Do’s and Don’t’s – Ein kleiner Knigge zum Umgang mit Alleinerziehenden

Diese Woche schwirrten auf facebook einige Listen herum, die mit Sätzen gefüllt waren, die man als Alleinerziehende nicht mehr hören möchte (oder doch hören will). Angefangen damit hat die liebe Christine Finke von Mama arbeitet. Ich las sie sehr interessiert, konnte mich in vielem wiederfinden, andere Dinge konnte ich weniger gut nachvollziehen…wie das nunmal ist im Leben. Aber ich dachte lange genug darüber nach um selbst einen Text darüber im Kopf zu haben, der mir ein den Fingern gejuckt hat.

Also schonmal im Vorhinein: Ja, ich habe bezüglich meines Alleinerziehenden-Daseins sehr viel Glück gehabt. Ich bin Teil eines wunderbaren Elternteams mit dem Perlenpapa zusammen, der sich einbringt wo er kann und natürlich auch Unterhalt zahlt. Daher sage ich auch oft, dass ich eher „getrennt-erziehend“ bin als „alleinerziehend“. Letzteres würde dem Perlenpapa nicht den Respekt zollen, den er für sein Engagement verdient.

Nun aber ein paar Statements, die mir oft um die Ohren fliegen. Manche könnte ich immer wieder hören. Andere kommen mir mittlerweile zu den Ohren wieder raus.

„Ich könnte das ja nicht“

Das ist eigentlich Schwachsinn. Man kann halt wenn man muss. Und ich muss, daher kann ich auch. Es ist nicht so, dass ich mir das immer so vorgestellt habe und ich sage auch nicht, dass es immer einfach ist. Aber man macht es halt, weil wenn nicht, was wäre dann? Eben, das ist halt keine Option. Und „Ich könnte das ja nicht“ hört sich irgendwie so an als gäbe es eine Alternative. Die gibt es aber nunmal nicht, von daher ist dieser Satz weder hilfreich noch realistisch. Denn manchmal wünschte ich mir, ich hätte die Wahl.

„Es ist toll, wie du das alles schaffst“

Ja, find ich auch. Also generell höre ich das ganz gerne. Auch gerne noch spezifischer, denn es ist nicht oft, dass ich mal nen Kompliment dafür bekomme. Ja, auch der Perlenpapa ist da leider sehr sparsam mit. Aber Leute, manchmal fühle ich mich auch schuldig, wenn ich diesen Satz höre. Besonders wenn zu Hause wieder das totale Chaos herrscht oder es heute Abend wieder nur ne Tütensuppe gibt, weil ich keine Zeit hatte einkaufen zu gehen (oder keine Energie). Oder wenn ich bedenke, dass ich durch Medikamente und Stress in den letzten paar Jahren 10 kg zugenommen habe. Oder wenn die Perle an einem Nachmittag mehr TV guckt als ich es eigentlich gerne hätte.  Dann weiß ich nämlich, dass ich grad eben nicht „alles“ schaffe und mal wieder das ein oder andere liegen geblieben ist.

„Ich bin heute Abend auch alleinerziehend“

Sorry, aber bei dem Satz könnte ich immer laut lachen. Denn mal ehrlich: Nur weil du mal das Kind/die Kinder alleine ins Bett bringen musst bedeutet das nicht, dass du weißt, was es bedeutet alleinerziehend zu sein. Und es ist wirklich wie ein Schlag ins Gesicht, denn es minimiert einfach das, was tagtäglich meine Realität ist. Alleinerziehend, das ist soviel mehr als die Kids alleine ins Bett zu bringen, oder mal ein Wochenende Strohwitwe zu sein. Es heißt ALLES ohne Partner in Crime zu wuppen. Alles. Das Finanzielle, das emotionale, das Wichtige und das Unwichtige. Man ist alles in einem und fängt alles alleine auf. Und es hat kein Ende. Da ist kein Runterzählen von Stunden oder von mir aus auch Tagen, bis der Partner wieder da ist und man sich wieder fallen lassen kann. Da gibt es kein „fallen-lassen“. Da gibt es nur Zuständigkeit. 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche, 365 Tage im Jahr. Ohne Ablösung. Also nur, weil dein Partner mal nicht da ist heißt das nicht, dass du weißt, wie es sich in meinen Schuhen läuft.

„Manchmal nervt er/sie…da kannste froh sein, dass du alleinerziehend bist“

Im Ernst? Bin ich auch. Ich bin eigentlich gerne alleinerziehend. Klar, es ist nicht immer einfach und manchmal sehr ermüdend. Aber ich bin mein eigener Boss. Ich habe das Sagen und keiner quatscht mir rein. Ich bin generell ein kleiner Kontroll-Freak und werde schnell nervös, wenn ich mal die Kontrolle abgeben muss. Ich habe eine ziemlich gute Vorstellung davon wie die Dinge bei mir zu Hause und generell im Leben zu laufen haben und kriege schnell die Krise, wenn mir jemand da rein quatschen will. Von daher find ich es cool, dass ich der Boss meines Tagesablaufs bin und die Perle und ich auf keinen anderen Rücksicht nehmen müssen wenn wir unseren Alltag bewältigen.

„Warum lernst du nicht mal einen kennen?“

Ernsthaft? Ich hab es versucht. Aber als Alleinerziehende ist das mit dem Daten gar nicht mal so einfach. Zumal ich zum ersten (oder zweiten oder dritten) Date nicht gleich die Perle mitschleppe. Dafür muss es mir schon ziemlich ernst sein (und ich denke halt nicht, dass die Perle mit ihren drei Jahren schon daten muss). Also bleiben mir allerhöchstens alle zwei Wochen das Wochenende. Aber auch nicht wirklich, da ich diese Wochenenden meistens dafür nehme um all die Dinge zu erledigen, die ich im Rest der Zeit nicht geschafft habe. Also bleibt vielleicht alle zwei Wochen der Sonntag. Meistens bin ich dann aber so fertig, dass ich kaum aus dem Bett komme, also bleibt alle zwei Wochen Sonntag Nachmittags. Ein sehr kleines Zeitfenster um eine Beziehung aufzubauen. Außerdem gibt es da wesentlich mehr zu bedenken als nur „ist er nett?“. Da spielt Vertrauen eine sehr große Rolle. Kommunikation, und „in die gleiche Richtung gucken“. Empathie und Bodenständigkeit. All das sind Qualitäten, die sehr wichtig sind als neuer Partner. Und alles Dinge, die mich sehr schnell viel zu verkopft werden lassen, so dass ich viel zuviel denke. Und ja, auch in diesem Punkt habe ich ein Problem mit dem „fallen lassen“. Denn wenn man tagtäglich durchs Leben geht ohne sich mal fallen lassen zu können, dann ist es nicht so einfach sich dann mal alle zwei Wochen an nem Sonntag nachmittag fallen zu lassen.

„Und was ist mit dem Vater?“

Das beantworte ich sehr gerne, denn das klappt, wie schon gesagt, sehr gut. Nach anfänglichen Schwierigkeiten geht es jetzt wirklich sehr gut. Das war aber nicht immer so, von daher weiß ich das auch zu schätzen und bin darüber sehr dankbar. Mir ging es sehr schlecht in der Zeit in der es nicht so rund lief. Da haben wir alle sehr viel gelitten und das war wirklich keine tolle Zeit. Daher stecke ich auch jetzt noch viel Energie in unsere Elternbeziehung und ich bin sehr vorsichtig, dass das auch so bleibt. Das kann man vielleicht nicht immer nachvollziehen, da ich mir auch schnell mal Sorgen mache, wenn eine Meinungsverschiedenheit entsteht, aber das sind bloß noch die Nachwirkungen von einer sehr schweren Zeit. Aber Vorsicht! Bei vielen Alleinerziehenden ist dieses Thema ein rotes Tuch (war es bei mir damals auch) und schon allein bei dieser Nachfrage könnte die Stimmung dahin sein. Also sollte man dieses Thema, wenn überhaupt, nur sehr vorsichtig ansprechen.

„Unter der Woche kommste ja nie aus dem Haus, das könnte ich ja nicht…“

Ja, unter der Woche bin ich jeden Abend zu Hause. Ich koche, bringe die Perle ins Bett, räume auf. Dann lese ich, gucke Serien, gehe baden, blogge, twitter vor dem TV, bastel, oder hänge einfach so rum. Und das mag ich so. ich fühle mich weder einsam, noch traurig oder deprimiert deswegen. Nach einem vollen Tag brauche ich das einfach und diese Zeit ist mir eigentlich auch heilig. Klar kommt es alle Jubeljahre mal vor, dass ich jemanden zum Essen einlade, ich mit der Nachbarin noch ein Weinchen trinke, oder zum Elternabend gehe. Aber danach falle ich auch wie ein Stein ins Bett und bin total erschöpft. Klar, es ist alles Gewöhnungssache. Aber wenn ich bedenke, dass ich unter der Woche auch noch abends auf die Piste müsste…nee. Das möchte ich gar nicht. Ich find es gut so wie es ist. Und dafür brauche ich wirklich kein Mitleid.

Ganz generell kann man sagen, dass es viele Leute gibt, die nicht verstehen, dass ihre Worte manchmal als herablassend oder sogar patronisierend herüberkommen können. „Keine Sorge, du findest auch noch einen“ (ehrlich, das ist nun wirklich weder mein größtest Problem, noch die Lösung aller meiner Probleme) ist so ein Beispiel, oder halt auch ein paar der Sätze, die ich oben genannt habe. Auch ist Kritik an meinem Alleinerziehend-Dasein wirklich nicht angebracht. Ich habe es mir schließlich nicht so ausgesucht, noch werde ich mir nen Partner anlachen nur um nicht mehr allein zu sein. Es ist wie es ist. Viele denken auch, dass nur weil ich alleinerziehend bin das Bedürfnis habe meine ganze Story vor allen kontinuierlich zu erklären. Nee, manchmal halt nicht. Manchmal möchte ich wie eine ganz normale Mama behandelt werden, ohne mitleidige oder interessierte Blicke. Ich bin schließlich kein Exot und die Perle wirklich kein „armes Kind“. Ich will kein Mitleid, ich will ein Quäntchen Verständnis. Das ist alles.

8 thoughts on “Do’s and Don’t’s – Ein kleiner Knigge zum Umgang mit Alleinerziehenden

  1. Hallo meine Liebe!
    Ich finde, dass du das ganze super wuppst! Natürlich hat man ein gewisses Chaos, aber glaube mir, auch wenn ich mit Partner an der Seele bin, haben wir sich Chaos 😉
    Ich beneide dich um das Modell getrennt -gemeinsam erziehend, so einModell habennicht viele allein stehendestehende. Das habt ihr wirklich gut entwickelt.
    Ich kann mir sich vorstellen, dass es nicht leicht ist Einen neuen Partner zu finden.
    Liebes, du warst auch schon immer ein Edelgas 😉
    Irgendwann wirst du deinen Luke finde und so lange seid ihr nicht die Gilmore sondern die Perlen Girls!
    Du bist eine starke Frau und Mutter und das warst du schon immer! Ein wenig Chaos verleiht Pfiff und dennoch bist du eine der Personen, zu denen ich immer aufgeblickt habe. Du gehst deinen Weg und trägst die Perle dabei.
    Sei stolz auf dich!
    Liebe Umarmung deine katha

  2. Ein sehr schöner Artikel, der mich zum Nachdenken gebracht hat. Ich fühle mich trotz „normaler“ Familie auch manchmal Alleinerziehend, wenn mein Mann mal wieder auf Dienstreise geht. Aber Du hast recht: das ist nicht vergleichbar; 24*7*365 ist einfach etwas anderes. Ich werde in Zukunft das Wort viel dosierter einsetzen.

  3. Liebe Perlenmama,
    wenn jemand nicht so in nem Thema drin ist, ist es schwer sich reinzudenken. Mir passiert das regelmäßig mit dem Geburtsthema. Hausgeburt verstehen nämlich auch nur wenige. Und auch da bekommst‘ immer wieder die selben Fragen und Behauptungen zu hören.
    Ich hab da mittlerweile auch eine Strategie entwickelt:
    1. Ich höre aufmerksam zu und tue so, als wäre all das Gehörte sehr neu.
    2. Ich frage auch nach, was ich beim nächsten Mal oder ganz allgemein besser machen könnte oder hätte machen können.
    3. Ich teile Lob aus! Denn die Person meint es definitiv gut mit mir und hat sich wahrscheinlich einfach nur Sorgen gemacht.

    Versuch das mal. Es ist amüsant! Und der Bonus ist: Dein Gegenüber denkt nach, man sieht es richtig.

    Ich bin übrigens eine Mama mit zwei Kleinen und Papa. Er ist Berufsmusiker. Die meisten wissen auch nicht was das für die Familie bedeutet. Einfach mal überlegen, wann so die meisten musikalischen Darbietungen im Jahr sind, dann kommt man leicht drauf.

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