Lost in Translation – Stolpersteine in der Zweisprachigkeit

Letzte Woche holte ich die Perle zu Fuß von der Tagesmutter ab. Das mach ich sehr gern, wenn es das Wetter zulässt. Es sind so in etwa 5-20 Minuten, kommt drauf an wieviele interessante Dinge die Perle auf dem Weg findet, für die es sich anzuhalten lohnt. Außerdem müssen wir ja immer dem I-Ah Hallo sagen, der als Statur auf dem halben Weg wartet.

Als wir an einem Restaurant vorbei kamen deutete die Perle nach oben auf die Markise…

„Da, Mama. Hut!“

„Ja, aber das ist kein Hut, das ist ein Dach.“

„Dach? ok, tüüüss Hut!“

Und dieses Gespräch ergab einfach komplett Sinn.

Und zwar: „Dag“ (ausgesprochen „Dach“) ist das niederländische Wort für Tag und wird umgangssprachlich gern als Verabschiedung verwendet.

Mein kleines verwirrtes Kind.

Außerdem denkt sie ihr Name sei „Du“. Sie hat noch nie ein Wort verwendet, welches ihrem eigentlichen Namen (oder Perle) ähnelt. Aber plötzlich sagt sie zum Beispiel „Du maken“ oder „Du tinke“, wenn sie etwas selbst machen, bzw. etwas trinken möchte. Ich frag mich manchmal, ob diese Verwirrung auch irgendwie im Niederländischen verwurzelt ist, bin aber noch nicht so ganz dahinter gekommen. Auf Twitter wurde suggestiert, dass es mit dem Identitätsfindungs-Prozess zu tun hat. Schaunmermal.

Und „auch“ ist immer in einem Summelsarium an Buchstaben versteckt, nämlich „auuckemahl“ und dann das Wort, was sie eben auch machen möchte „Du auuckemahlmaahln, nau“ ist somit der komplette Satz „Ich möchte auch malen, ne?“ Diese Verbindung von auch+K+mal ist auch teils im Niederländischen zu finden. Für Außenstehende des öfteren ein wenig verwirrend, besonders wenn sie es 26376 wiederholt…und spätestens nach der 100. Wiederholung zusehends frustrierter wird.

„Nau“ ist übrigens ein Satz-Anhängsel im Niederländischen, welches keine wirkliche Übersetzung hat. Aber es wird als „weisste Bescheid, ne?“ und „so ist das wohl“ verwendet, oder als Ausruf, wenn etwas Überraschendes oder Unerhörtes passiert, oder man davon erzählt bekommt. Die Perle benutzt dieses Anhängsel einfach an jedem Satz  (nicht die ganze Zeit, aber jeder Satz geht), was unglaublich putzig ist, auch wenn sie sich so oft eher meckernd anhört.

Mal sehen wie weit die sprachliche Verwirrung noch geht. Wenn man es weiß, ist es ja nicht schlimm, aber mir tut sie ein wenig leid wenn sie in ein Umfeld (Papa, Kita, etc.) kommt wo man ihre Verwirrungen nicht kennt und sie somit nicht versteht. So find ich diese Zweisprachigkeit einerseits total toll, aber im Angesicht ihrer Frustration wenn man sie nicht versteht, mache ich mir schon ein paar Gedanken. Es ist ja nicht so, dass sie zweisprachig aufwächst weil ihre Eltern jeweils eine andere Sprache sprechen und somit immer einer zugegen wäre, der eventuelle Verwirrungen aufklären könnte. Ihr Papa spricht aber gar kein Niederländisch, er wäre bzgl. Hut und Dach wohl ein wenig verwirrt gewesen und hätte sie sicher, und fälschlicherweise, korrigiert. Und ich spreche es als eher löchrige dritte Sprache und alles andere als selbstbewusst und definitiv nicht fehlerfrei.

Es bleibt also abzuwarten. Ich habe dem Papa am Anfang von den Sprechversuchen der Perle noch Vokabel-Listen mitgegeben, aber mittlerweile haut sie halt Sachen raus, auf die würde ich nie kommen. Also müssen wir, und vor allem die Perle, wohl einfach da durch.

Ich bin gespannt, ob sie irgendwann beide Sprachen fließend sprechen kann. Akzentfrei ist sie jedenfalls bei ihren paar Worten schon. Aber ab August fällt ja ihre große Niederländisch-Quelle weg, da sie dann von der niederländischen Tagesmutter in den deutschen Kindergarten wechselt. Ich muss mal gucken, ob wir dann zumindest das Kinderturnen oder eventuellen Musikunterricht dort absolvieren.

3 thoughts on “Lost in Translation – Stolpersteine in der Zweisprachigkeit

  1. Ich liiiiebe Mehrsprachigkeit!
    Es erweitert so wunderbar die möglichen Gedankenkonzepte von der eigenen Vorstellung der Welt!
    Du hast es wundervoll skizziert, mich erfreut sowas als Mutter und gelernte Linguistin! 🙂
    Es wird ihr immer ein Gewinn bleiben!
    Sei lieb gegrüßt!

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