Der Krankenbett-Blues einer Mutter

Manchmal, ja manchmal findet man (Mutter) sich in einer Situation, in der man all seine guten Vorsätze für’s Mutter-sein über Bord wirft und einfach mal eben die Mutter wird, die man nie sein wollte. Und damit meine ich nicht mal eben doch CIO ausprobieren obwohl man so gar nicht daran glaubt, sondern eher die kleinen Sachen. „Der Fernseher ist kein Babysitter“ oder „Eine Süssigkeit am Tag reicht“ oder „Es ist immer Zeit für ein Buch“. Irgendwann findet man sich in einer Situation, in der diese gut gemeinten Vorsätze einfach nicht tragbar sind…oder in der gerade diese Dinge die perfekte Lösung ergeben.

Gestern war wieder mal einer dieser Tage. Ich sass mit mega Kopf- und Gliederschmerzen zu Hause und somit die Perle eben auch (die Tagesmutter wohnt im Ort wo ich arbeite, wenn ich sie trotzdem bringen würde wäre ich erstmal ’ne Stunde unterwegs…das hätte mein Kreislauf gestern ganz und gar nicht gut gefunden).

Morgens war ich noch echt dankbar, denn die Perle entschied sich recht lange zu schlafen, aber von da an ging es bergab. Sie ist grad in einer Phase, die total süss aber gleichzeitig auch irre anstrengend ist: Sie sagt ALLES 3478238 Mal. In der gleichen Tonlage. Ob du reagierst oder nicht. So drehen sich unsere Gespräche stündlich in folgendem Kreis: 10 Minuten geht es um unseren Besuch in der Autowaschanlage vor ein paar Wochen (sie ist immer noch höchst aufgewühlt deshalb) „Auto, Mama, Wasser, Angst“. Dann gehen wir über zum Spinnen-Debakel (ich berichtete) und danach reden wir darüber, ob der Papa der Perlenpatentante („Titi Papa“) nun das Krümelmonster sei oder die Ostereier versteckt (das hat hier noch grossen Diskussionsbedarf, denn alles was wir wissen ist, dass er der Perle zum Geburstag eine Karte mit dem Krümelmonster vorne drauf schenkte und als Mama die an die Wand hing erklärte sie der Perle grad was es mit dem Osterhasen so auf sich hat…da kann man als Perle schonmal durcheinander kommen). Anyway, das sind die drei grossen Themen zur Zeit. Dazwischen gestreut kommen ganz bestimmte Bücher, ihr Erlebnis beim Friseur („Haare ’neidn“) und, wenn ich es wage einen Schranke oder eine Schublade aufzumachen, der grosse Aufschrei „ZU!!!“ kurz bevor sie sich gegen Selbiges schmeisst, am liebsten wenn ich noch mit Hand oder Oberkörper drin stecke.

So ging das gestern quasi den ganzen Tag lang. Klar, dazwischen gab es Streicheleinheiten für Mama, da sie eben „Kank“ war und sie kochte mir in ihrer Küche sogar Käse mit Knoblauch (2 Minuten Quasi-Ruhe). Dazwischen gab es einige „KOMM! AUTEEEHN!“-Befehle und ein paar Ausraster, wenn irgendein Gefährt nicht quer durch den Türrahmen passte. Nach dem (sehr schönen weil kuschligem) Mittagsschlaf schaffte sie es dann noch mir unabsichtilich zweimal ziemlich weh zu tun (ihr kennt das: Mit voller Wucht auf die Brüste schmeissen) und dann musste ich reagieren. Für meinen Kopf, für meinen Verstand. Also machte ich das Fernsehn an, legte einen Disney Film ein, gab der Perle einen Joghurt mit Back-deko verzierht und etwas Schokolade und bekniete sie wimmernd doch jetzt mal eben für nur 10 Minuten einfach mal ein wenig ruhig zu sein. Hat funktioniert. Aber heute bin ich lieber wieder ins Büro gegangen…hier kann man wenigstens noch in Ruhe krank sein.

 

15 thoughts on “Der Krankenbett-Blues einer Mutter

  1. Gute Besserung.

    Mal im Ernst, wie kannst Du Dir jetzt auch noch das Leben schwer machen, in dem Du Dir Vorwürfe machst. Du hast sie ja nicht vor der Glotze geparkt, damit Du shoppen gehen kannst. Du hast ihr kein Junk Food gegeben, da Du zu faul warst etwas „Richtiges“ zu machen. Du hast schlicht und ergreifend eine pragmatische Lösung gewählt. Eine Win-Win Situation. Dir geht es besser und die Perle hatte ihren Spaß. Wenn Dir jemand etwas anderes erzählt, dann hat er/sie keine Kinder oder ist ein Übermutter/vater. Von beiden Gruppen solltest Du Dir nichts einreden lassen.

      1. so in etwa. und ganz spannend wird es, wenn eins von 3 ein teenie ist und man (frau) auf sich allein gestellt ist. mit der zeit lernt man (frau) gewisse “muss“ zu ignorieren.

  2. Das kommt mir ja doch irgendwie bekannt vor. Hier ganz ähnlich, erst letzte Woche. Mama mit eitriger Angina und nix-geht-mehr. Kind mit Ferien und ich-hab-langeweile. Da musste dann auch mal der TV her und ich konnte was schlafen. Kind ist zwar schon 9, aber was Ferienlangeweile angeht, so ist sie da eher semigut im Vertreiben. Seufz.
    Manchmal ist das so. Muss so sein. Sollen doch andere denken, was sie wollen. So.
    Ich hoffe, Du bist wieder ganz gesundet?!
    Liebe Grüße,
    die Alltagsheldin

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