Niemals geradeaus, aber immer vorwärts – Mein Weg

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Schon als Kind stand für mich fest: Irgendwann schreibe ich mal ein Buch. Wenn mich jemand nach meinem Berufswunsch frug, so war die Antwort stets (und zwar schon mit etwa sechs Jahren) „Schriftstellerin“, etwas später dann „Journalistin“. Schreiben war eine Leidenschaft, ein großer Spaß und ich war mir bewusst, dank vielem positiven Feedbacks, dass es auch einfach eins meiner Talente war. In der Schule wurden meine Aufsätze viel gelobt, in meiner Freizeit schrieb ich Kurzgeschichten und später, in Teenie-Jahren, viele kitschige Gedichte. Meine erste Publikation hatte ich mit 13 Jahren, als das Minnie Maus Magazin eine meiner Kurzgeschichten abdruckte.

Es folgten zahlreiche Artikel in Schülerzeitungen, Gemeindebriefen, lokalen Zeitungen und anderen Magazinen. Wenn es einen Schreib-Aufruf gab, dann war ich dabei. Doch immer mehr wurde das Schreiben zum Hobby, beruflich entwickelte ich mich eher in eine soziale Richtung. Nach dem Fachabitur in Sozial- und Gesundheitswesen verschlug es mich als AuPair nach Amerika. Nach meinem AuPair-Jahr verweilte ich nur lang genug in Deutschland um mich an einer Journalistik-Schule in Hannover zu bewerben und prompt abgelehnt zu werden. Dann war ich auch schon wieder auf dem Weg zurück nach Amerika zu meiner Gastfamilie, mit ihrem Versprechen, dass sie mir das dortige Studium finanzieren würden, wenn ich weiterhin ihr Kindermädchen sein würde. Also blieb ich fast fünf Jahre dort, kümmerte mich tagsüber um die vier Kinder der Familie und studierte abends und am Wochenende Grundschulpädagogik. Nebenher verbrachte ich jedoch weiterhin viel Zeit mit dem Schreiben. Ich gewann einen Poesie-Wettbewerb und machte meine ersten Übungsschritte in der Blogger- und Forumswelt. Mit meiner Graduation von der dortigen Universität erlosch mein Visumsstatus und obgleich ich die Chance hatte zu bleiben beschloss ich nach Europa zurück zu kehren.

Ich fühlte mich noch irgendwie unfertig…noch nicht bereit für „Job-Hochzeit-Haus-Kinder-etc:“ Also bewarb ich mich am University College Maastricht, einem kleinen Liberal Arts College in den Niederlanden. Und es war magisch. Nach ein paar Versuchen in Politik und Geschichte spezialisierte ich mich letztendlich auf Sozial Psychologie, Soziologie und Philosophie. Das Studium war sehr intensiv, trieb mich nicht nur einmal an meine persönlichen Grenzen, aber es war das Beste, was ich je erlebte. Nebenher schrieb ich eine wöchentliche Kolumne für die Uni-Zeitung, entwarf das Partei-Programm für die grüne Studenten-Partei, die meine Freunde gründeten, unterrichtete niederländische Geschäftsleute in Deutsch und saß in mehreren Gremien. Ich liebte mein Leben in Maastricht. Ich war immer unterwegs, hatte immer etwas zu tun, networkte wie verrückt und ja…man kannte mich dort einfach. Nach dem Studium blieb ich an der Uni Maastricht und unterrichtete Erstie-Kurse, bekam dann später verschiedene Projekt-bezogene Stellen im Marketing-Bereich. Alles war aufregend und gut, die Welt der Möglichkeiten stand mir offen.

Dann änderte sich erstmal alles. Mein Leben bekam plötzlich (etwas unerwartet) einen anderen Fokus und ich war nicht mehr „nur“ für mich verantwortlich, sondern nunmehr auch für einen kleinen Menschen an meiner Seite, meiner Tochter. Ich arbeitete weiterhin an der Universität, aber ich merkte, wie sich mein Fokus veränderte, wie ich mich wieder mehr zum Schreiben hingezogen fühlt und vor allem, wie es nicht mehr mein Ziel war möglichst weit zu kommen und möglichst hoch aufzusteigen. Ich wollte das tun, was ich liebte während ich genug Zeit hatte um mit meiner Tochter die Welt zu entdecken. Ich hatte immer öfter das Gefühl, dass ich ein Outlet für meine Gedanken und Ideen brauchte, und als ob sie in meinem Kopf irgendwie…verschwendet wären.

Im August 2013 ging dann mein Blog „Perlenmama“ online. Zunächst war ich meine einzige Leserin…okay, ein paar Freunde lasen mit und gaben mir tolles und ehrliches Feedback. Ich schrieb und veröffentlichte weiter, ohne dass viel mehr passierte. So ging das ein paar Monate, bis sich langsam auch „fremde“ Leser auf meine Seite verirrten. Sie teilten meine Seite und irgendwie war das mein Einstieg als Bloggerin. In den folgenden Monaten wuchs mein Blog stetig und ich hatte immer mehr Spaß an der Sache. Ich bildete mich bzgl. Online-Marketing fort und hatte die Chance das Gelernte im Beruf und beim Blog einzusetzen und auszuprobieren. Ich merkte immer mehr, dass meine berufliche Heimat im Marketing, genauer im Content-Management lag. Als mir gesagt wurde, dass aufgrund von Umstrukturierungen mein Vertrag an der Universität nicht verlängert werden würden beschloss ich nach Deutschland zurück zu kehren und dort einen beruflichen Neustart hinzulegen.

Leider entpuppte sich die Jobsuche als Gebirge anstatt einer simplen Hürde. 250 Bewerbungen ließen mich ernsthaft an mir und meinem bisherigen Weg zweifeln. War ich doch zu ziellos, zu unfokussiert gewesen? Ich bloggte eifrig weiter, networkte mit Herzblut auf vielen verschiedenen Events und nahm unvergütete Aufträge und Aufgaben an, um wichtige Kontakte zu knüpfen und zu pflegen. Im Juli 2016 bekam ich die Chance mich intensiv für vier Monate zum Social Media Marketing Manager weiterzubilden. Während dieser Ausbildung merkte ich, wie sehr mir die Online-Welt im Blut liegt, wieviel ich schon intuitiv richtig machte und dass dies einfach mein Ding ist. Da mein Blog in der Zeit quasi explodierte, meldete ich im September 2016 ein Kleingewerbe an, um rechtlich und steuerlich auf der sicheren Seite zu sein. Langsam wurde mir klar: Ich brauchte einen konkreten Plan.

Also: In meiner Brust schlagen zwei Herzen: Das einer Texterin und Autorin und das einer Lehrerin. Am liebsten würde ich beide Leidenschaften verbinden. Mein Traum wäre es über mein Blog Aufträge im Rahmen Texterin (auf dem Blog selber und als Gast-Autorin anderswo) als auch als Referentin/Coach in Sachen Social-Media-Marketing, Networking und Copywriting zu bekommen. Auch kann ich hier natürlich auf mein Wissen in den Bereichen Soziologie und Psychologie zurück greifen. Ein paar Kontakte dieser Art habe ich bereits im Hintergrund geknüpft, andere entwickeln sich derzeit. Es ist ein langsamer und stetiger Prozess, der sehr viel Geduld und Durchhaltevermögen bedarf. Nebenher arbeite ich immer mal wieder an meinem Roman, zusätzlich muss natürlich auch mein Aushängeschild, der Blog „Perlenmama“ gepflegt und gefüttert werden.

Im Januar 2017 steht erstmal noch eine mehrmonatige Pause an, dann wird nämlich meine zweite Tochter geboren, doch ab September 2017 möchte ich weiter durchstarten. Diesmal aber gerne strukturiert, mit einem richtigen Plan. Und gern mit der Sicherheit eines Teilzeitjobs im Rücken, damit ich mir um die üblichen laufenden Kosten keine Sorgen machen muss.

Erste Entwicklungen für die Zeit nach der Babypause gibt es bereits, so stehe ich im engen Kontakt mit ein paar Medienagenturen bzgl. möglicher freier Kooperationen, wurde gefragt ein weiteres Mitglied im Organisations-Team der Wuppertaler Blogger-Konferenz „Wubttika 2017“ zu sein, wurde in den Blogger-Beirat der Blogger des Magazins „ELTERN“ gewählt und konnte ein paar interessante Kontakte mit inspirierenden Menschen in der Autoren- und Verlagswelt knüpfen. Dazu kommen kleinere Aufgaben wie Admin-Rollen verschiedener Online-Communities und unterschiedlichste Kooperationen auf dem Blog. Denn…“Stetig ernährt sich das Eichhörnchen“. Zeitgleich versuche ich meine Haupt-Themen zu definieren und mich so weiter zu fokussieren.

Schön wäre es natürlich irgendwann gänzlich von dem zu leben zu können, was ich am liebsten mache – dem Schreiben. Ich kann mir aber auch vorstellen, dass tagtäglich Texte zu produzieren irgendwann dem Schreiben den Zauber nehmen könnte. Außerdem würde mir wohl der Rest schon fehlen, der Kontakt zu anderen Menschen (der mich immer wieder aufs Neue inspiriert) und ja, auch das Lehren, das Vortragen, das Vermitteln von Wissen und Inhalten. Das hat mich immer sehr erfüllt und ich würde es gern wieder professioneller betreiben.

Warum ich mich also für den Ergo Award „Dein Weg“ 2016 beworben habe? Weil ich denke, dass mein Weg – so kurvig und unorthodox, wie er auch war – mich doch irgendwie recht logisch dahin gebracht haben, wo ich nun bin. Was ich während der Bewerbungsphase letztes Jahr noch als „Nachteil“ empfand, ist doch eigentlich etwas Besonderes, etwas was mich von anderen unterscheidet. Darauf möchte ich mich wieder besinnen, darauf möchte ich wieder bauen, denn jede meiner Stationen im Leben haben mir etwas mit auf den Weg gegeben, was mir heute zu Gute kommt. Ich würde nichts ändern, nichts missen wollen und bin wirklich stolz auf meinen Weg. Und ich denke, dass ich dadurch auch viel zu geben, zu erzählen, zu vermitteln habe. Daher hoffe ich, dass ich mit meinem Weg und meinen Zielen auch andere erreichen, motivieren, inspirieren und überzeugen zu können.

Denn ja, ich bin nie geradeaus gegangen, aber ich bin trotzdem irgendwie hier angekommen. Und: So werde ich auch weitergehen, denn „Alles ist möglich“.

Dieser Beitrag entstand für die Teilnahme am ERGO Award „Dein Weg“ 2016 #DeinWeg

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One thought on “Niemals geradeaus, aber immer vorwärts – Mein Weg

  1. Hey, das ist ja interessant, da hast du so viele Jahre in Maastricht gelebt. Wir wohnen in Heerlen, also direkt neben an 😉 Lustig auch, dass du an einer niederländischen Uni studiert hast, wie ich auch.
    Ich bin sehr beeindruckt davon, was du alles im Hintergrund machst und wünsche dir, dass du deinen Weg weiter gehst.

    Ganz liebe Grüße,

    Sarah

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