„Bei Mama ist es nicht schön“

Eigentlich war es ein Nebensatz, der an sich gar nicht so wichtig war. Sie war nicht am jammern, hat sich nicht beklagt. Es war eher eine leise Feststellung aber mein Herz fand es nicht so toll. Beim Abendessen vor zwei Tagen hielt die Perle auf einmal inne und sagte, ohne mich anzusehen, eben diesen Satz: „Bei Mama ist es nicht schön.“ Und als wenn das nicht schon genug gewesen wäre setzte sie sogar noch einen drauf: „Bei Papa isses schön.“

Bäm. Das saß. Äußerlich war ich jedoch ganz ruhig. „Warum?“ frug ich sie, doch sie sah mich an als wüsste sie gar nicht wovon ich jetzt sprach. „Warum ist es bei Mama denn nicht schön?“ frug ich etwas spezifischer. Sie sah mich verwirrt an und sagte nochmal „Bei Papa isses schön!“ Tja, damit musste ich mich dann wohl abfinden.

Ich mein, es ist ja klar…Papa hat die ganze Woche Zeit seine Sachen zu machen und kann sich an seinen Perlenwochenenden voll und ganz auf seine Kleine konzentrieren. Da muss auch kein strikter Tagesablauf eingehalten werden, die beiden leben so in den Tag hinein und machen, wozu sie gerade Lust haben. Da werden dann einfach die Wasserfarben ausgepackt oder es wird stundenlang mit der Duplo-Eisenbahn gespielt. Keine Termine, kein Stress. Hier gibt es aber halt einen solchen Tagesablauf. Da muss zum Frisör gegangen werden, einkaufen, zur Bücherei, zum Turnen. Teilweise sind das ja auch lustige Sachen, aber sie stehen halt fest. Und wenn die Perle dann fünf Minuten vorher fragt, ob sie mit Wasserfarben malen darf heißt es eben „Nein, dafür haben wir jetzt keine Zeit.“

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Es war ja auch zu erwarten, dass sie irgendwann für sich diesen Unterschied feststellt und mit einer Wertung versieht, aber hey, das hätte sie auch feinfühliger angehen können. Klar, sie ist zweieinhalb Jahre alt, da achtet man noch nicht auf Feinfühligkeiten, kann man dann wohl noch gar nicht. Trotzdem waren da kleine Stiche im Herzen, weil es eben einfach unfair ist. Und auch wenn es zu erwarten war…aber doch jetzt noch nicht. Jetzt hat sie doch noch Spaß an allem, was wir so machen müssen. Sie geht gern einkaufen, fährt gern Auto, hat immer Spaß daran wenn wir unterwegs sind…

Naja, gestern dann eröffnete sie mir beim Abholen aus dem Kindergarten, dass sie Papa heute nicht anrufen wollen würde. „Nicht Papa ’nieren heute!“ Bäm, das gab es so auch noch nicht, eigentlich ist das abendliche Anrufen fest in unserem Zu-Bett-Geh-Ablauf verankert. Da wird über den Tag gequatscht und Gute-Nacht gesagt. Küsschen hier, „happe lieb“ da, fertig, nix großes eigentlich. So passiert es im übrigen auch, wenn die Perle beim Papa ist, dann wird eben Mama angerufen.

Zur Zeit weiß sie wohl einfach nicht so ganz was sie will, entdeckt wohl für sich gerade, wie die Situation eben so ist. Papa wohnt da, wir wohnen hier, einer ist immer „not around“. Und ihre Reaktion ist Abgrenzung und Verweigerung. Übrigens, wenn sie bei einem von uns aufwacht, dann hat sie bisher immer denjenigen gerufen, bei dem sie grad schläft. Bis vor kurzem. Seither ruft sie immer genau nach dem, der grad nicht da ist. Seltsam, aber passt zu ihren derzeitigen Aussagen. Wenn sie bei Papa ist dann sind es noch soundso viele Tage bis sie wieder bei Mama schläft und andersherum ist es genau so, hier werden auch immer die Tage gezählt bis Papa sie abholt.

wasserspielchen

Manchmal bin ich traurig, dass sie es so kennen lernen muss, aber dann denke ich daran, dass es auch anders hätte kommen können, nämlich, dass sie keinen Kontakt zum Papa hat, er sie nicht abholen würde und sie sich nicht auf ihre Zeit mit ihm freuen könnte. Und dann ist es schon okay so wie es ist. Sie wird halt immer einen von uns vermissen, aber das ist besser als wenn sie immer nur einen sehen und wissen würde, dass nur er oder sie sie ganz doll lieb hat. Und dann relativiert sich das ganze wieder.

13 thoughts on “„Bei Mama ist es nicht schön“

  1. Ich glaube, dass ist in vielen „auseinander-familien“ das problem – das elternteil, dass nur am wochenende ELTERN ist, hat dann auch wirklich zeit für das kind..jedenfalls im idealfall.
    meine große hat ihren vater ein einziges mal gesehen, und zwar zur einschulung vor 7 jahren.
    sie wußte, er würde kommen und war lange vorher sehr aufgeregt..
    und dann kam er in die SCHULE, gab ihr eine tafel schokolade (!) und sagte, er müsse gleich wieder weg, weil die hunde im auto warteten… DAS war auch nicht klasse!
    dein kind hat einen PAPA und eine MAMA und dass es immer mal wieder sätze dieser art gibt, ist nur logisch.
    auch wenn beide eltern zusammenwohnen, mag ein kind phasenweise lieber mit dem einen ODER mit dem anderen kuscheln, spielen oder lachen..es trifft einen nur so hart, wenn man gleich zuviel reininterpretiert 😉
    ich finde, du machst das toll !!
    liebste grüße – eva

    1. Auweia, das hört sich aber auch nicht schön an. Ja, wie gesagt, da freue ich mich eher, dass es bei uns nicht (mehr) so läuft. Dass sie jemanden hat, den sie vermissen kann, bei dem sie sich anscheinend sehr wohl fühlt.
      Danke für deinen Input. Liebste Grüße! <3

  2. hm…… ich denke, deine kleine Perle ist gerade dabei, die Situation zu verarbeiten.
    Ich folge dir noch nicht so lange und kenne deine Lage (noch) nicht so gut, aber ich denke, und das sage ich aus eigener Erfahrung, da ich auch ein Scheidungskind bin, dass sie sehr viel darüber nachdenkt und manchmal eben halt laut denkt.
    Ich glaube nicht, dass du dir Sorgen machen musst, Mama ist Mama, die engste Vertraute eines (Klein-)Kindes.

    Ein lieber Gruß,
    Suse

    1. Wir hatten eigentlich die Hoffnung, dass sie das alles als „normal“ empfindet, weil es nie anders war…aber dem ist wohl nicht so. Man darf halt einfach nicht alles was die kleinen sagen auf die Goldwaage legen, die haben eben noch nicht das Feingefühl was man sagen sollte und was unpassend ist…

      Lieber Gruß,
      die Perlenmama

  3. Ich finde es toll, das sie Eltern hat, die ihr das so ermöglichen und für die das Kind im Mittelpunkt zu stehen scheint1
    Ich finde darauf könnt ihr sooo stolz sein.

    Btw: wenn ich mit meiner jüngsten Schimpfe will sie jetzt immer zu Oma und weint nach ihr. Und als wir sie in so einer Situation mal angerufen haben hat sie Oma sogar gefragt: „Kannst Du mich abholen“. Und die junge Dame ist ebenfalls 2.
    Ich glaube einfach, dass gehört wohl zur hochgelobten Trotzphase dazu. Ich hoffe es zumindest, dass es hier nur eine Phase ist 😉

  4. Es ist eine kindlich-ehrlich-direkte Feststellung, die keine Wertung ist. Und du hast prompt eine Lebenskrise. Aber du machst nichts falsch, die Perle liebt dich kein Stück weniger. Kein „aber“, kein Zweifel. Du bist die Perlenmama und du bist gut!

    Ein Beispiel aus meinem Leben: Mein Papa konnte zu Hause keinen Schritt machen, ohne das meine Winzigkeit hinterher lief, oder krabbelte. Später habe ich jeden Tag mit ihm im Keller-Dojo verbracht. Aber meine Mama ebenso geliebt. Papa war Papa, der Held meines jungen Lebens. Und meine Mama meine engste Vertraute. Und das ist sie heute noch. Was glaubst du, wer jeden Tag mit mir telefoniert? 😉

  5. Die Perle begreift, dass Papa nicht immer präsent ist. Sie lernt mit dieser Situation umzugehen. Natürlich hängt ihr einen anderen Ablauf, als den den Sie bei Papa kennt. Natürlich hängt ihr Termine und Erledigungen.
    Vielleicht merkt die sich durch die KiTa, das es so wie im Hause Perle nicht überall ist.
    Mach dir keinen Kopf. Du bist und bleibst ihre Mama. Du bist und bleibst die Bezugsperson, die den dicksten Anteil an der Erziehung und am „Nein“ sagen hat.
    Natürlich kann ich nicht aus Erfahrung sprechen, da wir als Eltern zusammen leben, dennoch bin ich die jenige, die die meiste Erziehung macht und am häufigsten Nein sagt. Die Mäuse sagen sich, dass es mir Papa schöner ist, der schimpft nicht so wie ich. Dennoch sagen sie auch, dass sie mich lieb haben.
    Und ich mochte früher auch lieber Papa. Auch wenn ich Mama lieb hab.
    Die GroßeMaus sagt ganz klar, sie ist ein Papa Kind, die liebt ihn total! Und die MiniMaus ist auf mich völlig fixiert. Dad kann sich aber ändern.
    Kinder sind einfach ehrlich und wollen nicht werten.

    Die Perle ist jetzt in einer Phase ihres Lebens angekommen, in der ihr Unterschiede zu ihren Freunden auffallen, wo sie sich selbst als autonome Persönlichkeit entwickelt.
    Nimm es dir nicht zu sehr zu Herzen, auch wenn ich weiß, dass es schmerzt!

    Lg

    1. Das hast du aber schön beschrieben und erklärt. Ja, genau so wird es sein. Ihr fehlt halt noch das Feingefühl zu dem, was sie so sagt und vielleicht besser nicht sagt…

      1. Hey , sie hat zwar einerseits gesagt, das es bei Papa schön ist, was di Viel heißt Wie „ich fühle mich bei Papa wohl“ aber andererseits wollte sie nicht telefonieren. Das kann man als ein „ich hab dich lieb, Mama“ deuten.

  6. Nach meiner Trennung hatte ich meinen Jüngsten auch jedes zweite WE. Und auch unsere Zeit war ganz ihm gewidmet. Klar, in der Woche gab es Termine und Verpflichtungen. Da war er bei seiner Mutter. Was ich nur nie begriffen habe ist, warum meine Ex an ihren Kinderwochenenden nicht auch einfach die Uhr weggepackt hat. Dann hätte unser Kleiner nämlich nicht zwischen Vati und Mutti, sondern zwischen nicht so schönen (Wochen-)Tagen und schönen (Wochenend-)Tagen unterschieden.

    1. Naja, das fällt mir aber auch schwer…Am Wochenende erledige ich oft das, was ich unter der Woche wegen Kind und Job nicht geschafft habe…so ist es nicht so einfach sich das Wochenende freizuschaufeln…obwohl ich es eigentlich immer versuche. Aber irgendwie lässt sich der Alltag auch nicht gänzlich vertreiben, man hat halt so seine Abläufe…

      1. Das kannst Du ja machen. An dem WE an dem sie bei ihrem Vater ist. Frauen, die auch mal faul sind, obwohl sooo viel zu tun ist, sind sowohl für Kinder als auch für Männer toll. (ja, wir Männer sind Kinder 🙂 ). Und wenn man als Mann/Kind/Mensch in der Prio zu weit unten steht, ist das ein Probem. Wohnung wichtiger, Bekannte wichtiger, Termine wichtiger, Kuchen backen wichtiger, ….. Meine Ex war da so extrem, dass sie sich abends nicht zu mir auf die Couch setzen konnte, wenn die Kinder im Bett waren, weil die Küche nicht aufgeräumt war. Irgendwann hatte sie das Problem nicht mehr …. Die Couch war leer.

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