Schöne und seltsame Weihnachtsbräuche in Amerika – Erinnerungen

mall-christmas

Die von euch, die hier schon etwas länger mitlesen wissen es wohl schon längst, aber hier nochmal zur Erklärung für die Neueren unter euch: Ich habe ja von 2002 bis 2007 in Amerika gewohnt, genauer gesagt in Augusta, im Bundesstaat Georgia. Weihnachten in Amerika empfand ich immer als etwas sehr Besonderes, manchmal aber auch ziemlich befremdliches. Hier habe ich mal aufgeschrieben, was ich ganz toll fand, aber auch was ich sehr seltsam, teilweise auch fürchterlich fand.

Dinge, die ich am amerikanischen Weihnachten vermisse (bzw. auch bei uns eingeführt habe). 

  • Bei meiner Gastfamilie (und auch bei vielen anderen) war es Tradition, dass jeder für Weihnachten einen neuen weihnachtlichen Kuschel-Schlafanzug bekam, den er dann in der Weihnachts-Nacht trug und in dem er dann am Weihnachtsmorgen (25.12.) die Geschenke auspackte. Das habe ich ein paar Jahre auch gemacht, bin aber irgendwie faul geworden. Vielleicht sollte ich dieses Jahr mal wieder einen bestellen…
  • Der Weihnachtsbaum wird schon kurz nach Thanksgiving aufgestellt…so hat man auch wirklich während der Weihnachtszeit was davon und nicht erst direkt zu Weihnachten und in der Zeit danach. So haben wir es letztes Jahr auch gemacht und fanden das ziemlich cool.
  • Mit meinen Freunden haben wir jedes Jahr eine „Ugly-Christmas-Sweater“ Party gemacht. Dafür haben wir uns im Second-Hand Laden hässliche Sweatshirts mit Weihnachtsprint (oder -Stickereien) besorgt und auf der Party wurde dann der hässlichste gekürt. Generell sind Weihnachts-Outfits dort viel verbreiteter, einfach weil Amerikaner generell etwas mehr zum Kitsch neigen. Ich mag das ja irgendwie…vielleicht hab ich es auch einfach nur lieben gelernt. Dieses Jahr werde auch ich zu Weihnachten ein echtes (semi-kitschiges) Weihnachtskleid tragen…extra aus den USA bestellt.
  • Cookie-Swap-Parties. So genial. Man lädt sich Freunde ein und jeder bringt einen Schwung selbst-gebackener Plätzchen mit. Die werden auf der Party dann getauscht. So hat jeder eine große Variation an Plätzchen ohne zig Ladungen selber backen zu müssen (und noch nen Grund für ne Party).
  • Abendliche Fahrten durch beleuchtete Nachbarschaften. Man kennt es aus dem Fernsehen…die Amis schmücken mit sehr viel Stolz und Sorgfalt ihre Häuser mit allerlei Lichtern. Das sieht im Dunkeln unglaublich cool aus und es ist sehr typisch abends einfach mal nen Umweg durch die Nachbarschaften zu nehmen um sich die Lichter anzusehen. (Auch ein Wochenendtrip in die Großstadt ist zu der Zeit sehr zu empfehlen…Adventszeit in NYC war einfach magisch, Lichter überall!).
  • Bonfires. Da in Augusta ja subtropisches Klima herrscht, wird es dort im Winter nicht ganz so kalt. Als Winterjacke reicht ein guter Fleece, Schnee gab es glaub ich zwei Mal in der Zeit in der ich dort war. Gerne trifft man sich also zum großen Bonfire (ohne große Angst zu erfrieren und ohne kalte Füße zu bekommen). Hier gibt es dann warmen Apfelsaft mit Zimt, Kakao mit Marshmallows und S’mores. Kennt ihr S’mores? Man nehme einen Marshmallow und röste ihn kurz (!) über dem Feuer. Dann nimmt man zwei Butterkekse, legt ein Stück einer Tafel Schokolade auf einen und zerquetscht den warmen weichen Marshmallow zwischen den beiden Keksen. Warm genießen. Der Wahnsinn, irre süß aber total lecker (ich mache das manchmal über dem Herd, geht auch über dem Kamin).
  • Der Glockenspiel Gottesdienst. Ein rein musikalischer Gottesdienst in der Adventszeit, in dem weihnachtliche Lieder von Hand-Glockenspielern begleitet werden. Eigentlich singt man den ganzen Gottesdienst nur traditionelle Weihnachtslieder, das fand ich sehr schön.
  • Weihnachtskarten bzw. -Newsletter. Meine Gastfamilie und viele andere Familien, die ich kennenlernen durfte, nehmen die Sache mit den Weihnachtskarten SEHR ernst. Sie haben jedes Jahr ein Familienfoto gemacht und dazu eine Art Newsletter geschrieben mit einem Update über jedes Familienmitglied, wie deren Jahr war, was es Neues gibt und was so ansteht. Diese Karten wurden dann an alle Verwandten, alte Nachbarn, College-Freunde usw verschickt. Das fand ich einen sehr schönen Brauch.
  • Individuelle Tree-Ornaments. In meiner Gastfamilie gab es jedes Jahr für jedes Familienmitglied einen Weihnachtsbaum-Anhänger mit Jahresgravur und Namen, der irgendwie mit der Person zu tun hatte. So gab es Ballettschuhe aus Gips für die kleine Ballett-Tänzerin, ein Jahr bekam ich einen kleinen Weihnachtsbaum zwischen Hochhäusern, weil ich einen Großteil der Adventzeit in New York City verbracht hatte. Diese Anhänger schmückten dann jedes Jahr den Baum und man man konnte so in Erinnerungen schwelgen. Beim Auszug bekommt dann jedes Kind seine Anhänger mit und hat so seine Kindheitserinnnerungen dabei. Sehr süße Idee.

amerikanische-weihnachten

Dinge, die ich am amerikanischen Weihnachten fürchterlich fand.

  • Diese Konsum-Geilheit. Das war so extrem und einfach wahnsinnig. Was da für Geschenke ausgegeben wurde, was da alles gekauft wurde und wie wichtig der Preis für alles war (der wurde extra auf dem Geschenk gelassen, damit der Beschenkte wusste wieviel man für ihn ausgegeben hatte). Selbstgemachte Geschenke waren total verpönt, weil sie als „billige Alternative“ galten. Sogar die Kinder bekamen „Weihnachtsgeld“ um allen Verwandten etwas zu kaufen…ich fand das ganz fürchterlich.
  • Essen gehen am Heilig Abend. Und zwar Chinesisch weil „die feiern ja kein Weihnachten“. Man wollte sich einfach keinen Stress machen, der kam ja eh noch nachdem die Kids im Bett waren, dann musste ja die Geschenkeflut noch „unter den Baum“ gestellt werden (in Wirklichkeit war das komplette Wohnzimmer dann voll).
  • Dieses Pseudo-Getue, dass es ja nur um die Geburt Jesu ginge. Da hetzen sie von Geschäft zu Geschäft und tuscheln über die billigen Geschenke von der Tante, aber proklamieren groß, dass es ja NUR um Jesus‘ Geburt ginge. Ich finde in Deutschland sind die Leute ehrlicher, dass es einfach schon lange nicht mehr darum geht.
  • Der Hang zum Kitsch ist manchmal sehr sehr extrem bei den Amerikanern. Alles muss größer, heller, lauter, bunter sein. Das fand ich manchmal etwas befremdlich und auch nicht mehr schön. Aber das ist wirklich typisch für ihre Kultur und zieht sich durch alle Ebenen der Gesellschaft, habe ich lernen müssen.

amerikanische-weihnachten-kitsch

Kennt ihr noch seltsame oder auch schöne Bräuche aus anderen Ländern, die ihr für euch und eure Familie adoptiert habt (oder auch die, die ihr ganz fürchterlich findet)? Dann erzählt doch mal…ich bin gespannt.

Die Bilder stammen alle von pixabay.com

5 thoughts on “Schöne und seltsame Weihnachtsbräuche in Amerika – Erinnerungen

  1. Ich liebe Weihnachten! Nun kenne ich ein paar Bräuche mehr – am liebsten würde ich alle ausprobieren – aber dazu ist die Weihnachtszeit wohl etwas zu kurz. Und ja ich stimme dir zu X-Mas mit einigen Dingen kann man es auch übertreiben lg Melanie – http://www.honigperlen.at

  2. Ich war noch nie in den USA und vieles ist mir wirklich zu kitschig, andererseits haben sie sehr viele Bräuche/Traditionen, die ich ganz bezaubernd finde und mir wünschen würde, dass sie hier etabliert wären. Bei deinen aufgezählten Traditionen wäre das z.B. die Sache mit den alljährlichen Postkarten mit Infos zu jedem Familienmitglied etc. Ich finde das eine echt schöne Idee und vor allem finde ich die Karten, die ich so im Netz finde, immer so wunderschön – auch wenn alles oft sehr gestellt wirkt. Eine andere Tradition habe ich vor einer Weile ebenfalls aus den USA gefunden: The Elf on the shelf! Die Idee ist wirklich niedlich und lustig und ich überlege sie hier einzuführen. Ansonsten finde ich es eigentlich nicht verkehrt, wenn – wie in den USA und vielen anderen Ländern – die Geschenke erst am Morgen ausgepackt werden – macht meiner Meinung nach von der Geschichte auch mehr Sinn und die Kinder gehen früh ins Bett (Stehen aber auch wohl früh auf ^^) – wir sind uns da noch nicht sicher, wie wir es in Zukunft machen, da mein Freund, aus Südafrika, es auch so kennt, dass am 25.12. die Geschenke geöffnet werden. Ihm ist es egal, ich würde es schön finden auch etwas von ihm zu übernehmen, stelle es mir aber schiwerig vor, wenn unser Sohn, fast 2, später im Umkreis nur Kinder kennt, die am 24.12. die Geschenke aufmacht. Von daher werden wir dieses, und auch bereits letztes Jahr, die Geschenke am 24. auspacken. Die Idee mit dem Weihnachtspyjama finde ich auch zauberhauft, denke mir aber, dass ich als Erwachsener irgendwann nicht mehr jedes Jahr einen neuen Schlafanzug brauche 😀 Für die Kinder, wenn noch im Wachstum, könnte ich mir das aber gut vorstellen – ich finde ja gerade diese Weihnachtspyjama richtig toll – leider gibt es die ja hier kaum. Die Tradition mit der Cookie Swap Party kannte ich noch nicht – finde die Idee aber richtig gut und praktisch – sollte ich mal einführen :D. Und die Pullis…die sind so hässlich, dass ich sie auch für Fotos haben will – aber die sind ja mittlerweile im Kommen ;-).

    Was wir von meinem Freund auf jeden Fall übernehmen werden, ist es, dass wir am 25.12. welche zum Essen einladen – Menschen, denen es nicht so gut geht wie wir oder keine Familie bei sich haben etc.. Die Idee finde ich ganz toll. Dieses Jahr werden wir wohl einen Asylbewerber einladen, den mein Freund kennt.

  3. Ich war noch nie in Amerika und das verkitschte Weihnachten der Amerikaner kenne ich nur aus dem Fernsehen. Irgendwann mach ihr bestimmt selbst mal ein Bild, 😊! Vielleicht magst du ja auch an meiner Blogparade: Weihnachten mit Kind teilnehmen? Ich würde mich freuen!

    Gruß
    Sylvi

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

%d Bloggern gefällt das: