Zurück in die Heimat – Umzugsgedanken

Mittlerweile sind wir schon soweit, dass wir die Zeit bis zu unserem Umzug in Tagen und nicht mehr in Wochen zählen können. 9 Tage sind es noch. 9 Tage voller Chaos, packen, sortieren, vorbereiten, ausmisten, umräumen. 9 Tage bis ich nach fast genau 13 Jahren wieder in meine Heimatstadt zurückkehre. Am 2. September 2002 fuhr ich mit gepackten Koffern fort und kehre nun, 13 Jahre und fast zwei Monate später mit einem ganzen Hausrat, einem Kind und ganz vielen Geschichten von Erlebtem zurück. Ein seltsames Gefühl. Irgendwie schön aber auch irgendwie komisch.

Kisten

Ich hoffe sehr, dass ich jetzt mal etwas zur Ruhe komme und mein Aufenhalt dort nicht nur wieder temporär ist. Ich möchte gern mal irgendwo ankommen. In den letzten 13 Jahren war ich soviel unterwegs. Manchmal wohnte ich nur so kurz an einem Ort, dass es sich kaum lohnte die Kisten auszupacken. Ich hatte viele verschiedene Bette, viele verschiedene Adressen. Immer irgendwie ein Zuhause aber die ganze Zeit doch nur eine Heimat. Ganze 12 Mal zog ich in der Zeit um. Manchmal nur für ein paar Monate, manchmal für länger aber nie für länger als 2 1/2 Jahre. Meine treusten Umzugshelfer machen schon Scherze, dass sie sich nur noch auf meinen Umzügen über den Weg laufen.

13 Jahre. Da hat sich ganz schön viel Zeug angehäuft. Bei diesem Umzug habe ich den Luxus vorher genug Zeit zum Ausmisten zu haben, was ich auch rigoros tue. Da sind zum Beispiel ein paar Kisten im Keller, die ich die letzten zwei Umzüge nie ausgepackt habe. Der Inhalt: Bücher und Notizen vom Studium, Zeitschriften, Bücher aus den USA, Elektronik und Kabel, Erinnerungen. Doch auch wenn ich eigentlich sehr an den Sachen hänge: die letzten paar Jahre haben gezeigt, dass ich sie eigentlich nicht brauche. So schmeiße ich zur Zeit munter weg und das ist mitunter bitter, aber auch ein sehr befreiendes Gefühl.

Doch wie wird das wohl werden, wenn ich wieder in meiner Heimatstadt wohne? Zum einen sicher sehr zeitsparend. So werden wir nicht mehr jeden Freitag und Sonntag auf die Autobahn müssen. So kann ich meine dort ansässigen Freunde und Familienangehörigen quasi jederzeit sehen und besuchen. Das hört sich schonmal sehr toll an. Aber inwiefern bestehen noch Beziehungen? Ich meine, die Zeit stand ja in den 13 Jahren, in denen ich nicht da war, nicht still. Menschen lebten, entwickelten sich, Freundschaften wurden gepflegt oder verliefen im Sande. Wie werde ich in das Geflecht reinpassen, wenn ich wieder dort wohne und nicht nur „auf Besuch“ bin?

Ich bin wirklich gespannt wie es weitergeht. Einerseits habe ich ein wenig Sorge, dass mir irgendwann das sprichwörtliche Kleinstadt-Dach auf den Kopf fällt oder ich mich wieder nach der großen weiten Welt sehne. Denn an sich möchte ich, wie gesagt, eigentlich nur mal ankommen. Schon der Perle zuliebe. Die ist schon jetzt ein wenig traurig im Angesicht dessen, was sie hier zurück lässt: Ihren geliebten Kindergarten, ihre kleinen Freunde, liebe Nachbarn, ihren Turnverein, ihre gewohnte Umgebung. Doch sie freut sich auch auf das, was da kommt: In der Nähe von Papa und Oma und Opa wohnen, den neuen Kindergarten, ihre Freunde, die sie dort schon hat. Meine Heimatstadt ist ja kein ungewohntes Pflaster für sie, sie hat bisher ja mindestens jedes zweite Wochenende dort verbracht. Umso schwerer würde es werden, sollte ich je wieder wegziehen wollen. Es wird wohl an der Zeit wirklich mal Wurzeln zu schlagen. Ich bin gespannt, ob ich das wirklich kann. Ein wenig Angst macht mir der Gedanke schon.

Andererseits habe ich ja immer Kontakt zu meinen „Wurzeln“ gehalten. Ich war auch während des Studiums viel zu Besuch und seit die Perle da ist hat sich mein soziales Umfeld nochmal stärker wieder zurück in die Heimat versetzt. Vielleicht muss ich ja gar keine Wurzeln schlagen, sondern wohne bald nun endlich wieder dort, so meine Wurzeln die ganze Zeit waren? Das wäre auch mal wieder eine ganz neue Erfahrung. Mit 18 wollte ich damals einfach nur weg. Raus aus dem Kleinstadt-Mief, in die weite Welt hinaus, was erleben, neue Orte sehen, neue Menschen kennenlernen. Doch dieses Streben ist langsam eingeschlafen. Ich muss nicht mehr nur raus raus raus. Ich habe nicht mehr den Drang ständig Neues zu erleben. In der letzten Zeit fand ich immer mehr Freude an den kleinen, an den bekannten Dingen. Erinnerungen von damals wieder aufleben lassen, auszuprobieren was noch so ist wie früher und was sich inwiefern verändert hat. Auch eine spannende Angelegenheit.

Ich hoffe nur, dass ich noch in die alten Konstrukte reinpasse, dass mein Platz im kleinen Heimats-Kosmos nicht irgendwie zugewachsen ist in der Zeit, in der ich nicht da war. Ob ich mir einen neuen Platz schaffen muss? Oder ob ich noch an meinen alten, gewohnten Platz passe? Und ob ich das überhaupt will? Immerhin bin ich ja auch gar nicht mehr die Alte. Ich habe mich in den letzten 13 Jahren ja auch verändert. Vielleicht passt mir mein „alter Platz“ ja gar nicht mehr. Wie ein paar Schuhe, aus dem man einfach rausgewachsen ist. Wer weiß? Ich bin wirklich gespannt und habe auch ein wenig Sorge, dass das vielleicht nicht ganz so „smooth“ verläuft wie ich es mir vielleicht wünschen würde. Zum Glück haben mir schon viele alte Freunde und Bekannte gesagt, dass sie sich freuen, dass wir bald wieder in der Nähe wohnen. Das lässt schonmal hoffen. Wie das ganze dann in der Praxis aussieht muss man dann wohl sehen.

13 thoughts on “Zurück in die Heimat – Umzugsgedanken

  1. Bei mir waren es ähnlich Fluchtgedanken (weg vom Dorf!), aber nur 12 Jahre und 3 Umzüge – dennoch bin ich irgendwannals Alleinerziehende wieder in der Heimat gelandet. Es war anfangs wie nach hause kommen und doch anders. Jeder Stein kam mir bekannt vor, alte Erinnerungen kamen hoch obwohl ich doch genau wie du zwischendurch so oft da war. Aber es fühlte sich gut an, da wo ich aufgewachsen bin.
    Auch wenn ich jetzt schon wieder woanders wohne (dem Mann wegen) würde ich jederzeit wieder zurückkehren.
    Nimm den Abschied als solchen an und sieh gleichzeitig den Neuanfang – alles andere wird sich finden. Ganz bestimmt!
    ((( ❤ )))

    1. Danke für deine Worte. Ja, ich versuche es wirklich als NEUAnfang zu sehen und nicht als „aufgeben“. Auch wenn es mir manchmal so vorkam, am Anfang, als die Idee in mir keimte. Aber das wird schon. Freue mich bald in der Nähe zu sein 🙂

  2. Meine liebe!
    Ich kann leider nicht nachempfinden, wie du doch gerade fühlst. Ich bin schließlich Note sid dem „Kleinstadt -Mief “ geflohen um die weite Welt zu entdecken. Du warst lange lange unterwegs und ich freu mich, dass wir immer (mal mehr und mal weniger) Kontakt gehalten haben.
    Ich freu mich, dass du zurück kommst und ich habe eine kleine Maus an meiner Seite, die ihre Freundschaft zur Perle ausbauen möchte. Die große stellt merkwürdige fragen über unsere Freundschaft und ich erwische mich immer häufiger dabei, dass ich beim wählen lächeln und verschönern muss. Ich möchte nicht, dass die mit 14 in die Disko geht oder Nächte Stoff dem Dach verbringt 😉
    Ich glaube, dass du nicht deinen“alten“ Platz einnehmen wirst. Wir du schon sagtest, du hast doch verändert. Du bist noch immer die liebevolle und offene die ich von früher kenne. Die mit der man Sprichwörtlich Pferde stehlen kann und dennoch sind wir alle erwachsen geworden. Eltern und tragen Verantwortung. Du kommst zurück zu deinen Wurzeln, ihr 2 werdet von alten Bekannten Gesichtern mit offenen Armen und Herzen empfangen. Und ich freu mich schon! Du wirst deinen alten Platz mit einem neue Stuhl einnehmen! 😉

    Liebste grüße

    1. Ach das hast du lieb gesagt. Ich freue mich sehr darauf dich/euch bald wieder öfter zu sehen und ich fänd es echt schön, wenn die Mäuse und die Perle Freundinnen werden würden 🙂 Aber du hast Recht, soviel Mist wie wir ihn früher gemacht haben sollten sie hoffentlich nicht anstellen. 😀 Wir hatten ganz schön Flausen im Kopf.
      Ich danke dir sehr für deine Worte <3

  3. Yuki und ich wollen wieder nach Düsseldorf ziehen. Leider hat sich der Zeitpunkt verschoben. Ich berichte irgendwann warum. Kontakt zu Freunden habe ich immer gehalten, ich war ja fast jedes Wochenende dort. Und oft sogar unter der Woche. Du wirst willkommen sein. Heimat ist nicht schlimm.

  4. Katha hat es auf den Punkt gebracht: Du wirst deinen alten Platz mit einem neuen Stuhl beziehen, deinem eigenen. Du kommst nicht mehr zu Besuch…
    Ich freue mich darauf euren Alltag mitzuerleben und vielleicht ein Teil davon zu sein. Zeit zu haben, mit der Perle Weihnachtsplaetzchen zu backen, zu basteln und mit dir etwas zu unternehmen… Zeit zu haben, die nicht nur auf ein Wochenende beschraenkt ist.
    Mach dir nicht zu viele Sorgen um das Perlenkind und ob ihr deine Entscheidung und die damit verbundenen Abschiede weh tun- du machst nichts, was ihr schadet…Da ist kein Platz fuer Gedanken, wie aufgeben… Das tust du nicht.Du gehst den naechsten , wohlueberlegten Schritt…
    gez.:
    Die Frau , die vor 13 Jahren am Flughafen ein Maedchen mit vielen Trauemen im Gepaeck verabschiedet hat und nun eine erwachsene Frau zurueck bekommt, die sich viele dieser Traueme selbst erfuellt hat – mit einem froehlichen und ausgeglichenen Perlenkind im Gepaeck…
    Kann eine Mutter und Oma zufriedener sein ? Das haette mir damals ja mal einer sagen koennen…

  5. Mache dir doch nicht so viele Gedanken! So richtig weg warst du doch nie, es wird sich alles wieder ganz schnell finden und ordnen. Vielleicht hast du es sogar mit deinen Erfahrungen und Erlebnissen und deiner resultierenden Entwicklung einfacher, als diejenigen, die nichts anderes kennengelernt haben (ich vermeide hier ganz bewusst den Ausdruck „Mief“) Du kannst jetzt vieles anders bewerten und einordnen und bist daher wohl vielen etwas voraus. Beziehe diesen Aspekt ein, wenn du mal in seltsame Situationen oder Gespräche kommst. Aber bilde dir nichts darauf ein, das könnte arrogant erscheinen, da die Horizonte unterschiedlich weit sind. Sei weiter einfach offen und erwarte nicht zu viel! Dann klappt das schon. Und wenn das „Jucken“ wieder kommt, wundere dich nicht und genieße, dass du es noch spürst! Liebe Grüße und drück die Kleine.

  6. Ich verstehe deine Gedanken so gut. Mein Freund und ich bereiten auch grad unseren Umzug zurück in die Heimat vor und ich frage mich auch, ob ich vielleicht zu lange weg war und ob es den Platz zum Ankommen, den ich mir dort wünsche, überhaupt so gibt. Wenn du magst schau mal rein auf vorzurueck.wordpress.com. Ich werd sicher öfter mal bei dir über die Schulter schauen 😉
    LG Janina

  7. Ich wünsche dir alles Gute für den Umzug und die Zeit danach! Bin gerade durch das Tagebuchbloggen auf deinen Blog gestoßen und habe dich gleich mal gefollowed. Das, was du erzählst, ist toll geschrieben, und ich kann alles sehr gut nachvollziehen. Deine Situation kommt mir irgendwie ähnlich zu meiner vor, auch wenn sie komplett anders ist… klingt absurd, aber manchmal ist es einfach nur ein Gefühl, und dem folge ich jetzt einfach.

    Auch ich komme vom Land, ging so schnell wie möglich in die Großstadt und habe jetzt mit Kind sehr viel Ahnung davon, was an der ruhigen, idyllischen Heimat mit einem guten Netzwerk so reizvoll ist. Ich weiß eben nur, dass ich dort mit meiner Qualifikation keinen Job bekäme – ganz abgesehen von der Situation mit dem Vater meines Kindes und meinem Freund. Egal, ich will nicht ausschweifend werden, es geht ja um dich in diesem Blog… ich freue mich auf weitere Blogartikel von dir in meinem Reader!

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