Bleibt alles anders – Mein Wanderherz

Meine Zwanziger waren ziemlich rasant. Ich habe viel erlebt, gesehen, und „beständig“ wäre wohl das letzte Wort, womit man diese Zeit beschreiben könnte. Erst ging ich mit zarten 18 Jahren nach Amerika, wo ich innerhalb von knapp fünf Jahren zwar in der selben Stadt, aber dort an vier verschiedenen Orten wohnte. Ich hangelte mich von Visum zu Visum, besuchte zwei verschiedene Universitäten, half zwei Familien in Sachen Kinderbetreuung, verbrachte die Sommer (3 Monate jeweils) an verschiedenen Orten im Land und naja…erlebte halt schrecklich viel. In den darauf folgenden fünf Jahren in Maastricht studierte ich und hatte ettliche Jobs, meist Projekt-Bezogen oder eben anderweitig zeitlich begrenzt. Allein in Maastricht zog ich sechs mal um, bevor es mich dann wieder nach Deutschland zog. Also: Veränderungen stehen bei mir quasi auf der Tagesordnung.

Dass ich gut mit Veränderungen umgehen kann sehe ich fast als Untertreibung. Ich brauche sie sogar. Wenn etwas zu lange gleich bleibt verfalle ich in eine Art Trott, schnell einhergehend mit Lethargie und schwindender Motivation. Dies spiegelt sich in fast allen Bereichen meines Lebens wieder, sei es Hobbies, zwischenmenschliche Beziehungen, Projekte, Jobs, Wohnsitze, Vorlieben, you name it. Und ich muss sagen, dass ich es fast schon erwarte, ja mich in vielen Fällen sogar darauf freue oder zumindest darauf einstelle. Eine Freundin von mir nennt es mein „Wanderherz“, buchstäblich und aber auch im übertragenden Sinne verstanden. Und ich find das okay so. Bisher habe ich mich, wenn etwas zu vorhersehbar und „normal“ wurde, fast unwohl und teilweise auch „gefangen“ gefühlt.

Doch vor etwas über 2 Jahren änderte sich etwas. Da kam nämlich die Perle zu mir. Und plötzlich fand ich es sehr tröstend und sogar aufregend, dass es von nun an etwas, oder besser jemanden, geben würde, dessen Anwesenheit sich erstmal und wohl (hoffentlich) nie ändern würde. Egal was ich nun tu, wohin ich gehe, was ich beende oder neu anfange: Die Perle wird da sein, mitgehen, es mit erleben. Beständigkeit, ein Wort was mir sonst eher Angst einflösste und von dem ich somit eher wenig hielt…es war nun etwas, was ich begrüsste. Das Abenteuer des Bleibenden. Und natürlich auch etwas, was ich als gut und erstrebenswert für die kleine Perle ansah und was ich ihr gerne bieten will.

Nun kann man natürlich sagen, dass das Leben mit einem kleinen Kind alles andere als beständig und vorhersehbar ist. Klar, geschenkt. Aber der Fakt, dass eben dieses Kind da ist, und erstmal bleibt, der ist beständig und vorhersehbar. Ich find das echt irre, denn es ist ein Langzeit-Zustand, wie ich ihn bisher nicht kannte und von dem ich somit auch nicht wusste, wie gut er sich anfühlt, ja sogar erstebenswert sein könnte. Ich weiss nicht ob das jemand nachvollziehen kann, aber für mich und mein Wanderherz war es eine tolle, aufregende, und auch überraschende Erkenntnis. Wieder was vom Leben gelernt: Ein Wanderherz kann Bleiben lieben lernen.

beständig

4 thoughts on “Bleibt alles anders – Mein Wanderherz

  1. Ich verstehe dich sehr gut. Zwar bin ich in Sachen „Heimat“ mehr der konservative Typ, aber das war ich nie in Bezug auf die Liebe. Wobei Liebe ein sehr großes Wort ist. Und ich behaupte einfach mal, dass ich vor Yuki nie wirklich liebte. Plötzlich hatte auch ich Beständigkeit. Und die macht mir noch immer Spaß. Täglich. So, wie dir deine kleine Perle. Und doch lassen wir zumindest unsere Gedanken wandern. Weit durch die Welt und in Sphären voll Farbe und Glück 🙂

  2. Du und dein „WanderHerz“! Es zog dich schon früh in die Ferne. Auch wenn diese Ferne auf Urlaube zu beziehen ist. Habe dich immer darum beneidet! Du warst die, die die weite Welt sah. Die viele eindrücke und viele Menschen kennen lernt.
    Ich habe mich immer und halte mich noch immer an die Heimat.
    Aber ich freue mich für dich , dass die Perle dir ein Gefühl der Heimat und Beständigkeit gibt. Da wirst du doch glatt sesshaft 😉.
    Auch wenn ich nie so viel gereist und umgezogen, gewandert bin kann ich das Gefühl nachvollziehen , welches die Perle in dir auslöst. So ergeht es mir mit den Mäusen.
    Lieben Gruß

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