am, na? Hoooosenbein schnell noch was über die Einrichtung zu lesen, während der Papa mir noch sein gesammeltes Wissen (trotz gegensätzlicher Bitte) über Erziehungstheorien vorzutragen versuchte.
  • Der letzte Fehler war dann noch, dass wir alle zusammen losgefahren sind, damit der Papa dann die mittlerweile abgrundtief schlecht gelaunte Brüllzessin im Bondolino in den Schlaf schuckeln kann beim Spazierengehen (hätte er natürlich auch zuhause machen können aber irgendwie dachten wir, danach einkaufen gehen zu können). Also auch hier wieder ein kreischendes nörgeliges Kind auf dem Rücksitz bespaßen, das Autofahren hasst und mich somit fast an den Rande der Verzweiflung getrieben hat.

Ich sagte ja, eine wahre Sammlung an Anfängerfehlern. Wer irgendwas findet, das ich richtig gemacht habe, kann sich ja gern melden… oder auch nicht. Jedenfalls werde ich diesen Tag sicher so schnell nicht vergessen. Ach ja, und gelernt habe ich mittlerweile auch etwas ganz Wichtiges: mich auch mal abzugrenzen und nicht immer für alle die Superheldin zu spielen.


Vielen Dank, liebe Frida, für diesen Einblick, wie immer bissig und voll mit schwarzem Humor. Ich bin gespannt wie ich mich dann demnächst in diesen Situationen anstelle.

Wenn ihr mehr von Frida lesen wollt, dann schaut unbedingt bei ihrem Eltern-Blogazin 2KindChaos vorbei und/oder folgt ihr auf Facebook, Twitter und Instagram. Es lohnt sich, wir sind auch schon sehr lange große Fans.

2 thoughts on “Mein erstes Vorstellungsgespräch nach der Elternzeit – Gastartikel von Frida Mercury (2Kindchaos)

  1. Wenn man offensichtlich den Alltag mit Kind nicht geregelt bekommt, frage ich mich: Wie wird das erst wenn Mutti wieder arbeitet?
    Was passiert wenn das Kind krank ist oder Papi beruflich nicht zurück steckt?
    Bleibt Mutti dann beim ersten Infektt dea Kindes zu Hause?
    Wie zuverlässig ist so eine AN?
    Ich stelle junge Frauen nach Möglichkeit gar nicht mehr ein.
    Die fehlen zu oft und sind mit ihrer Brut schon so überfordert dass sie besser erst mal zu Hause bleiben und geistig noch mehr abbauen. ..

    1. Vorweg: Kinder sind die Zukunft, die Arbeiter und vor allem die Konsumenten von morgen. Und vor allem die, die später auch mal ihre Rente finanzieren. Sollte man sich immer vor Augen halten wenn man so gegen Mütter und Kinder hetzt wie Sie das hier tun.
      Dass ihr Kommentar absolut daneben und bewusst verletzend ist versteht sich ja wohl von selbst. Da baue ich ehrlich gesagt lieber daheim geistig ab, als so wie sie im sozialen Bereich.

      Wenn Sie in ihrer Firma für die Einstellungen neuer Leute verantwortlich sind, dann sollten sie mal ihre Einstellungskriterien überdenken oder überlegen das ganze jemand anderen zu überlassen der besser geeignet ist Menschen einzuschätzen. Denn offenbar haben Sie die falschen Menschen eingestellt.
      Klar gibt es Mütter die nicht geeignet sind um in ihrer Firma zu arbeiten, die wären es aber wohl auch ohne Kinder nicht gewesen. Gibt für jeden den richtigen Job. Aber eben nicht überall. Und wenn man sowieso eine negative Haltung hat, ist es natürlich erst recht schwer. Wie negativ diese Haltung ist, erkennt man ja schon an ihren abwertenden Formulierungen „Mutti“ und „geistig – noch mehr – abbauen“ – offenbar wird man aus ihrer Sicht geistig behindert sobald man schwanger ist, kann das sein?
      Eine negative Haltung erzeugt auch ein negatives Arbeitsklima. Und so will kein Mensch arbeiten!
      Ich kenne Arbeitgeber die sogar bevorzugt Mütter einstellen, weil diese bei weitem nicht so stressanfällig sind wie Menschen ohne Kinder, länger einen kühlen Kopf bewahren in Stresssituationen und sie besser organisieren können. Um nur mal einige Vorteile zu nennen.
      Und natürlich fehlt man mal als Mutter (aber auch als Vater) wenn das Kind krank ist. That’s Life! Das kann einem auch passieren mit Menschen deren Eltern krank werden oder bettlägerig sind. Das auf Kinder zu schieben ist Blödsinn.

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