Und was ist mit dem Vater?

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Gefunden auf pixabay.com

Ich habe ja kürzlich meine große Neuigkeit öffentlich gemacht. Ich würde mich an dieser Stelle gerne bei euch allen für die vielen lieben und mitfühlenden (und mitfreuenden) Nachrichten bedanken, die mich auf den verschiedensten Kanälen erreicht haben. Ich hatte teilweise wirklich Tränen in den Augen ob der lieben Worte, die mich da erreicht haben. Mein Clan rocks, wirklich, und ich bin unglaublich dankbar, dass ich so viele tolle Menschen hier und auf den Social Media Kanälen kennenlernen durfte. Keiner kann mir erzählen, dass das ja „nicht echt“ sei und wenn es doch einer behauptet, dann hat derjenige einfach keine Ahnung, was so ein Online-Clan sein kann. Ganz viel Flausch nämlich. So. Das musste mal raus.

Jetzt ist dem einen oder anderen vielleicht aufgefallen, dass in diesem Posting eine entscheidende und nicht unwichtige Kleinigkeit fehlte: Der Vater des noch ungeborenen Kindes. Ja, das ist so eine Sache. Im Februar lernte ich (wie aufmerksame Twitter-Follower es teilweise miterleben durften) einen Mann kennen…wir hatten eine wilde, aufregende, spannende, aber meinerseits auch sehr ungesunde Zeit zusammen. Doch es sollte nicht so richtig funktionieren, was das ein oder andere Drama zur Folge hatte und mich zu einer emotionalen Achterbahnfahrt brachte. Anstrengend war das, aber ich war froh um die Ablenkung von meinem Leben (welches mich derzeit echt nervte) und ließ es geschehen. Generell begab ich mich in viele Situationen, in denen ich mir einiges gefallen ließ und immer passiver wurde. Das erschreckte mich etwas, doch ich ließ es geschehen, hatte ich doch einfach keine Kraft mich dagegen zu wehren. Außerdem fühlte es sich auch einfach gut an, für den Moment. Doch lange konnte das nicht weitergehen, das war auch mir klar und ich bereitete mich langsam darauf vor, den Absprung zu schaffen.

Doch dann kam doch alles ganz anders. Erst endete die ganze Sache eher abrupt, da er eine andere Frau kennenlernte. Ich fühlte mich verletzt, aber auch befreit. Auf meiner anschließenden Flucht an die Nordsee sammelte ich neue Kraft um, wieder zu Hause, mein Leben wieder in meine eigenen Hände zu nehmen. Ich musste wieder die Kontrolle erlangen. Ich war auch bereit dazu. Doch dann hielt ich plötzlich den positiven Schwangerschaftstest in der Hand und wurde auf übelste Weise daran erinnert dass die Sache mit der Kontrolle nichts weiter als eine Illusion ist.

Ich war sehr besorgt wie er auf diese Neuigkeiten reagieren würde und wartete daher ein paar Tage, bis ich es ihm mitteilte. Er war dann aber sehr aufgeräumt und sicherte mir seine vollste Unterstützung zu, ganz gleich wie meine Entscheidung am Ende ausfallen würde. Ich war perplex, doch ich glaubte ihm. Wir sprachen viel in diesen Tagen, über alle Alternativen und wie das praktisch aussehen würde. Er versicherte mir, dass ich das nicht alleine durchmachen müsste und er da sein würde. Eigentlich sagte er all die richtigen Sachen. Wie immer.

Doch mein Verstand und die Erfahrungen der letzten Monate ließen mich auch vorsichtig sein. Immerhin hatte er schon viel gesagt, was sich im Moment gut anfühlte, sich aber im Endeffekt als falsch herausstellte. Ich war mir also bewusst, dass ich meine Entscheidung nicht auf dem basieren durfte, was er sagte und dass ich vom „worst case scenario“ ausgehen müsste, nämlich dass er gar nicht da sein würde. Diese Gedanken wurden durch einige seiner Taten und Worte, die folgten, unterstrichen. Als ich ihm dann mitteilte, dass ich eine Entscheidung gefällt hatte und das Kind bekommen würde antwortete er mit einer langen Email. Danach telefonierten wir noch einmal und er frug wie ich mir das denn dann vorstellen würde. Ich sagte ihm, dass ich gelernt hätte keine Erwartungen zu haben, da diese sonst nur enttäuscht werden würden. Er nahm das hin. Seither haben wir noch losen Kontakt (alle 2-3 Wochen, leider immer nur von mir ausgehend) über dies und das. Er fragt nicht viel und erzählt sporadisch…belangloser Smalltalk halt. Ich weiß also nicht was wird, wie es wird und welche Rolle er spielen wird. Ich versuche realistisch zu sein, nicht negativ sondern neutral, und die Dinge zu nehmen, wie sie halt sind. Ich habe nicht die Energie mich über irgendetwas aufzuregen…und ehrlich gesagt auch nicht das Interesse. Ich möchte so positiv wie möglich an die Sache heran gehen.

Ich habe ihm gesagt, dass ich, im besten Sinne des Kindes, die Tür offen lassen werde. Er hat zwar nicht verstanden was das heißt, aber ich hoffe, dass er es merken wird. Er wird sich natürlich einbringen dürfen. Soviel er will. Oder wie er es nennt „soviel er kann“. Es wird wohl voll und ganz davon abhängen wie er seine Prioritäten setzt. Ich bin keine Frau, die das Kind benutzt um den Vater unter Druck zu setzen. War ich noch nie. Das ist unfair und absolut nicht im besten Sinne des Kindes (was für mich immer der Kompass ist). Ich bin eigentlich eine recht umgängliche Kindsmutter, wenn ich das mal so sagen darf. Aber ich habe aus der letzten Geschichte auch viel dazu gelernt. Denn letztes Mal stand ich an der sprichwörtlichen Tür und habe sie aufgehalten, habe versucht den Perlenpapa durchzuschubsen, ihn davon zu überzeugen durchzugehen. Das alles hat sehr geschmerzt und mich sehr viel Kraft gekostet, die ich im ersten Jahr mit der Perle echt anders hätte gebrauchen können. Das werde ich dieses Mal nicht so machen. Entweder ist er da, oder eben nicht. Ich hoffe auf ersteres, bin aber auch bereit mit letzterem zu leben und dementsprechend zu handeln.

So, das ist dieser Teil der Geschichte. Natürlich aus meiner Sicht und mit meinen Worten, er würde sie vielleicht ganz anders erzählen. Ganz bestimmt sogar. Aber so ist das nunmal im Leben. Perspective matters. Ich weiß nicht, wie ich ihn nennen soll. Erzeuger? Kindsvater? Papa? Das werde ich wohl davon abhängig machen wie er sich verhält. Aber eins weiß ich: Ich werde nicht noch einmal so die Kontrolle verlieren wie in den letzten Monaten. Das ist MEIN Leben und ich werde es wieder in die Hand nehmen. Ich möchte nicht mehr, dass Dinge einfach passieren und ich reagiere. Nein, ich möchte wieder agieren und die Zügel in der Hand haben.

PS: Ich möchte hier wirklich nicht über diesen Menschen herziehen, ihn schlecht darstellen, zum gemeinsamen Lästern einladen oder sonstwie negativ über ihn sprechen. Daher habe ich mich, so neutral wie möglich, auf die Tatsachen berufen und versuche nicht bezüglich seiner Motivation und Gefühle zu spekulieren. Und ich wünsche mir, dass hiervon auch in den etwaigen Kommentaren abgesehen wird.

13 thoughts on “Und was ist mit dem Vater?

  1. Ein sehr guter Post, bei dem du sicherlich jeden Satz mehr als nur einmal überdacht hast. Überhaupt finde ich, dass deine Beiträge unglaublich viel an Qualität gewinnen.
    Bleib weiter so locker und optimistisch – ich finde deine Einstellung fantastisch.
    Liebe Grüße,
    Yvonne

    1. Vielen Dank für deine lieben Worte. Ich habe wirklich wesentlich länger als sonst dran gesessen und jedes Wort abgewägt. Ich hoffe es kommt so respektvoll rüber wie es gemeint war.
      Danke für’s Da-Sein. 🙂
      LG!

  2. Ein Tipp von mir: nenne ihn in deinen Gedanken, wie du es fühlst, aber denke immer daran, dass kein kleines Kind einen Erzeuger haben möchte, sondern einen Papa, egal wie präsent der ist. Später – in der Pubertät – bilden sie sich dann ihr eigenen Urteil. Bis dahin sollte man sich aber mit diesem Äußerungen zurück halten (meine Meinung).
    Und vielleicht liest dein Kind eines Tages, was du geschrieben hast….

    Es grüßt
    DieReiseEule

    1. Ja, da hast du recht, vor dem Kind würde ich ihn niemals „Erzeuger“ nennen. Das wäre nicht fair und auch dem Kind gegenüber nicht nett.
      Danke für den Tipp, ich werde ihn beherzigen 🙂

  3. Ich finde, Kinder können gut mit der Wahrheit umgehen. Und „Papa“ ist ein Mensch, zu dem es (für das Kind) eine emotionale Bindung gibt. Wenn es die nicht geben sollte, könntest du ihn auch etwas distanzierter „Vater“ (statt Erzeuger, was noch anonymer wäre) nennen oder „ein ganz netter Mensch, der auf seine Art geholfen hat dich Wunder entstehen zu lassen“.
    Ich wünsche dir und deiner Familie alles Gute und dass alle gesund bleiben!

    1. Obwohl mein Vater mehr 20 Jahre nicht präsent war, hat es mich als kleines Mädchen gekränkt, wenn man ihn Erzeuger nannte. Ich habe das später, aus guten Gründen, dann selbst getan.

      Ich finde wie Du „Dein Vater“ wertfrei und angemessen, Papa ist tatsächlich emotionaler besetzt für mich.

      Ich hab ihn zuletzt „Dad“ genannt, aber das ist nichts für kleine Perlen.

      Aber ich möchte auch davon abraten, ihn Erzeuger zu nennen.

  4. Wow! Danke für Deine Ehrlichkeit! Schön! Wünsche Dir alles Gute für die Zukunft! Ich bin sicher, alles kommt gut! Und ich habe einmal ähnliche Erfahrungen gemacht mit einem Mann, kann es sehr gut nachvollziehen…

  5. Wie gesagt, ich habe heute erst hier her gefunden, aber es gefällt mir so gut hier, deshalb auch zu diesem Thema mein Kommentar: hut ab vor dieser Entscheidung! Und ich garantiere dir (aus eigener Erfahrung): du wirst es nie bereuen! Dass die Perle jetzt ein geschwisterl bekommt, ist das beste, was ihr passieren kann! Denk immer daran, wenn die Zeiten schwer sind ( und das werden sie): jedes Kind, ist ein kleines Wunder! Ich habe einmal gehört, dass jedes Kind sich seine Eltern selbst aussucht. Ich mag diesen Gedanken!

    1. Danke für deine Worte. Ja, ich denke auch, dass ich es nicht „bereuen“ werde, auch wen es sicherlich nicht immer einfach werden wird. Danke für die Ermutigung und schön, dass du da bist! 🙂

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