Weisse Wut und heisser Zorn – Über Wut-Management

Ich habe euch ja mal erzählt, dass ich manchmal eine Heulsuse bin und es mir schwer fällt, im Angesicht von Wut nicht loszuheulen…naja, und wie kontraproduktiv es dann meistens ist.

Jetzt hatte ich aber eine Erfahrung der etwas anderen Art. Mich hat jemand sehr, sehr sauer und wütend gemacht und gleichzeitig unglaublich enttäuscht. Die Einzelheiten werde ich mal auslassen (Die Perlenwelt soll ein schöner Ort sein und keiner für dreckige Wäsche) aber ich saß wirklich ziemlich schnaubend zu Hause und wusste gar nicht wohin mit meinem Zorn. Zumal diese Person mit Konflikten mal so gar nicht umgehen kann und sich bei der kleinsten Kritik schon als Opfer fühlt (bevor und generell statt zu überlegen, ob es vielleicht angebracht ist) und sich daher eine Klärung als ziemlich schwerfällig entpuppt…so wurde ich erstmal ignoriert und meine Wut konnte nicht dorthin gehen, wo sie angebracht war.

So kam es dazu, dass ich in meinem Geiste das „klärende Gespräch“ mehrfach (und wohl ungesund vielfach) im Kopf durchspielte, so dass ich am Ende alles auswendig konnte, egal wie das Gespräch verlaufen würde. Dachte ich jedenfalls. Doch als es dann aber dazu kam, war alles…weg. Der Zorn überspülte mich und wusch mich weg, ich konnte nichts mehr verbalisieren und stand am Ende einfach nur noch doof da. Und das machte mich natürlich noch wütender, so dass ich wie ein kleiner Pfefferball zu Hause rumtillte und mir alle möglichen, und unmöglichen, Szenarien vorstellte, in der besagte Person und andere Involvierte höllische Schmerzen durchlebten. Ja…da bin ich nicht stolz drauf, aber das hilft manchmal…jedenfalls temporär.

Nun ist es so, dass ich meinen Standpunkt aber eben nicht klar machen konnte und die Gegenseite gibt sich praktisch „clueless“ und tut als hätten sie keine Ahnung was „ich nun wieder hätte“. Und diese Schiene kann man natürlich auch fahren, habe ich doch keins meiner schlagkräftigen Argumente ausbreiten können. Das ärgert mich glaub ich am meisten, denn ja, I have a case, einen ziemlich klaren Fall sogar. Was tut man da? Ich muss lernen, meine Wut zu bündeln und zu meinem Vorteil zu nutzen. Denn sie kann auch etwas Gutes sein, eine Kraft für den Freischlag, ein Antrieb für Veränderung. Wenn sie richtig eingesetzt wird und nicht unkontrolliert und in Wellen über mich hereinschlägt.

„Drüber schlafen“ wäre eine Möglichkeit. Das macht meinen Fall nicht kleiner, minimiert mein Recht-haben nicht. Aber es würde helfen ein wenig Gleichgültigkeit zu erlangen, ein wenig mehr Sauerstoff in die Diskussion zu lassen und ein bisschen mehr Mut für Pausen zu haben, in denen man seine Worte besser wählen kann. Oder man kann, wie ich, den Höhrer auf die Gabel knallen, den anderen wüst beschimpfen (oder andersrum) und jeglichen Weg für eine De-eskalation versperren.Wut Perlenmama

Aber vielleicht ist es auch einfach, dass man nicht immer diejenige sein will, die sich um eine De-Eskalation sorgt, dafür zurück steckt und des Friedens Willen nicht genau dass sagt, was ihr auf dem Herzen liegt? Denn Wut ist auch befreiend, es lässt die Hitze heraus, die da (oft schon länger) brodelt. Ich bin ja generell ein Mensch (und Fan) des schnellen Auf-  und dann aber auch schnellem wieder Abregens. Ich sehe mich da als eine kleine Naturgewalt. Und das find ich auch nicht ganz so übel wie es sich auf den ersten Blick anhört. Die Aufräumarbeiten nach einer kleinen Verpuffung gehen nämlich wesentlich schneller von der Hand als solche nach einer Explosion Typ „Alarm für Cobra 11“.

Das heisst, dass ich mich lieber mal schnell aufrege und Dampf ablasse statt es lange brodeln zu lassen, nur um dann unkontrolliert in die Luft zu gehen und größeren Schaden anzurichten. An sich ganz gut, wenn es denn dann nicht inflationär wirken würde. „Sie meckert schon wieder“ kommt dann und es wird einfach nicht mehr ernst genommen. Dabei muss ich sagen, ich hab es schon ganz gut im Griff den Dampf dann auch an der richtigen Stelle abzulassen, nämlich beim Verursacher. Nur manchmal, wenn ich sehr genervt oder gestresst bin, dann bekommt es auch mal ein anderer ab. Das sehe ich dann aber auch schnell ein und habe kein Problem mich dann auch dafür zu entschuldigen. Also mein Wut-Ventil ist eigentlich immer auch der Verursacher.

Noch dazu frage ich auch immer meine sehr geschätzten – und brutal ehrlichen – Freunde, ob was ich da fühle überhaupt Hand und Fuß hat. Meistens ist dem der Fall, manchmal nicht. Tritt letzteres ein und eine mir geschätzte Person sagt mir, mit Verlaub, dass ich spinne, dann ruder ich auch ganz schnell zurück und versuche zu verstehen, warum ich denn dann grad so an die Decke gehen könnte. Das funktioniert ganz gut, ich habe da eine Anzahl an ganz tollen Exemplaren, die mich und meine Spinnereien, sowie meine gesamte, ungeschönte, Geschichte und Vergangenheit ganz genau kennen (fast schon zu gut) und denen ich solche Urteile mehr als zutraue (und die sich selbst auch trauen ein solches Urteil auszusprechen).

Also ich denke, in Sachen Begründung von Wut und Reflektion im Angesicht eines Wutanfalls hab ich das ganze schon ganz gut unter Kontrolle. Aber die Umsetzung, die verdammte Umsetzung, ist das, was mich immer aus der Bahn wirft und meine besten Argumente ohne das Zutun anderer zunichte macht. Und wie, liebe Leute, mach ich das? Wie lerne ich das? Ich brauch praktische Tips, denn die ganzen Tips, die ich über die Jahre bekommen habe, von „durchatmen“ und „verlass dich eben auf deine wasserdichten Argumente“…die haben mir bisher einfach nichts gebracht. Sobald ich ausgeatmet habe kommt die Welle, zerrt mich weg und hinterlässt eine schnaubende und stotternde Furie, die ich, ganz ehrlich, wohl auch nicht ernst nehmen würde.

Addition: Ich habe diesen Eintrag vorgebloggt und erst für den nächsten Tag geplant. Zwischenzeitlich habe ich gemerkt, dass es definitiv hilft seine Gedanken, die da die ganze Zeit im Kopf rumwirbeln, einfach aufzuschreiben. Nicht abzuschicken, aber alles zu schreiben, nochmal zu lesen, sie umzuschreiben und dann ruhen zu lassen. Es war ein sehr befreiendes Gefühl. Und was noch hilft: Einzusehen, wenn man zu wütend ist um ein normales Gespräch zu führen und dies dann eben nicht zu tun. Stattdessen seine Lieblings-Serie zu gucken und Kekse zu essen und vor allem: Mit den Perlen zu kuscheln.

11 thoughts on “Weisse Wut und heisser Zorn – Über Wut-Management

  1. Kenne das Gefühl.. Mir hilft da körperliche Anstrengung sehr gut. Sachen aufräumen und umsortieren, Zimmer umstellen, putzen oder irgend einen Sport machen.
    Irgendwas tun, worauf man sich konzentrieren MUSS. Danach sieht man das ganze Problem meist wieder ein wenig gelassener und lässt sich nicht mehr in seiner Wut gehen und sagt oder tut Dinge, die man später bereut.
    Aber ich weiß auch wie schwer es ist in solchen Situationen klar zu denken und nicht stundenlang alles im Kopf durchzugehen. Besonders wenn der andere nicht ‚kooperativ‘ oder ansprechbar ist und nicht auf das Angesprochene eingeht.
    Deshalb klappt der tolle Plan vom Ablenken und Runterkommen auch nicht immer bei mir selbst. Es ist leichter gesagt als getan. Aber ich denke man kann sich seine Methode sicherlich mit der Zeit antrainieren.

    1. Das stimmt, ich hab auch schon Ablage gemacht, eine Küche für die perle gebaut und gebügelt, das ist super.
      Aber ja, jede Methode ist „leichter gesagt als getan“.

  2. Egal, ob Mensch, oder Situation: Sie ihn / sie als „Gegner.“ Gib der Situation keine Macht über dich. Nimm die Initiative selbst in die Hand. Ist es ein Mensch mach ihn wütend, bring ihn aus dem Konzept. Das ist einfach und erfordert lediglich eigene Geduld. Es hilft Situationen durchzuspielen. Es hilft nicht, dies zu lange zu tun.

    Ein Beispiel von Miyamoto Musashi, dem legendären Samurai: Er hatte ein Duell. Was er machte: Er ließ den Gegner (wieder!) warten. Auf der Überfaht zu der Insel einige Stunden später schnitzte er aus dem Ersatzruder ein Langschwert. Als der Gegner ihn sah und das Holzschwert schäumte er vor Wut. Musashi hat ihm das Holzschwert auf den Kopf geschlagen und den Kampf gewonnen.

    Das klingt nun sehr gewalttätig, kann aber auch in unsere Neuzeit umgesetzt werden. Für den Fall, dass du die Konfrontation mit etwas / jemand nicht sofort suchen kannst, wirst DU den Ort und die Zeit bestimmen. Und die Person warten lassen. Du entscheidest welche „Waffen“ du benutzen wirst. Ob böse Worte, oder ein Lächeln. Das wird dein Schwert sein.

    Und ja, das erfordert Training. Aber du bist Frau und kannst all das lernen. Wichtig ist es einem „Duell“ nie auszuweichen. Du allein wirst aber die Regeln bestimmen. Dann hast du schon gewonnen.

  3. Sehr schwierig. Meine Schwester konnte nie und kann wahrscheinlich heute noch nicht mit meiner Mutter streiten ohne, dass sie heulen muss. Mit anderen Menschen hat sie es irgendwann in den Griff bekommen. Ich muss sie einmal fragen wie sie es geschafft hat.

    Diese gedanklichen Vorbereitungen bringen meistens nichts. Ich mache das auch gerne. Stelle mir alles genau vor. Was ich sage, wo ich es sage, etc. Und dann kommt es doch ganz anders.

    Ich denke was etwas bringt ist Dir am Anfang zu überlegen, was Du erreichen willst. Und Du musst Dir überlegen was Du realistischerweise erreichen kannst. Mit manchen Menschen ist es sinnlos zu streiten, da sie Argumenten verschlossen sind. Da kann man es nur komplett sein lassen oder es ihnen für eine „Grenzüberschreitung“ so unangenehm wie möglich machen, damit sie es sich demnächst gut überlegen.

    Überlege Dir wie weit Du gehen willst. Überlege Dir aber auch wie Du auf „Grenzüberschreitungen“ des anderen reagierst. Idealerweise baust Du so ein Abschreckungspotential auf, dass es erst gar nicht so weit kommt. Die genauen „Waffen“ musst Du individuell festlegen.

    Das sind alles keine neuen Dinge, aber jeder Streit ist individuell und was bei einem funktioniert, funktioniert beim anderen nicht. Sei authentisch. Und wenn Du heulen musst, dann sehe es als Vorteil und nicht als Nachteil. Gerade Männer können mit weinenden Frauen nicht gut umgehen. Da hast Du den ersten Vorteil bereits auf Deiner Seite, ob Du willst oder nicht.

  4. Das mit dem vor Wut los heulen kenne ich nur zu gut. Und dann bekommt man dafür noch mal einen oben drauf. Ständig sind die Argumente weg ,die man sich vorher überlegt hat und es kommt nur komisches geblubber, was nicht richtig zum eigentlichen Thema gehört , raus. Ich habe leider Bis heute keinen Weg daraus gefunden. Ich bin aber auch ein Typ Mensch ,der versucht Alles auf harmonisch zu betrachten. Ich fresse Bis zu einem Punkt alles in mich rein. Gut Es gibt ein paar Auseinandersetzungen in denen ich sehr energisch meinen Standpunkt verteidige und da gilt ,wenn mein Gegenüber diesen nicht versteht muss ich lauter sprechen. Weil Wert nix versteht ist taub. Wenn dann aber der Punkt erreicht ist, an dem mein Fass über läuft, dann explodiere ich aller „Alarm für Cobra 11“ ,wie du so schön sagtest. Fan dauert es aber auch Gefühle Ewigkeiten ,bis Alles wieder geklärt ist. Vor allem weil ich mich nicht ausdrücken kann und eigentlich nur noch heule.
    Was ich dir eigentlich sagen will ist, dass es auch andere gibt ,denen es so geht.

  5. Liebe Perlenmama,
    das Gefühl kenne ich nur zu gut! Aber ich glaube auch, dass man manchmal Dinge einfach gelassener hinnehmen muss! Ich glaube an Karma (hat sich in letzter Zeit nur zu sehr in meinem Umfeld bewahrheitet) und daher bekommt im Endeffekt jeder seine „gerechte Strafe“!
    Just breathe und all die Wut scheint plötzlich kleiner zu werden 🙂

    Liebe Grüße,
    Liselotte Zucker

    1. Generell hast du ja Recht, Karma richtet das schon, jedenfalls wenn man die „Summe am Ende“ betrachtet. Das ist aber für den Moment, in dem mir der Rauch aus der Nase kommt vor Wut, kein wirklicher Trost. Und darum ging es mir ja.

      Gelassen…hm…einerseits ist das sicherlich ganz gut, aber in vielerlei Hinsicht steht bei mir Gelassenheit oft auch einfach für Konflikt-Scheu und „in sich rein fressen“.

      1. Ja da hast du wohl recht! Ich bin auch im ersten Moment immer so wütend, dass ich dann immer gar nicht weiß, wie ich es in Worte fassen soll!
        Aber Gelassenheit ist dann meiner Meinung nach nicht, dass man es in sich reinfrisst oder konfliktscheu ist, sondern dass man sich öfter einfach mal denken sollte: Gott sei Dank bin ich nicht so doof wie du! 😉

          1. Ja ich sage dir, ich denke mir das oft und es hilft wirklich sich nicht mehr so sehr über eine Handlung oder Aussage eines anderen zu ärgern, weil man denkt, Naja der oder die weiß es halt nicht besser….

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