Mein Wunschkonzert – Ein bisschen Engelmannerei

light tunnel and so on.

In meinem Lieblingsbuch „The Alchemist“ von Paolo Coelho (ja, sehr grosses Klischee, aber ich mochte die Story schon bevor die Hipster sie fanden!) gibt es ein Zitat, welches mich immer wieder berührt: “

“And, when you want something, all the universe conspires in helping you to achieve it.”

Die deutsche Übersetzung hierfür ist: „Wenn du etwas ganz fest willst, dann wird das Universum darauf hinwirken, daß du es erreichen kannst.“

Was ich an diesem Zitat so besonders finde: Dass es nicht bedeutet, dass man alles einfach so bekommt, wenn man es sich wünscht. Nein. Es bedeutet, dass man alles schaffen kann und wenn man genug Durchhaltevermögen, Willen, und Leidenschaft an den Tag legt, dann wird einem das Universum so zuspielen, dass man es auch schafft. Dass man es selbst schafft. Das setzt Eigeninitiative vorraus. Und Kraft, Disziplin und ja, auch Hoffnung, dass es am Ende nicht umsonst war. Ich finde, dass dieses Zitat beides gibt: Hoffnung auf ein Happy End der jeweiligen Stories des Lebens und Ausdauer für den Weg dahin. Und es gibt einem den Willen, die Dinge, die man sich wünscht, die man unbedingt möchte, auszusprechen und anzupacken. Man muss sich schon an das „Universum“ wenden. Und wenn es nur ist um sich klar zu machen, was man da überhaupt will…wenn man es ausspricht macht man es wirklich…und zack, hat man ein Ziel vor Augen. Und sein wir mal ehrlich: Wer verliert sich nicht mal gern in seinen Wünschen und Träumen?

Also…ich wäre gerne weniger müde, etwas fitter, ambitionierter, ausdauernder. Ich hätte gern meinen Drive wieder, den ich früher so gut einzusetzen wusste doch den ich irgendwie in den letzten Jahren verlor. Ich hätte gern wieder den Pfeffer, mit denen ich mich in die Hirnakrobatik der Philosophie oder heftigen nächtliche Diskussionen schmiss. Ich hätte gern wieder die Leichtigkeit, die mir eine Spontanität bescherte, die mich frei machte. Das angedeutete Lächeln im Mundwinkel, was hiess „ach was, es wird eh alles gut“. Ich will meine Abscheu zum Fernsehen wieder und stattdessen Energie zum lesen oder laufen, oder schreiben, oder singen, oder malen, oder tanzen, oder schlafen, damit ich morgens früher aufstehen kann.

Ich möchte mich wieder heftig über Missstände in der Politik aufregen…und zwar nicht hin bis zur stillen Verzweiflung und Hilflosigkeit, sonder weiss und rot und laut, und rotzig frech. Ich möchte wieder mit Leidenschaft helfen, damit irgendwer anders es etwas leichter hat, oder sich einfach mal freut. Ich möchte nicht mehr, dass alles passiert, ich möchte wieder Dinge passieren lassen. Den Beifahrersitz meines Lebens nach links hin verlassen und das Gaspedal wieder selbst, bis in die Ölwanne, durchtreten. Ich will nicht a la Engelmann bloss grosse Reden schwingen und dann von allen für eine Rebellin gehalten werden um dann abends mit ner Dose Pringels, die alle gleich aussehen, eine TV Show zu gucken, in der ich keine Promis kenne und die mir sowieso egal ist, aber alles andere ja irgendwie auch. Die ich nur gucke weil es zu anstrengend ist umzuschalten.

Ich will mich nicht mehr vom „eigentlich“ lähmen lassen weil „eigentlich“ plötzlich viel mehr ist als in der Realität. Ich will mich nicht von Sorgen auffressen lassen, will wieder eine Welt mit offenen Türen sehen, interessante Menschen kennenlernen und der interessante Mensch sein, den andere kennenlernen. Ich will meine Tage nicht mehr vorraus sehen können. Klar, doch, ein wenig schon, für die Sicherheit. Aber nicht jedes verdammte kleine Detail. Und wenn die Sonne nicht scheint will ich sie verdammt noch mal im Herzen haben. Ich will Energie um mir was Gutes zu tun, um anderen was Gutes zu tun, um mich mal zu melden. Ich will nicht mehr überfordert sein, mit Briefen, Messages, Telefonaten. Das war doch mal alles viel einfacher.

Ich will mich nicht mehr zwingen müssen sondern wollen. Ich möchte Tatendrang und Motivation für die Dinge haben, die mein Leben mir so abverlangt. Ich brauch neue Ziele, denn die alten passen nicht mehr und ziellos lebt es sich doch eher trist. Seit wann habe ich Angst vor dem älter werden? Das war mir doch immer egal. Ist das dieses „Erwachsen-sein“? E-kel-haff, ey. Also liebes Universum, ich werde mich aufraffen, wieder vom Sofa hochkommen und statt Pringles mal selbstgemachte Nachos probieren. Aber, liebes Universum, bitte gib mir neue Ziele, einen neuen Punkt am Horizont, ein wenig Leichtigkeit und eine prise Zuversicht. Danke.

6 thoughts on “Mein Wunschkonzert – Ein bisschen Engelmannerei

    1. Ja, leider ist mein Mantra seit ein paar Monaten eher „Alles passiert so wie es muss, du hast keine Kontrolle“ um irgendwie nicht durchzudrehen…
      Eher kontraproduktiv.

  1. Also solltest du die Nachos machen, poste doch bitte einen Erfahrungsbericht mit Foto!

    (Woah, mal wieder typisch. Du schreibst über Schicksal, Motivation, Lebensentscheidungen und ich bleibe beim Essen hängen…)

  2. Du hast zu viele Ziele. „Something“ bzw. „etwas“ würde ich eher als eine Sache bzw. maximal zwei Sachen ansehen. Die kannst Du bzw. jeder andere schaffen. Das Problem ist, dass die meisten Menschen nicht in der Lage sind diese Dinge zu definieren. Du könntest z. B. Laufen als Ziel ausgeben. Du könntest Dir ein Ziel geben (z. B. [10] km in einer Stunde bis Ende des Jahres). Du ordnest Dein Leben dann diesem Ziel unter. Du wirst Zeit für das Training finden müssen und ruckzuck fällt der TV weg, da die Perle und der Job trotzdem da sind. Mit diesem einen Ziel könntest Du einige andere Deiner Ziele mit abdecken, aber es bringt Dir z. B. nichts bei Deinem „politischen“ Zielen.
    Du schreibst es nicht, aber für mich liest es sich, dass Du gerne wieder die Unbeschwertheit zurück haben willst, die Du damals (vor 10 Jahren) hattest. Die Zeit wird nicht mehr zurück kommen. Ich vergleiche das mit Opposition bzw. Regierungsverantwortung. In der Opposition kann man tolle Forderungen stellen. Man hat schnell eine Idee, ein Konzept, etc. In der Regierung muss man sich mit der „Realpolitik“ auseinandersetzen. Man stellt fest, dass sich Dinge gegenseitig ausschließen, man es niemanden Recht machen kann, etc. Aber dafür kann man gestalten und nicht nur reden. Du „gestaltest“ jeden Tag durch die Erziehung der Perle, durch Deinen Job, Deine Wohnung, etc. Nichts davon ist so „glamourös“ wie eine am Küchentisch nach durchzechter Nacht erdachte neue Weltordnung. Aber es ist nachhaltiger.
    Und Du wirst sehen wie viele Menschen Dich um Dein vermeintlich „langweiliges“ Leben beneiden.

    1. Du wirst es nicht glauben, dein Kommentar hat es bis an unseren Abendbrot-Tisch geschafft, meine Mitbewohnerin und ich haben uns lange darüber unterhalten und fanden deinen Vergleich zur Politik so ungeheuer passend!! Ja, wirklich. Auch wenn ich das Wissen unglaublich schade finde, dass es nie wieder so unbeschwert wird…

      Und ja, das m den vielen Zielen stimmt auch, das beisst mir grad auch gehörig in den Allerwertesten. 😉

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