Perlen-Update und „wie man erfolgreich sein Kind traumatisiert“.

Ich dachte es wird mal wieder Zeit für ein kleines Update von der Perle, das geht alles irgendwie so rasend schnell gerade.

Zur Zeit ist sie echt sehr gern bei der Tagesmutter und ist dort, sehr zu meiner Freude, die meiste Zeit draussen. Die Ta-Mu sagte letzte Woche, sie würde sich mit allen anwesenden Kindern recht gut verstehen und sei „ein echtes Mädchen, wenn sie mit Mädchen spielt und ein echter Rabauke, wenn sie mit den Jungs spielt“. Ich halte ja eher wenig von diesen Gender-basierten Klassifizierungen, aber ich konnte mir ungefähr vorstellen, was sie damit meinte. Sie erzählt nun auch viel bei der Ta-Mu und auch wenn ich sie abhole versucht sie mir langsam aber sicher immer mehr von ihrem Tag zu erzählen. Ich bin auch immer wieder erstaunt (und vor Stolz quasi platzend) wenn ich sie morgens zur Ta-Mu bringe und sie, dort angekommen, sofort anfängt auf holländisch zu brabbeln…seit ein paar Tagen ist das nun so und ich freue mich tierisch, dass das so gut klappt (ja, und ich bin ein wenig erleichtert, natürlich, hatte ich doch ein paar Bedenken, was die Zweisprachigkeit betrifft).

küchenperleAusserdem hat die Perle von Opi und Omi aus dem Süden eine Küche geschenkt bekommen (die ich nun eeendlich aufgebaut habe). Nein, nicht weil es das natürliche Umfeld einer jeder Frau sein sollte (packt die Steine wieder ein), sondern weil wir alle recht gerne kochen und sie so quasi dabei sein kann (die Küche hat auch wirklich einen Platz in meiner Küche gefunden). Zum Geburtstag gab es dann noch Holz-Obst und Stoff-Gemüse und eine schicke Schürze und nun steht sie oft hoch konzentriert dort und macht „kaas“ in der Mikrowelle „heiss“ (Tür auf -Käse rein – Tür zu -auf den Knopf gedrückt -„Drrrrrrrrr – BIIIINNNNNG!!!“ – und wieder rausgeholt). Zum fressen (ja, den „kaas“ muss ich dann natürlich auch probieren, nachdem er fürsorglich von der Perle kaltge-„puuusnn“ wurde).

Ansonsten plappert sie einfach den lieben langen Tag und hat scheinbar täglich neue Wörter (und manchmal, wenn sie sich im Wort vertut und ich sie verbessere, dann guckt sie ganz genervt und sagt, „nahain“ und dann das falsche Wort nochmal…Zicke). Man kann sich nun richtig mit ihr unterhalten, das ist total spannend. Und sie hilft mir unglaublich gerne und wächst danach immer um ein paar Zentimeter vor lauter stolz. „Bringst du mir mal zwei Windeln?“, „Komm, wir giessen die Blumen“, „Wo sind denn deine Schuhe?“…mit sowas kann man sie echt gut beschäftigen und auch ablenken, wenn wir gerade auf einen Zick-Anfall hinzu-steuern. Denn ich habe das Gefühl, die Perle kommt nicht ins trotz-Alter, sondern ins Zick-Alter. Von wem sie das nur wieder hat…

Sie sagt nun aber auch immer öfter, dass sie vor irgend etwas Angst hat. Einerseits find ich es gut, dass sie so ihre Emotionen beschreiben kann, aber manchmal habe ich das Gefühl, dass „Annss“ ein Platzhalter für jede negative Emotion geworden ist. Aber manchmal ist sie einfach auch ein wenig schisserig (vielleicht hat sie das auch von mir, siehe „Angsthäsin“). Bei der Ta-Mu lässt sie sich zum Beispiel nicht mehr auf dem Wickeltisch die Windeln wechseln (nicht weil sie da mal runter gesegelt ist, sondern weil sie sich das von einem Jungen abgeguckt hat, der dabei auch immer Theater macht). Sie kriegt da richtig Panik und krallt sich an allem und jedem fest, der/die/das grad daneben steht. Auch wenn wir draussen unterwegs sind und sie von irgendwo her ein Geräusch hört kommt sie direkt angerannt und guckt mit ganz besorgtem Gesicht und jammert „Mamaaa…Annnnsss!!“. Als wir dann gestern in die Waschstrasse fuhren, hab ich sie vorsichtshalber direkt nach vorne geholt, was rückblickend auch das einzig richtige war. Die kleine Maus hatte die gesamte Zeit die Panik in den Augen stehen und sprach auch noch am Abend die ganze Zeit davon:“Auto, Wasser, putzen. Krach, Annss!“ – immer und immer wieder. Wir haben dann noch ein paar mal darüber gesprochen und dann wich langsam die Angst aus ihrer Stimme…Mensch Mensch, was ein Erlebnis.

Und ein neuer Angstfaktor ist seit Dienstag hinzu-gekommen. Das, und das muss ich ganz offen zugeben, habe ich als Mama total verbockt. Als wir morgens aufstanden sah ich auf einmal -KREISCH, SCHOCK, EKEL – eine riiiiesen Spinne über der Tür zum Badezimmer sitzen. Also mal im Ernst, die war echt ekelig gross und bäh. Jedenfalls wollte ich mich eigentlich zusammen reissen, aber die Perle hat sie quasi im gleichen Moment entdeckt wie ich und rückte ängstlich an mich heran „Mama, da, DA,  Annss!“ und was sagt die strunz-hohle Mama dann mit schreckens-geweiteten Augen? „Ja…Mama auch…!“ Rums, das war es. Die Perle fing an in Panik zu weinen und ich hätte mich ohrfeigen können! Und zu allem Übel bewegte sich das Viech auch noch. Also brachte ich das kreischende Kind in die Küche und holte einen Besen („Mama putze??? frug die Perle ganz ungläubig, wohl sicher, dass ihre Mama nun endgültig den Verstand verloren hatte und doch bitte erst dieses Monster entfernen sollte bevor sie anfing die Wohnung sauber zu machen). Todesmutig lief ich wieder ins Schlafzimmer und zerquetschte das Vieh quasi mit Anlauf, bevor es hinter unserem Bett verschwinden konnte (die Vorstellung allein…brrrr). Ja, liebe Tierfreunde, da fackel ich nicht lang, Spinnen haben in meinem Schlafzimmer nix verloren. In meiner Wohnung…also eigentlich überall im Umkreis von mindesten 5 Meter von mir ist Spinnen-Tabu. Und jetzt kommt mir bitte keiner mit dem dummen und so gar nicht hilfreichen Spruch „zu jeder Zeit befindet sich eine Spinne näher als 3 Meter von dir oder bla bla…“ – ich habe einen Besen und ich habe keine Skrupel ihn zu benutzen!!

Naja, nach diesem morgendlichen Schock war die Perle, verständlicherweise, etwas durcheinander und auch das abendliche Zubett-gehen gestaltete sich an diesem Abend auch schwerer als sonst. Sie schaute immer wieder auf den Spinnen-Fleck (bäh, streichen muss ich wohl auch) und sagte besorgt „Mama putze…weg!“(Recht hatse ja). Das hat sie auch bis heute nicht aufgehört. Die Perlenoma meinte nach der Story nur ganz trocken „ja, so hab ich dir meine Phobie auch vererbt…“…auweia. Ich muss mir mal überlegen, wie ich mit sowas in Zukunft etwas sensibler umgehen kann.

Ansonsten geniessen wir aber den Frühling und dass es nun länger hell ist und auch nicht mehr so kalt. Das ist wunderbar. Ich bin dabei, die Garderobe der Perle auszumisten und dann bald wieder aufzustocken. Dafür gucke ich mir allerlei Second-Hand Links auf Ebay-Kleinanzeigen an. Am Wochenende werde ich auch (hoffentlich einiges) auf einem Flohmarkt für Kindersachen loswerden…vielleicht finde ich auch ein paar schöne Tshirts für den Perlensommer…auch wenn das ja nicht Sinn und Zweck der übung ist. Ausserdem habe ich ein tolles, gebrauchtes, Fahrrad gefunden und hoffe, dass es, mit ein bisschen Handeln und Glück, bald unser neues Fortbewegungsmittel ist, damit wir hier die Gegend ein wenig besser erkunden können. Ich bin gespannt.

18 thoughts on “Perlen-Update und „wie man erfolgreich sein Kind traumatisiert“.

  1. Gib es doch als „Aufgabe“ an den Perlenpapa, dass er mit der Perle Spinnen „jagt“. Dann kommt sie bestimmt nach Hause und ist stolz, dass sie keine Angst mehr hat und Du kannst sie als Spinnenjägerin gebrauchen.

  2. Ach ist das alles süß, das Perle ist ja eine Zuckerperle! Und von wegen Traumatisierung. Ich würde die Geschichte auch nochmal nacherzählen und erklären, dass Du die Spinne weg geputzt hast, weil Spinnen nicht in die Wohnung gehören. Oder so.
    „Ich habe einen Besen und ich habe keine Skrupel ihn zu benutzen!“ (kicher)

    1. Danke..:-)
      Hehe, ja ich habe das Gefühl, dass wir da noch eine Weile drüber sprechen werden…Heute Morgen sprang sie wieder ins Bett vor Panik: Sie hatte ein Haarknäul gesehen…

  3. Laut meiner Mama soll ich sie ziemlich entgeistert angeschaut haben, als sie mich mit einer Puppenküche spielen lassen wollte. Aber in der richtigen Küche helfen? Aber so was von gern! Vor allem Messer müssen es mir schon als Kind angetan haben. Und Nudeln und Teig und alles, was ich erreichen konnte. Es gibt ein Bild von mir, als ich quasi kopfüber in einer Schüssel stecke. Mein Papa hat es gemacht, meine Mama sei angeblich vor Angst fast wahnsinnig geworden. Verstehe ich nicht … 😀

    Aber vor Spinnen musst du keine Angst haben. Die tun dir nichts.

    Kurze Anmerkung einer Feministin zum Thema Klischees: Warum müssen Mädchen eine Puppenküche haben und keinen Ball? Warum sorgen Erwachsene bei Kindern dafür, dass die Rollen weiter so verteilt bleiben, wie sie leider sind?

    1. Hehe, ja, in der Küche ist sie auch gern dabei, aber der Schisshase hat ja Angst vor allem, was „Krack“ macht.
      Naja und mit den Spinnen ist das so ne Sache…ich WEISS, dass sie nix tun und so, aber im Angesicht der kalten Angst ist das rationale Denken irgendwie ausgehebelt. Komme mir danach ja auch doof vor.

      Was die Küche betrifft…hm, also das mit erste Spielzeug, was die Perle hatte (und ihr erstes richtiges Wort) war ein Ball. Und die Küche hat sie vom Opi, der selbst halt für sein Leben gern in der Küche steht und etwas zaubert (alle großen Kinder haben zu Weihnachten ein selbstgemachtes Kochbuch von ihm und der Omi bekommen, Jungs wie Mädchen). Wir kochen alle sehr gern und auch wenn ich nen Jungen hätte, dann hätte er eine kleine Küche bekommen. Ich fänd es schade, wenn die Perle, weil sie ein Mädchen ist und man Clichees vermeiden will, keine bekommen würde. Das wäre doch auch doof. Ich glaube, ich bin ihr schon ein recht gutes Beispiel dafür, was es bedeutet eine unabhängige und starke Frau zu sein…die nunmal GERNE kocht…;-)

      1. Dein Beitrag, aber auch andere und eigene Erlebnisse, haben mich einen Beitrag über Kinder und Erziehung schreiben lassen. Auslöser war das Buch, das ich kurz vorstelle. Ich bekomme wirklich die Krise, wenn ich Eltern sehe, die ihre Kinder in Rollenmuster drücken. Und hinterher so überhaupt nicht verstehen, warum Sohnemann, oder Töchterchen Probleme im Alltag haben. Vermutlich würde ich eigene Kinder mit ins Training nehmen und beim „Küchen Kung Fu“ zuschauen lassen 😉

  4. Ihr seit niedlich, alle beide 🙂
    Die Gender-Klassifizierungen sind ok, wenn sie als Beschreibungen herangezogen werden – finde ich zumindest.
    Zoe kocht – ganz geschlechtsspezifisch – auch gerne mit, allerdings am liebsten mit in der echten Küche. Genau da werde ich mich jetzt auch hin begeben und versuchen etwas hinzubekommen, das nicht beim Anblick des (geschlossenen!) Topfes gleich ein „Ich mag das nicht!!!“ erntet. So wie fast jeden Abend 🙂

      1. Entscheidung meiner Frauen: Wir machen Burger! Burger-Brötchen haben wir da, aber der Rest? Weder Mett noch Pommes sind aufgetaut (ja, die taue ich immer vorher auf, dann schmecken sie wesentlich besser) und Fleisch (das hätte ich kochfertig da) auf Burger möchte die junge Dame nicht. Also ihre zweite Wahl: Nudelsuppe mit Würstchen (und Gemüse). Die hat sie dann auch gegessen. 🙂

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