Schwanger und Single – Alleingebärend, wie ist das eigentlich so?

Alleinerziehende kennt man. Man versteht sie zwar nicht immer 100%, aber jeder kennt die ein oder andere Alleinerziehende. Es gibt sie in allen Farben und Formen, Klassen und Altern. Und man kann wahrscheinlich in etwa nachvollziehen, mit was für Herausforderungen sie so tagtäglich zu tun haben. Also im Großen und Ganzen jedenfalls. Aber wie ist es mit der kleinen, feinen und relativ unsichtbaren Gruppe der „Alleingebärenden“, der Frauen, die ohne festen Partner eine Schwangerschaft erleben? Ich glaube nur die wenigsten können sich vorstellen wie es ist ohne Partner schwanger zu sein. Und daher dachte ich, ich gebe euch mal einen kleinen Einblick wie das so ist, bzw. sein kann.

Nein, das hier soll kein Jammer-Posting werden a la „guckt mal her wie schlimm ich es habe“ denn es sind, wie ihr sehen werdet, echt nicht nur schlechte Dinge. Zugegeben, auch bei der zweiten Schwangerschaft habe ich keinen wirklichen Vergleich wie es ist mit einem Partner schwanger zu sein, aber ich habe es durch viele Bekannte immer wieder (immerhin halt aus zweiter Hand) miterlebt.

Aber ich sehe viele Partnerschaften, die anlässlich einer bestehenden Schwangerschaft erstmal ziemlich auf die Probe gestellt werden. Schuld daran sind die verschiedenen Empfinden von Männlein und Weiblein. Während die Frau (buchstäblich) mit Haut und Haaren Mutter wird und quasi in jedem Augenblick an jedem Tag damit konfrontiert wird, so ist der Mann doch erstmal außen vor. Das bringt auch verschiedene Erwartungen hervor. Nicht selten gibt es da Vorwürfe wie „sie denkt nur noch an die Schwangerschaft“ oder „er ist so uninteressiert, dabei war es doch ein Wunschkind.“ Damit habe ich zum Beispiel nichts zu tun. Ich erwarte nichts und kann auch nicht enttäuscht werden. Das ist eine recht simple Situation und eher unemotional, aber wenn ich mir so manche Kommentare schwangerer Frauen bzgl. des emotionalen Einsatzes der werdenden Väter anhöre, find ich das manchmal gar nicht so schlecht.

Ganz praktisch gesehen vermisse ich schon manchmal eine helfende Hand. Zum Einkäufe schleppen, Wasserkästen in den 2. Stock kriegen oder Müll rausbringen. Auch kann ich nicht sagen „ich bin schwanger, putz du mal bitte den Keller/das Treppenhaus…“. Andererseits kann ich mich auch nicht darüber ärgern, dass man(n) mich diese Dinge machen lässt, obwohl ich schwanger bin. Es ist halt so. Nobody to blame.

Klar wäre es manchmal schön sich gemeinsam mit einem Partner auf den Nachwuchs zu freuen. Aber ganz ehrlich…ich freue mich auch so ganz arg, und auch mit der Perle, den werdenden Großeltern und vielen lieben Freunden kann ich mich sehr gut freuen. Und: Ich muss nicht beleidigt sein, wenn die Freude des Partners nicht so ausfällt wie ich sie mir vorgestellt hätte.

Stichwort Hormone. Einerseits muss ich mich nicht mit einem hormonell verwirrten Mann herumschlagen, andererseits motzt auch keiner rum (und ist beleidigt), wenn ich hormonell bedingt einfach mal schlechte Laune habe. Andererseits gibt es auch keinen, der mich „trotzdem lieb hat“…der mich tobendes hormonelles Etwas dann einfach in den Arm nimmt und sagt „wird schon wieder.“

Thema Geburt. Ich habe das Glück, dass mir gleich mehrere Freunde angeboten haben mich zu begleiten. Als die Perle auf die Welt kam, war der Gang vor dem Kreißsaal voll mit lieben Menschen, die mich unterstützt haben. Also ich kann wirklich nicht sagen, dass ich da jemals „alleine“ war. Ganz im Gegenteil. Und hier ist auch wieder die Sache mit den Erwartungen…da war kein Partner, der mich hätte hängen lassen können. Ich hab es genommen wie es kam und mich über die Unterstützung gefreut, die ich erfuhr. So werde ich das auch dieses Mal wieder machen. Dennoch denke ich, dass dieses Erlebnis, wenn man es mit seinem Partner teilt, schon etwas sehr Intimes und Schönes sein kann.

Ich habe alleine halt wenig Gelegenheit um einfach mal zu jammern. Generell habe ich ja nunmal „diese Entscheidung getroffen“ also muss ich damit jetzt auch klarkommen…so mein eigenes Empfinden. Daher mache ich die ganzen kleinen und großen Schwangerschaftszipperlein halt auch eher mit mir alleine aus. Ich informiere maximal, ok manchmal gibt es auch einen Schwangerschafts-Mimimi-Tweet aber generell halte ich es halt aus. Da wäre es manchmal ganz nett einfach mal hemmungslos jammern zu können, ohne Rücksicht auf Verluste. Wenn der Bauch ziept, die elenden Pickel nerven, die Haare ausgehen und einem vom Weichspüler-Geruch das Frühstück wieder hochkommt. Das einfach mal rauszuhauen und als Antwort vielleicht einfach mal ne halbe Stunde den Kopf gekrault oder die Füße massiert zu bekommen…ja, das wäre schön.

Generell schaue ich manchmal etwas neidisch darauf, wenn andere Schwangere rührend umsorgt werden. Bekocht, massiert, gekuschelt, ausgehalten. Für mich fährt nachts um zwei keiner zu McDonals und kauft mir nen Erdbeer-Shake. Wie gut, dass ich Nachts um zwei auch noch nie das Bedürfnis danach hatte. Aber ich würde es manchmal einfach gern haben dürfen können. Andererseits bin ich halt eben self-sufficient. Und mal ehrlich: Man schafft es halt auch ohne. Das Wertschätzungsgefühl ist halt manchmal etwas anders, aber hey…ich glaub ich würde mich noch blöder fühlen wenn ich einen Partner hätte und trotzdem nicht umsorgt zu werden. Ich glaube dann hab ich lieber einfach gar nicht die Chance.

Ein weiterer Vorteil: ich muss mich nicht abstimmen. Ich will dieses Jahr noch einen Geburtsvorbereitungskurs machen? Dann mach ich den. Ich will keine gegenderten Klamotten für das Kind? Ok. Ich will einen Doppelnamen? So be it. Ich möchte ein bestimmtes Krankenhaus und eine bestimmte Hebamme? Jo. Mein Wunsch ist die einzige Regel. Das ist manchmal ganz nett…aber kann auch anstrengend sein, denn so treffe ich halt auch alle Entscheidungen alleine. Es gibt aber auch keine mehr oder minder gerechte Aufgabenverteilung…es gibt einfach gar keine. Was gemacht werden muss mache ich halt. Dinge beantragen, besorgen, planen, vorausdenken, abhaken…alles mein Bier.

Generell kann ich mich aber wirklich nicht beschweren, dass ich mich jemals wirklich allein gefühlt hätte in dieser Schwangerschaft. Oder in der letzten. Meine Eltern, mein Bruder, meine Freunde (naja, die meisten halt), viele Bekannte und ja, auch ihr, meine lieben Leser, haben/habt es quasi unmöglich gemacht, dass ich mich je alleine fühlen könnte. Das ist total schön. Da nimmt der Besuch den Müll mit auf dem Weg nach draußen (weil ich mich dabei übergeben müsste), da kriege ich Einkaufs-Tipps für günstige Babysachen, superliebe Pakete in der Post, allerlei schicke Umstandsklamotten, das Angebot mir die Fußnägel zu schneiden oder die Beine zu rasieren, wenn ich es nicht mehr kann und und und. Dazu quasi tägliche Nachfragen bezüglich meines Befindens aus allen erdenklichen Richtungen. Nein, über das Alleine-sein beschweren kann ich mich wirklich nicht.

Dennoch habe ich manchmal Momente, wo ich kurz verschnaufen muss, wo ich kurz für mich sein muss. Manchmal muss ich explodieren und hemmungslos heulen, weil ich müde bin von all den Fronten, an denen ich manchmal gefühlt gleichzeitig kämpfe. Das muss dann raus und dann geht es wieder…das heißt auch nicht, dass ich dann total traurig wäre oder so, es ist einfach eine Art Ventil. Manchmal muss ich auch einfach 12 Stunden schlafen oder 12 Stunden nicht funktionieren müssen. Einfach im Bett liegen und mich von den Gilmore Girls berieseln lassen. Keinem beweisen, dass es mir wirklich in echt gut mit der Situation geht. Nix erklären, nix beschwichtigen, nix relativieren. Einfach nur ich sein, es gut sein lassen. Den Bauch streicheln. Der Perle 2873 Bücher vorlesen. 2345 Runden Uno spielen. Etwas Ausgefallenes backen. Mit der Perle laut „One Moment in Time“ singen. Pizza im Bett essen und Disney-Filme gucken.

Diese Momente halten selten lange an. Aber ich finde, sie sind legitim. Und ich genieße sie auch. Im Großen und Ganzen muss ich sagen, dass mir die „praktischen“ Nachteile des Alleingebärens viel mehr zu schaffen machen als die emotionalen. Letztere sind wirklich no big deal. Aber wenn ich allein an die ganzen Anträge NACH der Geburt denke, wenn ich mich doch eigentlich im Wochenbett befinden sollte, dann schaudert es mir schon. Ich bin mir noch nicht so ganz sicher wie ich das stemmen soll, für vieles muss man wohl sogar persönlich erscheinen (und ich habe null Ahnung wie das gehen soll). Aber darum kümmere ich mich auch noch und auch dafür wird es irgendwie eine Lösung geben. Gab es bisher immer. Eine Erkenntnis, die ich hart erlernt habe, an die ich mich aber immer wieder auf’s Neue klammere, wenn der Sorgenberg mal wieder viel zu groß erscheint oder der Teufel auf der Schulter mal wieder zu laut jammert und schimpft.

Ich hoffe ich konnte ein wenig erklären, mit was für Dingen Alleingebärende so konfrontiert werden. Und ich hoff ich konnte euch überzeugen, dass wirklich nicht alles schlecht oder irre traurig ist. Es ist sicherlich nicht die optimale Situation, aber auch kein Grund todtraurig zu sein. Aber es ist auch eine Chance echte Loyalität, echte Freundschaft und echte Anteilnahme zu erfahren. Das sind echte Sonnenstrahlen, die ich vielleicht nie gesehen hätte, wenn es nicht hier und da manchmal regnen würde. Und: Man kann sich halt auch selbst überraschen mit einer Kraft und einer Stärke, die man sich am Anfang vielleicht gar nicht zugetraut hätte. Mich hat diese Rolle sehr selbstbewusst gemacht und auch irgendwie stolz. Denn diese kleine Familie hier, die ist halt auf meinem Mist gewachsen. Ich bin die Löwenmama, das ist mein Ding. Punkt.

13 thoughts on “Schwanger und Single – Alleingebärend, wie ist das eigentlich so?

  1. Hallo, vielen Dank für Deinen Einblick! Ich kenne nur die Variante mit Partner und Du hast Recht, es gibt sehr, sehr schöne Momente, kraftraubende und enttäuschende. Also unterm Strich doch ein bisschen ähnlich? Alles Gute Dir weiterhin und viel Kraft! Svenja

  2. Hallo,
    ich kenne beide Varianten. In meiner ersten SS war ich auch ab dem 4. Monat alleine und es hat eigentlich ganz gut geklappt. Klar fehlt einem manchmal etwas, aber eigentlich ist es nicht so problematisch. Bei der Geburt war mein Ex mit dabei und auch das hat gut geklappt. Da ich eine schwere Geburt hatte (Zangengeburt) und danach ziemliche Probleme mit dem Dammschnitt hatte (mußte 3mal neu genäht werden), hätte ich in der Zeit schon eine helfende Hand im Haus gebraucht. Zumal ich auch noch eine heftige Allergie nach den Narkosen bekam.
    Aber ich habe alles gemeistert und die Kleine ist schon 15.
    LG Anja von Castlemaker.de

  3. Du erinnerst mich von Deiner Einstellung an mich damals als AE. Es muss getan werden, dann mache ich das eben. Punkt. Andererseits habe ich es genau wie Du genossen, bei gewissen Dingen keinen fragen zu müssen.
    Für alles andere wird sich eine Lösung finden, auch für den ganzen Antragskram. Da lässt sich viel vorbereiten und auch jmd mit Vollmacht hinschicken (m.M.nach wäre das nur bei der Geburtsurkunde nötig und das dann auch nur, wenn du ambulant oder ausserklinisch entbindest).
    Meine Telefonnummer hast Du, oder? :*

  4. Danke für deine Gedanken zu diesem Thema… Meine Sandkastenfreundin hat auch alles alleine gestemmt und ist auch so eine richtige Löwenmama – und ich bin gerne Teil des Löwenrudels und hole ab und zu das Kind aus der Kita ab (ehrlich gesagt sogar ziemlich gerne, hihi). Und trotz allem: Ich habe großen Respekt vor dem, was ihr da tagtäglich leistet und schafft! Ich bin schon sehr gespannt auf die zweite Perle und werde weiter begeistert mitlesen 🙂 Liebe Grüße!

  5. Wie kommt es, dass du beide Kinder alleine bekommen hast. Bin sleber alleinerziehend un finde es heute noch traurig, dass ich die Schwangerschaft alleine verbringen musste.

    1. War bei mir auch so, Katharina. Perlenmama: wie steht der Kindsvater der Schwangerschaft gegenüber? Möchte er Vater werden, sich um das Kind kümmern und Unterhalt zahlen? Es ist auch immer schwierig, wenn der Kindsvater komplett gegen die Schwangerschaft und das Kind ist.

  6. Gut beschrieben und ja, es ist genauso. Bei meiner 2. SS ist der Kindesvater am Sonntag nach Deutschland übersiedelt (für 1 Jahr) und am Montag habe ich den 2. Mutterkindpass geholt. Ich war also die gesamte SS allein, meine Tochter damals 5 Monate alt. Ich bin dann auch allein übersiedelt, war bei der Geburt allein (die beste aller Freundinnen hatte meine Tochter) und ja, es ist genauso wie beschrieben. Anstrengend, stressig, traurig und trotzdem schön. Ich war damals mit dem Vater der Kinder noch zusammen und hatte somit zumindest seelisch das Gefühl einer Verbundenheit. Aber, ich habe mir 20 Jahre nichts mehr gewünscht als Mutter zu werden und wenn das mein Weg ist/war, dann ist es eben so – und nichts toppt das Gefühl Mutter zu sein!

  7. Danke für deinen schönen Beitrag. Allerdings bin ich irritiert, dass du ihm den Titel Alleingebärend gegeben hast. Ich lese nicht, dass du allein warst bei der Geburt. Du warst in Begleitung einer lieben Person, umgeben von Hebammen und Ärzten: alleingebären ist was ganz anderes. Ich meine zu wissen, was du mit alleingebärend aussagen willst. Vielleicht ist es auch schwierig einen passenden Begriff dafür zu finden, dass du ohne – festen- Partner die Schwangerschaft, Geburt und die Zeit danach gemeistert hast. Du hast Freunde und Familie an deiner Seite, die Großeltern sind dir auch partnerschaftlich gesonnen.
    Für die Geburt deines weiteren Kindes wünsche ich dir alles Gute. Es möge ein Fest für euch alle werden.

  8. Hallo Perlenmama,
    ich war auch die ganze Schwangerschaft über alleine und danach auch. Hab es auch gut hinbekommen.Ich fand es manchmal nur doof, wenn ich beim Frauenarzt alleine im Wartezimmer saß und auf den Ultraschalltermin warten musste, und um mich herum nur glücklich strahlende Paare. Zum Paartermin beim Geburtsvorbereitungskurs bin cih nicht gegangen. Bin froh, dass ich meinen Sohn habe, aber nochmal möchte ich nicht eine Schwangerschaft ganz alleine durchleben müssen. Man muss schon tough sein. Das bin ich zu 80% sicherlich auch. Im Krankenhaus war auch alles voller Paare. Und das Wochenbett nach einem Kaiserschnitt alleine war etwas hart. Ich hatte keine Familie, die mi geholfen hat. Es ist traurig, wenn man so etwas Schönes wie Schwangerschaft und Neugeborenenzeit alleine erleben muss.

  9. Danke für deinen Beitrag, mir ging es in der Schwangerschaft genauso. In den ersten beiden Wochen nach der Geburt, Kaiserschnitt, hatte ich Gott sei Dank, 24/7 Unterstützung von meiner Schwester, auch für die Behördengänge. Ich hatte starke Schmerzen, aber das war auch die einzige Zeit, in der ich wirklich hilfsbedürftig war. Alles andere ging und geht bis jetzt ganz gut alleine. Für dich und die Geburt alles Gute!!

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