Kleine Prinzessinnen – Oh Graus oder Okay?

prinzessin

My confession: I am a huge fan of BlueMilk…she is to the point, sassy, critical, fun, and the articles always add something to my life.

Ihr aktuellster Artikel „Getting your daugther through the princess stage“ hat einen Nerv bei mir getroffen. Hier interviewt sie die Autorin Rebecca Hains über kleine Mädchen und den umstrittenen Prinzessinnen-Wahn. Und ich muss sagen, mir GRAUT es vor der Pink-Tüll-Glitzer-Zeit. Und ich glaube, dass man heutzutage gar nicht mehr drum rum kommt, irgendwann kommen die kleinen aus der Kita und dann MUSS es ein Kleid sein, pink sein, prinzessinnenhaft sein. Als wir letztens im H&M waren hingen dort auch schon die Prinzessinnen-Kleider mit übertrieben grellem Pink, Glitzersteinen und meterweise Tüll…ich bin so froh, dass sich die Perle noch nicht darum kümmert und den Tigger Schlafanzug daneben noch viel aufregender findet. Aber wieso eigentlich? Wieso find ich das so ätzend?

Ich glaube weil ich auch übertreibe…“Prinzessin-sein“ hat für mich automatisch etwas passives, etwas wartendes, etwas wirkungsloses, schwaches. Und ich möchte nicht, dass sich die Perle je als solches fühlt. Aber muss es sein, dass Prinzessin-sein und diese Adjektive automatisch einhergehen? Glaubt man den traditionellen Märchen- und dadurch beliebten Disney-Prinzessinnen – ja. Rapunzel wurde eingeschlossen, Dornröschen und Schneewittchen waren im Schlaf gefangen, und Aschenputtel war schwach und wurde von anderen ausgenutzt. Alle mussten erst von ihrem Prinzen gerettet werden. Das ist nicht die Art von Vorbildern, die ich mir für die Perle wünsche. Vielleicht doch schon eher Esmeralda, Pocahontas, oder Fiona…leider in Sachen Beliebtheit bei Disney eher als B- oder C-Prinzessinnen geahndet.

Doch wie Rebecca schon im Interview sagt: Es geht darum, wie wir unseren Töchtern beibringen mit diesen medialen Einflüssen umzugehen. Es bringt nichts Prinzessin-sein zu verteufeln und als dumm darzustellen, denn die Chancen, dass unsere Töchter mit diesem Trend infiziert werden sind nun mal sehr groß. Und das Prädikat „dumm“ würde damit nur beschämend sein und (wenn die Perle so wird wie ich) wohl eher zu Trotz-Reaktionen führen. Andersrum ist es eben einfach wichtig, dass „Prinzessin-sein“ nicht als die einzige richtige Option für Mädchen verkauft wird, sondern eben als eine von vielen. Und da ist es wieder: Die Rollenbilder…und unsere Verantwortung unseren kleinen Mädchen beizubringen, dass sie sich vielleicht in einer der gesellschaftlich anerkannten Rollen wiederfinden, aber vielleicht auch nicht – und dass beides eine gute Sache ist, wenn sie aufmerksam und reflektierend und vor allem kritisch angegangen wird.

Also muss ich mich bei diesem Interview an meine eigene Nase fassen und aufhören die Augen zu verdrehen, wenn die Perle Prinzessinnen-Aufkleber von einer Geburtstagsparty mitbringt oder wenn ich Prinzessinnen-Kleider im H&M sehe…wer weiß, wohl möglich mach ich sie sogar gerade so interessant…aber auf jeden Fall gestehe ich ihnen mehr Macht und Einfluss zu als sie letztendlich verdienen…wenn ich ihnen die kleine Perle nicht mutterseelenallein aussetze.

8 thoughts on “Kleine Prinzessinnen – Oh Graus oder Okay?

  1. Und ob Du es glaubst oder nicht, irgendwann ist die Prinzessinnen Phase auch wieder vorbei und Du hast eine Tochter, die nur noch Jeans und Kapuzenpullis anzieht. Du würdest Dir wünschen, dass sie zumindest zum runden Geburtstag der Perlen-Oma mal wieder ein Kleid anzieht und Du siehst in ihrem Gesicht, dass es eine ziemlich dumme Idee ist und dass es wirklich nur der Oma zuliebe gemacht wird. Und dann wirst Du Dich wehmütig an die kleine Perle erinnern, die doch so gerne Prinzessinnen Kleider getragen hat.

  2. Es ist übrigens nicht gänzlich ausgeschlossen, dass die Prinzessinnen-Phase erst mal an ihr vorbei zieht. Ich fand im Kindergartenalter alles in rosa und lila doof. Meine Kindheitshelden waren Urmel und Jim Knopf, und am liebsten habe ich mit meinem Bruder „Wilde 13“ gespielt, stilecht mit Räuberhüten im Wald. Erst als ich 16 war, kam meine Prinzessinnenzeit, mit rosa gestrichenem Zimmer, Disneyfilmen, pinken Klamotten und rosa Krusch allerorten. (Aber auch das ging irgendwann wieder vorbei.) Ach, und gerade der letzte Prinzessinnenfilm aus dem Hause Disney – Frozen (auf deutsch „Die Eiskönigin“ oder so ähnlich) – ist völlig unrosa, mit selbstständigen Prinzessinnen, die schöne Kleider tragen und trotzdem selbst denken können. Und am Ende rettet kein Kuss des Traumprinzen, sondern Schwesternliebe.

  3. Ich war nie eine Prinzessin. Mir fehlt offenbar, das von der Journalistin Annie Lawson beschriebene, „Prinzessinnen-Gen.“ 😀 Siehe Papa Alecs Kommentar zu Jeans und Kapuzenpulli. Das war ich! Zwar kann ich mich an meine frühe Kindheit nicht erinnern, die ersten Bilder stammen vermutlich aus dem vierten, fünften Lebensjahr, aber meine Mama hat mir versichert, dass sie mich nie in rosa gesehen und gekleidet hat. Ob ich ihr glauben soll? 😀 Zumindest gibt es keine bildlichen Nachweise dafür und auch kein Video. Die zeigen mich .. anders. 😛

    Ich finde diese rosa Phase auch wenig hilfreich fürs spätere Leben. Aber das bin nur ich! Kleinen Mädchen ein Schwert in die Hand zu geben, sollte nicht die Regel sein. Auch, wenn es nur aus Holz ist. Aber was kann ich dafür, wenn ich das faszinierend fand? Ihr müsst euch das bildlich vorstellen, eine Fünfjährige mit einem für sie viel zu großen Kendo Holzschwert. Meine Mama war entsetzt, mein Papa soll leicht geschmunzelt haben.

    Vielleicht wird die Perle weniger pink, das wirst du bald erleben. Aber es wird auch an dir liegen, ihr andere und dann vielleicht „starke Mädchen und Frauen“ zu zeigen, die keine pinken Prinzessinnen sind.

    Yuki und ich, hatten uns über dieses und andere Kinderthemen schon unterhalten. Sie meinte, ich würde aus einer Tochter vermutlich die nächste Karate-Weltmeisterin machen wollen. Was die mir immer unterstellt, Frechheit! *lacht sich weg*

  4. Den Satz zum Schluss finde ich wahnsinnig schwierig. Wann gewinnen die Positionen der Eltern den Reiz des „jetzt erst recht“ – tricky business.

    Aber noch ganz allgemein: Ich finde die Kleidung ist gar nicht so ausschlaggebend wie die Betreuung der Kids.. Wenn die Kids mit Jeans und Tiggerpullover immer behandelt werden wie Prinzessinnen macht mir das mehr Sorge. Stereotype Spiele und Aktivitäten im Kindergarten sind da ja nur ein Beispiel wie Interessensmuster beeinflusst werden können…

    1. Ja, befürworten und dagegen-sein kann beides wahnsinnig riskant sein als Eltern…

      Und sicherlich hast du Recht, die Kleidung ist nicht das gefährliche, hier nahm ich sie eher symbolisch, eben weil diese Kleider von den Kleinen als so wichtig angesehen wird um sich zu „identifizieren“…aber ich meinte halt eher die passive Rolle der Prinzessinnen, die dahinter stehen…

      1. bin voll bei dir – hab die Passivität auch sofort assoziiert mit der Prinzessinen Phase 🙂

        Viel Erfolg beim Nicht-Augen-drehen nächstes Mal :p

  5. Ich glaube, Du interpretierst da viel zu viel rein. Zoe ist gerade in diesem Alter (und tobt übrigens hier gerade im Bienenkostüm rum, soviel dazu) und da gibt es eine ganz andere Sicht auf Prinzessinnen: Sie sind schön, sie leben in einem Schloss und sie können den ganzen Tag mit ihren Freundinnen spielen. Oh, und ganz wichtig: Sie haben schöne lange Haare, die sie immer problemlos kämmen können. Für ein kleines Mädchen, dessen eigene Mähne oft genug vom Spiele zerzause und schwer kämmbar ist, durchaus ein relevanter Faktor.
    Solange die Prinzessinnen-Phase nichts anderes als eine mehr oder weniger kurzzeitige Begeisterung, ist das für mich absolut in Ordnung, es sollte nur keine Lebenseinstellung daraus werden.

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