Danke Universum! Bestellung: Erfolgreich zugestellt!

Die Woche war emotional ziemlich bescheiden. Dienstag und Mittwoch war ich ziemlich von der Rolle, machte mir Sorgen, hatte große Zweifel und konnte mich zu nichts anderem motivieren als auf der Couch zu liegen und zum 3565. Mal irgendwelche Folgen von Big Bang Theory auf Pro7 zu gucken. Ich war mir unsicher. Unsicher, ob das mit dem Umzug alles so richtig sei. Ob es nicht unfair der Perle gegenüber sei sie jetzt so aus ihrem Umfeld zu reißen und wegzuziehen. In eine Stadt, in der alles noch in den Sternen stand. Z.B. Wo ich arbeiten würde, wo sie in den Kindergarten gehen würde, mit wem sie befreundet sein würde, etc. Hier geht es ihr doch gut, sie liebt ihren Kindergarten, hat ihre kleine Gang dort mit Freunden, die sie sehr lieb gewonnen hat. Und das sollte sie nun aufgeben? Und eintauschen gegen ein Leben voller Ungewissheiten? Diese Fragen machten mich fertig und ich fühlte mich so unsicher, ob das alles die richtige Entscheidung war. Mittwoch unterschrieb ich dann den Vertrag mit dem Umzugsunternehmen und nun gab es kein zurück mehr…obwohl meine Fragen noch so offen, meine Zweifel noch so lebendig waren.

Ich bin kein sehr geduldiger Mensch. Ganz im Gegenteil eigentlich. Das heißt aber auch, dass ich, wenn ich ein Problem sehe, sofort alles daran setze es zu lösen. Ich habe schon immer sehr problemorientiert gearbeitet, das liegt mir irgendwie im Blut. Desto schwieriger ist es für mich Probleme aussitzen zu müssen. Wenn man darauf warten muss, dass sie sich von selbst lösen, weil man selbst schon alles Erdenkliche getan hat und man nun halt „einfach“ abwarten muss. Das macht mich wahnsinnig. So badete ich Mittwoch in meinen (Selbst-)Zweifeln und wusste nicht so ganz wohin mit mir. Abends lag ich lustlos auf der Couch und zappte durch die Gegend, schleppte mich ins Bett und konnte dann vor lauter Gedankenkarussell-Fahrerei nicht einschlafen. Was wenn dies der falsche Weg sei und das Universum mir das auf diesem Wege klarzumachen versuchte?

Donnerstag morgen machte ich mir, nachdem ich die Perle in die Kita gebracht hatte, erstmal einen starken Kaffee und setzte mich an den Laptop. Dieses Nichts-Tun konnte so nicht weitergehen, ich musste mich wenigstens so fühlen als wenn ich aktiv wäre. Also telefonierte ich noch ein paar Kita’s ab (in denen ich entweder hörte „sorry, schon voll“ oder „warten sie ab, wir melden uns“). Eine Kita, die hiesige Waldorf-Kita nämlich, machte mir etwas größere Hoffnungen, sie hätten vielleicht einen Platz aber ich solle mich unbedingt Montag nochmal melden. Ein Hoffnungsschimmer am Horizont, obgleich ich nicht unbedingt begeistert bin von der Waldorf-Pädagogik. Und der Perlenpapa noch weniger („diese Kinder werden doch später nur gehänselt“). Aber, so dachte ich mir, uns steht es gerade wohl nicht zu wählerisch zu sein und im Kindergarten-Alter könnte ich mich mit dieser Form der Pädagogik vielleicht sogar noch anfreunden…ein wenig jedenfalls.

Dann kam noch der Waschmaschinen-Reparatur-Mann und reparierte mir meine Waschmaschine für mehr Geld als ich damals für die Maschine bezahlt hatte (ich hatte sie damals gebraucht gekauft). Zu dem Zeitpunkt hatte sich schon langsam das Gefühl der Resignation in mir begonnen auszubreiten. „Was soll’s?“ sagte ich mir, „ich kann eh nix dran ändern“. Ich wollte mich einfach nur auf der Couch einrollen und schlafen. Mehr konnte und wollte ich zu diesem Zeitpunkt nicht mehr machen.

Da klingelte mein Handy. Die Leiterin einer Kita, bei der wir die Perle angemeldet hatten, war dran. „Frau Perlenmama“ sagte sie, „ich habe gute Neuigkeiten für Sie. Und zwar würde ich Ihrer Tochter Perle gerne einen Kitaplatz ab dem 1.11.2015 bei uns im Hause anbieten.“ „DAS IST JETZT NICHT WAHR!!!“ rutschte es mir heraus und die Dame am anderen Ende kicherte. „Doch, das ist mein voller Ernst. Liege ich richtig mit der Annahme, dass Sie diesen Platz annehmen wollen?“ „AUF JEDEN FALL!“ sagte ich und dann „ich könnte Sie jetzt knutschen, ich hoffe das wissen Sie.“ Die Dame lachte wieder und wir machten einen Termin für die Vertragsunterzeichnung fest, bei dem die Perle auch Ihre neue Gruppe kennenlernen soll.

Als ich auflegte war ich am zittern und mir standen Freudentränen in den Augen. Das gab es ja gar nicht. Wir hatten einen Kitaplatz! Und einen supermegagenialen noch dazu. Diese Kita liegt 7 Minuten von unserem neuen Zuhause entfernt, fünf Minuten zu Fuß vom Perlenpapa und der Perlenoma/dem Perlenopa. Freudestrahlend rief ich gleich den Perlenpapa an, der sich genau so freute. „Kanste mal sehen“, sagte er, „manche Dinge lösen sich von ganz allein…wenn man nur abwartet.“ „Ja…das stimmt“, stammelte ich und konnte es noch immer nicht fassen. Nach dem Telefonat schrieb ich gleich ein paar Whatsapp Nachrichten und twitterte unser Glück. Dann fuhr ich freudestrahlend die Perle abholen, deren Erzieherin mir erleichtert in die Arme fiel als ich ihr von unserem Kitaplatz berichtete. Zur Feier des Tages gingen die Perle und ich dann noch ein Eis essen.

sonne

Seit diesen guten Nachrichten geht es mir wesentlich besser. Ich habe nun richtig Lust auf den Neuanfang. Ich habe wieder das Gefühl, dass sich alles irgendwie ergeben wird und dass das Universum auf unserer Seite ist. Ich habe nicht mehr das Gefühl, dass ich meinem Kind durch den Umzug etwas schlechtes antue und ich habe meine Motivation wieder. Heute morgen stand ich wie beflügelt auf und hatte richtig Elan. So machte ich schonmal Therapeuten-Termine in der neuen (ok, alten) Heimat und suchte (erfolgreich) einen Hausarzt. Ich schrieb einen Gastartikel für ein Magazin (ja, mehr darf ich noch nicht verraten), regelte noch ein paar Amtsangelegenheiten und fuhr dann mit der Lieblingsnachbarin zu IKEA um dort ein wenig zu stöbern (ich brauche ja bald einen neuen Küchentisch) und Mittag zu essen. Die Sonne schien, es war warm und lustig und ja, ich hatte wieder das Gefühl, dass alles irgendwie gut werden würde. Danke, Universum. Bestellung erfolgreich zugestellt! Der Rest klappt auch noch…irgendwie…irgendwann.

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