Unsere Entscheidung das Fernsehen abzuschaffen – Ein erstes Fazit

Im Juni 2016 fiel plötzlich unser Fernseh-Programm aus. Zugegebenermaßen kann es auch sein, dass das schon im Mai passiert ist. Ich habe schon damals äußerst selten Fernsehen geguckt, so dass ich mir bzgl. des genauen Zeitpunktes nicht ganz sicher sein kann. Bis ich die Störung meinem Provider meldete vergingen nochmal um die drei Wochen, irgendwie kam ich einfach nicht dazu. Dann begann eine Odyssee an Störungsmeldungen, Briefen, Telefonaten mit der Hotline, Technikern, die angeblich alles lösen sollten, es aber nicht schafften, mehr Telefonaten und und und. Und wie das halt so ist…jeder hatte eine andere Lösung parat, die einen vielversprechender als die anderen, aber die eine richtige war nie dabei. So vergingen die Monate und obwohl mich das Hin und Her und die Unfähigkeit des Providers unglaublich nervte, so merkte ich immer wieder: Das Fernsehen vermisste ich gar nicht.

Man muss dazu sagen, dass wir generell eher die Streamer sind. Die Perle hat auf Amazon Prime ihre „Bibi & Tina“ Folgen und auf Netflix ihre Disney Filme. Ich schaue mal hier „Grey’s Anatomy“, mal da „Orange is the new Black“ oder entdecke neue Dinge wie kürzlich „Black Mirror“. (Und pssst, wenn ich etwas Aktuelleres suche/brauche, dann streame ich auch mal auf…äh…anderen Seiten…aber alles ohne illegale Downloads, Isch schwör!). Alle wichtigen Infos, Nachrichten, Wahlergebnisse/-Analysen und Brennpunkte, oder die ein oder andere Folge „Neo Magazin Royale“ finde ich eh in den jeweiligen Mediatheken…genauso wie den Tatort.

Aber nachdem wir dann im November schon ein halbes Jahr ohne Fernsehprogramm gelebt hatten und wir es eigentlich so gar nicht vermisst haben schlich sich langsam die Idee ein, dass wir es vielleicht einfach abschaffen sollten. Warum Geld für etwas bezahlen, was wir wirklich einfach nie brauchen? Nur „für den Fall“? Ich begann mir Szenarien zu überlegen in denen es unglaublich schlimm wäre kein Fernsehen zu haben. Aber mir fiel nichts ein. Alle Szenarien endeten mit dem Einwand „ja, aber das geht auch online.“

Als der Umzug also nun anstand begann ich nach Internet und Telefon Plänen für uns zu suchen, ganz spezifisch ohne Fernseh-Programm. Stattdessen verlängerte ich unsere Netflix-Mitgliedschaft. Und nein, wir haben es noch immer nicht vermisst. Einzig am Abend des Anschlags in Berlin habe ich bei meinen Eltern abends vor den Fernseher gesessen, da wir noch kein Internet hatten. Doch auch das hätte ich zur Not alles über’s Handy sehen können.

Nun ist Januar. Seit ein paar Tagen läuft wohl wieder das Dschungel-Camp, DSDS hat anscheinend wieder angefangen (habe ich noch nie geguckt) und im Februar beginnt die neue Staffel Germany’s Next Topmodel. Und der Bachelor steht wohl auch schon wieder fest, wer weiß wann das anfängt. Und was soll ich sagen? Irgendwie freue ich mich, dass das alles ohne mich stattfinden wird. Ok, es besteht die Möglichkeit, dass ich mir die ein oder andere Folge GNTM online angucken werde. Mal schauen. Vielleicht auch nicht.

Was ich sehr cool finde (und was mir gleich auffiel als ich kürzlich mit meiner Mama redete während das Fernsehen an war): Wir leben nun quasi werbefrei. Ja, ok, FERNSEH-Werbefrei. Im Radio und online haben wir ja nachwievor damit zu tun, aber Werbepausen gehören der Vergangenheit an. Sehr lustig: Die Perle kennt das Prinzip von Werbepausen gar nicht: Vor einiger Zeit (ich glaub auch bei Oma und Opa, irgendwann um Weihnachten herum) lief das Fernsehen und die Werbung begann. Sie war total perplex „Mama, mach das weg, das war ja noch gar nicht zuende…“. Ich habe ihr dann erklärt, dass das nicht ginge, da müsste man nun warten bis die Werbung vorbei sei. Sie wollte wissen warum. Ich habe ihr dann erklärt, dass die Leute da erst all die Dinge zeigen wollen, die wir kaufen sollen. Darauf die Perle:“Aber Mama, ich will doch gar nichts kaufen, ich will Fernsehen“. Wo sie recht hat, oder? Aber ich fand es einfach so putzig, dass sich ihr das Prinzip und der Grund einer Werbepause einfach nicht erschloss und sie es einfach nicht kannte.

Nein, ohne die nervigen (und andauernden) Werbepausen zu leben empfinde ich wirklich nicht als Verlust. Weder für mich, noch für die Perle. Außerdem find ich es super, dass sich unser Programm nach uns und unseren Plänen richtet. Wenn WIR etwas gucken wollen, dann tun wir das. Wir müssen nicht in die Fernsehzeitung schauen und zu einer bestimmten Zeit vor dem Fernseher sitzen. Wir können alles gucken, wann und wie wir wollen, können Pause machen, später weiter gucken oder oder oder. Perfekt. Und nicht nur wann wir etwas gucken liegt in unserer Hand, nein, auch WAS läuft liegt bei uns. Über die Streamingseiten können wir uns unser Programm ganz individuell zusammenstellen. Das ist so klasse. Und wenn es mal online nix für uns gibt haben wir ja immer noch (ganz oldschool) einen DVD-Player und sogar noch einen Videorekorder (jaha!). Hier können wir dann unsere Lieblinge immer und immer wieder anschauen.

Das EINZIGE was mir manchmal fehlt ist das Rudelgucken via Twitter. Mit dem Second Screen gemeinsam das kommentieren, was grad in TV passiert…das war schon immer sehr lustig (besonders im Dschungel, bei Schlag den Raab, Hart aber Fair, oder bei #GNTM) aber der Verlust ist eigentlich nur ein ganz Kleiner und den werde ich schon verschmerzen können.

Unser Fazit bisher ist also, dass wir unser Fernsehen so gar nicht vermissen. Wir leben prima ohne, freuen uns über die Abwesenheit der Werbepausen und die Freiheit, die wir durch das Streamen haben. Und bei dem ganzen Müll im TV-Programm heutzutage stelle ich nun einfach mal die Prognose, dass nach und nach immer mehr Leute vom herkömmlichen TV-Programm auf Streaming-Dienste umsteigen werden. Schon allein weil man dort sein Programm selber ganz individuell zusammenstellen kann, aber auch weil das deutsche Fernseh-Programm immer mehr an Qualität und simpler Daseinsberechtigung verliert (dass das überhaupt noch möglich ist, ist mir übrigens echt ein Rätsel).

Also falls ihr auch mit dem Gedanken spielt euch von deutschen „Qualitäts-Fernsehen“ zu verabschieden: Nur Mut, man vermisst es wirklich kaum, die Alternativen sind genial und alles Wichtige findet man sonst auch online.

Habt ihr schon Erfahrungen ohne Fernsehen machen können? Wie handhabt ihr das bei euch? Was sind eure Ansätze und Alternativen? Ich bin gespannt.

6 thoughts on “Unsere Entscheidung das Fernsehen abzuschaffen – Ein erstes Fazit

  1. Wir haben noch klassisches fernsehen, aber es laufen meistens nur Kindersender. Amazon Prime hatten wir auch schon. Ist ok, aber 49 (bald 69 Euro) nur für paar Kindersendungen war uns zu teuer. Ebenso wie die anderen Streamer. Also nichts für uns. Wie ist das denn mit GEZ, müsst Ihr das jetzt nicht mehr zahlen?

    1. Ja, das ist schon ein Preis, aber gerechnet im Gegensatz zu dem was wir für’s Kabelfernsehen bezahlen dann wieder ok. Außerdem hatte ich Amazon Prime sowieso schon bevor man dort streamen konnte…da find ich das (auch im Gegensatz zu den anderen Streaming-Diensten) sehr günstig (auch mit der Preiserhöhung). Als Ersatz also definitiv nicht teurer, zusätzlich dann aber schon Luxus.

      Die Rundfunkgebühr muss man trotzdem zahlen. Zum einen hat man das empfangsbereite Endgerät, zum anderen habe ich ja auch noch zwei Radios. Außerdem nutze ich ja auch die ARD/ZDF/WDR Mediatheken sehr gern, da find ich das schon legitim.

  2. Wir haben auch kein Bezahlfernsehen. Kabel gibt es hier glaub ich gar nicht, aber Satelliten Bezahlfernsehen schon (Sky z.B.). Wir nutzen Freeview wobei wir auch sehr selten live fernsehen. Wir schauen fast nur Netflix, Amazon Prime oder BBC iPlayer (oder catch-up player von anderen Sendern). Wir haben so auch weitaus weniger Kosten, gerade Sky ist sehr teuer (wobei wir unseren Festnetz- und Internetanschluss über Sky haben, dafür zahlen wir insgesamt £20 im Monat. Und dann noch die TV license, die kostet uns £37 oder so alle 3 Monate. Plus Netflix (£7.50 im Monat) und Amazon Prime (£79 im Jahr).

  3. Wir haben noch DVBT, aber da wir quasi nie fernsehen, werden wir uns nach dem Auslaufen wohl nichts Neues suchen. Wir haben Netflix oder nutzen die Mediatheken. Das reicht uns! So können wir gucken, wann wir wollen, ohne an Zeiten gebunden zu sein.

  4. Wir haben auch seit ca. 3 Jahren keinen Fernseher mehr und ich muss sagen, dass ich ihn auch wirklich nicht vermisse. Meine 10 jährige Tochter schon manchmal, z.B. wenn ihre Freundinnen sich über bestimmte Fernsehsendungen unterhalten, die sie nicht gesehen hat. Aber im Großen und Ganzen ist es auch für sie kein Problem, denn sie merkt selbst auch, wieviel Zeit ihre Freundinnen zum Teil vor dem Fernseher verbringen und dass man diese Zeit auch anders nutzen kann.
    LG, Britta (souverän erziehen und begleiten)

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