Warum hast du nichts getan?

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Letzten Samstag in Leipzig. Ich stehe in mitten von 70.000 Menschen vor einer Bühne auf der gerade die Toten Hosen ihre Show zum besten geben. Die Stimmung ist ausgelassen, es wird gesungen, getanzt und getrunken. Auf einmal beginnt Campino zu sprechen. Er redet von Flüchtlingen, wie sie die Ärmsten der Armen sind und unsere Hilfe und unseren Schutz brauchen. Wie wir die Augen aufmachen und laut werden sollen und für die, die am Schwächsten sind. Er redet davon wie wir eine Gesellschaft sind, in der wir gegenseitig auf uns aufpassen müssen. Die Menge jubelt, ein paar Menschen halten Schilder hoch auf denen #refugeeswelcome steht. Danach stimmen sie das Lied von Alex an und die Menschenmenge singt „Warum hast du nichts getan?“. Mich berürht dieser Moment. Es ist schon eine seltsame Stimmung, da stehen wir mitten in einer Stadt, die für #Legida Demonstrationen bekannt ist und alle gröhlen mit und zeigen so Solidarität. Doch was bringt das wirklich?

Ich fühle mich zur Zeit sehr hilflos. Da sieht man schreckliche Bilder auf Facebook, liest furchtbare Geschichten von dem Leidensweg der Flüchtlinge, sieht wie sie, ausgemergelt und müde, vor dem #LaGeSo ausharren und um Schutz betteln. Und auf der anderen Seite sieht man soviel Hass und Missgunst gegenüber diesen, den allerschwächsten. Wie kann das sein? Es will mir einfach nicht in den Kopf, dass manch einer soviel Neid verspührt, dass er diesen Menschen noch mehr Unheil wünscht als ihnen sowieso schon erfahren ist. Und dieses Unverständnis lähmt mich, ich kann damit kaum umgehen. Ich kann und will mit diesen sogenannten „Asylgegnern“ auch nicht argumentieren oder diskutieren. Jedes ihrer Argumente ist so voller Hass und Missgunst und brauner Elemente, dass mir ganz schlecht wird.

Aber ich will nicht mehr, dass diese Gefühle mich lähmen. Denn davon hat keiner was, nicht die Flüchtlinge, nicht die Gesellschaft. Ich möchte nicht, dass ich irgendwann mal auf diesen Sommer zurück blicke und mich selber fragen muss „Warum hast du nichts getan?“. Nur wie? Ein Anfang ist die derzeitige Kampagne #bloggerfuerfluechtlinge. Hier haben sich die verschiedensten Blogger zusammen gefunden um LAUT zu sein. Laut für Flüchtlinge. Sie schreiben, teilen, argumentieren, spenden, helfen in Flüchtlingslagern. Sie organisieren sich derzeit zu einer force of nature, die respektabel ist. Mit allem, was ihnen zur Verfügung steht lehnen sie sich auf gegen die, die Unmut verbreiten und ihre rasisstischen Parolen als Meinungfreiheit und Besorgnis verkaufen wollen. Sie wollen ein Zeichen setzen und den Flüchtlingen in unserem Land aktiv zeigen: „Hier bist du willkommen, hier bist du sicher!“ Ich bin froh ein Teil dieser Bewegung zu sein und möchte auch in der Perlenwelt ein Zeichen setzen. Ein Zeichen für die Menschlichkeit.

Doch was haben die Flüchtlinge von meinem Zeichen? Sie werden ja wohl kaum mein Blog lesen und sich dann besser fühlen. Also heisst es auch für mich: Geh hinaus und pack mit an. In meiner Heimatstadt sind derzeit 150 Flüchtlinge untergebracht, zum Ende dieser Woche werden noch 300 mehr kommen. Nun werden Sachspenden benötigt und helfende Hände, die mit anpacken. Und da ich aufgrund meiner nahenden Arbeitslosigkeit bald sowieso mehr Zeit haben werde, werde ich mal gucken inwieweit ich mich dort engagieren kann. Ich hoffe, dass sich noch mehr Menschen motivieren können dies auch zu tun. Meldet euch bei euren Kommunen und Städten und guckt was benötigt wird. Sortiert Kleider, spendet Hygiene-Artikel. übernehmt Patenschaften für Familien, geht zu Begegnungsfesten. Es gibt soviele Wege aktiv zu werden. Und wer das nicht kann, der kann zumindest spenden. Und das geht ganz einfach hier.

Leute, denkt mal daran was für ein unglaubliches Glück wir haben, dass wir in einem stabilen Frieden leben dürfen. Da kann man nicht stolz drauf sein, da kann man nur unendlich dankbar für sein. Und diese Dankbarkeit sollte eigentlich genug Empathie für die hervorrufen, die leider nicht soviel Glück haben. Und diese Empathie sollte stark genug sein, dass man laut und aktiv werden möchte. Wer nicht weiss wie, der sollte sich mal die Webseite http://www.blogger-fuer-fluechtlinge.de/ anschauen. Dort findet ihr alle tools und tips um beides, aktiv und laut zu werden. Setzt ein Zeichen für Menschlichkeit und übertönt jene, die von Empathie wenig Ahnung haben und mit ihrem braunen Gelaber unsere Gesellschaft vergiften.

3 thoughts on “Warum hast du nichts getan?

  1. die mehrheit der armutsflüchtlinge kommt, weil wir sie bestehlen !
    die fluchtursachen müssen bekämpft werden. unser wirtschaftliches wachstum bedeutet heute wachstum der armut und wachstum der hungernden menschen auf unserem planeten. diese politik mit unserem gegenwärtigen system sorgt weltweit für aufstände der unterdrückten, bürgerkriege, armut und hungersnot. wir gierigen konsumenten sind die komplizen und lassen mit unserem konsumverhalten all dies erst zu.

    fragt nicht mehr was eure regierungen gegen all die armut und hungesnot auf unserem planeten tun können, fragt euch selbst, was ihr dagegen tun könnt.

    51 millionen menschen sind auf der flucht und 86 % davon landen und leben in entwicklungsländern. 2013 nahm deutschland gerade mal 109.000 flüchtlinge auf.aber pakistan 1.600.000, iran 857.400, libanon 856.500, jordanien 641.900 und die türkei 609.900.

    „illegale einwanderer sollen zurück nach hause!“ viele einwohner der enwicklungsländer, oder die australischen aborigines fragen: „wirklich? wann geht ihr denn?“

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