Rant – Meine unfähige Betreuerin beim Arbeitsamt

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Da im September 2015 mein Vertrag an der Universität Maastricht auslief muss ich mich seither arbeitssuchend betiteln. Wie aufmerksame Leser vielleicht schon mitbekommen haben hat sich die Arbeitssuche bisher eher schwierig gestaltet. Über 150 Bewerbungen habe ich in den letzten Monaten verschickt, habe auf den verschiedensten Kanälen auf mich aufmerksam gemacht, habe mich auf ausgeschriebene Stellen beworben und auch initiativ agiert. Aber leider ist bisher dabei nichts heraus gekommen.

Während dieser ganzen Zeit musste ich immer wieder mal nach Wuppertal fahren um mich dort mit meiner Betreuerin bei der Bundesagentur für Arbeit zu treffen. Diese Treffen waren schlichtweg unnötig, da sie meist nur um die 10 Minuten dauerten und die einzige Erkenntnis daraus war, dass ich ja schon alles in meiner Macht tat und einfach nur so weitermachen müsste. Nun gut, das war zwar nervig, aber man konnte es der guten Frau ja nicht zum Vorwurf machen, es war halt nunmal Fakt. Und diese Meetings gehören nunmal dazu, ich beziehe ja Geld von der Agentur, worüber ich auch sehr dankbar bin.

Vor ein paar Wochen beschloss ich dann, dass ich nicht mehr nur herum sitzen wollte sondern die Zeit nutzen wollte um mich weiter zu bilden. In meinem Beruf kann es nämlich sehr von Vorteil sein, wenn man z.B. weiß wie man mit Photoshop und Indesign umgeht. Außerdem fand ich ein paar Kurse, die auch im Bezug auf Social Media Marketing sehr interessant schienen. Leider waren alle Fort- und Weiterbildungen schweineteuer und finanziell einfach nicht wirklich drin in meiner Situation. Da schlug mir eine Bekannte vor doch beim Amt um einen Bildungsgutschein zu bitten. Ich hatte keine Ahnung wovon sie sprach und recherchierte erstmal im Internet was das denn bedeutete. Das hörte sich alles ganz gut an und die Kurse, die mit dem Bildungsgutschein möglich waren, hörten sich auch wirklich interessant an.

Ich machte also einen kurzfristigen Termin mit meiner Betreuerin und frug sie ob sie mir einen solchen Bildungsgutschein ausstellen könne. Das sei eine sehr gute Idee, fand sie und 10 Minuten später hielt ich einen Gutschein für einen 4 monatigen Kurs in den Händen. Ich freute mich sehr, fand es aber auch seltsam, dass sie diese Möglichkeit nicht mal vorgeschlagen hatte, wenn das so „passend“ wäre in meiner Situation. Nun denn, ich wollte nicht negativ sein und begann alles für einen baldigen Kursstart zu organisieren.

Das Trainingszentrum, in dem ich mich für einen Kurs einschrieb, liegt mitten in Wuppertal Elberfeld. Zeittechnisch passten die Unterrichtszeiten und Fahrtzeiten perfekt zu den Kita-Schließzeiten. Leider war es unmöglich in der Nähe des Schulungszentrums zu parken, ohne ein Schweinegeld dafür auszugeben und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln würde ich es nicht zeitig zur Kita schaffen. Die netten Leute vom Schulungszentrum schlugen mir also vor den Lehrgang von zu Hause aus durchzuführen. Ich hatte mich zwar gefreut mal raus zu kommen, aber im Angesicht der Parkgebühren vor Ort (es wären 15 Euro am Tag gewesen) stimmte ich zu. Ok, ich müsse dann nur die schriftliche Genehmigung meiner Betreuerin haben. Kein Problem, dachte ich. Doch meine Betreuerin war nicht so begeistert und meinte, ich müsse gewährleisten zu bestimmten Zeiten an bestimmten Orten zu sein, sonst könne ich ja auch keinen Job annehmen. Generell hat sie ja Recht aber mal ehrlich: Hätte ich einen Job, könnte ich auch Parkgebühren bezahlen. Dem ist aber nicht so. Nunja.

Da ich nicht wusste wie ich das ganze lösen sollte entschied ich mich ihr dann mitzuteilen, dass unter diesen Umständen der Gutschein wohl verfallen würde. Zugegeben, das war ein reiner Bluff meinerseits, denn natürlich wollte ich diesen Kurs belegen. Im Angesicht dieses Faktes entschied sie sich aber plötzlich anders und genehmigte mir doch noch, den Lehrgang von zu Hause aus durchzuführen. Puh. Glück gehabt. Nun stand meiner Kursteilnahme also nichts mehr im Wege.

Am Montag hatte ich dann einen Termin zur Sozialrechtsberatung bei einer hiesigen Stiftung, da ich mich mal mit dem Schreckgespenst „Hartz 4“ auseinandersetzen musste. Immerhin gibt es keine Garantie, dass ich nach dem Lehrgang gleich einen Job bekommen werde (es gibt ein paar Gründe, die dagegen sprechen, bald hierzu mehr). Und viele Monate ALG I habe ich nicht mehr übrig (obwohl das ja jetzt durch den Lehrgang verlängert wird, wie mir erklärt wurde). Nunja, um realistisch zu sein nahm ich also besagte Sozialrechtsberatung in Anspruch. Und was ich dort zu hören bekam war wirklich krass.

Es ist wohl so, dass mir wesentlich mehr an Geldern zusteht als ich seit September beziehe. Ich könne Wohngeld und Kinderzuschlag beantragen, da meine derzeitigen Einkünfte sogar unter dem Existenzminimum liegen. Ich war sehr überrascht, immerhin habe ich ja eine Betreuerin, die das Ganze ja wissen müsste. Also muss ich nun einige Anträge stellen um das zu bekommen was mir zusteht. Ich bin ganz schön sauer, dass ich mich monatelang mit nutzlosen Meetings zufriedengegeben habe und nicht mal auf eine vernünftige Beratung bestanden habe. Das ist wirklich ein Unding, dass man so allein gelassen wird.

Diese Beratung heute war jedenfalls sehr gut und ich kann wirklich jedem so etwas empfehlen, der mit der Arbeitsagentur oder dem Job Center zu tun hat. Die Leute bei solchen Beratungsstellen kennen sich wirklich aus und können einem in die richtige Richtung weisen. Außerdem haben sie auch Ideen und können verschiedene Ansätze vergleichen und die beste Möglichkeit für einen auftun. Ich habe mich dort wirklich sehr gut aufgehoben gefühlt, meine Beraterin hatte sehr viel Ahnung und hat alles drei Mal erklärt, damit ich es auch sicher verstehe. Sehr sympathisch.

Also, lasst euch nicht von unmotivierten Beratern der Agentur oder des Jobcenters abspeisen, nehmt die Dinge selbst in die Hand und geht zur Caritas oder Diakonie und bittet um einen Termin für eine sozialrechtliche Beratung. Klar muss man dann dort einiges offenlegen, aber glaubt mir, es lohnt sich! Ich werde jetzt jedenfalls schleunigst alles beantragen, damit die Geldsorgen bald ein Ende haben und wir wieder entspannter über die Runden kommen. Ich bin wirklich dankbar ob dieses Licht am Horizont.

Nachtrag: Der Kurs hat übrigens mittlerweile angefangen und macht mir unglaublichen Spaß. Ich bin wirklich froh, dass das geklappt hat. Ich werde aber wohl nochmal separat darüber bloggen. 

11 thoughts on “Rant – Meine unfähige Betreuerin beim Arbeitsamt

  1. Solche Situationen kommen mir leider sehr bekannt vor. In der kurzen Zeit meiner Arbeitslosigkeit hat es mein Berater auch geschafft mir den Termin direkt auf meinen Geburtstag zu legen und mir dann noch eine BewerbungsAufforderung auf genau die eine Stelle geschickt, die ich von vornherein ausgeschlossen habe – eine Callcenter-Stelle bei der Bekannte von mir bereits diverse miese Erfahrungen gemacht haben. Über solche „Beratungen“ kann man echt nur den Kopf schütteln“.

    1. Die scheinen halt wirklich sicher gehen zu wollen, dass man IMMER weiß, dass man von ihnen abhängig ist und quasi keine Rechte hat. Das Ego vieler dort angestellten ist einfach auf’s maximale aufgebläht und absolut respektlos.

  2. Hey Nina, in English because my German is 100 years ago… Sympathies with the begleiter thing. We’ve been through the same in my family with my sister and it’s not a lot of fun. Due to an accident my sister had some cognitive problems, so understanding wasn’t really her thing. Nobody at the Amt took that into account and it took us a year to work out she wasn’t getting enough money. We’ve since come to the conclusion that the people working there are people too, but perhaps not always the brightest or most motivated. It sometimes helps to take another person who can at least listen and think of other questions to ask, although you seem to be doing well. And doing your research is also useful! Keep breathing, this to shall pass. Greetings from Maastricht, Alice

  3. Das Problem bei den Beratern ist, das Sie wissen das Sie in ein Paar Monaten, auf der andere Seite sitzen. Auf der Seite wie du, deswegen wissen die oft von bestimmten Möglichkeiten nicht mal was weil Sie auch nur das Gröbste vermutlich lernen. Als kleines beispiel du hast 150 Bewerbungen geschrieben „Hammer viel Papier, Mappen, Bilder, Briefmarken vermutlich verwendet“ Hast den Bewegungsgeld als beispiel bekommen? Vermutlich nicht..da musste ich meine Beraterin auch erst drauf ansprechen. Zum Glück hat es bei mir nicht lange gedauert.. mit der Arbeitslosigkeit.

  4. Oh Mann… Darüber sollte man ein Buch schreiben. Ich war leider letztes Jahr auch einige Monate arbeitslos und mein Betreuer weigerte sich schlichtweg, mir einen Bildungsgutschein auszuhändigen. Er meine, ich wäre ausreichend qualifiziert… Dabei helfen solche Kurse wirklich. Ich wundere mich schon sehr über diese „Profis“ vom Arbeitsamt…

  5. Vielleicht kannst du auch von zuhause SEO Texte oder andere Texte schreiben. Hier hat Textbroker.nl viele Aufträge, ich weiss nicht wie es bei Textbroker.de ist. Am Anfang verdient man nicht sehr viel damit, aber wenn man schneller wird, wird das schon besser. Vielleicht gibt es auch andere Deutsche websites wie diese wobei man mehr verdienen kann.

  6. Ja sehr geil. Hatte ich vor 2 Wochen auch…. Der Berater hat 2 Minuten suggestive Fragen gestellt und dann 5 Minuten nach Jobs für mich gegoogelt!! … ohne Erfolg. -.- größte Zeitverschwendung meines Lebens. Als ich um einen Termin mit der Akademikerberatung bat, hatte er erst keine Ahnung das die AAgentur sowas hat… hat dann danach gegoogelt… und mir dankenswerterweise deren Internetadresse ausgedruckt.

    0_o Wirklich. Es war grotesk.

  7. Hmm. Rant als Format hin oder her. Ich finde diesen Text eine interessante Mischung aus naiv, unreflektiert und unwissend. Daher Kritik an deinen Aussagen und Handlungen. Ob du veröffentlichen willst, entscheide Du. Sagen wollte ich es dir aber.

    1. Du warst bei der Arbeitsberatung / Vermittlung. Und schimpfst auf deine Arbeitsberaterin, weil sie Dich nicht über dir zustehende Leistungen informiert.
    Aha?! Die Person in der Arbeitsvermittlung ist (nur) dafür verantwortlich, dich bei der Arbeitssuche zu begleiten. Die Leistungsberatung (aka „wieviel Geld steht dir zu“) war das letzte Mal, dass ich eine Arbeitsagentur betrat, eine komplett getrennte Abteilung. Aus gutem Grund sind der „Leistungsbereich“ und der „Vermittlungsbereich“ getrennt. Du kannst sogar davon ausgehen, dass deine Arbeitsberaterin nicht weiss oder nicht wissen kann/darf, wieviele Leistungen du beziehst. Und du kannst in die Leistungsabteilung gehen und dich dort zu den Leistungen beraten lassen.
    Dass du nach 10 Monaten Arbeitslosigkeit diese basic Info zur Arbeitsagentur nicht weisst, das erschrickt.

    2. „Und für die 10 Minuten muss ich da hin, Frechheit, und dann noch nichtmal mich über Leistungen informieren. “
    Diese Arbeitsberaterin ist schlicht nicht verantwortlich für die Leistungen. Diese Person soll dich begleiten und sehen, ob und wie du dich bewirbst und welche Jobs auf dem Arbeitsmarkt für dich in Frage kommen. Wenn Du dich alleine gezielt bewerben kannst (und davon gehen ArbeitsberaterInnen bei AkademikerInnen erstmal aus, sobald du eine gute Musterbewerbung und einen Lebenslauf vorgelegt hast), dann machst du das alleine. Die Arbeitsberater sind dann nur die regelmäßige „Hausaufgabenkontrolle“ und ja, das sind dann nur die 10 Minuten, in denen du reingehst, deine Bewerbungsliste vorlegst, ggf. Bewerbungskosten abrechnest (das gab es vor ein paar Jahren noch, dass es pro schriftlicher Bewerbung eine kleine Pauschale gab, kann sein, dass das weg ist).
    Diese „Hausaufgabenkontrolle“ ist da, um zu prüfen, ob du deiner Pflicht (fordern…) dich zu bewerben nachkommst. Und ggf. um Aus- oder Weiterbildung zu vermitteln, um Arbeitsmarktchancen zu erhöhen

    2. Du kommst erst nach 10 Monaten Arbeitslosigkeit auf die Idee einer Aus- und Weiterbildung und den Bildungsgutschein? Moment mal, das sind Infos, die du dir im ersten halben Jahr der Arbeitslosigkeit besorgen solltest. Und da sehe ich Dich in der Pflicht, dich zu informieren. Nicht die AA, es dir anzutragen. Denn wie du schreibst, kommst du als Hochqualifizierte, und von denen wird erwartet, dass sie in der Lage sind, sowas selbst zu gestalten.
    Wenn du das Pensum von Arbeitsberatern in der AA googlest, wird recht schnell deutlich, warum sie nur Zeit und Kraft für die „harten“ Fälle ohne Abschlüsse und Ausbildungen haben. Ist schade. Aber von uns AkademikerInnen wird erwartet, dass wir uns um Bewerbungen, A+W, etc. selbst kümmern. Und ich finde zu recht.

    Daher: Ich finde deinen Rant unpassend. Du hast m.E. dir einige wichtige Informationen nicht oder nur sehr spät besorgt. Und machst die Arbeitsberaterin verantwortlich für etwas, für das sie schlichtweg nicht verantwortlich ist. (An der Käsetheke im Supermarkt bestellst du ja auch nicht deinen Fisch)

    1. Ich weiß nicht…klar hätte ich auf eigene Faust viel früher zur Beratung gehen können wo ich jetzt war. Aber irgendwie hatte ich das Vertrauen in meine Beraterin, dass sie mir wohl eine vollständige Beratung geben würde. Ich habe ihr ziemlich deutlich gemacht, dass ich erst kürzlich aus dem Ausland zurück gekehrt war und mich im deutschen Behördendschungel gar nicht auskannte. Sorry, dass ich da von ihr etwas Feingefühl erwarte, dass sie mich in die richtige Richtung weißt wenn sie sich mit etwas nicht auskennt. Aber das ist einfach so typisch Ämter-Geleut. „Nicht mein Gebiet, nicht mein Problem.“ Da zählt nicht das einzelne Schicksal, da zählt die Anzahl der Fälle bis Feierabend. Das wird nicht mit Menschen umgegeangen, sondern mit Fallnummern. Ich hasse diesen Zustand. Gut, wenn sie etwas nicht weiß, so be it, kann man ihr nicht ankreiden. Aber sie hätte mir doch dann sagen können „weiß ich nicht, gehen sie in die und die Abteilung, da wird ihnen weitergeholfen.“ Ihre Aufgabe? Vielleicht nicht? Wäre es menschlich? Ja. Aber den Anspruch hat man ja an Ämter-Leute nicht mehr. Als seien es Maschinen. Grauenhaft.

      Und doch, sie wusste genau was ich bekam, hat es mir ja noch „erklärt“. Und nein, sie hat auch nicht mit „Härtefällen ohne Abschlüsse“ zu tun, denn sie ist die Abteilung für Akademiker. Und ohne Abschluss ist man nunmal kein Akademiker, logisch, oder?

      Und das mit dem Bildungsgutschein: Woher zum Teufel soll ich wissen was das ist und dass es das gibt? Und warum sollte es so schwer sein, dass sie mir sowas mal nahelegt (wo es doch, nach ihrer Aussage, so eine tolle Idee für mich sei)?

      Vielleicht habe ich einfach einen anderen Anspruch an Menschen, die mit Menschen arbeiten. Vielleicht ist es wirklich naiv zu glauben, dass sie sich für Einzelfälle interessieren und vielleicht mal mitdenken. Aber ich finde, das ist ein Missstand, über den ich mich aufregen darf. Ich fühle mich nicht gut beraten und unterstützt. Ich fühle mich als hätte ich meinen Teil der Arbeit erledigt und ihren gleich mit.

      Um es mit deiner Käsetheken-Symbolik zu sagen: Wenn die Dame oder der Herr hinter jener Käsetheke keine Lust auf die Käse-Wünsche oder -Nöte der Kunden hat, oder sich mit Käse so gar nicht auskennt oder einem Kunden mit Fischwunsch nicht in Richtung der Fischtheke verweisen kann, dann hat sie oder er hinter der Käsetheke (oder im gesamten Einzelhandel) vielleicht gar nichts zu suchen sondern wäre hinten im Lager, wo er mit Menschen nix zu tun hat, vielleicht besser aufgehoben. 😉

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