Die Epiphanie – Von der Suche nach dem Glück

worried-girl

Ein Freund von mir hatte kürzlich eine Epiphanie. Als er mir davon erzählte dachte ich „Wow, vielleicht lerne ich jetzt was für’s Leben“ denn eigentlich hat er immer sehr coole und durchdachte Ansichten. Als ich mir dann seine Epiphanie anhörte war ich dann doch etwas…erschrocken. „Do what makes YOU happy, even if it may hurt people.“ sagte er. Naja.

Natürlich sind wir uns selber erstmal am nächsten. Wenn nicht wir auf uns selbst aufpassen, wer sollte es sonst tun? Das Leben hat mir jedenfalls gezeigt, dass man zwar gute Freunde und eine tolle Familie haben kann, die einem super und immer beistehen, aber wenn es hart auf hart kommt muss man sich selber aus der Scheiße ziehen. Man muss selber aufstehen, auch wenn man manchmal eben Hilfe dabei bekommt. Das hört sich erstmal etwas traurig an, aber so ist das nunmal. Ganz unten sind wir halt Einzelkämpfer. So what?

Ergo, wenn man glücklich sein will, dann sollte man das tun, was einen glücklich macht. Das kann das sein, was alle tun, das kann aber auch etwas sein, was keiner tun würde. Scheiß drauf, es kommt darauf an, was einem selber sein persönliches Glück beschert. Das können kleine oder große Dinge sein. Wichtig ist, dass es Dinge sind, die erprobt darin sind, einem etwas Glück zu bescheren. Ein wenig wie Comfort-Food. Wenn man noch nicht weiß, was einen glücklich machen würde, dann muss man Dinge ausprobieren und offen sein für neue Erkenntnisse an Orten, wo man sie vielleicht nicht erwartet hätte.

Soviel zum ersten Teil der Erleuchtung. Nun aber zum zweiten Teil, der mich ehrlich gesagt etwas erschrocken hat. Muss einen das Leben denn so hart machen? Ist es nicht das, was das Leben unentwegt versucht und es ist die wahre Stärke, dem entgegen zu wirken? Also ich weiß nicht ob mich etwas glücklich machen könnte wenn ich wüsste, dass es jemanden anderen unglücklich macht. Klar, Life ist rough und man braucht ein dickes Fell um sich durch das Dickicht des Alltags, der ewig fortlaufenden Zeit, zu schlagen. Aber man muss doch nicht zum Arschloch werden, dem die Gefühle der Anderen egal sind, weil sein eigenes Glück grad zur Priorität gemacht wurde. Klar, wir sind uns alle erstmal uns selbst am nächsten. Aber das gibt uns nicht das Recht zum sprichwörtlichen Elefant im Gefühls-Porzellanladen eines anderen zu werden.

„Du musst ein Schwein sein in dieser Welt“. Ich habe diesen Satz schon immer gehasst. Vielleicht bin ich auch etwas naiv, aber ich hänge sehr an meiner Illusion, dass guten Menschen Gutes widerfährt. Dafür sorgt die sogenannte Karmapolizei (Danke an Sarah Kuttner für dieses Wort). Das heißt nicht, dass ich für jede gute Tat auch etwas Gutes erwarte, aber ich glaube an ein gewisses Gleichgewicht am Ende der Gleichung. Oder ich hoffe darauf. Das ist mir nämlich tausend Mal lieber als aufzugeben und zum Schwein/Elefanten zu werden. Denn soweit kriegt mich das Leben nicht.

Ich denke es ist ziemlich einfach es hinzunehmen, dass das Leben nun eben hart ist und selber hart zu werden. Die wahre Größe eines Menschen zeigt sich doch darin, dass man dagegen anhält und sagt „du kriegst mich nicht klein, du Arsch!“ und weiter nach dem Glück sucht. Weil man daran glaubt und nicht einknickt vor den überwältigenden Beweisen, dass es einem verwehrt bleiben könnte.

Wir sitzen doch alle im gleichen Boot, auf der Suche nach dem Glück, nach Zufriedenheit. Nach dem Moment, in dem man kurz innehält, sein Leben betrachtet und sich denkt „Krass, ich bin glücklich!“. Warum dann gegeneinander arbeiten? Weil man anderen das Glück nicht gönnt wenn man es selbst noch nicht gefunden hat? Neid ist da eine sehr einfache Ausrede, wie ich finde (auch wenn ich mich selbst des Öfteren ihrer bezichtigen muss). Lasst uns unsere Mitsuchenden gut behandeln. Man kommt nicht höher indem man andere runterdrückt, kommt nicht weiter wenn man mit Ellenbogen durchs Leben geht. Vielleicht ist es passive Empathie, vielleicht sogar aktive Hilfe. Aber hinnehmen, dass das eigene Glück ein Opfer eines Anderen bedeutet klingt nach einer sehr einfachen Lösung, die einen irgendwann einholt. Ein Easy fix. Und sicherlich nicht förderlich für die eigene Seelenhygiene.

5 thoughts on “Die Epiphanie – Von der Suche nach dem Glück

  1. Menschen, wie dieser Freund, kommen nur scheinbar weit im Leben. Früher oder später fallen sie böse auf. Als Unternehmensberaterin könnte ich fette Gewinne einstreichen, wenn ich Arbeitsplätze vernichte. Mit diesem Geld könnte ich mir Luxus leisten, der kaum zu beschreiben ist. Stattdessen suche ich mir die Aufträge gezielt aus und erstelle Konzepte, die eher die Managergehälter beschneiden. Und das Lächeln einer einzigen Sachbearbeiterin, die vielleicht allein ein Kind erzieht und deren Arbeitsplatz nun bleibt, ist wahres Glück.

  2. Ich denke auch, dass man als Einzelkämpfer nur scheinbar glücklich wird. Was ist denn Glück wenn man es vor lauter Selbstverwirklichung mit niemandem teilen kann? Und kann nicht es nicht auch glücklich machen für einen anderen auf etwas zu verzichten?

  3. Mich hätte interessiert, wie genau dein Freund das wohl gemeint hat. Auf den ersten Blick erscheint es mir eine Mischung aus gäniger Glückskeksphilosophie und Ignoranz zu sein. Aber möglicherweise greift das zu kurz.

    Wenn meine Eltern mich zum Beispiel dafür vorgesehen haben, dass ich später ihr Unternehmen weiterführe, dann wird es sicherlich eine Verletzung ihrer Gefühle, Wünsche und Träume darstellen, wenn ich mich dazu entscheide, als Artist mit dem Zirkus zu ziehen. Sollte ich deshalb meinem Herzenswunsch nicht folgen? Wenn mein Partner sich sehnlichst ein Kind wünscht, ich aber hundertprotzentig keins bekommen will, sollte ich Mutter werden? Wenn sich meine Kinder ein Leben auf dem Bauernhof erträumen, ich aber ein überzeugter Stadtmensch bin, der keine Ahnung vom Landleben hat und sich nichts Schlimmeres vorstellen kann – ziehen wir auf den Bauernhof? […]

    Es ist einfach eine Gratwanderung zwischen dummem und unfairem Egoismus und unabdingbarer Selbstliebe, die wir im Leben meistern müssen.

  4. Frag dich mal, ob die Person, auf die du Rücksicht nehmen zu müssen glaubst, auch auf dich Rücksicht nehmen würde. Ich könnte wetten, bei 70% der Menschen, mit denen wir uns umgeben, wäre die Antwort nein. Und mit den übrigen kann man gegebenenfalls Kompromisse schließen. Wenn du aber beispielsweise auswandern wolltest und deine Eltern todtraurig wären, würdest du auf dein Glück verzichten wollen? Ganz Unrecht hat dieser Freund nicht mit dem was er sagt. Denn am Ende wirst du nur unglücklich wenn du versuchst, immer alle anderen glücklich zu machen…

  5. Sehr interessanter Text. Ich bin auf jeden Fall eher deiner Meinung als der deines Freundes.
    In meinem Leben habe ich schon so viele Arschlöcher getroffen, die sicherlich nach diesem Prinzip gelebt haben. Allerdings bin ich immer nur daran gewachsen und habe genau wie du auf die Karmapolizei vertraut. Irgendwann geschieht diesen Leuten, was ihnen zusteht.
    In manchen Situationen aber hat dein Freund wohl recht. Man kann nicht immer auf die Gefühle anderer achten wenn man selbst glücklich werden will. Zum Beispiel bin ich zum studieren ans andere Ende von Deutschland gezogen und meine Mutter war sehr traurig darüber. Aber hätte ich darauf Rücksicht nehmen sollen/müssen? Inzwischen hat sich heraus gestellt, dass es eine gute Entscheidung war. Ich gehe sehr in meinem Studium auf und liebe Norddeutschland und meine Mutter unternimmt viel mehr mit Freunden und so, weil sie eben nicht auf das „nervige Kind“ achten muss.
    Liebe Grüße,Eva

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

%d Bloggern gefällt das: