Der Weihnachts-Blues – Ein Selbsthilfe-Guide

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In der Weihnachtszeit ist ja nicht immer alles voller Glitzer und Glamour. Da kommt man schonmal ins Grübeln. Besonders wenn es so grau und dunkel ist und alle, vom Glühwein beflügelt, „Oh du fröhliche“ gröhlen. Da kann man auch schonmal ohne diagnostizierte Depressionen etwas down sein. Doch wie umgeht man eine richtig schlechte Verstimmung wenn man die negativen Gedanken herauf kriechen spürt? Gibt es da ein Geheimrezept? Also ich habe mir da eins angewöhnt.

Wenn ich morgens aufstehe und mir ist kalt, die Perle ist auf Krawall gebürstet, draußen ist alles grau und nass-kalt, dann versuche ich mich darauf zu besinnen, warum ich jetzt, gerade in diesem Moment, glücklich sein sollte. Das klappt meistens ganz gut. Nicht immer natürlich. Manchmal fühle ich mich dann sogar schlechter, weil ich mich eben TROTZ all dieser Dinge mies fühle. Dann kommt da noch hinzu, dass ich mich undankbar fühle und das ist dann wirklich kontraproduktiv. Aber meistens gehe ich aus dieser Übung zur Selbsthilfe bestärkt und positiv eingestellt wieder heraus.

Versucht es doch mal selbst: Holt euch einen Stift und ein Stück Papier und setzt euch mit einem Kaffee oder Tee hin. Jetzt geht es zur Bestandsaufnahme: Was ist gerade jetzt gut in eurem Leben? Und ja, selbst wenn alles doof zu sein scheint, wenn ihr euch wirklich darauf besinnt, dann werdet ihr etwas gutes finden. Manchmal gibt es Situationen, da muss man erst etwas suchen, aber man findet eigentlich immer etwas. Ich zeig euch das mal:

Da sitze ich nun, joblos, gerade umgezogen, mit kaputtem Auto, finanziell nicht gerade gut gestellt, alleinerziehend und mit einer psychischen Erkankung diagnostiziert. Ich könnte mich auf genau diese Dinge konzentrieren und dann würde es mir wahrscheinlich gar nicht gut gehen. Doch wenn ich jetzt mal kurz diese Dinge vergesse und nach den ganzen guten Dingen an meiner jetzigen Situation suche, dann sieht das ganze schon ganz anders aus.

Worüber ich jetzt gerade glücklich bin:

  1. In unserem Wohnzimmer steht, funkelnd und geschmückt, unser allererster eigener Weihnachtsbaum. Das macht mich sehr stolz und versetzt mich in eine tolle Weihnachtsstimmung.
  2. Generell wohnen wir jetzt in einer tollen Wohnung. Sie ist sehr gemütlich geworden, ist hübsch eingerichtet und wir haben uns gut eingelebt.
  3. Wir haben einen Kita-Platz in einem tollen Kindergarten bekommen und die Perle hat sich ganz toll dort eingefunden. Sie hat neue Freunde gefunden und auch ich habe schon Anschluss zu den anderen Eltern.
  4. Es ist Vorweihnachtszeit. Das bedeutet Plätzchen backen, basteln und auf den Weihnachtsmarkt gehen. Dinge, die ich allesamt sehr gern mache und die wir jedes Mal richtig zelebrieren.
  5. Ich habe tolle Freunde und jetzt, da wir wieder vor Ort wohnen, kann ich sie auch viel öfter sehen (und es kommen immer wieder neue hinzu).
  6. Ich habe ein Blog, welches ich sehr gerne fülle und jedes Mal glücklich bin, dass ich eine Plattform habe, wo ich meinen Gedanken freien Lauf lassen kann und wo es tolle Leser gibt, die mich unterstützen und gerne mal ihren Senf dazu geben.
  7. Ich habe hier vor Ort tolle neue Ärzte gefunden, die mir helfen und die mich und meine Zipperlein ernst nehmen.
  8. Ich werde Weihnachten nicht allein verbringen sondern mit meiner schrägen und liebenswürdigen Familie zusammen feiern. Darauf freue ich mich schon sehr.
  9. Ich habe ein tolles und glückliches Kind, das ich sehr lieb habe und welches jeden Tag mein Sonnenschein ist und die mir tagtäglich einen Grund zum Aufstehen gibt.
  10. Ich habe schon viel erlebt in den letzten Jahren und diese Erinnerungen und Erfahrungen werden mir immer bleiben. Und es werden immer wieder neue Erinnerungen und Erfahrungen hinzu kommen.

Das waren jetzt mal 10 Dinge, die mir jetzt spontan mal eingefallen sind. Es sind große und auch kleine Dinge aber alles Umstände, warum ich mich glücklich schätzen kann. Sowas lenkt von den negativen Dingen ab und gibt einem eine ganz neue Perspektive und es lehrt einen auch etwas, nämlich über Kleinigkeiten glücklich zu sein.

So, und jetzt meine Challenge für euch. Wenn ihr diesen Beitrag zu Ende gelesen habt, nehmt euch doch ein Stück Papier und einen Stift und schreibt mal für euch auf, warum ihr gerade glücklich seid. Das müssen keine 10 großen Dinge sein, es reichen manchmal auch 5 ganz kleine (tolle neue Kaffeemaschine, leckere Plätzchen zusammen gebacken, eine Nachricht von einer lieben Freundin, etc.). Hauptsache ihr besinnt euch auf etwas gutes, schönes. Ihr könnt das natürlich auch hier in der Kommentar-Funktion machen, ich würde mich sehr freuen.

Also: Auf, auf, macht euch glücklich.

Disclaimer: Diese Handhabe ist nur eine augenblickliche Lösung. Sie löst keine Probleme und kuriert auch keine Depressionen. Sie hilft aber weiterzumachen.

8 thoughts on “Der Weihnachts-Blues – Ein Selbsthilfe-Guide

  1. Ich stelle mir in diesen Situtationen oft die Frage:“was bringt es mir in 5 Jahren, wenn ich mich jetzt darüber schwarz ärgere und mir die Laune vermiesen lasse?!“ Die Antwort ist meistens:“GAR NICHTS!“

    Und das mit der Liste nehme ich mal in Angriff….. Ergebnis folgt per Whatsapp zu gegebener Zeit 🙂

    1. Das ist auch ein guter Ansatz, das stimmt. Meist lassen wir ganz kleine Dinge viel größer werden als sie eigentlich sein dürften. Ich freu mich auf deine Liste :-*

  2. Toller Text! Danke! Ich empfehle dazu auch die „Friday fives von Buntraum.at und vielen anderen, die darauf verlinkt sind! Jede Woche dankbar sein… Alles Liebe!

  3. Ich habe eine schwere Depression überlebt (das meine ich fast wörtlich) und bekomme gelegentlich wieder Besuch vom „ungebetenen Gast“. Aktuell ist das auch wieder so: Ein blödes Ereignis jagt das nächste und irgendwie ist gerade alles blöd. Da fällt es sichtlich schwer, den Blick auf das Schöne und Ute zu fokussieren. Dank deiner Challenge werde ich aber mal mein Köpfchen rauchen lassen. Also:
    1. meine Kinder sind gesund
    2. Wir haben im Prinzip alles, was wir zum Leben brauchen.
    3. Mein Job macht mir Spaß und ist immer wieder auf eine andere Art und Weise spannend (ich bin Grundschullehrerin).
    4. Ich bin kreativ und kann andere Menschen mit meiner Begeisterung anstecken.
    5. Nach einem Jahr bloggen bin ich noch dabei und habe eine wachsende Leserschaft.
    6. Ich habe heute ein nachträgliches Nikolausgeschenk bekommen.
    7. Meine Freunde mögen mich auch in schlechten Tagen und versuchen, mir dabei zu helfen, den „ungebetenen Gast“ schnell wieder loszuwerden.
    8. Ich darf zukünftig für die Huffington Post über Depressionen schreiben.
    9. In diesem Jahr habe ich in der Adventszeit schon richtig viel mit meinen Kindern gebastelt und gebacken.
    10. Wir hatten alle Spaß dabei.

    So, das waren nun meine 10 Antworten und es ist mir gar nicht so leicht gefallen. Aber immerhin haben sich meine Mundwinkel ein Stückchen nach oben gezogen und nun lächle ich sogar 🙂
    Danke für den Gedankenstupser des Tages!

    Liebe Grüße
    Yvonne

    1. Hey, super! Das war doch richtig gut. Und du hast sogar 10 richtig gute Dinge gefunden. Schön, dass du mitgemacht hast. Ich hoffe es bringt ein wenig Sonne in deinen Tag. 🙂
      Wie gesagt, so eine Übung heilt keine Depressionen, es macht sie nur für den Moment etwas leichter (ich kenne das ja auch).
      LG

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