10 Dinge, die ich als Alleinerziehende gelernt habe

Seit fünf Jahren bin ich nun alleinerziehende Mama. Das waren fünf Jahre voller Lernen und Lektionen. Ich finde, ich habe unglaublich viel gelernt in dieser Zeit. Was genau das ist möchte ich heute mit euch teilen. Hier also eine Liste mit Zehn Dingen, die ich als Alleinerziehende gelernt habe.

  1. Du bist immer der letzte Ausweg. Es kann alles noch so gut geplant sein, wenn der Plan kippt, wegen was auch immer, bist DU diejenige die alles, besonders aber das Kind, auffängt. Es macht keinen Sinn sich über diesen Zustand zu ärgern, er ist einfach so.
  2. Gib auf dich acht. Klar geht es in allererster Linie erstmal um’s Kind, aber: Wenn es DIR nicht gut geht, dann kann auch eure kleine Familie nicht richtig laufen. Also halte dich an Vorsorgeuntersuchungen, nimm dir die Zeit zum Arzt zu gehen, schau dass du dich mit Leuten umgibst, die dir gut tun und konstruiere deine Situation so, dass du nicht komplett untergehst. Gib dich nicht gänzlich für dein Kind auf. Das ist zwar nobel, kann aber auf lange Sicht nicht funktionieren. Klar steht das Kind an erster Stelle, aber: Wie es DIR geht ist auch wichtig.
  3. Frag nach Hilfe. Es gibt so viele Stellen, die Beratungen und Hilfen anbieten. Wenn dich eine Situation überfordert, dann bitte um Hilfe und Unterstützung. Sei nicht zu stolz um Hilfe anzunehmen, das macht dich nicht schwach. Und wenn schon…man darf auch mal schwach sein und Hilfe benötigen.
  4. Ein gutes Support System ist wichtig. Man muss sich auch mal fallen lassen können, jeder Mensch sollte ein Sicherheitsnetz haben für den Fall dass er die Balance verliert oder ihm mal die Puste ausgeht. Umgib dich mit Menschen, die dir Zuflucht gewähren und dich aufbauen.
  5. Hilfe ist wichtig, aber nicht um jeden Preis. Du musst nicht jede Hilfe annehmen. Du kannst auch ruhig mal sagen „Nein, Danke, das schaffe ich auch allein!“ Das ist nicht undankbar. Das ist mutig. Und gut für’s Selbstbewusstsein. Lass dich nicht kleiner machen, als du bist.
  6. Du bist stark. Das siehst du nur meistens nicht, weil du an irgendwelchen Fronten kämpfst und vieles einfach sehr anstrengend bist. Doch was du leistest ist eine Meisterleistung und verdient viel mehr Anerkennung als du je dafür bekommen wirst.
  7. Erwarte kein Lob. In den Augen vieler kannst du eigentlich nur alles falsch machen. Wichtig ist eine gute Portion Selbstbewusstsein, dass dein Bauchgefühl dir schon den richtigen Weg zeigt…und genug Mut zur Reflektion, falls du dich mal in irgendwas verrannt hast. Aber definiere dich nicht darüber was andere von dir denken oder halten. Viele von ihnen haben keine Ahnung wie es ist ein Stück in deinen Schuhen zu gehen.
  8. Selbstmitleid ist tödlich. Ja ok, das ist etwas dramatisiert, aber es lähmt, es raubt Kraft und es ist absolut unnötig, weil es nichts bringt. Klar muss man sich auch mal hinsetzen und darüber nachdenken wie unfair das Leben manchmal sein kann. Aber danach muss man halt auch wieder aufstehen und weitermachen.
  9. Keiner wird JEMALS verstehen was es bedeutet alleinerziehend zu sein, wenn er es selbst nicht mal war. Das ist Fakt. Ärgere dich nicht über die Mütter in Partnerschaften, die behaupten sie seien „auch manchmal alleinerziehend“ weil sie mal die Kinder alleine ins Bett bringen müssen. Alleinerziehend bedeutet so unglaublich viel mehr als die tägliche Routine (teilweise) alleine zu wuppen.
  10. DU bist der Superheld deines Kindes. Du bist alles für sie/ihn und noch soviel mehr. Du bist das Netz, das sie/ihn fängt und der Wind, der sie/ihn treibt. Ihre/Seine Wurzeln und ihre/seine Flügel. Ihr/sein Advokat in allen Lebenslagen. Und auch wenn es mal kracht und knallt, so weiß sie/er doch, ganz tief in ihrem/seinem Herzen, was du alles für sie/ihn tust. Das heißt nicht, dass sie/er einen krummen Rücken voller Dankbarkeit und Demut bekommen sollte, aber sie/er wird dir, irgendwann, ihre/seine Loyalität und Liebe beweisen. Vielleicht nur nicht unbedingt in der Pubertät.

Natürlich habe auch ich noch manchmal Probleme mit diesen Lektionen. Ich schiebe immer noch gern mal einen Arztbesuch vor mir her, weil alles andere irgendwie wichtiger ist. Auch ich achte manchmal zu sehr auf die Bewertungen anderer. Auch ich ärgere mich über unabänderbare Fakten und bemitleide mich auch manchmal selbst.

Doch vor allem bin ich an der Sache gewachsen. Wie oft dachte ich schon, dass ich gleich zerbreche? Dass es unmöglich noch schlimmer, krasser, unfairer werden könne. Und meistens wurde ich eines Besseren belehrt. Aber: ich habe alles gewuppt. manches schneller als anderes…aber am Ende trotzdem alles. Und es macht mich stolz. Und auch selbstbewusst. Wenn ich auf die Zeit zurückblicke und all die Hürden, die ich in ihrer gemeistert habe, dann brauche ich „eigentlich“ keine Sorge vor der Zukunft zu haben. ABER, und das haben wir ja schließlich auch gelernt, dass es immer noch ein bisschen schlimmer geht.

Wenn ich mir aber so meine Perle angucke, was für ein glückliches und aufgeschlossenes Mädchen sie ist, dann war es das alles wert. Sowie ich ihr Fels bin, so ist sie mein Anker. Sie zeigt mir, ganz unbedarft, das Wesentliche, nennt die Dinge beim Namen und stellt oft die richtigen Fragen. Sie erdet mich und beflügelt mich gleichzeitig. Sie ist der Grund warum ich all diese Lektionen gerne gelernt, ich all diese Last gerne getragen und all diese Kämpfe gerne gefochten habe. Und ich würde es jederzeit wieder tun.

Ich brauche keinen Orden…ich habe meine Perle.

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13 thoughts on “10 Dinge, die ich als Alleinerziehende gelernt habe

    1. Ich war 8J + 3J Alleinerziehende !
      Es gab viele anstrengende Zeiten …
      Ich kann die 10 Tipp’s nur bestätigen!
      Heute kann ich sehen, hören und spüren, dass ich in diesen Jahren ganz viel Gutes für mich und meine Kinder vollbracht habe!
      Ich bin stolz auf mich, diesen Weg, gemeinsam mit meinen beiden Kindern, gemeistert zu haben!

    2. Sehr Schoen geschrieben und es spiegelt das wieder was ich jeden Tag fühle und denke. Bin hin auch 4 Jahre Alleinerziehende mit zwei Jungs. Es ist ein auf und ab. Was mir fehlt ist dieses Netz um mal die Kontrolle zu verlieren. 😢

  1. Vielen Dank für Deine Worte!! Wunderschön geschrieben und mir irgendwie Trost gegeben! Ich bin erst seit 1 Jahr alleinerziehend (mit „65:35 – Modell“ -> meine Jungs sind im Durchschnitt 2,5 Tage bei ihrem Papa) und ich kämpfe noch mit einigen Deiner Punkte. Vor allem an Punkt 8 muss ich arbeiten. Der IST nämlich „tödlich“, für Herz, Seele, Körper, Beziehungen (nicht bzgl. eines (neuen) Partners (Männer können mir erstmal gestohlen bleiben), aber wenn man sein Herz versteinern lässt und einmauert, leidet jegliche Art von Beziehung, die zu den Kids, Familie, Freunden… Also nochmals, vielen Dank für Deine mutmachenden Worten. Ich lese sehr gerne bei Dir mit, auch auf Twitter/FB, da ich viel von Dir lerne bzgl. „den Alltag alleine wuppen“ 🙂 LG aus Stuttgart

  2. Wunderbar geschrieben! Ich bin nicht alleinerziehend, aber meine Mama war es. Und jetzt, als selbst Mama, wünschte ich, ich könnte ihr noch einmal sagen, wie sehr ich sie bewundere, wie sehr sie mich geprägt hat und wie schön die Zeit mit ihr war.
    Pass gut auf die Perle und dich auf, wenn sie groß ist sagt sie dir bestimmt dasselbe, was ich meiner Mama gerne sagen würde.

  3. Ich bin auch alleinerziehend und ich kann leider nur sagen, es kann immer schlimmer kommen und für mich war es die größte Enttäuschung, dass sich meine Tochter in der Pubertät jetzt massiv gegen mich wendet und mich teilweise arg terrorsiert, nicht nur verbal auch körperlich. Nach allem was ich durchgestanden, auf mich genommen und gemeistert habe ist das für mich die bitterste Erfahrung, denn ich hatte immer geglaubt mit Liebe und Zuwendung könne nichts schief gehen … Ich dachte immer genau wie du es oben beschrieben hast, aber jetzt weiß ich, dass die eigentliche Wahrheit erst sehr in der Pubertät ans Licht kommt … 🙁 So wie mir geht es leider auch vielen anderen Alleinerziehenden.

    1. Ich war 16 Jahre Alleinerziehende, meine Tochter ist jetzt 21, habe also die Pubertät hinter mir:) Das ist oft eine anstrengende Zeit und es fehlt der Papa, der seine Tochter verwöhnt, also muss sie auf dich „losgehen“. Außerdem muss so sich ja auch lösen! Aber das hört sich wieder auf, versprochen! Gerade jetzt ist Liebe und Zuwendung/Verständnis (aber auch in Ruhe lassen) wichtig. Mal sehen, wie es mal mit meinem Sohn (3) wird, mit ihm bin ich nicht alleine, aber es ist viel anstrengender… Übrigens finde ich es auch mit Mann manchmal anstrengender als alleine, hätte ich nicht gedacht;)

  4. Ich bin auch seit 4 Jahren alleinerziehend und es wäre mal die schön die Verantwortung abzugeben. Ich habe immer angst das ich irgendwie Krank werde und dann alles zusammenbricht. Toll geschrieben. Ich kann dir nur zustimmen

  5. Ich bin jetzt fast 15 Jahre alleinerziehend, mit 4 Kindern. Ich will es so und finde es besser als mit Partner. Als Alleinerziehende/r muss man sich zwar etwas besser organisieren, aber es bleibt einem auch viel „erspart“ bzw. viele andere nervenzerrende Dinge fallen weg.
    Schwierige Zeiten kann es in jeder Situtation geben, mit und ohne Partner. 😉
    Deine Tipps finde ich super!

  6. Ja, so ist es. 24 Std. hellwach sein, immer Verantwortung tragen und an wirklich alles denken. Und dieses Alles ist ganz schön viel. Aber bei mir ist auch die größte Angst, krank zu werden. Ich hab leider kein Netzwerk.

  7. Vielen lieben Dank für deine Worte! Allein das Wissen, nicht alleine zu sein und dass es anderen auch so geht, gibt mir neue Kraft und neuen Mut. Ich werde mir deine Worte immer dann laut vorlesen, wenn es mal wieder nicht weiterzugehen scheint. DANKE!
    Drück dich in Gedanken und lasse einen lieben Gruß für dich da :-*

  8. Ich kann Dir nur zustimmen. Jeden Tag höre ich von einer Freundin das sie auch fast alleinerziehend ist weil ihr Mann sie manchmal nicht unterstützt… Sie weis nicht das es dann doch ganz anders ist wenn man wirklich alleine mit Kindern ist. Ich habe zwei Kids 8 und 2 und die beiden sind alles andere als einfach (ADHS) trotzdem möchte ich sie nie missen. Egal wie schlimm es oft ist, ich bin die Mutter und ich stehe wieder auf und ich liebe meine Kids bedingungslos so wie sie mich lieben 🙂 Mir sind beim lesen eben die Tränen gekommen weil Du mir aus der Seele gesprochen hast, danke! Man muss wirklich auch manchmal schwach sein und seine Gefühle raus lassen. Leider traut man sich das oft nicht weil man ja stark sein muss. Es tut gut zu lesen das es auch anderen so geht und es gibt Mut zu hören das es besser wird. Wir sind stark genug um das alles zu schaffen, selbst wenn man manchmal Hilfe braucht 🙂

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