Die Perle, das Teilzeit-Sensibelchen

Die Perle ist manchmal eine ziemliche Zicke. Sie kommandiert, erkämpft sich Aufmerksamkeit, testet Grenzen. Ganz normal für dieses Alter und es könnte wesentlich schlimmer sein (ich hoffe, das sagt ihr aber keiner).

Wenn sie etwas tut, von dem sie weiss, dass sie es nicht soll, eben jene Grenzen testet, dann hat sie einen ganz bestimmten Blick, so spitzbübisch von untern herauf. Wenn sie z.B. mit etwas Hartem immer und immer wieder über den Küchenboden kratzt oder wenn sie am Auto aufeinmal nen Haken schlägt und losrennt. Bei ersterem bin ich dann maximal genervt, dann hält sie sich die Augen zu und lukt geniert hinter ihren kleinen Händen hervor. Bei letzterem werde ich dann aber wütend, fange sie ein und erkläre ihr wie gefährlich das ist. Dann erklärt sie es zurück, wohl um zu zeigen, dass sie es ja mittlerweile verstanden hätte. Richtig Streit kriegen wir aber, wenn sie mich haut. Dann muss sie von meinem Schoss runter und/oder aus dem Zimmer gehen. Ihre Reaktion liegt dann irgendwo zwischen losbrüllen oder ignorieren und spielen. Dann kommt sie aber meistens nach ein paar Minuten und ist erstmal anhänglich, dann wird gemuckelt und Küsschen gegeben und nochmal erklärt warum mich Hauen traurig macht. Eigentlich ganz normale Reaktionen würde ich sagen.

Wenn es jedoch eine Situation ist wo sie etwas macht, wovon sie nicht weiss dass sie das nicht soll und ich es ihr sage, dann ist ihre Reaktion sehr oft unendliche Traurigkeit, tiefes Schluchzen und grosses Muckel-Bedürfnis. Das kommt dann auch meist sehr plötzlich und oft auch eher zeitversetzt. Dann redet sie kurz weiter bis ihre Stimme bricht und die angesammelten Tränen in den Augen fliessend. Manchmal mit lautem Schluchzen, manchmal auch eher leise, mit stillen dicken Tränen. Das tut mir dann immer unendlich leid, weil es auch oft gar nicht im Verhältnis zu dem steht, was sie getan hat, aber auch nicht im Verhältnis zu dem was ich dann sagte. Ein simples „nein, lass das bitte da liegen, das geht sonst verloren“ (z.B. als sie letztens eine alte SIM-Karte fand) kann schon zu einem solchen Ausbruch führen.

Ansonsten ist sie, wie gesagt, ganz normal, auch in sozialen Situationen. Am Anfang schüchtern aber relativ schnell aufgewärmt. Sie redet dann auch mit anderen, nimmt sie bei der Hand um ihnen was zu zeigen usw. So lang eben ihre Bezugsperson zu dem Zeitpunkt in Sichtweite ist. Das sind entweder ich oder Papa, oder eben die Person, der wir die Verantwortung übertragen haben. Wenn zum Beispiel mein Kollege auf sie aufpasst, dann darf auch nur er die Windel wechseln oder sie auf den Arm nehmen, seine Frau aber nicht. Da ist sie sehr direkt und sagt was sie will. Das find ich auch sehr gut und gesund so. Ansonsten hat sie keine grossen Verlustängste, geht gern zur Tagesmutter oder Oma&Opa und freut sich sichtlich in diesen Situationen. Von Abschiedsschmerz ist dann keine Spur (ist manchmal sogar ZU glücklich für das zugegebenermassen manchmal eifersüchtige Mutterherz, irrational wie ich – ganz heimlich natürlich – dann eben bin).

Eine Pointe gibt es hier nicht, es ist lediglich eine Beobachtung, die ich in den letzten Wochen sehr oft gemacht habe. Ein wenig Trotz und Schelm, wenn sie etwas tut wovon sie weiss, dass sie es nicht soll und absolute Verzweiflung und Traurigkeit, wenn sie unerwartet Kontra bekommt (auch wenn dies mit einem Lächeln und in normaler Tonlage erfolgt). Es kommt mir auch nicht kalkuliert vor, so dass es als emotionale Manipulation verstanden werden kann. Letzteres kann ich mir bei ihr auch nicht vorstellen, denn „Grenzen testen“ oder „trotzen“ sieht bei ihr wie gesagt ganz anders aus.

Vielleicht hat sie da, in jenen Situationen, auch einfach eine ganz dünne Haut, mein kleines Sensibelchen. <3

10 thoughts on “Die Perle, das Teilzeit-Sensibelchen

  1. Meine Frau war mit unseren Kindern, Freunden und deren Kindern unterwegs. Mein Sohn, damals 3, lief ohne zu schauen über die Straße. Der andere Vater hat ihm so einen Fön verpasst, dass es danach nie wieder ein Thema gab und er unsere Ermahnungen in einem anderen Licht sah.

  2. Kinder sind unberechenbar, das beobachte ich immer wieder. Gern würde ich meinem kleinen Selbst zusehen, wie ich in Perlchens Alter war. Weißt du was? Ich rufe meine Mama jetzt an und frage nach 😉 Das wird vermutlich ein laaaanges Telefonat.

    1. Hehe, gute Idee. Ich find sowas auch echt interessant. Meine Mama hat, als ich in dem Alter war, Tagebuch geführt, ich glaub das leihe ich mir nochmal und schau wie ich so war mit 2 1/4…;-)
      Grandiose Idee!

  3. Oh man, ich lese da meine Mäuse raus.
    Die Mini kann auch ein zeitweise sensibel sein,die eher ein dauerhaftes.
    Ich denke, dass es ein ganz normales Verhalten ist, dass die Tränen fließen, wenn Mama Nein sagt, schließlich hört ja keiner gerne ein Nein.

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