„Wenn ich Zeit hab“ – Gesundheitliche Sorge als Alleinerziehende

Letze Woche war es soweit. Nach drei Jahren Rumärgerei hatte ich endlich einen Termin bei der proktologischen Sprechstunde, um mir endlich meine Hämorrhoiden entfernen zu lassen. Diese habe ich, mehr oder weniger schlimm, nun seit der Schwangerschaft…und die Perle wird diesen Monat drei Jahre alt. Doch was soll ich sagen? Ich hatte einfach bisher keine Zeit um hierfür zum Arzt zu gehen. Es gab immer wichtigeres, akuteres, oder aber ich hatte einfach keine Gelegenheit nach einem Arzt zu suchen, einen Termin zu machen, eine Überweisung anzufordern und letztendlich dann zum Termin zu erscheinen. Begonnen hatte ich diesen Prozess schon einige Male, nur umgesetzt hatte ich die grossen Pläne nie. Warum nur?

Ich erzähle euch warum. Als ich also bei der proktologischen Sprechstunde sass, sie mich untersuchte und die Befunde der anderen letzten grossen Untersuchungen (von vor 4 Jahren) ansah kam sehr schnell die Sprache auf einen kleinen bis mittelschweren operativen Eingriff. Sobald ich diese Worte hörte ging mein Gedankenkarussell los, ganz automatisch. „Was mache ich dann nur mit der Perle, die muss dann zum Papa, aber ach, dann muss der sich ja wieder frei nehmen, der hat zur Zeit soviel zu tun, aber vielleicht kann sie auch für nen Tag zur Perlenpapa-Bekannten, aber was wenn die nicht kann, also nein, ich kann den Eingriff nicht vornnehmen lassen, ich schaff die Planerei nicht…“. Darum. Weil ich jedes Mal, wenn etwas gemacht werden muss einen riesen Planungs-Apperat in Gang setzten muss und sehr viele Menschen in meine gesundheitliche Sorge involvieren muss. Und das ist mir unangenehm, bisher schlichtweg unangenehmer als meine Hämorrhoiden.

Und so geht es mir mit vielen Dingen. Seit Jahren habe ich bei mittlerer Belastung tagelange Schmerzen im Knie, jedoch war ich damit nie beim Arzt. Ich war seit Jahren nicht mehr beim Zahnarzt und mein Arzt rät mir nun auch seit Jahren wieder zu einer Darmspiegelung, die ich einfach nicht auf die Reihe kriege. Ich bin ja schon froh, dass ich es mittlerweile recht regelmässig zum Gynäkologen schaffe, meist aber auch nur weil mich sowieso wieder eine Blasenentzündung quält.

Also warum jetzt? Warum schaffe ich es jetzt endlich? Weil ich zu mir selbst sagte, dass es reicht. Ich kann mich nicht mehr selbst dauernd hinten anstellen. Ja, und ein grosser Anteil an der Entscheidung mich JETZT von meinem Leiden zu befreien ist die gute Beziehung zum Perlepapa derzeit. Denn ich weiss, dass ich nur sagen muss, wenn ich jemanden zum aufpassen brauche und er ist da, besonders wenn es um gesundheitliche Dinge geht. Und mal ehrlich, es wäre einfach unmöglich ohne ihn und seine Unterstützung. Die Perlengrosseltern sind zu jung um schon Rentner mit viel Zeit zu sein und auch die Perlenpatentante müsste sich zwei Tage frei nehmen und aus Frankfurt anreisen um auf die Perle aufzupassen. Ein grosses Plus ist auch, dass die Perle nun nicht mehr bei einer niederländischen Tagesmutter ist, sondern in einem deutschen Kindergarten. So kann ich sie morgens fix in die Kita bringen und dann zum Arzt gehen. Das wäre sonst nicht möglich gewesen, weil ich sie erst nach Maastricht hätte bringen müssen und dann wieder zurück fahren müsste nur um dann wieder nach Maastricht zu fahren um zu arbeiten und sie danach abzuholen. Ja, der Kindergarten ist ein grosser Teil meiner jetzt besseren gesundheitlichen Versorgung.

Was soll ich sagen? Es hat funktioniert. Mit ein wenig Rumplanerei haben der Perlenpapa und ich uns auf einen Termin geeinigt, an dem auch der Arzt kann, an dem auch die Perlenpapa-Bekannte Zeit hat und auf die Perle aufpassen kann in einer Woche in der der Perlenpapa sowieso nicht all zu viel zu tun hat auf der Arbeit. Perfekt. Ich konnte die Prä- und Post-OP Termine alle planen und musste nur zwei andere zuvor ausgemachte Termine verschieben, was aber zum Glück auch kein Problem war. Das ganze hat circa drei Stunden gedauert aber jetzt ist alles unter Dach und Fach und ich bin unsagbar erleichtert. Und wie immer wenn sowas klappt denke ich an all die Alleinerziehenden, die keinen Perlenpapa haben, auf den sie sich verlassen können und kein Support-System in der Nähe. Wie machen die das nur? Oder besser: Machen die das überhaupt? Oder laufen die auch alle jahrelang mit kaputten Knien, Hämorrhoiden, und zerlöcherten Zähnen durch die Gegend, weil sie einfach keine Chance haben, sich um sich selbst zu kümmern? Wahrscheinlich. Ein Unding, was in unserer Gesellschaft mit der medizinischen Versorgung, die uns zur Verfügung steht einfach nicht denkbar sein sollte.

Ich bin jedenfalls glücklich und erleichtert, dass das alles so möglich ist wie es gerade ist und ich mich so sehr auf den Perlenpapa verlassen kann. Das ist wirklich eine sehr grosse Hilfe und auch wieder ein Grund, warum ich mich eher als „getrennt erziehend“ betrachte als „allein erziehend“. Denn er teilt sich mit mir die Verantwortung und lässt mich nicht allein, wenn es mal hart auf hart kommt. Und dafür bin ich ihm echt dankbar, denn wenn man sich mal so umguckt ist es sicherlich nicht selbstverständlich, auch wenn es vielleicht selbstverständlich sein sollte.

8 thoughts on “„Wenn ich Zeit hab“ – Gesundheitliche Sorge als Alleinerziehende

  1. Das klingt wirklich gut, also dass ihr das so absprechen könnt. Das erlebt man ja auch nicht bei allen getrennten Eltern.
    Dann auch erstmal alles gute für den Eingriff!

    1. Ja, es ist wohl wirklich nicht selbstverständlich…und war auch nicht immer so… 😉
      Dank dir, wird schon schief gehen…nach der Planerei fühlt es sich so an als wenn der Eingriff selbst das kleinste übel wäre… 😀

  2. Schön, dass Du es auf die Reihe gebracht hast. Ich bin mir allerdings nicht sicher ob es wirklich nur am getrennt erziehen liegt. Meine Frau hat den einen oder anderen Termin auch immer wieder heraus gezögert, weil sie nicht zum Arzt wollte. Auch da wurde die Betreuung der Kinder als Grund angegeben. Wenn ich mir im Vergleich aber anschaue wie schnell wir die Kinder untergebracht hatten, wenn wir irgendwohin wollten, dann zeigt es meiner Meinung nach, dass es immer eine Lösung gibt.

    1. Also bei mir war es wirklich bisher immer eine Sache der Betreuung…ich habe keine Angst vorm Arzt oder Sorge, dass es irgendwie unangenehm wird (auch wenn das wohl, temporär, der Fall sein wird). Aber was zu haben und nicht gehen zu können, DAS find ich unangenehm.

  3. Krank nützt du deiner Tochter nichts. Das solltest du immer bedenken, wenn dich ein klitzekleinesachalleshalbsowildundkannnochwartenweilichrücksichtnehme Zipperlein plagt.

  4. Hallo du!
    Da kannst du wirklich froh sein, dass du ein so gutes Verhältnis zum PerlenPapa hast.
    Ich bin froh, dass ihr die Sache getrennt erziehend macht und nicht das alleine erziehend.
    Es ist wichtig zu wissen, dass man jemanden im Rücken hat, wenn man was hat. Und es ist schön zu lesen, dass es bei dir der Fall ist. Auch wenn man sich abstimmen muss und fast organisieren Zeit kostet.
    Gesundheit ist wichtig! Das mußte ich auch erst lernen und ich bin nicht allein, sondern gemeinsam erziehend. Ich habe auch häufig ein Organisations- und Betreuungsproblem. Aber es würde sicher besser klappen.
    Ich freu mich, dass du es geschafft hast und hoffe es wird so weiter laufen.
    Viel Erfolg für den kleinen Bis mittelschweren Eingriff, hoffe du hast danach nicht zu viel Probleme.
    Liebste Grüße

  5. Alles Gute für den Eingriff und Hut ab.
    Alleinerziehend ist schon nochmal eine ganz andere Nummer. Ich brauche zwar nun selbst schon 2 Jahre für einen Hautarzttermin, weil die Betreeungsfenstet immer so eng sind und ich soviel zu tun habe, aber wirklich relevante Dinge sind hier Gott sei Dank kein Problem.
    Wahrer Luxus?

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