Die volle Messlatte und der hohe Teller.

Manchmal habe ich so Tage, an denen ich das Gefühl habe, dass ich nicht aus dem Quark komme…ich habe dann quasi konstant das Gefühl, dass ich doch dieses oder jenes noch tun müsste, komme aber nicht dazu oder kann mich nicht aufraffen. Und dann sitze ich abends absolut fertig auf der Couch und versuche die offenen Punkte auf der To-Do Liste zu ignorieren, weil ich einfach nicht mehr hoch komme. Dabei habe ich eigentlich, aus der Ferne betrachtet, keinen Grund dazu…gestern zum Beispiel:

  • 6:15 aufstehen, Sachen packen (was ist eigentlich aus meinem Vorsatz geworden, die Wickeltasche IMMER abends zu packen?). Die Perle, angezogen und gefüttert, zur Tagesmutter bringen, arbeiten gehen.
  • Zwischendurch Kita’s recherieren und Termine für Besichtigung und evtl. Anmeldung machen, Martinszüge recherchieren, Laternenbastelaktion mit der Kollegin planen.
  • Nach der Arbeit den frisch-ausgerollten Rasen an der neuen Wohnung giessen, fehlende Lebensmittel einkaufen, dann endlich nach Hause fahren.
  • Feststellen, dass die Perlenschuhe schon zu klein sind und „neue Perlenschuhe kaufen“ auf die to-do Liste für morgen setzen.
  • Sheperd’s Pie in den Ofen schieben, Perle baden, eben telefonieren (Freundin und neuer Vermieter), mit der Perle essen.
  • Perlenzähne putzen, Buch aussuchen, Buch vorlesen, singen, knuddeln, küssen, Licht aus.
  • Einen Brownie backen. Fotos davon machen, man könnte ja vielleicht darüber bloggen. Brownie essen…mit kalter Milch…Hmmmmm.
  • Schlachtfeld in der Küche beseitigen.
  • ENDLICH Couch. Fernsehn – hat alles schon angefangen, ich verstehe nur die Hälfte. Dann eben Laptop. Blog anfangen, merken, dass man nicht weiss worüber man schreiben soll…
  • Andere Blogs lesen, kommentieren, abwägen welche Blogparade man auch gern mitmachen würde, ärgern dass man schon beim dritten „Sieben Sachen Sonntag“-Eintrag aussetzen musste.
  • Ein wenig mit der Cousine chatten. Und mit mit einer Freundin in London.
  • Mal wieder viel zu spät (23:00) ins Bett schleppen, die Wickeltasche kann ich auch morgen früh noch eben packen…

So und dann lieg ich da im Bett und denke über all die Dinge nach, die ich eigentlich noch machen wollte. Eine Auswahl der Dinge, die mir gestern abend im Bett noch durch den Kopf schossen:

Du wolltest doch noch:

  • deine dm Lieblinge Box und Douglas Box of Beauty auspacken und wegräumen (da habe ich mich schon seit Wochen drauf gefreut)
  • Die Festival Bändchen auf die neue Kappe nähen
  • einer anderen London-Freundin antworten
  • im neuen Buch weiterlesen

Du solltest doch noch:

  • den Müll runter bringen
  • die Wäsche aus dem Keller holen und eine weisse Maschine anschmeissen
  • die Spülmaschine anstellen (und dann wirklich aufstehen um dies noch zu tun, weil die Perle sonst morgens keine Milchflasche hätte).
  • Das Bad putzen
  • die Bügelwäsche wegräumen
  • die tote Pflanze entweder einweichen oder aufgeben und wegwerfen – auf dem Fensterbrett kann sie jedenfalls nicht bleiben
  • Ablage machen
  • Fotos von Kinderklamotten machen und zum Verkauf anbieten
  • Umzugskartons weiterpacken
  • Umzug weiterplanen
  • und…und…und

Irgendwie weiss ich ja, ganz realistisch gesehen, dass ich schon ganz viel schaffe. Wirklich. Nur mit so einer Liste im Kopf fühlt sich das manchmal einfach nicht so an. Dann ärger ich mich, dass ich nicht abends um 23 Uhr noch in den Keller gehe und die Wäsche hole oder will mich selber ohrfeigen, dass ich die Werbepause von Ally McBeal nicht dafür genutzt habe.

Und was ich genau jetzt damit sagen möchte: keine Ahnung, vielleicht wollte ich mich einfach mal auskotzen. Einfach so.

Liegt es jetzt daran, dass mein Teller nicht gross genug ist oder dass ich ihn zu voll mache? Ist es die selbst viel zu hoch gelegte Messlatte? Oder ist die Höhe adäquat, aber ich jammer zuviel? Und dieser dumme kleine Miesmacherteufel auf meiner Schulter flüstert: „Andere kriegen es doch auch hin“. Und ich selber denke „an manchen Tagen krieg ICH SELBER es doch auch hin…“

Ich habe keine Ahnung. Jedenfalls muss ich heute noch Weckmann-Marken besorgen, Perlenschuhe kaufen, den Kürbis verarbeiten (Kürbiskuchen? Suppe? Auflauf? Kürbis-Möhren-Mansch-Gemüse?) sonst fault er vor sich hin, Kürbiskerne trocknen, endlich die Wäsche und den Müll versorgen. Und an sich will ich mir doch einfach nur die Perle packen und mit ihr noch in den Wald/auf den Spielplatz gehen, bei dem tollen Wetter. Mach ich das, dann meckert meine To-Do-Liste, mach ich es aber nicht, dann meckert mein Mama-Herz.

Wo, ja wo nur ist die goldene Mitte? Kann mir da mal bitte einer den Weg hinweisen? Und nach nochmaligem Durchlesen kröne ich hiermit diesen Post zur grössten Zeitverschwendung überhaupt. Und ausserdem mag ich mich so auch gar nicht leiden, also als die „guckt mal wieviel ich mache, aber ich bin trotzdem voll müde, bemitleidet mich SOFORT und sagt mir wie toll das ist, dass ich das alles schaffe“-Mutti.

Deshalb zum Abschluss ein kleines Gedicht (title pending, suggestions welcome):

„Jammer. Mecker. Proll. Und protz.

Uns geht’s doch gut, nichtsdestotrotz.“

(Perlenmama, 2013)

Naja, morgen gibt’s hoffentlich wieder einen praktischeren Post mit weniger Frust. Vielleicht über meinen absolut intergalaktischen und hyperschokoladigen Brownie? Ernsthaft, der war echt der absolute Hammer!

 

4 thoughts on “Die volle Messlatte und der hohe Teller.

  1. Ach Perlenmama, auch wenn du keinen mitleidsvollen „du schaffst doch schon so viel“-Kommentar wolltest – hiermit kriegst du ihn trotzdem, von einer, deren To-Do-Listen auch immer viel zu lang sind. Und was die Anderen angeht, die scheinbar immer alles mit Leichtigkeit schaffen: Die tun bloß so.
    Aufmunternde Grüße an dich und an deine Perle, die wirklich eine klasse Mama hat!

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