SSW 39 Endspurt – Gedanken zum baldigen Schwangerschaftsende

Da sind wir in SSW 39. Generell ein Zeitpunkt, zu dem die werdende Mutter regelmäßig denkt „langsam reicht es“. Ich jedenfalls denke das etwa 26358 Mal am Tag. Alles ist langsamer, schwerfälliger, Wal-mäßiger. Man fühlt sich (und IST) aufgedunsen, übellaunig, langsam. All dies mündet in einer unsäglichen Ungeduld. Diese wird NICHT unterstützt von den regelmäßigen Nachfragen sich sorgender Menschen via Whatsapp, Facebook, SMS, Twitter, Brieftaube, etc. Aber man freut sich ja auch irgendwie, dass so viele liebe Menschen mitfiebern und an einen denken, nech?

Man geht nicht mehr, man watschelt jetzt. Man seufzt nicht mehr, man schnauft. Man geht nicht „mal eben nach oben“, man bleibt lieber da wo man ist. Bei Hunger wägt man genau ab, ob das nun wirklich Hunger oder Appetit ist…letzteres ist das nachträgliche Sodbrennen nämlich einfach nicht wert. Generell ist jede Entscheidung ein Abwägen geworden.

  • Trinke ich nun den Wehenfördernden Himbeerblättertee, oder spare ich mir die 3-5 extra Toilettengänge MITTEN IN DER NACHT?!
  • Versuche ich irgendwie in diese Strumpfhose zu kommen, oder ist mir jetzt einfach mal kalt?
  • Aufheben, oder halt einfach mal da liegen lassen a la „tritt sich fest“?
  • Jetzt noch irgendwie unter Höchstanstrengung erledigen, oder schauen, dass sich wer im Wochenbett drum kümmert?
  • Und der Klassiker: „Kann man das auch ohne aufstehen…?“ (oder wahlweise auch „Geht das auch mit den Füßen, bzw. ohne sich zu bücken?“)

Außerdem ist das Leben nun geprägt von „letzten Malen“. Ein letztes Mal mit der Freundin essen gehen, ein letztes Mal ausschlafen, ein letztes Mal zum Gyn, ein letztes Mal zur Akupunktur. Jedes „Event“ könnte „das letzte Mal“ gewesen sein. Was sich zuerst fast etwas feierlich anfühlt wird irgendwann nervig, spätestens wenn man es das dritte Mal „zum letzten Mal“ erlebt hat. Außerdem: Was mache ich denn nach der Geburt? Ist das Leben dann vorbei? Nein, ich glaube nicht. Hoffe nicht. Denke nicht.

Anders als bei der Perle mischt sich aber auch ein wenig Wehmut unter die Ungeduld und das „durch-sein-damit.“ Denn während ich mir letztes Mal ziemlich sicher war, dass dies nicht meine letzte Schwangerschaft sein würde, so ist dieses Szenario diesmal definitiv möglich. Auch wenn ich mir zwar immer 4-5 Kinder gewünscht habe (echt jetzt) so muss man ja auch realistisch sein und gewisse Dinge (Alter, Partner, anderweitige Lebenspläne) abwägen. Ich schließe nichts aus, das würde mir (im Angesicht meiner bisherigen Laufbahn) gar nicht einfallen, aber es ist auch nicht so ein „das war noch nicht alles“-Gefühl wie damals bei der Perle.

Und ja, auch wenn sie jetzt in SSW 39 oft im Weg ist, sie stört und schwer ist und mir so oft die Puste nimmt…so mag ich doch meine Kugel. Sie hat wunderbares geleistet und ich bin mächtig stolz drauf (ja und hübsch finde ich sie auch!). Der Gedanke, dass dies vielleicht das letzte Mal ist, dass ich so eine tolle Kugel schiebe, erfüllt mich dann doch mit etwas Wehmut, welches kurzfristig die Ungeduld vertreibt. Aber auch nur, bis mir was runterfällt oder ich der Perle die Schuhe zubinden soll.

Schwanger zu sein ist aber eigentlich auch ein ziemlich cooler und schöner, ja fast schon magischer Zustand und ja, ich empfinde es nicht als Bürden, sondern als Privileg dem Geschlecht anzugehören, dem dieses Erlebnis vorbehalten ist. Man wächst „mal eben“ einen Menschen. Mein Körper leistet dabei Großes, die Veränderungen sind, wenn auch teils recht unangenehm, sehr interessant und man hat wirklich eine unglaubliche Bindung zu dem kleinen Menschen, der da seinem Körper „entspringt“. Und wie sie dann rauskommen: Vollkommen fertige kleine Persönchen. Klar, ein wenig kleiner und erlebt bzw. gelernt haben sie auch noch nix, aber im Grunde sind sie fertig. Fertig, um ihren Platz in der Welt, vor allem aber in meinem Leben und Herzen, einzunehmen. Eigentlich der pure Wahnsinn, oder? Und da soll man nicht dankbar sein, Teil von so etwas Großem zu sein? Für mich schlichtweg unmöglich.

Klar, da schwingen auch Sorgen mit. Die Angst, dass etwas nicht in Ordnung sein könnte oder schief geht. Die ganze Verantwortung für einen kleinen Menschen, für sein Glück, sein Seelenheil, seine Versorgung, seine Gesundheit, seine Sicherheit, seine Chancen. Das kann einen schon mal überrollen und einschüchtern, wenn man sich zwischendurch ob dieser Verantwortung klar wird. Aber auf der anderen Seite steht das ganze Potential dieses neuen Lebens, die ganzen Chancen. Wie wird dieser kleine Mensch wohl die Welt verändern? Unsere im Kleinen, die da draußen im Großen? Ist das nicht unglaublich spannend, wie man da quasi ein Stück Zukunft in seinem Bauch hat? Das Potential, die Welt zu verändern. Wahnsinn. Ja, das ist ziemlich groß gedacht und so denkt wohl jede Mama, aber hey…Einstein’s, Ghandi’s und Mutter Theresa’s Mamas haben bestimmt auch solche Gedanken gehabt und sie hatten sogar Recht (Naja…Trump’s, von Storch’s und Wilder’s Mütter wohl auch, aber in die Richtung denken wir jetzt mal lieber nicht, okay?).

Also ja, einerseits bin ich jetzt in SSW 39 eigentlich durch damit, andererseits genieße ich es sogar noch ein wenig. Kommt ganz darauf an wie ich mich grad fühle und was ich grad leisten muss. Generell überwiegt da aber auch die Vorfreude auf kleine Händchen, Baby-Geruch, Geschwisterplüsch, unendliche Liebe und eine neue Herausforderung. Also, komm wann du magst, kleine Bauchperle. Wir sind bereit und warten auf dich.

Ach SSW 39…du magische, anstrengende, miserable, tolle Zeit, du. Ich werde dich irgendwie vermissen. Vielleicht. Ein wenig.

 

10 thoughts on “SSW 39 Endspurt – Gedanken zum baldigen Schwangerschaftsende

  1. Hach! Du bringst es so liebevoll auf den Punkt! So fühlte ich mich auch, kurz bevor das Oktoberbaby sich dann auf den Weg machte.
    Ich wünsche dir eine wunderbare Restkugelzeit und eine ganz tolle Geburt.
    Alles Liebe,
    Carina
    Das Flamingokleid ist fertig und wartet nur auf die Bauchperle 😉

  2. Das klingt toll! Bald ist das Baby da und es gibt wieder eine Tüte mit neuen Gedanken und Sorgen und und und… Aber das beste ist die riesige Portion Liebe die dazu kommt. Alles Liebe und Gute für die Geburt vom Miniperlchen ( oder wie es auch heißen mag ❤)
    LG Natalia

    1. Vielen Dank. Ja, ich bin echt so gespannt wie das dann wird…so mit zwei Mädels hier… 😉
      Ich werde berichten!

  3. Ach, wie schön. Ich will auch nochmal. Alles. Das ganze Programm. Bei deinem Text bekomme ich noch mehr Lust und Tränen in den Augen. So schön. Alles gute für die Geburt wünsche ich dir. Möge sie selbstbestimmt und erfüllend sein <3. liebe grüße

    1. Danke, ja darauf hoffe ich auch.
      Und dir drücke ich die Daumen, dass du dir diesen Traum vielleicht nochmal erfüllen kannst.. 😉

      1. Die Sterne stehen gar nicht so schlecht dafür… wenn wir das finanzielle geregelt bekommen, mit Elterngeld etc. dann könnte es losgehen. Hab ein ganz dickes JA von meinem Mann😍

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