„Papa weg…“ – Eltern und räumliche Trennung

Ich habe so im Gefühl, dass dies ein sehr persönlicher Eintrag wird…und eine schlaue Schlussfolgerung gibt es wohl auch nicht.

going places

Vergangenen Sonntag hatten wir unser allererstes schlimmes Abschiedsdrama nach einem Papa-Wochenende. Die Perle hatte mittagsschlaflos im Auto geschlummert und kam somit recht verpennt und nicht gerade gut gelaunt zu Hause an. Wie so oft befahl sie erstmal dem Papa sich doch schleunigst Schuhe und Jacke auszuziehen, wohl damit er nicht einfach wieder gehen konnte. Auch danach wich sie ihm nicht von der Seite und brach immer wieder, scheinbar grundlos, in Tränen aus. Sie meckerte und beschwerte sich nicht, sie weinte einfach und liess so Oma, Papa und mich absolut im Dunkeln über die Gründe der Tränenflut. Sie verneinte Nachfragen, die auf Schmerzen, Durst, oder Hunger prüften und klammerte sich an ihren Papa. Es war herzzerreissend. Nach einer Weile war sie soweit, dass sie mit Oma spielen konnte, aber immer mit prüfendem Blick auf Papa, ob er denn noch da sei. Als es dann wirklich an der Zeit war ins Bett zu gehen und somit der Abschied von Papa und Oma anstand war sie noch recht gefasst, aber als die Beiden dann ausser Sichtweite waren, war es ganz vorbei. Da wurde geweint, geschluchzt, gemotzt und gelitten. Mit zerbrach es das Herz, denn, wie jede Mutter, wollte ich einfach nur helfen…doch es war nunmal nichts, was ich für sie hätte lösen können. Dem Papa ging das auch sehr an die Nieren und ich glaub er fühlte sich da ähnlich hilflos.

Sie sieht ihren Papa an sich relativ oft. Alle zwei Wochen ist sie für’s Wochenende bei ihm und auch an den Wochenenden dazwischen sehen sich die beiden häufig, allein aus dem Grund, dass die Perlenoma und der Perlenpapa Nachbarn sind, und weil ich in meiner Heimatstadt auch viele Freunde noch regelmässig sehe. Zur Zeit steht dem häufigen Sehen auch nichts im Wege (das war mal anders) und es läuft recht natürlich und friedlich ab. An ein paar wenigen Wochenenden ist das aber nicht der Fall und sogar mir und dem Perlenpapa kommen diese fast zwei Wochen papalose Zeit dann schon recht lange vor. Bis letzte Woche hat sie sich aber noch nie beschwert. Doch diesmal war es soweit: „Papa weg!“ sagte sie Donnerstag auf einmal. Ich war erstmal überrascht und sagte „Nein, der ist nicht weg, aber er muss arbeiten…“ „Papa WEG!!“ bekam ich darauf als Antwort. Oje.

Unser „Plan“ oder eher unsere „Annahme“ war damals, als sich die Perle ankündigte, dass sie ja kein Scheidungskind mit den einhergehenden Trennungsschmerzen und -ängsten werden würde, sondern dass sie ja, da sie es nicht anders kennenlernen würde, es als ganz normal empfinden würde, dass Mama und Papa nicht in der gleichen Stadt wohnen. Damit haben wir uns beruhigt und gerechtfertigt. Und bisher ging das auch echt gut. Es gab eigentlich kaum Theater bei Abschied und Wiedersehen, sie ging gerne zu Papa und kam gerne wieder nach Hause. „Hallo“ und „Tsööö“ wurden mit einem Lächeln, manchmal auch mit einem Jauchzen gerufen und sie schien das alles ganz normal und gut zu finden.

Wie gehen wir nun damit um? Ich bin noch sehr erschrocken und auch der Perlenpapa war ganz zerknirscht und plant nun urlaubsmässig einen längeren Aufenthalt der Perle bei sich. Die nächsten Wochenenden werden sie sich auf Grund des 2. Perlengeburtstags recht häufig sehen, aber was passiert danach? Ein Versuch der Regelung, dass es jede Woche ein Perlen-Papa-Date gibt ging schon noch recht am Anfang kläglich in die Hose. Doch damals gab es auch noch andere Bedingungen (ein Perlenpapa-Anhang mit recht „speziellen“ Anforderungen). Aber wie sähe das überhaupt heute in der Praxis aus, immerhin trennen uns 100 km? Würde ich jedes Wochenende zu Oma fahren müssen? Oder meine Sonntage aufgeben? Oder Samstage? Oder generell meine Wochenenden? Was ist mit meinem/unserem Privatleben? Klar ist sie zwar unter der Woche quasi immer bei mir, doch da sehe ich sie ja eigentlich auch nur morgens und abends, da ich ansonsten arbeite und sie bei der Tagesmutter ist. Das scheint mir also auch keine Lösung zu sein.

Klar frage ich mich oft „Was würde die Perle wohl wollen?“ Will sie jedes Wochenende 200 km fahren, damit sie ihren Papa sieht? Würde sie sogar wollen ein Woche beim papa und eine Woche bei mir zu verbringen? Ist sowas bei der Entfernung, bzgl. Freundschaften, Kita, Zuhause-Gefühl überhaupt machbar? Noch kann sie uns das nicht genau sagen und es liegt bei uns ihre reaktionen zu interpretieren und Entscheidungen zu treffen. Gehen wir darauf ein oder entscheiden wir, dass es eben so ist und sie sich daran gewöhnen muss? Was, wenn sie es uns dann sagen kann, wo liegen unsere Möglichkeiten? Fragen über Fragen…

Vielleicht, ganz vielleicht war das auch einfach ein schlechter Tag vorgestern und ich/wir mache/n mir/uns viel zuviele Gedanken. Möglich ist das allemal, und auch noch gut für das leidige Gewissen. Aber ob ich mich darauf verlassen will? Vielleicht kam es auch einfach nur sehr plötzlich und stellte eine meiner grössten Sorgen dar. Wer weiss? Eine praktische Schlussfolgerung gibt es heute nicht, es war einfach nur ein Erfahrungsbericht und ein wenig Gedanken-Sortiererei.

Leider gibt es keinen Ratgeber für Eltern, die „von Anfang an“ getrennt leben und trotzdem beide Sorgerecht und Sorgelust haben. Jedenfalls haben wir bisher noch keinen gefunden und auch Erfahrungesberichte von solchen Familienformen sind äusserst schwer zu finden. Kennt ihr welche? Ich wäre über Hinweise sehr dankbar.

15 thoughts on “„Papa weg…“ – Eltern und räumliche Trennung

  1. Ich denke, dass ihr realistisch sein müsst. Aus Sicht der Perle bzw. aus Sicht der Kinder wäre es am Besten, wenn alle (Eltern, Großeltern, Tanten, Onkel, etc) unter einem Dach wohnen würden, nett zueinander wären und sich 100% um die Perle kümmern würden. Bis sie versteht, dass das kein besonders harmonisches Zusammenleben wäre werden noch viele Jahre vergehen.

  2. Ach Perlenmama, ich kann Dich gut verstehen. Ich selbst hab mich getrennt, als der große-kleine-Mann eineinhalb Jahre jung war. Im Grunde denke ich, dass es egal ist, ob sich die Eltern vor oder nach der Geburt trennen, wenn beide sich um das Kind kümmern. Es wird immer wieder Zeiten geben, in denen einer fehlt. Mein Weg damit umzugehen war immer und ist noch:
    Ich muss kein schlechtes Gewissen haben, dass ich mich vom Vater meines Sohnes getrennt habe, denn für mein Glück war das wichtig – und wenn ich glücklich bin, kann ich das auch an meine Kinder weitergeben. Ich liebe beide meine kleinen-Männer und das spüren sie, jeden Tag auf´s neue. Und der große-kleine-Mann wird sowohl von seinem Vater als auch vom „neuen“ großen-Mann in meinem Leben geliebt – und auch das spürt er jeden Tag (auch wenn es immer wieder Probleme zwischen den Erwachsenen gibt). Das ist das einzige, was zählt und das einzige, was hilft.
    Lieben Gruß
    Sabrina

    1. Das stimmt, die kleinen schnappen gleich auf, wenn die Grossen genervt sind oder unter Druck stehen…das musste ich schon sehr früh erleben bei der Perle.

      Deshalb sag ich auch immer, es muss uns allen damit gut gehen, es nutzt nix wenn sich einer von uns, oder zwei, komplett aus dem fenster lehnen, damit die Kiste läuft.

  3. Der Perlenpapa und du seid kein Paar (mehr)? Habe ich das richtig verstanden?

    Wie Webpapa Alec schon schrieb wäre der Idealfall eine Papa, Mama und Oma(s) in der Nähe Familie. Wenn das aus verschiedenen Gründen nicht geht wird auch das Kind die Realität lernen müssen. Das klingt hart und wird allen Beteiligten tiefe Emotionen abverlangen. Natürlich bist du als Mutter von den Perlentränen direkt und tief betroffen. Das ehrt dich. Ich sehe es als kommende Trotzphase der Perle, die bald ihren eigenen Willen durchsetzen will. Es liegt dann an dir, ob du nach ihrem Willen springst, oder sie sanft führst.

  4. ich kann dich sehr gut verstehen und deine situation nachvollziehen. bin schon mal vor 15j in der situation gewesen und nun wieder mal, diesmal mit 2 kleinen krümeln. und es ist immer schwer, egal was und wie man es macht.

  5. Ohje, ein schwieriges Thema! Da scheint gerade einiges in der kleinen Perle vorzugehen 🙁 tut mir auch echt weh, das so zu lesen… aber die Lösung kann auch nicht sein, daß du dein Leben aufgibst oder noch mehr auf sie verzichtest. Wie sieht es denn mit skypen aus? Kann man den Papa irgendwie noch mehr ins Leben integrieren ohne daß er körperlich anwesend ist, zum Beispiel regelmäßig jeden Abend telefonieren, Gute Nacht sagen? Und immer wieder zusammen bereden, was wann geplant ist? Da gibt es doch bestimmt getrennt lebende Eltern die gute Tipps geben können 🙂

    Liebe Grüße, Janina

    1. Danke für deinen Kommentar…ja, einfach ist definitiv anders…Also wir sprechen uns schon recht viel ab…das mit dem telefonieren üben wir grad, die Perle findet es noch ziemlich kompliziert jemanden zu hören ohne ihn zu sehen…Skype wäre eine Option, ich hab dem Perlenpapa auch schon eine Webcam gegeben, aber irgendwie kann er sich da nicht aufraffen, keine Ahnung…

      Irgendwie müssen wir da überein kommen, ohne dass sich jemand zu sehr „nach dem anderen richten“ muss…

      irgendwie.

  6. Liebe Perlenmama,
    dein Beitrag hat mich sehr berührt. Ich mag die Art, wie du schreibst. Habe dich auf meinem Blog verlinkt. Hoffe, du freust dich….
    Liebe Grüße,
    ane

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