Das Wochenbett in der Perlenwelt

Jana vom Hebammenblog hat eine ganz besondere Blogparade ins Leben gerufen, und zwar zum Thema “Wochenbett-Tips aus erster Hand – von Mutter zu Mutter”. Und da ich noch oft an diese Rollercoaster-Zeit denke, sie aber hier noch hier noch nie thematisiert habe, dachte ich es wäre eine schöne Gelegenheit diese Chance nun zu ergreifen. Wie zwei Fliegen mit einer Klappe und so…Einige Dinge sind damals nicht so glatt gelaufen, besonders mit dem Perlenpapa und seinem damaligen Anhang. Aber da ich hier eine Wochenbett-Bericht schreiben möchte, werde ich mich zurückhalten, was die negativen Dinge betrifft. Es ist jedoch kein gewöhnlicher Wochenbett-Bericht, aber vielleicht eine Chance für andere Bald-Mütter, die eventuell von meinen Fehlern lernen können.

frische Perle

Die Geburt von der Perle war keine besonders leichte und endete leider in einem Not-Kaiserschnitt. Demnach war ich die ersten Tage nach ihrer Ankunft ans Bett gefesselt und auch danach doch noch sehr unbeweglich. Und was soll ich sagen? Das hat mich nicht die Bohne interessiert. Naja, ok, hat schon weh getan. Aber Hormon-betrunken und bis über beide Ohren verliebt kam es mir sogar sehr gelegen, dass ich ohne schlechtes Gewissen einfach nur da liegen und mit der Perle kuscheln konnte.

Unser erster voller Tag „zu Hause“ (also wir haben die ersten paar Wochen bei der Perlenoma und dem Perlenopa verbracht) war sehr turbulent. Die Uromas kamen vorbei, Freunde, die Hebamme…die Perle bekam ihr erstes Paket geschickt, ich versuchte zu stillen, und, und, und. Ernsthaft weiss ich von dem Tag nur noch sehr wenig, nur, dass es doch sehr, sehr viel war. Ich weiss aber auch nicht, ob ich daran etwas ändern würde, denn auch wenn ich etwas überfordert war mit dem Andrang, so musste ich ja nichts anderes machen als da zu sitzen und zu gucken. Die Perlenoma hat sich ja um den Rest gekümmert.

Die nächsten Wochen ging es dann so weiter, auch wenn der Besucherstrom doch ein wenig abnahm. Ich genoss es einfach nur mit meiner Perle auf der Couch zu liegen und von Langeweile gab es keine Spur. Fernsehen war uninteressant, denn die kleine zog so eine so wahnsinnig geniale Gesichts-Kirmes ab, da konnte ich stundenlang bei zugucken. Und die kleinen Hände erst…und die Füsse…und die tollen Haare, die auch noch so gut rochen…und die Geräusche, die sie machte…hach.

sind so kleine Hände

…naja, nach etwa zwei Wochen dann hab ich aber doch wieder Flöhe im Pöppes gekriegt und wollte ausserdem anfangen, der Perle die Welt zu zeigen…durfte aber leider noch nicht Auto fahren. Also war ich mit Bus und zu Fuss unterwegs. Leider hat es auch damals mit dem Perlenpapa nicht ganz so gut funktioniert, da ist mir zu Hause auch ein wenig die Decke auf den Kopf gefallen. Ich muss sagen, dass diese Situation mir auch am meisten auf’s Gemüt geschlagen hat und ich wirklich in einer emotionalen Achterbahn sass. Hormongetränkte Hasstriaden gingen da teilweise auf ihn nieder, teils absolut legitim, teils fies und kontraproduktiv. Keine tolle Zeit. Und ich bin auch manchmal noch immer ein wenig bitter, dass meine Erinnerungen an diese spezielle Phase so dunkel sind.

Aber da gab es natürlich auch ganz wunderbare Momente. Als ich das erste Mal mit der Perle zu uns nach Hause gefahren bin, zum Beispiel. An sich war ich da immer noch im Wochenbett, aber irgendwie war es an der Zeit für uns. Wir richteten uns nett ein und ein paar Tage darauf fuhr ich zu meinen Lieben Kollegen auf die Arbeit um die kleine Madame endlich vorzustellen. Das ist eine sehr schöne Erinnerung. Oder unser kleiner NL-Tagesausflug an einem sonnigen Queensday in den Park, wo ich ihr auf dem Kindertrödel ihr erstes niederländisches Buch kaufte.

Leider wurde die Situation mit dem Perlenpapa erstmal nicht besser, eher im Gegenteil. Eine lange Zeit sahen wir ihn gar nicht (obwohl er quasi nebenan war) und ich wurde immer wütender und enttäuschter und verstand es einfach nicht. Ich glaube, ich bin damals in ein ziemliches Loch gefallen, aber die Erinnerungen sind sehr schwach, meine Verdrängung hat funktioniert. Das Stillen dafür gar nicht mehr, ich hatte immer weniger Milch obwohl ich auf Bedarf stillte und zusätzlich abpumpte um den Milchfluss anzukurbeln. Ich würgte mir Malzbier herunter (buäh) und trank Still-Tee (würg), massierte und meditierte. Irgendwann mussten wir trotzdem umstellen, das war echt doof. Aber das Perlchen wurde einfach nicht mehr satt.

Ich muss aber auch sagen, dass ich in der Zeit, rückblickend gesehen, nicht sehr gut auf mich acht gegeben habe. Ich habe rasend schnell wieder abgenommen, obwohl ich, hauptsächlich für die Muttermilch, sehr viele Nüsse gegessen habe. Ich habe mich nicht um meine Haut gekümmert, nicht um meine Zähne, nicht umsonstige Körperstellen, die Aufmerksamkeit gebraucht hätten. Ich habe irgendwie in einem Paralell-Universum gelebt, da gab es die Perle und mich. Und keine einzige Ahnung wie die Zukunft aussehen könnte.

(Doch auch wenn der Perlenpapa hier nicht so gut rüberkommt: Mittlerweile ist er ein echt anständiger und toller Papa, der sich kümmert und, vor allem, die Perle richtig doll lieb hat. Und andersrum. Das muss ja auch mal gesagt werden).

Das war meine persönliche Wochenbett Erfahrung. Eigentlich für mich eher ein Beispiel wie es nicht sein sollte und ich weiss genau, was ich nächstes Mal anders machen werde oder was auf jeden Fall anders sein sollte (bis auf ein paar Kleinigkeiten, die wirklich ganz toll und schön waren). Wenn ich meine Erlebnisse in praktische Tips für Wochenbett-Mütter verpacken müsste, dann würden die so aussehen:

  1. Verteidige diese Zeit – Dies ist eine einmalige Zeit, nie wieder wirst du soviel Zeit und soviel Aufmerksamkeit für dein Kind haben. Versuch diesen Frieden und dieses „Auf der Couch sitzen und kuscheln ist absolut das einzige was ich grad machen will und muss“-Gefühl zu geniessen. Das ist deine Zeit, Mama. Und die, deines Kindes, EURE ZEIT. Zum Kennenlernen, Kuscheln, Verbinden, Vertrauen aufbauen. Alles andere kann warten. Ihr seid die Hauptpersonen in dieser Zeit. Und auch, wenn dich dein Gewissen und vielleicht auch die ein oder andere Person im Umfeld sagt, es sei an der Zeit eine gewisse Routine einzuführen: Dafür gibt es noch genug Gelegenheit. Die nächsten Jahre werden von bestimmten Routinen bestimmt sein und das stellt sich irgendwann ein. Jetzt kannst du mit deinem Kind noch in den Tag hineinleben, also tut das auch.
  2. Mach was dir gefällt – einerseits ist das schon im ersten Punkt, aber nicht ganz. Denn wenn es einem auf der Couch mal langweilig wird, dann schleciht sich schnell das schlechte Gewissen bei der mama ein. „Das sollte mir doch jetzt reichen.“ oder „einer guten Mutter wird mit ihrem Baby nie langweilig“…das ist Quatsch. Nach einem ganzen tag Babygrimassen gucken und die Geräusche des kleinen Menschleins nachmachen ist auch einfach mal Zeit für ein gepflegtes Erwachsenen-Gespräch. Da geht es in der ersten Zeit wahrscheinlich eh nur um das kleine Wesen (und das ist auch OK). Aber ein wenig Erwachsenen-Input ist wichtig und richtig. Oder wenn es dich nach Draussen zieht: Dann geh raus. Dein Bauchgefühl sagt dir was richtig ist. Frische Luft, neue Geräusche und Eindrücke. Das kann sehr gut für den neuen Erdbewohner sein.
  3. Manchmal einfach die Ohren auf Durchzug stellen – Als Mutter, besonders als ganz frische, bekommt man gut gemeinte Ratschläge im Überfluss. Oft und gern natürlich ungefragt. Man muss sich da schon ein ziemlich dickes Fell anschaffen um nicht irgendwann am Selbstzweifel zu ersticken. Besonders, weil diese Ratschläge auch total gegensätzlich sein können. Ich habe gelernt, dass Vorsätze da nicht so wirklich helfen (dass, was man vor der Geburt dachte – besonders beim ersten Kind – klappt hinterher wirklich nicht immer) aber zuhören und dann selbst auswägen ob das für einen, selber und als Familie, passen würde. Und dann keine Angst haben zu sagen „danke, aber wir machen/versuchen/denken so“.
  4. Vergiss dich nicht – Während sich in der Anfangszeit alles um das kleine, hilflose Wesen dreht ist es ganz wichtig, dass man sich selber als Mama nicht vergisst. Duschen, essen, TRINKEN. Das hat nichts mit Egoismus zu tun und es zu weit hinten anzustellen hat auch nichts mit gutem Mutter-Sein zu tun. Dein Kind braucht dich – stark, gesund, und in-sich-ruhend. Nimm die Rückbildung ernst, investiere in ein gutes Körperöl, gib das Kleine Mal dem Papa um dich in die Wanne zu legen. Und mach das alles ohne schlechtes Gewissen!

Und so werde ich hoffentlich beim nächsten Mal irgendwann auch verfahren können…und ich werde die Zeit des Wochenbetts auf jeden Fall ernster nehmen. Es ist eben eine ganz spezielle Zeit und die sollte magisch, ruhig, und wunderbar sein!

Wie schon gesagt, dieser Eintrag ist Teil einer Blogparade und auf dem Hebammenblog könnt ihr noch weitere Berichte finden!

13 thoughts on “Das Wochenbett in der Perlenwelt

  1. Als Vater einige Erinnerungen an die Wochenbettphase des ersten Kindes.
    Im Krankenhaus: Die Geschwindigkeit mit der die Schwestern die Kinder wickeln konnten war mir noch plausibel, da sie es jeden Tag machen, aber dass die anderen Väter (es war im Gegensatz zu mir nicht deren erstes Kind) auch so schnell waren hat mich sehr erstaunt
    Erster Tag zu Hause: Obwohl wir zu zweit waren und es unser erstes Kind war, waren wir hoffnungslos überfordert. Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie ich eine bestellte Pizza abgeholt habe (wir kamen natürlich nicht zum Kochen) und ich mir sicher war, dass wir uns definitiv übernommen haben (löst heute noch große Heiterkeit aus)
    Kinder sind zäh: Was haben wir uns verrückt gemacht, dass es zu warm, zu kalt, zu laut, zu leise, etc. sein könnte. Völlig übertrieben.

    Ich kann wirklich jedem nur zu Gelassenheit raten. Man sollte sich anschauen wie Eltern mit ihren Neugeborenen umgehen, die nicht das erste Kind sind.

    1. Ja, die hohen Erwartungen, aber auch die eigene Unsicherheit können einiges von der Magie der ersten Wochen wegnehmen…und beim zweiten, wenn man es dann besser wissen würde, dann hat man halt noch nen anderes Kind, welches es nicht so toll finden würde wenn man ein paar Wochen lang nur auf der Couch liegen würde…:D

      Ich glaube, dass nur die Erfahrung hier helfen kann, Ratschläge helfen kaum…aber vielleicht solche Erfahrungsberichte…Wer weiss?

  2. Dankeschön für diesen tollen Bericht! Ich war im Geiste dabei, als ihr gekuschelt habt. Und ich bin wohl eine gute Tante, die gut mit Kindern kann. Selbst Mama werde ich aber nie. Das weiß ich sehr genau. Steht nicht auf meinem Lebensplan. Aber nichtsdestotrotz bin ich für Frauen und ihre Kinder da, falls das je notwendig ist. Einfach weil ich es kann 🙂

    Liebe Grüße an die kleine und große Perle

  3. Ui ganz toller Bericht. Das hat mich 11 Jahre zurückversetzt als Damals meine Frau unsere Zwillinge zur Welt gebracht hatte. Da war leider nix mit kuscheln und so. Das war eine harte Zeit. 31. Woche super.super.super klein und fast so zerbrechlich. Danke toller Bericht!

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